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Wie uns Geld überwacht

Heather Jones - NSA: Listening in

TL;DR

  • Digitale Finanzströme: Online sind wir nackt
  • In the name of money: Wir zahlen mit unserem guten Namen – Kreditkarten
  • Bringing it all together: Hybride Überwachung – online meets offline
  • The Future: Daten sind Ge|old

“Money makes the world go round”
“Pecunia non olet”
“Nur Bares ist Wahres”

Diese Weisheiten stimmen uns auf meine Artikelserie zum Thema Geld und Privatsphäre ein.
Geld als abstraktes Tauschmittel und äußere, vergleichbare Form von materiellem Reichtum ist ein Thema, das unsere Gesellschaft bewegt – manch einen sogar treibt.
Bemaß sich der Wert eines Unternehmens früher noch an greifbaren Werten wie Gold, Immobilien oder Rohstoffen wie Öl – so kommt heute ein neuer Rohstoff ins Geldspiel:
Daten

In den kommenden fünf Artikeln will ich daher auf den Zusammenhang zwischen Geld (in welcher Form auch immer) und unserer Privatsphäre eingehen.
Beginnen werde ich heute mit der Tatsache, dass Geld uns überwachen kann.
Im folgenden Artikel betrachte ich neue Gefahrenpotenziale durch Funktechnologien in diversen Geldkarten.
Anschließend werfe ich einen Blick auf Online-Banking in seinen unterschiedlichen Ausprägungen.
Einen Schwenk zu den schwer überwachbaren Alternativen zu elektronischen Finanztransaktionen mache ich im darauf folgenden Artikel.
Den Abschluss der Reihe bildet ein Ausblick auf neue Geldformen und ihren Einsatz.

Aber beginnen wir zunächst mit den Überwachungsmöglichkeiten, die Geld bietet.

Online sind wir nackt

Bringe ich es doch einfach gleich auf den Punkt:
Unsere elektronisch ausgeführten Finanztransaktionen werden von der NSA gelesen.
Weltweit.
Fast alle.
Für diese Geldschnüffelei betreibt die NSA laut Edward Snowden sogar eine eigene Abteilung: Follow the Money.
Die Erkenntnisse aus dieser globalen Überwachungsaktion fließen in die NSA-eigene Finanzdatenbank Tracfin.
Bereits 2011 umfasste diese Datenbank ungefähr 180 Millionen Datensätze (und davon waren etwa 84% Kreditkartendaten).
Aber es ist ja alles “for the greater good”.

Ich bin immer wieder fassungslos, mit welch bescheuerten Argumenten der größte Überwachungsirrsinn immer wieder gerechtfertigt wird.
Mir gibt es ein schlechtes Gefühl, wenn ich weiß, dass alle meine Finanztransaktionen gesammelt und bewertet werden.
Ich halte es für entsetzlich, dass wir alle unter Generalverdacht stehen, wenn wir online etwas einkaufen. Oder noch schlimmer: bar bezahlen :)
Es geht verdammt noch mal niemanden etwas an, was ich mir für mein hart verdientes Geld beschaffe.
Und kommt mir bloß nicht mit der Argumentation, dass die Daten ja nur bei der NSA liegen.
Wie Edward Snowden 2013 gezeigt hat, ist es durchaus möglich, auch aus diesem Geheimclub Arme voll Daten rauszutragen.
Warum sollte das nicht auch einem Datenhändler, Cyber-Kriminellen oder sonstigem Schmutzbuckel gelingen?
Dann nämlich stehen wir noch ein wenig nackter im digitalen Wind der Online-Erpressbarkeit.

Wir zahlen mit unserem guten Namen – Kreditkarten

Kommt jetzt bitte nicht auf die Idee, eure Kreditkarten-gestützten Käufe offline zu tätigen, um euren guten Namen zu retten.
Das wird uns leider nicht retten.
Bloß weil wir unsere Daten offline zur Verfügung stellen, heißt das nicht, dass diese Daten nicht trotzdem in der Tracfin-Datenbank landen.
Mittlerweile werden spätestens am Kreditkartenterminal unsere Daten elektronisch weiterverarbeitet und landen dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Follow the Money.
Damit sichergestellt werden kann, dass wir wirklich nur Gummibärchen online ordern und kein Hexamethylentriperoxiddiamin für unseren nächsten Sprengkörper kaufen wollen.
Puh, wirklich, als ob ich sowas kaufen würde.
Online.
Das hole ich mir schließlich bei meinem vertrauenswürdigen Schwarzhändler um die Ecke.

Dass Kreditkarten eine vertrauenswürdige und sichere Form der Bezahlung seien ist eine Illusion.
Das sollte sich inzwischen überall herumgesprochen haben.
Immer wieder decken Sicherheitsforscher, unter anderem Brian Krebs, Kreditkartendiebstähle in ungeheurem Umfang auf.
Es ist pure Bequemlichkeit, die Kreditkarte zu zücken, anstatt das Bargeld aus der Geldbörse heraus zu zählen.
Zugegeben, es gibt einige Dienstleistungen, da wird eine Kreditkarte zwingend vorausgesetzt.
Mir fallen da Autovermietungen oder Hotelreservierungen mit garantierten Zimmern ein.
Naja, seufz, legen wir uns für diese Zwecke eine Kreditkarte mit geringem Limit zu – dann ist der finanzielle Schaden wenigstens eng begrenzt.
Unsere Daten und unsere finanziellen Bewegsdaten sind wir dann allerdings immer noch los.

Hybride Überwachung – online meets offline

Seit kurzem ist die auch die Argumentation
“Aber mit Kreditkarten werden wir ja nur online, respektive offline, überwacht”
dahin.
Zuerst Google und jetzt auch Facebook haben eine Möglichkeit für ihre werbetreibenden Datenkrakenkunden geschaffen, Einkäufe, die offline durch Kreditkarten bezahlt werden, jetzt auch online weiter zur Komplettierung von Profilen heranzuzuiehen.
Schöne neue hybride Überwachungswelt.
Damit wird die Kreditkarte neben dem Smartphone zur nächsten Überwachungswanze, die wir freiwillig mit uns herumtragen.
Das perfide bei der Überwachung unserer Kreditkartenzahlungen, die wir offline durchführen, ist, dass wir hier gar nicht die Möglichkeit haben, dieser Überwachung zu widersprechen.
Im Online-Bereich sprechen wir von zwei Möglichkeiten der Zustimmung zu Diensten, in die wir einwilligen.
Es gibt die datenschutztechnisch positive Sichtweise des Opt-In.
Dies bedeutet, ich muss mich aktiv für die Nutzung eines Dienstes oder einer Dienstleistung entscheiden.
Erst wenn ich zugestimmt habe, fließen meine Daten in Richtung eines Datensammlers ab.
Die negative, aber in der breiten Masse der Angebote gängigere Variante ist die des Opt-Out.
Hier bin ich als Standard bereits in der Situation, dass meine Daten abgezogen werden.
Erst wenn ich mich aktiv gegen diese Weiterverarbeitung entscheide, kann ich aus diesem System aussteigen.
Da diese Möglichkeit zum einen eine aktive Handlung eines Dienstleistungsnehmers erfordert – und weil die Möglichkeit zum Opt-Out oft nur sehr schwierig zu finden ist – nehmen viele Nutzer diese Möglichkeit gar nicht erst wahr.

Und bei der Kreditkartennutzung im Offline-Bereich ist uns oft schlicht keine Möglichkeit gegeben, uns gegen die Weiterverarbeitung der von uns gesammelten Kreditkartendaten durch Facebook, Google und andere wehren zu können.

Daten sind Ge|old

Letztendlich sind Daten Geld.
Nur leider nicht unseres.
Wir sind nur die Geldquelle, die Datenmine, aus der die Datensammler und -händler fleißig schürfen.
Wir werden weder gerecht entlohnt für die Daten – also das Geld – welche wir den Datenkraken zur weiteren Veredelung und zum Handel geben.
Noch erfahren wir den (Geld-)Wert, den unsere Daten haben.
Durch diese Wissensasymmetrie sind wir als Datenlieferanten gegenüber den Datenhändlern in einer massiv schwächeren Position.
Wenn ich nicht weiß, über welche Werte ich verfüge, kann ich nicht angemessen handeln.
Wir sind wie die Lenape, die Manhattan 1626 an Peter Minuit für 60 Gulden verkauft haben.
Lernen wir den Wert unserer Daten schätzen!
Unsere Daten sind unser Gold.
Daten sind bereits Teil einer neuen Währung – achten wir darauf, dass wir nicht das Manhattan unserer digitalen Identität für eine Handvoll Glasperlen an die digitalen Imperialisten verschleudern.
Lernen wir, unser digitales Manhattan zu schützen und zu verteidigen.
Es ist das Kernland unseres digitalen Ichs.
Es geht um unsere Freiheit.

Fragen? Anmerkungen?

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Wie weit will ich gehen?

Zum Abschluss meiner Off-the-Grid-Reihe beschäftige ich mich heute mit dem – mehr oder minder hypothetischen – Gedanken “Wie weit will ich gehen?“.

Anders gefragt, wie weit Off-the-Grid will ich stehen – und ist dies in unserer Gesellschaft überhaupt möglich. Oder muss ich mir dann irgendwo in Zentral-Kanada eine Blockhütte bauen? (ach, Zentral-Kanada geht ja auch nicht – die sind ja eines der Five Eyes)

Also gut – theoretisiere ich mal los.

Leben ohne SIM?

Diese Überschrift übernehme ich ganz frech von Michael Schommer und Thomas Renger von No-Spy, wo ich auf der letzten No-Spy-Konferenz einen anstiftenden Vortrag mit genau diesem Thema gehört habe.
Danke nochmals dafür!
Ja geht es denn in unserer durchgetakteten und vollvernetzten Gesellschaft überhaupt noch ohne SIM?
Ja – es geht.
Ich praktiziere dies jedes Wochenende und es geht prima!
Wie Michael und Thomas in ihrem Vortrag gezeigt haben, geht es auch ganz gut anderntags.
Moderne Smartphones lassen sich ohne SIM betreiben.
Es setzt ein bisschen mehr Planung voraus – wo ist die nächste Freifunk-Zelle, an der ich mich über ein offenes WLAN verbinden kann – aber es geht.
Nun, damit entgehen wir – ein wenig – der Vorratsdatenspeicherung und der Funkzellenauswertung.
Ist ja schon mal was.
Aber wie geht’s weiter?

