Wahlen und Social Bots

Dem großen politischen Schreckgespenst der Wahlen (spätestens seit der Wahl des US-Präsidenten 2016) will ich heute meine Aufmerksamkeit widmen: Social Bots. Sind sie wirklich der digitale Untergang der Demokratie – oder vielleicht doch eher ein überbewerteter Hype?

TL;DR

  • Social Bot – was ist das überhaupt?
  • Social Bot – Untergang der eigenen Meinung?
  • Social Bot – integrieren oder kriminialisieren?
  • Fazit

Social Bot – was ist das überhaupt?

An dieser Stelle wünsche ich mir die gute analoge Zeit zurück. Da waren – zumindest in meiner Wahrnehmung – Dinge noch klar erkennbar und gut differenziert.

Wat is´ne Dampfmaschin´? Da stelle ma uns mal janz dumm, und sagen, en Dampfmaschin´ iss ne jroße, runde, schwarze Raum mit zwei Löchern. Durch das eine kommt der Dampf rein, un das andere krieje ma späta …

Professor Bömmel, Die Feuerzangenbowle

In der analogen Zeit waren Begriffe noch klar definiert und vorstellbar. In unserer zunehmend virtualisierten Welt wird dies jedoch immer schwieriger greifbar (ist ja eben virtuell). Und damit werden Begriffe auch zunehmend un(be)greifbarer. Ein Social Bot ist hier keine Ausnahme.

Aber fragen wir uns zunächst: “Wat is’ ne Social Bot?”

Ein Bot ist ein Stück Software, welches eine automatisier- und wiederholbare Tätigkeit durchführt. Die spezielle Ausprägung Social Bot ist ein solches Stück Software, welches in sozialen Medien (z.B. bei Facebook oder Twitter) eingesetzt wird und automatisch auf bestimmte Eingaben – z.B. bestimmte Hashtags oder Stichworte – reagiert. Im Fall eines Social Bots ist die Reaktion dann zumeist eine Antwort auf diese Eingabe. Das hauptsächliche Ziel solcher Bots ist es, den Eindruck von großer Relevanz und hoher Beteiligung an einem Thema zu erwecken. Oberflächlich von außen betrachtet sind Social Bots nur schwer von “echten” Teilnehmern am virtuellen Diskurs zu unterscheiden – denn genau dazu wurden die Bots programmiert.

Social Bots – Untergang der eigenen Meinung?

Was konkret sehen Kritiker nun als Gefahr dieser digitalen Dampfplauderer? Menschliche Papageien plappern doch ebenfalls vollkommen unreflektiert jede Meinung nach, die ihnen in die Ohren gespült wird.

Und eben hierin besteht die Gefahr: Ein Mensch kann nur einer sehr eng begrenzten Gruppe seine unmaßgebliche Meinung nahe bringen – ein Bot kann einem unverhältnismäßig größeren Publikum seine programmierte Propaganda unterjubeln.

Bots sind in der Lage, Trends zu verstärken und somit manipulativ zu wirken. Das bedeutet, sie vermögen ein Stimmungsbild in eine gewünschte Richtung zu verschieben. Dies wiederum liegt an der schieren Menge von Nachrichten, welche Bots verbreiten können. Und diese Manipulation in eine programmierte Richtung stellt eine Gefahr für die Meinungsfreiheit dar.

Eine weitere Gefahr, welche von Social Bots ausgeht, erwächst aus dieser Trend-Manipulation: Bots sind durchaus in der Lage, die Meinung in einer Gruppe zu beeinflussen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Bot eine Meinung erzeugen kann, aber durch die emotional aufgeheizte Stimmung der Nachrichten, welche Bots verbreiten, kann ein bereits latent vorhandenes Vorurteil verstärkt und sogar radikalisiert werden.

Social Bots – integrieren oder kriminalisieren?

Erst jetzt – mit einem Basiswissen über die Arbeitsweise von Social Bots – sollten wir beginnen, darüber nachzudenken, was gegen diese digitalen Meinungsmacher getan werden muss (und kann).

Nun gibt es von Seiten der Politik einige Ideen, wie mit Social Bots umgegangen werden sollte.

Allerdings rangieren diese Ideen aktuell eher im gravitätischen Leerraum zwischen politischer Hohlphrase und überwachungstotalitärer Propaganda. Wenig Sinnvolles dabei.

So war eine dieser Schnellschusslösungen die Kennzeichnungspflicht von Bots und deren Beiträgen. Und mehr kam dann auch nicht. Es wurde weder dargestellt, was gekennzeichnet werden sollte (der Bot oder der Tweet). Noch wurde konkretisiert, durch wen eine solche Kennzeichnung vergeben werden sollte (geschweige denn, wie diese aussehen sollte).

Ein weiterer Vorschlag, nämlich die Selbstverpflichtung gegen den Einsatz von Social Bots im Vorfeld von Wahlen – quasi ein Social-Bot-Sperrvertrag – wurde zumindest bei der vergangenen Bundestagswahl 2017 von einigen Parteien (z.B. Bündnis 90/Die Grünen) umgesetzt.

Eine weitere politische Idee zum Schutz der breiten Masse vor unkontrolliert manipulativ agierenden Bots ist die Einführung einer Klarnamenpflicht. Gut, kennen wir von Facebook schon, ist dort allerdings eher Kosmetik, die überdies gegen das Telemediengesetz verstößt und meiner Ansicht nach nicht ernst zu nehmen ist. Aber dennoch für den geneigten pseudonym handelnden Facebook-Used zu einer ärgerlichen Sperrung seines Accounts führen kann, wenn hier “Freunde” mit einer Neigung zum Denunziantum unterwegs sind. Nein, eine politisch gewünschte und juristisch durchgesetzte Klarnamenpflicht, wie wir sie jetzt in Österreich sehen (wo diese eher als digitales Vermummungsverbot propagiert wird), erhöht den Druck auf die Plattformbetreiber. Hier sollen also nur Accounts zugelassen werden, die eindeutig identifiziert sind und mit einem “echten” Menschen im Hintergrund mittels sozialen Medium interagieren. Damit würden dann auch Social Bots einem “echten” Menschen zuordenbar sein und “kontrolliert” werden können. Diese Klarnamenpflicht wünscht sich mittlerweile unser Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble ebenfalls. Schlechte Ideen verbreiten sich schnell.

Fazit

Zu welchem Ergebnis führt uns dies nun?

Ja, es gibt Dampfplaudermaschinen – aber mal ehrlich, so etwas hatten wir auch schon vor Social Bots, nur nannten wir sie damals anders: Politiker.

Die Angst, die vor den meinungsmachenden virtuellen Monstern gemacht wird, ist vor allem eines: überzogen.

Die Wirkung auf die Meinung der Social-Media-Teilnehmer durch Social Bots konnte bisher in keiner Studie nachgewiesen werden. Im Gegenteil stellten sich viele als Bot bezeichnete Accounts als menschengesteuerte Sockenpuppen heraus.

Von daher bin ich der Ansicht, dass wir an dieser Front Entwarnung geben können. Wir werden – zumindest in absehbarer Zeit – nicht durch manipulierende Social Bots fremdgesteuert werden. Was wir jedoch kritisch im Blick behalten müssen sind menschlich gesteuerte Troll-Fabriken und Sockenpuppen-Armeen.

Deswegen gilt: Kritisch bleiben, Kopf einschalten und – don’t feed the Trolls!

Es geht nicht ohne!