Pecunia non olet – Geld stinkt nicht

Da hat er immer noch recht, der Kaiser Vespasian.
Nutzen wir doch wieder Bargeld, dann entgehen wir den Überwachungen der Finanztransaktionen.
Die NSA, ich erwähnte es bereits, überwacht weltweit Finanztransaktionen.
Nicht nur Kreditkarten-Transaktionen, die weitgehend über die USA abgewickelt werden, sondern auch Banken und deren internationalen Zahlungsverkehr.
Also fallen wohl weitgehend elektronische Bankgeschäfte weg.
Naja, hoffen wir auf Bitcoin.
Oder wir gehen zurück zum Naturaltausch.
Ist dann sowieso einfacher in unserer Blockhütte auf Island.

Jeder ist ein Star

Könnte man meinen, wenn man durch deutsche Innenstädte geht.
Zumindest dann, wenn man sich, sobald man vor einer Kamera steht, als Star bezeichnet.
Die Kameraüberwachung von staatlicher und auch privater Seite nimmt bei uns konstant zu.
So können wir uns den Stand der Dinge schön vor Augen führen (es geht ja schließlich um Videoüberwachung ;) ), wenn wir uns das Projekt Surveillance under Surveillance anschauen.
Hier werden schön übersichtlich (auf einer auf OpenStreetMap basierenden Karte) die Standorte und weitere Detailinformationen von Überwachungskameras veranschaulicht.
Aber was tun dagegen?
Wir können uns ja schlecht gar nicht mehr auf die Straße wagen (geht ja schon nicht, weil wir ja auch keine Datenspuren im Internet durch ständige Online-Bestellungen hinterlassen wollen…ach, Dilemma…).
In der fantastischen Austellung Global Censorship And Control im ZKM in Karlsruhe waren einige Ideen zu diesem Thema gesammelt.
Hilfreich ist da möglicherweise die Facial Weaponization von Zach Blas.

Smarten down your life

Der zunehmenden versmartung unseres Lebens können wir dann auch keine Folge leisten wenn wir uns unter dem Radar halten wollen.

  • Smartphones tracken uns dank WLAN, Bluetooth und GPS.
  • Smart-TVs überwachen uns durch eingebaute Kameras und Mikrofone, die stets dienstwillig unser Leben ausspähen und belauschen.
  • Smartmeter kontrollieren unseren Stromverbrauch und geben ein wunderbares Profil ab, wann wir außer Haus sind – also quasi der Einbruchsmöglichkeitsmelder im eigenen Haus.
  • Smarte Heizungssteuerungen und Rauchmelder registrieren unsere sexuelle Aktivität – nicht nur im Schlafzimmer ;)
  • Smarte Matratzen kontrollieren unseren Schlaf – oder doch eher unseren Partner, wenn wir diesem nicht vertrauen?
  • Smarte Türschlösser sollen unser Heim schützen – oder doch eher dem technisch versierten Einbrecher dienlich sein?
    Denn so schlecht wie die Technik geschützt ist, kann man auch gleich den Schlüssel auf der Fußmatte liegen lassen…

Daher meine Empfehlung:
smarten down your life to smarten up your life quality.

Verkehrte Welt

Autos sind das nächste Mittel der Überwachung.
Mal abgesehen davon, dass mittlerweile schon jeder dritte Kleinwagen mit einem GPS-basierten Navigationssystem ausgestattet ist, kommen noch ganz neue Möglichkeiten der Überwachung und Bewegungsprofil-Erstellung auf uns zu.

War das cool, als wir uns mit einer Landkarte in der (Beifahrer-)Hand (und ganz ohne GPS-gesteuerte Routenempfehlung) verfahren haben und durch Umwege unsere Lebenserfahrung bereichert haben – gänzlich ungesteuert und unbeobachtet.
Zukünftig werden wir in unserer automobilen Freiheit noch weiter eingeschränkt.
Dank des von der Europäischen Union geplanten und ab 31. März 2018 in allen Neufahrzeugen verpflichtend eingebauten Notrufsystems eCall werden wir alle noch ein wenig mehr in unserer informationellen Selbstbestimmung eingeschränkt.

Ja, das System wird sicherlich Leben retten, weil Rettungskräfte schneller am Unfallort sein können.
Aber dies ist keine Begründung für eine individualverkehrstechnische Vollüberwachung.

Ich finde, wir haben das Recht darauf unüberwacht am Verkehrsgeschehen teilzunehem.
Es ist einfach ein krasser Eingriff in die Selbstbestimmung meines Lebens – was meine informationelle Selbstbestimmung mit einschließt.
Immerhin gibt es dafür ja noch eine Lösung:
Holen wir uns halt einen Gebrauchtwagen, der noch nicht mit eCall ausgestattet ist.
Sind ja eh viel schöner, diese alten Autos.

Das Ende?

Keines Falls!
Einen Vollausstieg kriegen wir in unserer Gesellschaft nicht hin – es sei denn, wir ziehen in unsere Blockhütte auf Island.
Aber ich glaube auch nicht, dass wir das müssen.
Die Möglichkeiten, die uns die technische Entwicklungen im Bereich Digitalisierung liefern, sind durchaus positiv – wenn wir diese kritisch begleiten.
Wir dürfen uns nur nicht von den Versprechungen der technischen Bequemlichkeiten einlullen lassen und darüber unsere Freiheit und unsere Privatsphäre opfern.
Bleiben wir wachsam.

TL;DR

  • Du SIMpel trackst mich nicht: Leben ohne SIM?
  • Nur Bares ist Wahres: Pecunia non olet
  • Die (Kamera-)Augen der Welt sind auf dich gerichtet: Jeder ist ein Star
  • Klug ist, wer selber denkt: Smarten down your life
  • Automobile Überwachung: Verkehrte Welt
  • Ab auf die Insel: Das Ende?

Und jetzt?
Kopf hoch – jetzt wissen wir, was wir tun können.
Also tun wir was!

Ein Versuch, möglichst unsichtbar zu werden

Wie können wir uns möglichst spurenlos digital in unserer Gesellschaft bewegen?
Dieser Frage will ich in diesem und den folgenden Artikeln nachgehen.
Mir ist klar – und es ist auch gar nicht mein Ziel – dass ein digitaler Ausstieg von enzensbergerscher Dimension nicht mehr möglich oder garnicht wünschenwert ist.
Aber auch ohne diesen Anspruch können wir durch einige Schritte etwas unsichbarer für die immer stärker zunehmende Überwachung werden.
Hier sind einige der Schritte, die ich bisher unternommen habe, um meinen digitalen Fußabruck zu minimieren.

Keine Kreditkarte

Eine Kreditkarte ist ein Medium der weltweiten Überwachung.
Jede Kreditkartenbuchung wird von dem für Finanztransaktionen zuständigen Zweig der NSA (Follow the Money) überwacht und in einer eigenen Datenbank für Finanztransaktionen (Tracfin) gespeichert.
Auch reichen schon wenige Zahlungen mit einer Kreditkarte, um jeden Nutzer anhand der anfallenden Metadaten wie Ort, Datum und gezahlter Preis eindeutig zu identifizieren.
Schon diese beiden Gründe reichen aus, um von Zahlungen über das Zahlungsmittel Kreditkarte abzusehen.
Aber zu diesen Überwachungs- und Profilerstellungsszenarien gesellen sich auch noch die verschiedenen und immer schwerwiegenderen Fällen von Kreditkartenbetrug.
So stellt Brian Krebs in seinem Blog neun der gängigsten Verfahren vor, wie Kreditkartendaten gestohlen und anschließend mißbräuchlich verwendet werden können.
Das große Problem bei Kreditkarten ist an dieser Stelle ihre sehr große Verbreitung einhergehend mit sehr schlechter Sicherheit in der Verwendung.
Daher mein Rat:
Hände weg von Kreditkarten – zum Schutz der Privatsphäre und auch zum Schutz vor Mißbrauch.

Möglichst viel mit Bargeld bezahlen

Wenn wir weitgehend auf Zahlungen mit Kreditkarten verzichten, dann bleiben uns im alltäglichen Zahlungsverkehr noch EC (Electronic Cash)-Karten, Tauschhandel und Bargeld.
Betrachten wir zunächst die Zahlungen mit EC-Karten.
Diese mittlerweile offiziell girocard genannten Debitkarten sind oft auch mit dem Maestro– oder V Pay-System verbunden.
Maestro ist ein Angebot von MasterCard und bei V Pay handelt es sich um ein Debitsystem von Visa.
Da diese beiden Anbieter aus den USA kommen, können wir davon ausgehen, dass die Transaktionen über diese Systeme auch in den USA durchgeführt und überwacht werden.
Auch sind Transaktion über jedes dieser Systeme (girocard, Maestro und V Pay) leicht nachzuverfolgen und können, genau wie die Metadaten bei Kreditkartenzahlungen, zur Erstellung von Profilen herangezogen werden.
Ein Trost an dieser Stelle ist jedoch: die NSA überwacht (bisher) nicht die rein europäischen Finanztransaktionen über das girocard- / Electronic Cash-Netz.
Tauschhandel ist natürlich eine fabelhafte und überwachungsfreie Alternative. Allerdings stelle ich mir die Einsatzmöglichkeiten im Alltag als eher begrenzt vor.

Bleibt uns noch Bargeld.
Ich halte die kürzlich stattgefundene Diskussion über die Abschaffung des Bargelds für eine Nebelkerze.
Zum Glück, rufe ich aus!
Jedoch sollte es uns zu denken geben, in welche Richtung die Forderung der Politik hier geht.
Denn die Abschaffung von Bargeld würde automatisch mehr Überwachung nach sich ziehen.
Es könnte dann wirklich jede Finanztransaktion von uns beobachtet werden.
Bargeld ist die letzte Form anonymer Bezahlung.
Wenn wir den Einsatz unserer EC-Karte auf die Bargeldbeschaffung am Geldautomaten beschränken, schaffen wir uns ein großes Stück Freiheit, da nun niemand gezielt überwachen kann, wie wir das so beschaffte Bargeld ausgeben.