TL;DR

In jüngster Zeit begegnet mir zunehmend das Argument der Alternativlosigkeit, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien geht.
Das erscheint mir jedoch sehr merkwürdig, suggeriert Digitalisierung doch eine größere Bandbreite an zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
Ist es nicht eine seltsame Beschränkung unseres Horizonts, wenn wir uns in einer digitalen Welt der unbegrenzten Auswahl größtenteils auf die schlechteste Wahl stürzen, weil wir diese für schlicht alternativlos halten?
Es erinnert mich stark an Cousin Balki aus Perfect Strangers. Seine vollkommen alternativlose Suche nach einem neuen Leben im gelobten Land wurde für ihn mit seinem Plakat “America or Burst!” zum treibenden Moment, welches alle anderen Möglichkeiten und Chancen als quasi nicht existent definierte.
Ich betrachte hier nun drei Ausprägungen, in denen mir das “Es-geht-nicht-ohne!“-Argument begegnet ist.
Meiner Betrachtung der jeweiligen Beispiele stelle ich anschließend Alternativen gegenüber, um das Argument der Alternativlosigkeit zu entkräften – hoffentlich!
So denn, ohne weitere Umschweife – es geht los (als Alternative kann ich anbieten, an dieser Stelle mit dem Lesen aufzuhören…)

WhatsApp or Burst!

Es geht nicht ohne WhatsApp!
Das ist stets die erste Reaktion, wenn ich als DSB meine Kunden darauf hinweise, dass WhatsApp die nicht-private Nutzung nicht gestattet:

Rechtmäßige und zulässige Nutzung. Du darfst auf unsere Dienste nur für rechtmäßige, berechtigte und zulässige Zwecke zugreifen bzw. sie für solche nutzen. Du wirst unsere Dienste nicht auf eine Art und Weise nutzen (bzw. anderen bei der Nutzung helfen), die: […] oder (f) eine nicht-private Nutzung unserer Dienste beinhaltet, es sei denn, dies wurde von uns genehmigt.

Auszug aus den AGB von WhatsApp

Das liegt nicht nur daran, dass es WhatsApp in seinen AGB schlicht nicht erlaubt. Vielmehr liegt es eben daran, dass ein WhatsApp-Nutzer sein gesamtes Adressbuch auf die Server von WhatsApp hochlädt – (vermutlich) ganz ohne die Zustimmung seiner Kontakte im Adressbuch zu dieser schändlichen Tat.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass die Kontakte, die wir in unserem Adressbuch speichern, nicht uns gehören – sondern dem Kontakt!
Uns wurden diese Daten nur treuhänderisch zur Verfügung gestellt.
Gehen wir nun missbräuchlich mit diesen Daten um, so veruntreuen wir Daten und missbrauchen das Vertrauen unserer Kontakte.
Ein weiterer Punkt, der mir in diesem Kontext häufig wütend entgegengeschleudert wird, ist die Angst, ohne WhatsApp den Kontakt zur Jugend zu verlieren.
Lieber Himmel, Leute!
Jetzt hört euch doch mal selbt zu:
Ihr verliert jetzt plötzlich den Kontakt zur Jugend, weil eine Firma, die es vor zehn Jahren nicht einmal als feuchten Traum ihrer Gründer gab, angeblich das einzige Verbindungsglied zwischen den Generationen sein soll?
Kriege, Kulturrevolutionen und nicht einmal Rock’n’Roll waren in der Lage, die Generationen zu trennen, da wird es ein solch schwindsüchtiges Internetunternehmen auch nicht verursachen.
Habt ihr ein derartig großes Misstrauen in das menschliche Miteinander, dass ihr ernsthaft befürchtet, den Kontakt zur Jugend zu verlieren, bloß weil ihr WhatsApp nicht nutzt?
Ich schüttele mein Haupt voll Ungläubigkeit.
Ja, aber ist es alternativlos?
Nein, ist es nicht!
Ich sage ja nicht, zurück zu Steintafel und Brieftaube, wenn ich darauf hinweise, daß WhatsApp der letzte datensaugende Dreck ist.
Kurznachrichtendienste sind sinnvoll, hilfreich und ein echt praktisches Werkzeug.
Aber – oh Wunder – es gibt bessere, sicherere und coolere Alternativen.
Bloß weil es Mainstream ist, ist es nicht automatisch gut.
War bei VHS auch nicht so.
Testet doch mal Threema, Wire oder Signal.
Funktional alle drei gleichwertig – in schwarz, grau oder blau.
Verticken alle aber deine Daten nicht und saugen auch dein Adressbuch nicht leer.
Und als Sahnehäubchen obendrauf: Die Nutzung ist auch für Kinder gestattet – bei WhatsApp nicht:

Mindestalter. Um WhatsApp benutzen zu dürfen, musst du mindestens 16 Jahre alt sein.

Auszug aus den AGB von WhatsApp (nochmal…)

Sterben in Einsamkeit

“Du musst bei Facebook sein!”.
Noch so eine Hohlphrase, wenn ich mich über die Sichtbarkeit meines Unternehmens unterhalte.
Nein, muss ich einfach nicht.
Nicht nur, dass ich mich damit vollkommen und total unglaubwürdig machen würde, aber es stimmt einfach nicht.
Ich erreiche Menschen in der analogen Welt.
Hier helfe ich meinen Kunden, mit den Widrigkeiten der Digitalisierung fertig zu werden.
Dabei hilft mir keine algorithmisch gestrickte Timeline, in der ich vielleicht für den einen oder anderen auftauche – je nachdem, wieviel Kleingeld ich Facebook dafür in den datengierigen Rachen schmeisse.
Auch an dieser Stelle gilt Gleiches, was ich bereits für Messenger postuliert habe:
Wir müssen nicht zurück zu den Aushängen am Schwarzen Brett, wenn wir uns mitteilen wollen.
Aber dennoch ist auch Facebook nicht alternativlos.

  • Nutze einen RSS-Reader, um deine für dich relevanten Feeds zu abonnieren.
  • Betreibe einen eigenen Blog, um deine Gedanken der Welt mitzuteilen
  • Melde dich bei diaspora* an, der föderierten und nicht werbebasierten offenen Alternative zu Facebook an.
    Ein wirklich guter Schritt ist: melde dich bei Facebook ab!

Lost in the Supermarket

Alternativlos scheint auch der Einsatz der zivilen Heimüberwachungswanzen wie Alexa und Co. zu sein.
Zumindest solange, bis die digitalen Bevormunder und Klugscheißer nach zwei Wochen deaktiviert oder ins Gäste-Klo verbannt werden.
Werden in diesen beiden initialen Wochen des verbal-akustischen digitalen Glücks noch die effizienzsteigernen Vorteile der Heim- und Selbstüberwachung gelobt, so wandelt sich dieses Gefühl recht bald in eines des Unbehagens und der Fremdbestimmung.
Mir geht wirklich jegliches Verständnis dafür ab, warum ich von Mallorca aus meine Klospülung aktvieren können sollte.
Selbst die Überwachung meiner Außenüberwachung per Video aus dem aus dem Kurztrip in den Harz geht über meinen Verständnishorizont.
Mit diesen ganzen IoT-Spielereien schaffen wir uns nicht mehr Sicherheit und auch keinen zusätzlichen Freiraum.
Ganz im Gegenteil.
Neben den Ängsten (“Ich hab da auf dem Video jemandem im Garten gesehen.”), die uns den lang ersehnten Urlaubstrip verhageln, reißen wir klaffende Lücken in die (bislang) sichere digitale Infrastruktur.
Die IoT-Geräte sind durch die Bank irrsinnig unsicher:

  • Standardpasswörter, die nicht geändert werden können
  • offene Erreichbarkeit über das Internet
  • Zugangsdaten festverdrahtet und öffentlich bekannt
  • Firmware, die nicht mehr updatefähig ist und schon beim Kauf veraltet war