Keine offensichtlich auf mich registrierte SIM-Karte

Ich vermeide hier mal den Begriff „anonyme“ SIM-Karte, weil das eben nicht zu erreichen ist.
Die Metadaten, wenn ich die SIM-Karte nutze (allein schon, wenn diese in einem Smart- oder Dumbphone eingesetzt wird) werden auf jeden Fall gespeichert.
Dafür sorgt aktuell zum einen die Vorratsdatenspeicherung und zum anderen einfach der Telekommunikationsanbieter.
Aber wir können unsere kreative Freiheit walten lassen, welche Daten wir bei der Aktivierung der SIM-Karte angeben.
Aktuell muss ja noch nicht der Personalausweis oder ein anderes Ausweisdokument beim Kauf einer Prepaid-Karte vorgelegt werden.
Dies wird jedoch sich im Zuge der Antiterror-Gesetze unserer Bundesregierung demnächst ändern.
Daher mein Hinweis an dieser Stelle:
Kauft euch noch schnell einen Satz Prepaid-Karten, noch muss sich dafür nicht ausweisen!
Wir sollten dann auch noch darauf achten, dass wir die Prepaid-Karte in einem anderen Smart- oder Dumbphone aktivieren, als in dem Gerät, welches wir zukünftig nutzen wollen.
Die IMEI (International Mobile Station Equipment Identity), die 15-stellige eindeutige Seriennummer des Mobilfunkgeräts wird bei der Aktivierung zusammen mit der aktuellen Funkzelle dauerhaft gespeichert.
Mit dieser Datenkombination sind wir damit wieder ein Stück mehr eindeutig identifzierbar.
Zusätzlich sollten wir auch darauf achten, dass wir unsere neue Prepaid-Karte das erste Mal außerhalb unserer heiligen Hallen aktivieren, damit wir hier eine Zuordnung mit unserem Wohnort vermeiden.

Hinfort, Kundenkarten!

Einen großen Schritt weg vom Raster können wir dadurch gehen, dass wir unsere sämtlichen Kundenkarten wie Payback, DeutschlandCard und sonstigem Überwachungs-Irrsinn in Punkten den Laufpass geben!
Die Datensammelkarten gewähren sowieso nur minimale Rabatte von 0,5 bis maximal 3 Prozent wie die Verbraucherzentrale ermittelt hat.
Und dafür sind die Daten, die wir an dieser preisgeben einfach zu wertvoll.
Neben der Überwachung, die durch die Datensammlung stattfindet und welche hauptsächlich dazu dient, ein Profil über uns zu erstellen, ist die Manipulation die aufgrund der ermittelten Profile stattfindet, das abschreckendste Argument für mich, um keine solche Karte einzusetzen.

Öfter mal Sonnenbrille und Hut tragen

Immer stärker setzt sich die Überwachung durch Videokameras im öffentlichen Bereich durch.
Natürlich nur „zu unserer Sicherheit“, so das Narrativ der Überwacher.
Dass durch Überwachung keine Sicherheit entsteht sollte uns seit Stasi, Gestapo und NSA eigentlich klar sein.
Durch Überwachung ensteht Kontrolle durch Angst.

Deshalb, wehren wir uns!
Die Videokameras werden zwar immer besser und mittlerweile können Menschen anhand ihrer Tattoos, „abnormalem Verhalten“ (wozu auch „auf-dem-Boden-sitzen“ gehört) und ihrer Gangart identifiziert werden.
Aber eine große Sonnenbrille und ein Hut, der das Gesicht verbirgt hilft immer noch eine ganze Menge gegen Gesichtserkennung.

Weniger on ist mehr off

Wenn wir beginnen unsere unsozialen Medien einzuschränken gewinnen sehr viel:

  • mehr Zeit
  • mehr wirkliche soziale Kontakte
  • mehr Einblick in unser Leben

Natürlich geben wir auch etwas ab:

  • Kontrolle über unsere Tätigkeiten, die bisher bis ins Detail durch unsere Teilnahme an unsozialen Plattformen verfolgt wurde
  • Die Möglichkeit uns über unsere „Freunde“ zu manipulieren
  • Eine große Möglichkeit uns zu überwachen

Auch wieder mehr regional offline einkaufen hilft an dieser Stelle.
Denn jeder Einkauf in einem Online-Shop trägt dazu bei, dass ein weiteres Puzzleteil der zunehmenden Überwachung unseres Lebens in das über uns erstellte Profil eingesetzt wird.
Daher bedeutet jedes weniger online sein ein Stück mehr off-the-grid sein – also runter vom Schirm der Überwacher und Datenkraken.

Wir selbst haben es im Griff, ob wir vollständig, rund um die Uhr überwacht werden wollen, oder nicht.
Wir brauchen nicht vollkommen und enzensbergerisch aus der digitalen Welt aussteigen. Aber wenn wir wissen wie wir überwacht werden, können wir lernen was wir dagegen tun können.

Ich kann euch dabei helfen.

TL;DR

  • Kein Kredit – keine Überwachung: vergiss die Kreditkarten
  • Nur Bares ist wahres: zahl öfter anonym mit Bargeld
  • Prepaid-Karten – Kosten- und Überwachungskontrolle: pseudonyme SIM-Karte
  • Payback ist ein Werk des Teufels: Hinfort, Kundenkarte!
  • Stock und Hut, stehn ihm gut: Trag öfter Sonnenbrille und Hut gegen Gesichtserkennung
  • Einfach reduzieren: Weniger on ist mehr off

Und jetzt?
Befreiter Leben durch bewussteres Handeln.

Ich weiß wo du warst, wo du bist und wo du sein wirst – Bewegungsprofile

Bewegungsprofile, diese sind wohl die ersichtlichste Form der Überwachung, die wir erfahren.
Dies liegt zum einen daran, dass wir diese Art der Profilbildung auch am besten in der realen Welt erleben können.
Wir sehen immer mehr und immer häufiger Überwachungskameras.
Im öffentlichen Personennahverkehr wurde jüngst eine flächendeckende Videoüberwachung von den Verkehrsministern gefordert.

Immer mehr Geschäfte und private Gebäude stehen unter dem „Schutz“ von Überwachungskameras.

Heute werfe ich einen Blick darauf, wie Bewegungsprofile erstellt werden und auch aus welcher Motivation heraus.

Bewegungsprofil, ganz SIMpel

Unsere Lieblingswanze tragen wir ja freiwillig nahezu ständig mit uns spazieren: unser Smartphone, respektive Handy.
Und damit haben wir auch gleich die umfassendste Möglichkeit zur Überwachung unserer physischen Bewegungen in der realen Welt parat.

Die SIM-Karten (Subscriber Identity Module, Teilnehmer Identitätsmodul) in unseren Handys und Smartphones identifizieren uns als Nutzer eindeutig.

Nach der letzten, dem Terrorschutz geschuldeten, Überwachungsverschärfung durch unsere Regierung sind wir jetzt ja auch beim Kauf einer Prepaid-Karte zur ausweislichen Registrierung verpflichtet.

Diese SIM-Karte bucht sich regelmäßig in die jeweils stärkste Funkzelle ein, in deren Senderadius wir uns befinden.
Und damit wird ein (bei 99% Prozent Netzabdeckung in Deutschland) nahezu lückenloses Profil unserer Bewegungen erstellt.
Ganz SIMpel eben.
Diese Daten werden, dem Schutz vor Terrorismus seis gedankt, für 10 Wochen bei den Telekommunikationsanbietern gespeichert.
Unsere Regierung weiß schon wofür das gut ist.
Sonst weiß es nämlich niemand – ganz im Gegenteil, denn es gibt klare Belege dafür, dass die ganze Vorratsdatenspeicherungsangelegenheit gänzlich untauglich für den Schutz vor Terror oder ähnlichen Unwägbarkeiten ist.

Freiwillige Selbstüberwachung

Meiner Ansicht nach sind jedoch wir selbst noch viel stärker für unsere eigene Bewegungsprofil-Erzeugung verantwortlich.

Können wir der Funkzellenüberwachung kaum entgehen, wenn wir davon ausgehen, dass wir ein Mobilfunkgerät – es wird halt tatsächlich meist, wie der Name schon verrät, mobil verwendet – mobil verwenden.
So können wir doch bei anderen Formen des Bewegungs-Profilings freiwillig entscheiden, ob wir dies wollen.

So ist es beispielsweise den Nutzern von Fitness-Trackern freigestellt, ob sie diese ihre Daten aufzeichnen wollen lassen oder nicht.
Gut, an dieser Stelle lässt sich trefflich darüber streiten, ob ich dann einen Fitness-Tracker verwenden will, wenn ich nicht tracken will.
Aber mir geht es heute um Bewegungsprofile und da stellt sich einfach die Frage, ob ich für meine Fitness aufzeichnen muss wo ich meiner Fitness gefrönt habe.

Weiterhin wird es natürlich schwierig, sich dieser Form der Überwachung zu entziehen, wenn die Bewegung in der physischen Welt gerade der Sinn und Zweck der Anwendung ist.
So sehen wir dies zum Beispiel bei Navigationsgeräten.

Wenn wir jetzt noch die Überwachungspotentiale von SIM-Karten und freiwillig bewegten Datenpunkten wie Navigationsdaten kombinieren, erhalten wir eine ganz brisante Mischung.
Wir sehen diese Wechselwirkung aktuell bei modernen Autos.
Ich nehme exemplarisch BWM.

Ein BWM verfügt über – aufgrund der neuen eCall-Funktionalität zur schnellen Benachrichtigung von Rettungskräften im Falle eines Unfalls – fest verbaute SIM-Karten.
Dass diese standardmäßige Überwachung durchaus nicht gewünscht ist, zeigt die Vorgehensweise der nordrhein-westfälischen Polizei, welche diese SIM-Karte deaktivieren ließ.
Aber hat der normale Bürger auch diese Möglichkeit?
Fraglich.

Und diese – wir haben es im vorherigen Abschnitt besprochen – erzeugen schon von sich aus ein umfassendes Bewegungsprofils des Fahrzeugs.
Tests hinsichtlich des Datenhungers moderner Automobile haben zusätzlich zutage gefördert, welche Daten ein Fahrzeug – und damit zwangsläufig auch der Fahrer – so von sich preis gibt.

Dabei, so hat der Test gezeigt, ist ein modernes Fahrzeug schon sehr redselig. Verfügt dieses auch noch über ein Navigationssystem, so wird das Bewegungsprofil GPS-gestützt noch um ein vielfaches genauer, als bei bloßer Funkzellenüberwachung durch die verbauten SIM-Karten.

Der Ruf nach mehr Sicherheit

Um Überwachung zu rechtfertigen wird immer wieder, hartnäckig und fast mit Schallgeschwindigkeit der Ruf:
Aber das ist doch für die Sicherheit!
laut.
Ich möchte an dieser Stelle kurz begründen, warum dies eine vollkommen verquere und unschlüssige Argumentation ist.