Eine größere Nutzungsfläche führt zwangsläufig auch zu einer größeren Angriffsfläche.
Wenn wir mehr digitale Geräte nutzen, müssen wir ebenfalls mehr Zeit in deren Wartung und Instandhaltung investieren.
Andernfalls kontrollieren nicht wir die Geräte, sondern werden durch diese kontrolliert (und kompromittiert).
Im IoT-Bereich wird es allerdings erheblich anspruchsvoller, privatsphären-affine Alternativen zu finden.
Der internetkommerzielle Komplex hat besonders in diesem Marktsequenz hohe Bequemlichkeitshürden aufgebaut, um seine Kunden mit digitalem Komfort an seine virtuellen Dienste zu leimen.
Dennoch gibt es auch hier Alternativen.
Aber wie gesagt, der Aufwand für den geneigten Privatsphärenverteidiger ist höher.
Wir können uns unsere Heimautomatisierung beispielsweise basierend auf einem (oder mehreren) Raspberry Pi aufbauen – ganz lokal und ohne automatischen Datenabzug in die Wolken des internetkommerziellen Komplexes.

So, jetzt hoffe ich, euch einen Überblick über die Möglichkeiten jenseits des Alternativlosen gegeben zu haben.
Denkt daran: immer wenn jemand behauptet, es gäbe keine Alternative, will er nur nicht, dass ihr über diese nachdenkt.
Denn dann bewegt ihr euch außerhalb dessen Kontrollbereichs und habt euer Glück in den eigenen Händen!

Ich weiß, was du willst, weil ich weiß, wer deine Freunde sind – Persönlichkeitsprofile

In der letzten Woche habe ich die Erstellung und Auswirkung von Bewegungsprofilen auf unsere Privatsphäre betrachtet.
War dies noch ein Thema, welches wir gut beobachten und mitverfolgen können – z.B. durch die nicht unmaßgebliche Anzahl an Überwachungskameras auf den Straßen – so ist mein Thema in dieser Woche doch deutlich virtueller:
Persönlichkeitsprofile
Ich stelle oft fest, dass beim Thema Erstellung von Persönlichkeitsprofilen das Spektrum zwischen „Ach, mich kann man nicht manipulieren!“ bis „Oh, ich finde es schön, wenn ich auf mich passende Angebote erhalte.“ schwankt.
Allerdings geht das Bilden und Auswerten von Profilen im Internet mittlerweile weit über das Anbieten von „passenden“ Angeboten hinaus.
In welche Richtung das Profiling mittlerweile geht, will ich heute zeigen.

No Profile – no Credit

Dass Facebook Profile über uns erstellt, haben wir mittlerweile – mehr oder weniger – schulterzuckend hingenommen.
Aber dass mittlerweile unsere Freunde und sogar unsere eigenen Postings unsere Kreditwürdigkeit untergraben können, halte ich für alptraumhaft.
Noch schlimmer wird dieser Alptraum jedoch, wenn wir den Überlegungen von Marc Elsberg in seinem Roman Zero folgen:
Schlimmer als ein schlechtes Profil oder ein schlechtes Ranking ist es, gar kein Profil zu haben.
Diese Situationen – die tatsächliche bei Facebook-Profilen und die (noch) fiktionale bei Freemee – bedeuten für einen Facebook-Verweigerer wie mich eine harte – weil kreditunwürdige – Zukunft.