  • Überwachung schafft keine Sicherheit.
    Überwachung ist eine Maßnahme der Kontrolle.
    Durch Kontrolle entsteht jedoch keine höhere Sicherheit, denn wir können lediglich durch Überwachung feststellen, dass etwas passiert ist, dies aber keinesfalls im Vorhinein verhindern.
  • Überwachung schafft Angst.
    Wer überwacht wird und sich dieser Überwachung bewusst ist, ändert sein Verhalten.
    Diese Verhaltensänderung ist der chilling effect.
    Es ist eine erwiesene psychologische Tatsache, dass Menschen, die sich tatsächlicher – oder auch nur vermeintlicher – Überwachung ausgesetzt sehen, von ihren authentischen Verhaltensmustern abweichen und stattdessen in ein dem überwachenden System konformes Verhalten fallen.
    Und gerade bei Bewegungen im öffentlichen Raum ist es kaum vermeidbar, dass uns die Überwachungsmaßnahmen auffallen.
    Mittlerweile kann man in deutschen Innenstädten keine zehn Meter mehr zurücklegen, ohne von einer Überwachungskamera erfasst zu werden.
    Teilweise wird dieser Effekt auch gezielt eingesetzt.
    Gibt es doch mittlerweile Kfz-Versicherungs-Tarife, welche einen dynamischen Tarif anbieten, der aufgrund einer Black-Box im Auto das Fahrverhalten registriert.
    Ich bin überzeugt davon, dass schon allein die Kenntnis dieser Überwachungsmaßnahme dazu führt, dass der Fahrer eines in dieser Form überwachten Fahrzeugs regelkonformer und defensiver fährt.
  • Überwachung ist ein Mittel totalitärer Regime.
    Wir haben aus der Geschichte (besonders aus unserer deutschen Geschichte) gelernt, dass Überwachung von totalitären Regimen zur Unterdrückung eingesetzt wird.
    Und auch heutzutage kritisieren wir ganz klar und deutlich das überwachende Vorgehen in Staaten wie China und Russland.
    Aber sind westliche Demokratien an dieser Stelle besser?
    Eine Welle der Empörung würde losbrechen, würde ich hier sagen, dass die USA, Großbritannien oder Deutschland totalitäre Regime seien.
    Aber werfen wir einen kurzen Seitenblick auf Behörden wie die NSA, GCHQ und den BND.
    Diese staatlichen Behörden haben mit Operationen wie PRISM, TEMPORA oder der Operation Eikonal durchaus das Potential, um als totalitär zu gelten.

Was können wir dagegen tun?

Nachdem ich jetzt viel darüber gesprochen habe, wie wir überwacht werden und auf welche Weise aus diesen Überwachungsdaten Bewegungsprofile von uns erzeugt werden, ist jetzt an der Zeit, Ideen zu geben, was wir unternehmen können.

  • Lasst öfter mal euer Handy oder Smartphone zu Hause.
    Habt ihr kein Handy – oder genauer keine SIM-Karte – bei euch, können auch keine Funkzellendaten von euch (bzw. eurem Handy) erfasst werden.
  • Tragt große Sonnenbrillen und Hüte.
    Ja klar, werdet ihr sagen, der Paranoiker wieder.
    Es ist aktuell so, dass die Überwachungskameras euch zwar erfassen, die Gesichtserkennung dahinter jedoch noch Schwierigkeiten hat, euch zu erkennen, wenn ihr Sonnenbrillen und Schirmmützen tragt, die euer Gesicht verbergen.
    Und schon wieder haben wir der Erzeugung eines Bewegungsprofils von uns ein Schnippchen geschlagen.
  • Kauft euch einen Oldtimer.
    Also es muss jetzt kein Aston Martin von 1969 sein (obwohl der schon schick ist!), aber eben ein Auto ohne eCall-Funktionalität.
    Wenn ihr dann noch auf ein Navi verzichtet, seid ihr auch wieder ein Stück weiter.
    …bis ihr dann in den Erfassungsbereich einer Mautbrücke geratet…Aber wie uns die Regierung ja versichert, werden die Mautdaten niemals für Ermittlungszwecke verwendet.

TL;DR

  • Überwachung mit SIM: Funkzellen verraten wo du bist
  • Hier lauf ich! – Freiwillige Selbstüberwachung
  • Sicherheit im Tausch gegen Freiheit: Der Sicherheitsmythos
  • Das kann ich tun: Tipps zur Profilreduzierung

Und jetzt?
Sonnenbrille auf, raus in die Freiburger Altstadt und einen Überwachungsslalom gehen!

Wir überwachen uns – weil wir die Mittel dazu haben!

Heute spreche ich über einen weiteren Überwacher unserer Daten:
Wir uns gegenseitig und auch selbst.
Möglicherweise sind wir uns an dieser Stelle selbst der größte Feind.
Frei nach Thomas Hobbes
Homo homini lupus.
ist der Mensch nicht des Menschen Wolf aber doch sein bester Überwacher.

Was uns als Überwacher meiner Ansicht nach gefährlicher macht als Geheimdienste und kommerziell orientierte Unternehmen, ist die Ziellosigkeit mit der wir selbst Überwachung betreiben.
Wir selbst überwachen aus so vielen unterschiedlichen Gründen heraus:

  • reine Neugier, was “meine Freunde” so treiben
  • Kontrollsucht, weil ich wissen will, was mein Partner, Hund, Katze, Maus wann und wo denn gerade macht
  • Angst (ein ganz schlechter Ratgeber!), weil ich doch wissen will, welche dunklen Gestalten sich um mich herumtreiben
  • Selbstverbesserung durch Selbstvermessung

Da wo die anderen Überwachungsspielpartner ein dediziertes Ziel haben, sind es bei uns gleich mehrere Hände voll.
Und dafür bekommen wir auch mehrere Überwachungswerkzeuge in die Hand gelegt, um unsere Neugier/Angst/Kontrollsucht zu bedienen.

Denn eines ist mir ganz klar:
Was wir niemals mit unserem Überwachungsirrsinn besänftigen können ist unsere Neugier, Angst und Kontrollsucht.
Diese werden dadurch nur stärker werden.

Freiwillig gegeben – unfreiwillig gefunden

Was wir hier mit unseren Daten geschieht, die wir bei Facebook abgeben und die später – mit geringem Aufwand – wieder von vielen gefunden werden können, klingt für mich ein wenig wie bei Harry Potter:
Flesh – of the servant – willingly given…
Blood of the enemy…forcibly taken…
Unsere Daten, die wir freiwillig hergeben, können uns – dank Graph Search – gewaltsam genommen werden.

Klingt martialisch, ist aber möglicherweise in der Auswirkung ähnlich drastisch.
Denn Daten, die wir bei Facebook abgeben, können durch geschickte Suchen mit der facebook-eigenen Suchfunktion “Graph Search” leicht gefunden werden – selbst wenn wir diese Daten als privat wähnten.

Ein kleiner Test, den Zeit Online durchgeführt hat, fördert zutage, was eigentlich hätte verborgen bleiben sollen:
Altlasten tauchen auf, es ergibt sich ein umfassenderes Bild über uns, welches wir möglicherweise gar nicht abgeben wollten.
Auch die Electronic Frontier Foundation weist auf die datenschutzrechtlich bedenklich Situation der Graph Search hin.
Durch die Graph Search lassen sich leicht Daten von unterschiedlichen Nutzerprofilen korrelieren und dadurch einen großen Einblick in das digitale Leben der auf diese Weise überwachten “Freunde” gewinnen.
Hilfreich an dieser Stelle sind lediglich zwei Dinge:

  • Die Privatsphäreneinstellungen bei Facebook so rigoros wie nur möglich setzen – damit hat der geneigte Nutzer zumindest bis zur nächsten Anpassung der Einstellungen durch Facebook wieder mehr Ruhe.
  • Datensparsam sein: Was ich nicht hergebe das kann nicht gefunden werden.

Ich weiß, wann du online warst

Eine weitere perfide Möglichkeit der umfassenden Überwachung haben Kurznachrichtendienste wie der Facebook Messenger, WhatsApp oder auch Snapchat eingerichtet:
Lesebestätigungen.
Hier hat der überwachungswillige Nutzer die Möglichkeit, genau zu verfolgen ob – und auch wann – eine Nachricht gelesen wurde.
Eine zweifelhafte Funktionalität wie ich finde.

Natürlich können solche Funktionen ausgeschaltet werden (bei einigen Anbietern zumindest), aber finden alle Nutzer diese Möglichkeit – oder noch schlimmer:
sind sich überhaupt alle Nutzer bewußt darüber, dass sie auf diese Art und Weise überwacht werden?
Und warum ist so eine orwellsche Überwachungsfunktion überhaupt als Standard aktiv?
Sicher finden die Kurznachrichtendienstanbieter dafür salbungsvolle Begründungen – mich jedoch können diese nicht davon überzeugen, mich durch so eine Möglichkeit überwachen zu lassen.

Dorftratsch digital – Nextdoor

Nextdoor ist das Facebook für die direkte Nachbarschaft – so die Idee, kurz und bündig.
Die Idee, sich virtuell in der Nachbarschaft auszutauschen ist so naheliegend wie auch – in meinen Augen – nutzlos.
Denn warum um Himmels Willen sollte ich mich mit meinen Nachbarn virtuell austauschen, wenn meine Nachbarn doch um die Ecke oder direkt nebenan wohnen?
Wieso sollte ich online in meine Nextdoor-Gemeinschaft eine Anfrage an eine Bohrmaschine stellen, wenn ich doch bei meinem handwerklich begabten Nachbarn zwei Häuser weiter einfach persönlich nachfragen kann?

Damit ich meine Hingebung an mein Nachbarschaftsnetzwerk für alle Ewigkeit digital nachvollziehbar dokumentieren kann?
Damit ich digitalen Präsentismus auch in meinem privaten Nachbarschaftsnetzwerk ausleben kann?
Damit ich mich als “guter Nachbar” etablieren kann?

Ich weiß nicht, was Menschen dazu treibt; allerdings ist mir klar, wozu solche virtuellen Nachbarschaftsnetzwerke verkommen können:
Hetzplattformen für Bürgerwehren oder Foren für paranoiden Rassismus.

Da bleibe ich doch lieber bei dem altbewährten Tratsch mit den Nachbarn an der Haustür.

Ich seh dein Gesicht – ich weiß wer du bist

Die nächste Stufe der bürgerbewehrten Überwachung sind Tools wie Findface oder Facewatch.
Mit beiden Tools lassen sich Gesichter Nutzerprofilen in sozialen Netzwerken zuordnen.
Die russische Gesichtserkennungsanwendung hat mit einer Erkennungsrate von bis zu 70% den Weg zur Abschaffung der Anonymität in der Öffentlichkeit geebnet.

Das britische Pendant Facewatch id nimmt zwar einen anderen Weg – wir werden alle zu Informanten, um zwielichtige Elemente zu entlarven – als die russischen Kollegen, aber dort werden mit einer Schnittstelle an Geräte zur Gesichtserkennung ähnliche Albträume orwellschen Ausmaßes möglich.

Allerdings gibt es zum Glück noch einfache und wirksame Maßnahmen, um der De-Anonymisierung durch Werkzeuge wie Findface zu entgehen:

  • Der Kapuzenpullover wird quasi zum Aluhut des Anonymität-liebenden freien Menschen.
  • Die Sonnenbrille zu Zorros Maske der Freiheit.

Wie groß die Sorge um unsere Anonymität ist, wird mir klar, wenn selbst Schlangenöl-Lieferanten das Thema Zerstörung der Anonymität in ihren Blogs behandeln.

Selbstvermessen

Aber noch ist die Fahnenstange der gutbürgerlichen Überwachung nicht erreicht.
Wir können schließlich noch uns selbst überwachen, wenn sonst niemand zum überwachen mehr da ist!

Die zunehmende Verbreitung der digitalen Leistungsoptimierer, die virtuellen Sklaventreiber in Form von Fitness-Armbändern und Körperdatensammelnden “Smart”-Watches überwachen ihre Träger in noch viel verräterischer Weise.
Nicht nur machen wir uns zu Sklaven elektronischer Wichtigtuer, sondern wir verlernen auch, auf unseren Körper zu hören.

Ich weiß schon selbst, wann ich an meine Leistungsgrenzen herangehe (oder auch darüber hinaus) – dazu brauche ich kein Armband, das mich maßregelt, wenn ich es übertreibe (oder mich antreibt, wenn ich es einmal gemächlicher angehen lasse).

Schlimmer noch, wir verschleudern diese gesammelten Daten auch in eine ungewisse Datenzukunft.
Nur allzugern werden die von uns mühsam erschwitzten Daten von Krankenkassen und sonstigen Versichereren gehortet, ausgewertet – und auch verkauft.
Denn sicher sind die Daten bei den (meist) in den USA oder Asien beheimateten Anbietern dieser Fitness-Folterer keinesfalls aufgehoben.
Und selbst wenn unsere Krankenkasse uns jetzt noch einen Bonus für die Teilnahme an diesem virtuellen Gesundheitsprogramm anbietet …
… was geschieht, wenn wir dauerhaft unter den so mühsam erlaufenen oder erradelten Gesundheitswert fallen?
Wie sehr wird unser Krankenkassenbeitrag steigen, wenn unser Gesundheitsindex fällt?

TL;DR

  • Social Graph: Gesucht, was nicht gefunden werden sollte
  • Lesebestätigung: Ich weiß, wann du online warst
  • Findface/Facewatch: Face/Off für weniger Anonymität
  • Watch yourself: Selbstvermessung bis zum Daten-Infarkt

Und jetzt?
Hört auf, euch um die Belanglosigkeiten der anderen zu kümmern.
Bleibt analog und lebt entspannter.

Wir überwachen dich – weil wir doch nur dein Bestes wollen!

Nachdem ich in der letzten Woche meine Sichtweise auf staatliche Überwachung dargestellt habe, widme ich mich heute der Überwachung mit kommerziellem Hintergrund.

In diesem Überwachungsspiel geht es unseren Mitspielern nicht um unsere Sicherheit, sondern einzig und allein um unser Bestes – unsere Daten.
In dieser Spielrunde ist es nicht das Ziel, dass wir unsere Daten behalten oder gar selbst darüber bestimmen, was mit unseren Daten geschieht.
Nein, hier geht es darum, wie unsere Mitspieler an so viele unserer Daten wie möglich herankommen – möglichst ohne, dass wir das merken.

Denn auch hier gilt:
Wissen ist Macht.
Und – um Francis Bacon noch ein wenig mehr zu strapazieren – ich bin der Ansicht, dass Wissen, welches ich habe, und von dem der Datenlieferant nicht weiß, dass ich es habe, ist sogar noch mehr Macht.
Aber das klingt jetzt nicht ganz so griffig wie die prägnante Formel des britischen Philosophen.

Unternehmen Datenabzug

Was nach einer militärischen Operation klingt ist das inzwischen täglich mehrfach praktizierte und gut etablierte anwanzen von kommerziellen Unternehmen, um an unsere Daten zu kommen.
Sei es die einschläfernd langweilige Frage “Haben Sie Payback?” (wobei schon allein die fragwürdige Frageform die schiere Begeisterung der Fragenden zu diesem Thema zum Ausdruck bringt) oder die inflationär eingesetzten “Pflichtfelder” eines Anfragsformulars bei der Registrierung zum nächsten sinnlosen Dienstanbieter.

Das Ziel ist überall das gleiche: Sie wollen unsere Daten.
Sie wollen so viele wie möglich – alle, die sie kriegen können.
Sie wollen alle, die wir – mehr oder wenig – freiwillig rausrücken.
Sie nutzen dazu alle Mittel, die ihnen einfallen:

  • einschmeicheln
  • Wichtigkeit vorgaukeln
  • drohen
  • betteln

Eines haben diese Mittelchen allerdings gemeinsam:
Sie sind armselig.

Und wie einen Fixer, der uns um seinen nächsten Schuss anbettelt, so sollten wir auf die Anbiederungen der Datenkraken reagieren:
Ablehnen.
Wir sollten Mitleid mit den Datenfixern haben.
Wir sollten ihnen helfen – indem wir ihnen den nächsten Schuss verweigern.

Damit wir schneller finden, was wir gar nicht gesucht haben

Targeted Advertising – klingt für mich ein wenig so, als sei ich jetzt auf der Abschussliste für Gefährder gelandet – ist aber nicht ganz so schlimm (oder schlimmer, denn Targeted Advertising überlebe ich und ruiniere mir dadurch jedoch meine Finanzreserven).
Zielgerichtete Werbung, das ist eines der Dinge, welches kommerz-orientierte Unternehmen mit meinen Daten anfangen wollen.
Sie wollen mich besser kennenlernen, damit sie mir zukünftig die Dinge andrehen können, die ich schon immer nicht haben wollte.
Also ist werbetechnisch eigentlich alles wie bisher auch, nur mit einem Touch mehr “aber wir wissen doch, wie du tickst”.

Ob die Wirksamkeit dieser Targeted Advertising Idee tatsächlich so hoch ist, wie die Marketing-Abteilungen der diversen Internet-Giganten ihren Kunden und sich selbst glauben machen wollen, ist noch nicht bewiesen.
Ich zumindest habe seitenweise “wissenschaftliche Belege” dafür gefunden, dass es regelrecht die bisherigen Werbeformen – von Plakatwerbung über Radiowerbung bis hin zum klassischen TV-Spot – als eine Obsoleszenz des vorigen Jahrtausends darstellt.
Allerdings frage ich mich dann, warum wir eben diese Werbeformen immer noch überall sehen.

Nein, das wirklich perfide und störende an zielgerichteter, also auf uns vermeintlich zugeschnittener Werbung ist, dass sie den Eindruck vermittelt, uns persönlich anzusprechen.
Und darauf fahren wir als Menschen halt echt ab.
Das das Zeug dahinter der gleiche Müll ist, den wir noch nie brauchten – eben wie bei der klassischen Werbung – ist zweitrangig.

Eine weitere Ärgerlichkeit – und hier schlägt mir die Handlungsweise dieser Datensammelterroristen so richtig auf mein privatsphären-affines Gemüt – ist die Tatsache, dass ich durch diese verdammte Targeted Advertising-Rotze überall mittels Tracking verfolgt werde, damit ich eben noch besser persönlich angesprochen werden kann.
Denn wenn die Datenhorter noch mehr darüber wissen, wo ich mich rumtreibe, dann können sie noch besser den Eindruck von persönlich auf mich zugeschnittener Werbung vermitteln.

Wenn du aus diesem Fenster gesprungen bist,

…dann legst du dich auch hinter diesen Zug.
Ungefähr so sinnvoll sind die “Empfehlungen”, mit denen uns Amazon und ähnlich anbiedernde Händler zum Einkauf noch einer dritten Waschmaschine bringen wollen.
Wo bitte liegt denn der Sinn, mir dann, wenn ich gerade eine Waschmaschine gekauft habe, noch fünf andere Waschmaschinen anzubieten?

Dieses Beispiel aus dem wa(h)ren Leben (ok, es war ein Kühlschrank und keine Waschmaschine) zeigt, wie sinnlos das Empfehlungsverfahren aufgrund von Tracking überhaupt ist.
Eine moderne Waschmaschine (und hier bringe ich wieder das bereits verwendete, wundervolle Wort Obsoleszenz ins Spiel) hat eine Lebenserwartung von rund zehn Jahren.
Warum um Himmels Willen, will man mir, kurz nachdem ich meine Waschmaschine gekauft habe, gleich noch eine andrehen?
Das ist vollkommen hirnrissig und lässt mich rat- aber nicht hilflos dastehen.

  1. Damit man mir keine blöden Vorschläge aufgrund meiner bisherigen Suchen machen kann, lösche ich jedes mal die Cookies in meinem Browser.
  2. Ich gehe ich ein lokales Fachgeschäft meines Vertrauens, lasse mich kompetent beraten und kaufe meine Waschmaschine dort.

Don Johnston gefällt rosa Briefpapier

…Vielleicht willst auch du eine rosa Schreibmaschine kaufen.
In welcher Welt leben die Online-Händler überhaupt, wenn sie davon ausgehen, dass ich mich für ein Produkt entscheide, bloß weil der eine (oder auch 10.345 andere virtuelle) Kunden ein ähnliches Produkt gekauft haben?

Aus den von uns gesammelten Daten werden vollkommen sinnlose und realitätsferne Schlüsse gezogen, die dennoch als Anlass genommen werden, uns zu einem weiteren unnötigen Kauf zu überreden.

Ich will das nicht.
Ich bin so viel Individuum, dass ich möglichst nicht hören will, dass irgendjemand einen ähnlichen Geschmack hat wie ich.
Das ist doch total bäh!

Genug gemotzt, tun wir etwas dagegen.
In diesem Fall lautet meine Empfehlung:

Legt keine Konten bei Online-Händlern an.

  1. Wenn keine Konto-Historie von dir vorliegt kann auch kein Profil daraus gebildet werden.
  2. Ist kein Profil verfügbar kann dieses auch nicht mit verschwurbelten Pseudo-Korrelationen mit anderen Profilen verbunden werden :)

Wehrt euch!

Jetzt habe ich noch eine kleine Nachreichung zum letztwöchigen Thema staatliche Überwachung.
Kauft euch noch schnell Prepaid-SIM-Karten für eure liebgewonnenen Smartphones.
Denn laut einem geplanten neuen Anti-Terror-Gesetz unserer Bundesregierung, welches am kommenden Mittwoch, den 25. Mai im Schnellverfahren durch den Bundestag gepeitscht werden soll, soll das anonyme Kaufen einer Prepaid-Karte verboten werden.

Ein Hoch auf staatliche Überwachung!
Alles natürlich für den Terror!
Also, gegen den Terror und gegen uns natürlich.
Also für unsere Bequemlichkeit.
Also, damit wir nicht allzuviel selbst denken müssen.
Wisst schon!

TL;DR

  • Operation Datenschnorchel: Mission Datenabzug
  • Ich weiß, was du willst: Damit wir schneller kaufen was wir niemals wollten
  • Buy this, they say: Wenn du aus diesem Fenster springst…
  • Rosa Briefpapier sucht alte Schreibmaschine: Don Johnston gefällt…
  • Wehrt euch: Kauft Prepaid-SIM-Karten

Achso…und nicht die Prepaid-Karte auf eure Adresse und eure übliche E-Mail Adresse anmelden!
Wisst schon: kreative Datensparsamkeit und so ;)

Wir überwachen dich – nur zu deiner eigenen Sicherheit!

Das wir, natürlich nur zu unserer eigenen Sicherheit, überwacht werden, ist das reflexhaft herausgeblökte Argument von staatlicher Seite, wenn es um das Thema Überwachung geht.
Ich möchte an dieser Stelle einige Gedanken sammeln und vorstellen, wie denn diese Überwachung von staatlicher Seite aussieht und was diese Überwachung uns bringt – außer Ungemach und Angst.

Einen Staat, der mit der Erklärung, er wolle Straftaten verhindern,
seine Bürger ständig überwacht, kann man als Polizeistaat bezeichnen.
So äußerte sich Ernst Benda 2007 zum Thema Vorratsdatenspeicherung.
Und damit bin ich schon mittendrin.

Vorratsdatenspeicherung

Die zweite Auflage des überwachungstechnischen Versuchs anhand der massenhaften, anlasslosen Speicherung von personenbezogenen Daten aus dem Telekommunikationsbereich, um Straftaten zu verhindern oder aufzuklären.
Nun, die Neuauflage der VDS ist beschlossen, in Kraft getreten aber noch nicht vollständig umgsetzt – die Speicherpflicht ist erst bis spätestens 1. Juli 2017 zu erfüllen, daher schauen wir uns doch einmal an, wie sich die Aufklärungsquote beim ersten Versuch entwickelt hat.

Da heißt es im Sachstandsbericht des Wissenschaftlichen Dienstes über die praktischen Auswirkungen der VDS auf die Entwicklung der Aufklärungsquoten:
Die Aufklärungsquote weist keine signifikante Änderung auf.
Na, das hat sich ja dann doch mal richtig gelohnt.
Mehr Kosten, mehr Aufwand, mehr Speicherplatz, mehr Unmut und mehr Angst bei den Anwendern führt zu – exakt nichts.

Wenn ich das lese, dann habe ich doch erhebliche Zweifel, dass sich meine persönliche Sicherheit durch die Einführung der VDS erhöht hat.
Was soll überhaupt erreicht werden, wenn massenhaft, ohne Anlass, all unsere Kommunikation – entschuldigung, es sind ja nur die Verbindungsdaten, nicht die Inhalte – überwacht werden?
Schwerste Verbrechen”, also alle kriminelle Energie, die sich gegen Leib und Leben, unsere Freiheit richtet und Terror aller Art auslöst, dies alles soll die VDS helfen aufzuklären.
Das klingt doch schon mal vielversprechend.

Wenn ich jedoch Aussagen wie diese von Reinhold Gall lese:
Ich verzichte gerne auf vermeintliche Freiheitsrechte wenn wir einen Kinderschänder überführen.”, dann wird mir ganz, ganz anders.
Da sehe ich mal wirklich schwarz für unsere Freiheit, wenn die Verhältnismäßigkeit so sehr eingedampft wird, dass die vollständige telekommunikative Überwachung einer kompletten Bevölkerung mit der Überführung eines Straftäters gerechtfertigt wird.
Mir läuft es eiskalt über den Rücken und ich fühle schon die Handschellen, die sich um meine Handgelenke schließen beim Gedanken an meine letzten Falsch-parken-Manöver und die roten Ampeln, die ich ignoriert habe.

NSAGCHQBND – zehn Buchstaben für unsere Terrorsicherheit

Auch international betrachtet sieht das ganze “Das-ist-doch-für-deine-Sicherheit” Argument in meinen Augen so gar nicht gut aus.
Laut The Guardian hat das GCHQ die technische Möglichkeit, ungefähr ein viertel aller Daten, die in und aus dem Vereinigten Königreich via moderner Digitalkommunikation fließen, zu überwachen.
Das sind 21,6 Petabyte – pro Tag -, ungefähr die 192-fache Menge an Büchern, die in der British Library vorhanden sind.

Auch die Zahlen der NSA sind für mich beeindruckend.
Mit der UPSTREAM Datensammlung ist die NSA in der Lage, pro Monat 160 Milliarden Datensätze aus den weltweiten Glasfasernetzen auszulesen.

Dazu kommen noch die 6,6 Milliarden Metadaten, welche der BND monatlich im Rahmen der Operation Eikonal aus dem DE-CIX, einem der weltweit größten Netzknoten des Internets, herausfischt.
Und wofür das alles?
Für unsere Sicherheit.
Um Terroranschläge zu verhindern.
Damit wir in Freiheit leben können.
Tatsächlich?

Sicherheit oder Freiheit?

Ich fühle mich nicht sicherer, wenn all meine digitale Kommunikation (und auch meine realen Bewegungen) aufgezeichnet, analysiert und bewertet werden.
Ganz im Gegenteil.
Ich stimme an dieser Stelle Benjamin Franklin zu, wenn er sagt:
Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

Es gibt einfach keine Garantie für Sicherheit in unserem Leben.
Und wenn wir damit beginnen, die Illusion von Sicherheit zu erzeugen, indem wir unsere Freiheit einschränken, dann sind wir auf einem ganz gefährlichen Weg, der letztendlich in ein Gefängnis der Angst führt.

Sicherheit durch Überwachung?

Ich stelle mir die Frage, ob wir überhaupt durch Überwachung Sicherheit erreichen können.
Da Sicherheit nur ein Gefühl ist, welches zunimmt, wenn wir mehr Selbstvertrauen haben und unsere Ängste kennen und verstehen, glaube ich nicht, dass Überwachung – insbesondere eine anlass- und zunehmend lückenlose Überwachung – zur Steigerung unserer Sicherheit beitragen kann.

So schreibt es schon Laotse im Tao Te King:
Wer jederlei Angst zu durchschauen vermag, wird immer in Sicherheit sein.

Nicht ein mehr an Überwachung oder eine Einschränkung der Freiheit führt zu einem höheren Maß an Sicherheit, sondern lediglich die Auseinandersetzung mit unseren Ängsten verhilft uns zu einem Gefühl von mehr Sicherheit

Freiheit und Überwachung – Wenn du dich nicht bewegst, spürst du deine Ketten nicht

Ist Freiheit und Überwachung miteinander vereinbar?
Ich glaube nicht, dass der Freiheitsbegriff – zu tun, was ich möchte, ohne jemandem zu schaden und ohne selbst Schaden zu erleiden – mit Überwachung vereinbar sind.

Haben wir nicht – gerade in Deutschland – ausreichend Beispiele in unserer Geschichte erlebt, die uns klar zeigen, dass Überwachung zu Unfreiheit führt.
Schlimmer noch, das Bewußtsein, dass wir überwacht werden, führt sogar zu einer Änderung unserer bis dahin freiheitlich gelebten Verhaltensmuster.

So zeigt sich, dass Minderheiten unter dem Eindruck von Überwachung eher Schweigen, als ihre freiheitlichen Ansprüche zu äußern.
Und ich will auch nicht in einer Welt leben, wie Eric Schmidt sie mit seiner Aussage: “Wenn es etwas gibt, von dem Sie nicht wollen, dass es irgendjemand erfährt, sollten Sie es vielleicht ohnehin nicht tun.” heraufbeschwört.
Denn etwas nicht zu tun – auch etwas, von dem niemand erfahren soll – bloß weil ich weiß, dass alles aufgezeichnet und überwacht wird, dies ist das vollkommene Gegenteil von Freiheit.

Und wenn wir das nicht mehr haben, was bleibt uns dann noch?

TL;DR

  • Viele Daten für nichts: Vorratsdatenspeicherung
  • Drei Nachrichtendienste und kein einziger Terrorist: NSAGCHQBND
  • Gib mir Freiheit oder den Tod: Sicherheit oder Freiheit?
  • Ich weiß, was du letzte Nacht getan hast: Freiheit und Überwachung

In our increasingly controlled, targeted, and digitized world, the wooden public bench is a haven of freedom in the middle of the city.
Tom Hodgkinson

Macht es wie Tom Hodgkinson:
Geht raus, setzt euch auf eine Bank, genießt eure Freiheit und lasst euch einfach einmal ganz analog und überwacht treiben.

Wer überwacht uns…und warum?

Ich glaube, dass uns ein Blick darauf, wer uns überwacht und welche Gründe er dafür aufs Tapet heften kann, helfen kann, die ganze Überwachungs-Arie gelassener anzugehen.
In meinem Augen ist diese ganze Überwachungsnummer – gelinde gesagt – zum Kotzen und einer freiheitlich orientierten Gesellschaft wie der unseren vollkommen unwürdig.
Daher stelle ich hier meine Sichtweise auf die verschiedenen Gegenspieler im Überwachungsspiel vor.

Vater Staat und seine Handlanger

Hier betrachte ich jetzt nicht nur unseren Vater Staat im beschaulichen Deutschland, sondern hebe meinen Blick über den Tellerrand nationaler und geographischer Grenzen.
Da beginne ich auch gleich bei unseren transatlantischen Freunden mit ihrem Auslandsgeheimdienst, der National Security Agency (NSA).
Diese haben, wie wir seit den Veröffentlichungen von Edward Snowden wissen, die Messlatte was Überwachung angeht schon mal ordentlich hoch gelegt.
Um dem PRISM-Programm der NSA überwachungstechnisch das Wasser zu reichen, muss ein Datenschnorchelsystem schon ordentlich in die Trickkiste greifen. Denn PRISM greift sich Daten aus so unwichtigen Bereichen wie E-Mail, Social-Media-Plattformen, Cloudspeichern, Chatsystemen, IP-Telefonie, Videokonferenz-Systemen und weiteren Sonderwünschen ab.
Kurz gefasst wird bei PRISM alles digital kommunizierte erfasst, was nicht bei drei auf den kryptographisch geschützten Bäumen ist.
Also das ist schon mal eine ganz schöne Packung.
Und warum tun sie das?
Na, damit wir ruhiger schlafen können und die bösen Terroristen uns nicht alle heimlich im Schlaf überfallen und wahlweise töten, in Angst und Schrecken versetzen oder uns ihr vermeintlich richtiges Regime aufoktroyiren.
Hmm…seltsam, wo ich jetzt so formuliere…tun das die Machthaber hinter PRISM nicht auch?
Nein, nein, da muss ich mich irren, denn die sind ja die Guten.
Auf jeden Fall halte ich jemanden, der eine Rund-um-die-Uhr und Überall-Überwachung für alle Teilnehmer an digitaler Kommunikation aufsetzt, durchführt und verantwortet für einen Fall für die Klapse.
Egal aus welch fadenscheinigem Grund man dies anzettelt und durchführt.
Nationale Sicherheit hin und Terrorabwehr her.
Meiner Meinung nach haben wir schon verloren, wenn wir in einer solchen Welt unter solch einer digitalen Totalüberwachung leben.

Dann rücke ich in meiner weiteren Betrachtung den Fokus auf Europa.
Hier schaffen es tatsächlich unsere royalen Freunde von den Britischen Inseln dem Überwachungsprogramm aus ihrer ehemaligen transatlantischen Kolonie doch noch den Rang abzulaufen.
Die Geheimdienstaktion Tempora des Government Communications Headquarters, kurz GCHQ, schafft es laut Abschätzungen whistleblowender Quellen ungefähr 40 Milliarden Datensätze pro Tag aus den Unterseekabeln herauszusaugen.
Auch bei dieser im Umfang noch umfassenderen Überwachungsaktion der global-galaktischen Digitalkommunikation wird wieder das Wohl und Wehe der – westlichen – Welt als Grund vorgeschoben.
Naja, ich wiederhole mich, wenn ich sage:
Unter totaler Überwachung und in Angst zu leben, ist nicht das, was ich unter einem Leben in Freiheit verstehe.

Richte ich meine Aufmerksamkeit auf unseren eigenen sicheren Hafen demokratischer Freiheit.
Betrachte ich zunächst den Bundesnachrichtendienst (BND), unseren bundeseigenen Auslandsgeheimdienst.
Auch dieser möchte am allgemeinen Überwachungsspiel teilnehmen.
Dafür wurde hier jedoch kein eigenes – bisher bekannt gewordenes – Überwachungswerkzeug geschaffen.
Dafür diente und dient weiterhin der BND als williger Datenlieferant für die NSA und GCHQ.
Darüber hinaus fremdfischte der BND auch noch im Inland und zapfte fröhlich den weltweit größten Netzknoten für den Internetverkehr, den DE-CIX in Frankfurt am Main an.
Herzlichen Glückwunsch, sage ich dazu.
Schämt ihr euch nicht?
Ich tu es jedenfalls.
Habt ihr denn gar nix aus der Geschichte gelernt?
Reichen zwei denunzierende und volksüberwachende Regime mit Überwachungs- und Unterdrückungswerkzeugen wie Gestapo und Stasi nicht aus, um einfach mal so viel Arsch in der Hose zu haben und zu sagen:
Nein, wir überwachen unsere (oder andere) Bevölkerung nie wieder!
Widerlich, armselig, das halte ich davon.

Armselig, das ist auch das, was mir zu der Überwachungsmethodik der deutschen Polizeibehörden durch die Vorratsdatenspeicherung einfällt.
Armselig finde ich es zum einen, dass wir alle damit einfach mal unter Generalverdacht gestellt werden.
Armselig finde ich weiterhin, es nochmals mit einer bereits schon einmal gescheiterten Methode zu versuchen.
Mir fällt dazu Albert Einstein ein:
Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.
Auch die Vorratsdatenspeicherung wird uns kein Stück mehr Sicherheit bringen.
Was sie uns mit Sicherheit bringt:
mehr Kontrolle und Überwachung – zwei Zustände, die ich für mich nicht mit einem Leben in einer freiheitlichen Gesellschaft in Einklang bringen kann.

Datenkraken und ihre konsumgeilen Ausläufer

Neben dem staatlichen Überwachungs- und Kontrollirrsinn gibt es zusätzlich noch private Datensammler, -schnüffler und -verarbeiter.
Das sind die Googles, Facebooks und weitere wie widerliche Eitergeschwüre der digitalen Entwicklung erwachsende Unternehmen.
Diese spiegeln uns nicht die vermeintliche Verbesserung unserer Sicherheit vor – sondern unseren eigenen wirtschaftlichen Vorteil – unter diesem Deckmäntelchen steckt natürlich auch hier nur ihre grenzenlose Datensammelgier.
Auch die dazugehörigen Methoden unterscheiden sich von denen, die bei staatlicher Überwachungswut Verwendung findet.
Wo die einen im Verborgenen agieren, da geben wir den privaten Datenkraken unsere Daten freiwillig, bereitwillig gar, für ein paar armselige Rabattpunkte oder ein wenig Online-Reputation her.
Das “warum?” ist ein anderes – das “wie?” mittlerweile nicht mehr.
Beide – staatliche wie private – Datenkraken horchen uns aus – für ihre Zwecke und zu unserem Schaden.

Wir uns selbst und gegenseitig

Die perfideste Art der Überwachung jedoch betreiben wir selbst.
Nicht nur, dass wir uns gegenseitig überwachen, sei es über Kurznachrichtendienste, die mitteilen, wann das Nachrichten-Gegenüber das letzte Mal aktiv war.
Oder über Plattformen wie Nextdoor, in der wir unsere eigenen Videoüberwachungskameras einhängen können.
Nein, wir treiben es noch auf die Spitze und überwachen uns selbst.
Wir vermessen unseren Puls, wir lassen unsere Schritte zählen, wir tracken unser Schlafverhalten.
Wir kontrollieren und bewerten uns selbst, bis wir nichts weiter mehr sind als Zahlen in einer Statistik.
Und die laden wir dann auch noch auf einen obskuren Server hoch, damit unsere Versicherungen und unsere Krankenkassen diese Daten alle aufbereiten und korrelieren können.

TL;DR

  • Datensaugen für den Terrorschutz: NSA, GCHQ, BND und Polizei
  • Datenkraken aus Profitgier: Unternehmerische Datengier
  • Selbst ist der Überwacher: Kalorienzählen für die Cloud

Nun, nach diesem Parforceritt durch die Überwachung habe ich noch eine Gute Nachricht zum Abschluss:
Wer uns wirklich nicht überwacht ist Mutter Natur und da sollten wir bei diesem schönen Wetter auch sein :)

Wie? Immer noch WhatsApp?

Na, jetzt ist ja alles gut!
Jetzt wo WhatsApp schließlich Ende-zu-Ende verschlüsselt ist!
Jetzt können wir uns alle beruhigt zurücklehnen und weiterhin jeden geistigen Müll in der digitalen Welt verteilen:

  • das ich wieder erfolgreich mein Hemd zugeknöpft habe,
  • meine Socken gebügelt habe (natürlich wahlweise mit Bild oder Video!),
  • wann der nächste Terroranschlag stattfinden soll [liebe NSA, wahlweise auch BND: bloß weil hier das Wort “Terroranschlag” vorkommt, bedeutet es nicht, dass ich einen solchen plane. Falls ihr es doch denkt, kommt mich doch bitte besuchen, meine Adresse rauszufinden solltet sogar ihr fehlerfrei hinbekommen.]
  • oder was ich über meinen Chef, diese *§$!# Pfeife, denke.

Das alles kann ich ja jetzt von mir geben! Kann ja keiner mehr lesen.
Yeah-yeah-yeah.
Oh, bitte.
Glauben wir wirklich, dass es das war?

WhatsApp hat uns verraten

Vergessen wir da vielleicht nicht, dass WhatsApp nicht wegen seiner tollen, innovativen Ideen im Bereich Kurznachrichten von Facebook gekauft wurde, sondern weil es einen riesigen Pool von Adressen (WhatsApp hatte zu diesem Zeitpunkt 450 Millionen Nutzer) angehäuft hatte.
Die Technik hinter WhatsApp war weder neu, noch sicher, geschweige denn innovativ.

Ich weiß nicht, wie es euch damit geht, aber jemandem, der mir meine Daten aus meinem Adressbuch gestohlen hat, glaube ich nicht auf einmal, dass er jetzt plötzlich zu den Guten gehört, bloß weil er jetzt auf einer Welle der Krypto-Sympathisanten mitschwimmen will.

Inhalt ist irrelevant

Wer glaubt, es komme noch auf seine bedeutungslosen 140 Zeichen Inhalt an, die er so aufmerksamkeitsverloren von sich gibt, der denkt auch, dass der Höhepunkt der Überwachung damit erreicht ist, wenn Männer in Trenchcoats mit Schlapphüten an einer Ecke deiner Straße stehen.
Es geht schon lange nicht mehr um die Inhalte, die wir von uns geben.

Metadaten sind viel aussagekräftiger.
Wann kommuniziere ich wie lang mit wem und wie häufig.
Das sind die Fragen, die sich die Überwacher stellen.
Und auf diese Fragen bekommen diese ihre Antworten, egal ob die Inhalte verschlüsselt sind oder nicht.

Und achtet mal auf eure Kinder!

Mir ist es ja egal.
Ich bin ja alt genug, aber ist euch bewusst, dass ein großer Teil der gesetzestreuen Eltern und Lehrer ihre Schützlinge in das juristische Verderben laufen lässt?

Oh. Was? Wie? Womit kommt er denn jetzt um die Ecke?

Damit:
WhatsApp ist nur für Nutzer, die 16 Jahre oder älter sind erlaubt.
Und kommt mir bitte nicht mit “aber bei Google Play steht doch USK ab 0 Jahren!”.
Google Play interessiert an dieser Stelle nicht.
Es geht um die AGB von WhatsApp und da steht:
9. Ability to Accept Terms of Service
You affirm that you are either more than 16 years of age, or an emancipated minor, […]”.

Also, liebe Eltern und liebe minderjährige Leser, jetzt überlegt euch mal was.
Und dieses “Was” ist eine vernünftige Alternative zu WhatsApp!

Geschlossen

Ein wichtiger Grundsatz von vertrauenswürdiger und sicherer Kommunikationssoftware ist Open Source.
Nur wenn wir die Möglichkeit haben, zu prüfen, wie ein kryptografischer Algorithmus implementiert ist und wenn wir sehen können, dass die Software keine Hintertüren enthält, dann können wir darauf vertrauen, dass wir an dieser Stelle auch nicht bespitzelt werden.

WhatsApp bietet dies nicht.
Natürlich können wir auf die hehren Versprechen vertrauen, dass die Entwickler von WhatsApp keine Hintertüren einbauen werden.
Allein, mir fehlt der Glauben.

Fresst Scheiße, Fliegen!

Und ich bin des Arguments überdrüssig, dass ich WhatsApp nutzen soll, bloß weil WhatsApp eine Nutzergruppe von über 1 Milliarde Teilnehmer hat.

Na und? *Müdes schulterzucken*
Ich will mich nicht mit einer Milliarde Teilnehmern unterhalten.
Ich will mich mit genau einem Menschen, bestenfalls noch mit einer überschaubaren Gruppe von Menschen unterhalten.

Vielleicht ist es pathologisch bei mir, aber ich mache nicht etwas, bloß oder gerade weil eine große Menge mehr oder minder vernunftbegabter Wesen dies tut.

Ich ernähre mich ja auch nicht von Fäkalien, bloß weil Milliarden Calliphoridae dies für eine gute Idee halten.

Setz – und nutz – ein Zeichen.

Seid doch divergent und nutzt für unterschiedliche Zwecke unterschiedliche Kurznachrichtendienste.
Es ist einfach, etwas auf seiner Funkgeige zu installieren – das könnt ihr alle und beweist es doch täglich, weil wir alle “einfach mal so” eine neue App ausprobieren.
Also probiert doch “einfach mal so” einen neuen Messenger aus.

Signal bietet alles, was WhatsApp auch bietet – nur eben besser!
Stimmt euch doch einfach mit ein paar Freunden ab und probiert mit denen Signal aus.
Tut nicht weh, macht euch aber einfach cooler.
Hebt euch doch mal aus der trägen Masse heraus und hört auf, jedem Schaf nachzublöken!

TL;DR

  • Krypto und jetzt ist alles gut? Nein!
  • WhatsApp – You’re a Liar! Verkauf unsere Daten und dann uns für blöd
  • Metadaten verraten viel mehr als 140 Zeichen
  • The Kids Are Not Alright – Lies die verdammte AGB!
  • Wem vertraue ich – oder ist Kontrolle besser?
  •  „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ – Albert Einstein
  • Signal und Divergenz

Ach und wer glaubt, dass WhatsApp jetzt ein sicheres System ist weil die Ende-zu-Ende Verschlüsselung auch zwischen verschiedenen Plattformen funktioniert (wenn man die Version aktualisiert hat…), der glaubt auch, dass McDonalds ein Bio-Burger-Brater mit fairem Anspruch ist.
Und wer wirklich einen leckeren Burger essen will, geht entweder zu My Heart Beats Vegan oder Bratar.
Lasst es euch schmecken und nichts gefallen!

Wie unsere Privatsphäre beschränkt wird

Nachdem wir nun einige Ideen haben, warum wir unsere Privatsphäre schützen sollten, gebe ich jetzt einige Hinweise darauf, wodurch unsere Privatsphäre beschränkt wird.

Ich habe manchmal das leichte Gefühl paranoid zu sein – aber bloß weil alle hinter dir her sind, heißt das ja noch lange nicht, dass ich unter Verfolgungswahn leide ;)
So ungefähr können wir uns gut die Situation vorstellen, in der wir leben – meistens ohne das wir es bewusst mitbekommen.
Aber ganz im Spaß (ernsthaft möchte ich unsere Lage wirklich nicht bewerten, sonst verliere ich noch den Spaß am Leben – und das wär wirklich blöd), wir werden schon von ganz schön vielen Seiten in unserer Privatsphäre eingeschränkt.

Es fängt beim Staat an, geht weiter über die verschiedenen Geheimdienste (und da hören wir erstaunlicherweise meistens nur von den “befreundeten” Diensten…da will ich wirklich gar nicht wissen, wie die Nachrichtendienste der “unfreundlichen” Staaten uns aushorchen), Unternehmen, die nur unser Bestes wollen (nämlich unsere Daten) und endet schließlich bei uns selbst!

Ja, das ist jetzt der Moment für betretenes Schweigen.
Letztendlich sind wir selbst unser größter Feind.
Aber dazu komme ich noch später.

Ich fange jetzt mal beim Großen an und arbeite mich dann durch bis zum Kleinen. Allerdings ist das keine Wertung in der Reihenfolge. Jede Form der Überwachung ist schlimm.
Die Einschränkung unserer Privatsphäre findet bei diesen unterschiedlichen Überwachern auf verschiedenen Ebenen statt, was ihnen jedoch meiner Meinung nach gemein ist (was ganz schön gemein ist [Verzeihung, ich hatte heute einen Clown zum Frühstück]), ist die Tatsache, dass alle dadurch Kontrolle über uns ausüben wollen.
Und darauf habe ich mal so überhaupt keinen Bock.
Genug der Vorrede, los gehts.

Der Staat.

Unser lieber Staat (egal welcher Couleur die aktuelle Regierung ist, da ist Rot so Schwarz wie Grün eher ins Olivegrüne und Braun auch nicht mehr von Gelb, lila gepunktet oder Grau zu unterscheiden ist), möchte unsere Daten. Zum Terrorschutz. Zur besseren Altersvorsorge. Damit wir wissen, wieviele Gürteltiere so pro vermietetem Quadratmeter leben oder wo noch ein Atommüllendlager entstehen kann ohne dass zu viele Steuerhinterzieher auf die Cayman-Islands verschwinden. Egal welches Argument dafür aus dem Fabulierlexikon der Lobbyisten gezogen wird oder welche tote Sau mal wieder durch das politische Dorf gejagt wird – es hat alles nur den Grund mehr Kontrolle über uns zu erlangen. Und ein mehr an Kontrolle erreicht man sehr einfach durch ein weniger an Privatsphäre. Denn: Wissen ist Macht.
Für diesen Zweck werden dann so brandgefährliche, weil vollkommen unsichere Spielzeuge wie der elektronische Ausweis oder vollkommen untaugliche und rechtswidrige Maßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung angeleiert.

Geheimdienste.

Unsere Freunde. Die, die man ja nicht überwacht. Das sind die Besten. Vermutlich sogar die Besten der Besten der Besten, Sir! Naja, zumindest was der Ideenreichtum und die Skrupellosigkeit bei ihrer Datenschnüffelei angeht. Egal ob BND, NSA oder GCHQ, alle machen sie mit. Hören unsere Telefonate ab, lesen unsere E-Mails und werten unsere Kreditkartenabrechnungen aus.
Von Privatsphäre ist da keine Rede mehr – höchstens als irgendetwas, das möglichst schnell für “den höheren Zweck”, das “Allgemeinwohl” oder die “Terrorabwehr” geopfert werden muss.
Wir müssen halt Opfer bringen für unsere Sicherheit.
Als ob auch nur ein Terroranschlag verhindert worden wäre durch die nahezu vollkommene Überwachung dieser Maschinerie die Orwell sich nocht nicht mal in seinen wüstesten Träumen ausmalen konnte.
Dieses irrsinnige Missverhältnis von milliardenfacher Massenüberwachung um eine handvoll Terroristen zu verfolgen. Diese Terroristen müssen Monster leviathanischen Ausmaßes sein, wenn sie bei den Geheimdiensten solche Ängste auslösen, dass hier die Privatsphäre von Milliarden Menschen geopfert wird, um so ein paar Irre zu verfolgen.

Unternehmen.

Unternehmen schränken unsere Privatsphäre von einer ganz anderen Seite her ein. Diese werten die Daten, die sie bereits über uns besitzen aus, um daraus noch weitere Werte über uns zu berechnen.
Die Datenkraken setzen komplexe (und am Rande bemerkt höchst geheime) Algorithmen ein, um unsere Kreditwürdigkeit zu berechnen, um uns Vorschläge zu machen, was wir doch bitte als nächstes kaufen sollten, welches Lied wir jetzt am besten hören mögen, welchen Film wir gleich schauen sollten und wohin unsere nächste Urlaubsreise gehen muss.
Das tun diese unternehmerischen Gutmenschen natürlich nur für uns.
Natürlich.

Drauf gepfiffen! Ich will das nicht! Ich will entscheiden, was ich als nächstes esse, welches Lied ich höre, wohin und wie ich meine nächste Reise mache.
Es ist schon schlimm genug, dass sich diese, diese Datenmonster anmaßen mich zu kennen, die Vorstellung haben, mich verstanden zu haben. Zu wissen wie ich ticke. Ach! Ihr armen Technologie-Jünger, ihr tut mir leid!
Nichts wisst ihr.
Ihr gaukelt euren Kunden – ich will lieber sagen: euren Datenquellen – vor, ihr würdet jeden individuell behandeln. Nein, das wollt ihr nicht. Ihr wollt, dass alle gleich sind, denn dadurch steigt euer Profit nämlich viel besser.

Wir selbst.

Endlich bin ich beim Kern unserer Beschränkung angekommen.
Es ist eine Selbstbeschränkung, nein eine Selbstverstümmelung gar.
Wir selbst sind unser schlimmster Feind. Wir selbst überwachen uns am stärksten. Freiwillig!

Wir liefern schön artig unsere Schlafzyklen ab.
Wir lassen unsere Schritte zählen.
Teilen großzügig der Welt mit, wann wir Sex haben weil unser smartes Thermostat einen Anstieg der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit im Schlafzimmer feststellt, posten unseren Blutdruck durch unser “Fitness”-Armband, vermessen unseren Blutzuckerspiegel durch “smarte” Kontaktlinsen und sagen wirklich ständig wann wir wo sind durch die Geodaten, die wir mit Fotos teilen oder durch die Routenberechnung mit GoogleMaps in unseren Smartphones.
Und noch mehr: Wir liefern die Bilder unserer eigenen Heimüberwachungskameras freiwillig ab, damit diese von Gesichtserkennungsprogrammen ausgewertet werden und misbraucht werden können.

Sind wir denn noch zu retten?

Ja.
Ich bin überzeugt davon, denn ich habe Ideen und Gedanken dazu, wie wir uns selbst retten können. Denn genauso wir selbstverschuldet in diesen Überwachungsalbtraum eingetaucht sind, genauso können wir uns selbstverantwortlich daraus befreien.
Und ich kann euch dabei helfen.