In deiner Echokammer hörst du dich nur selbst schreien

Persönlichkeitsprofile wirken sich jedoch auch noch an anderer Stelle auf ganz andere Art und Weise aus.
Durch die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen wird unsere gesamte Wahrnehmung angepasst.
Positiv formuliert kann diese Anpassung als „Verbesserung“ dargestellt werden, realistisch gesehen ist es jedoch Manipulation.
Aber wovon spreche ich?
Die Filterblase – auch Echokammer genannt – in die uns Google einbettet aufgrund derer Erkenntnisse über uns.
Grundsätzlich will uns Google mit der Vorauswahl von Dingen, die uns scheinbar interessieren – weil durch unser bisheriges Suchverhalten bestätigt – zunächst helfen. Was jedoch dabei geschieht, hat schon Adolph Freiherr Knigge trefflich formuliert:
Man glaubt es gar nicht, welch ein eintöniges Wesen man wird, wenn man sich immer in dem Zirkel der eigenen Lieblingsbegriffe herumdreht, und wie man dann alles wegwirft, was nicht unser Siegel an der Stirne trägt.
Da diese Vorauswahl ohne unsere Kenntnis stattfindet, tritt neben der Eintönigkeit, die sich einstellt, noch ein weiterer Effekt ein:
Wir glauben, dass wir einen umfassenden und objektiven Blick auf die Welt haben. Es wird nach und nach alles ausgeblendet, was der Algorithmus als für uns uninteressant ausblendet.
Wir kreisen immer enger und immer schneller um unsere immer fester zementierten etablierten Gedanken und Meinungen – gemeinsam mit den Menschen, die uns als ähnlich denkend empfohlen wurden.

Die Empfehlungsmaschine

In eine ähnliche Kerbe wie Google schlägt auch Amazon.
Allerdings nicht, um uns durch eine Vorauswahl in der schier unbewältigbaren Informationsflut einen digitalen Rettungsring zuzuwerfen.
Sondern hier stehen klar identifizierbare monetäre Interessen im Vordergrund.
Ein Mensch ist einfach eher bereit, etwas Bekanntes zu kaufen als etwas vollkommen Neues.
Auch reagiert ein Mensch schneller auf – vermeintlich – persönliche Empfehlungen als auf eine nüchtern-neutrale Bewertung eines Produktes.
Diese beiden Faktoren macht sich Amazon (und auch andere Internetkonzerne) zu Nutze und empfiehlt uns das Blaue vom Himmel herunter – wenn Amazon dies denn in seinem schier unüberschaubaren Warenangebot listen würde.
Die Trefferrate bei den Empfehlungen dieser Empfehlungsmaschine ist so hoch, dass an dieser Stelle mittlerweile „Fehler“ eingebaut werden, um den Creepiness-Effekt abzumildern.
Dieser Creepiness-Effekt tritt ein, wenn potentielle Kunden das Gefühl haben, die Empfehlungen treffen zu genau auf ihre Persönlichkeit zu.
Für mich ist dies ein Beleg dafür, dass die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen schon erschreckend gut ist. Internetkonzerne verkaufen offensichtlich lieber etwas weniger, als einen Kunden durch den Creepiness-Effekt vollständig zu verlieren. Creepy.

Tracker und Trader

Bisher habe ich von einzelnen Effekten bei verschiedenen Datensammlern gesprochen.
Was passiert jedoch, wenn dies alles zusammenläuft?
Undenkbar, höre ich mich sagen!
Und doch, das ist die Realität. Facebook, Google und Amazon treten weder allein noch isoliert im Internet auf.
Diese – und andere – Konzerne verfolgen zwar eigene – und auch gewiss konkurrierende – Ziele, aber hinsichtlich der Erstellung von Persönlichkeitsprofilen ziehen sie doch gern (und erfolgreich) an einem Strang.
Und dieser Strang beinhaltet unterschiedliche Tracking-Mechanismen wie der Allerseiten verachtete Like-Button, Beacons und Fingerprinting.
Allesamt Mittel, um uns über sämtliche besuchten Seiten hinweg eindeutig identifizier-, verfolg- und manipulierbar zu machen.
Dieses Tracking – egal mittels welcher Technologien es durchgeführt wird – liefert den Internetkonzernen (entweder durch Drittanbieter, welche diese Daten sammeln oder durch eigene Sammelmaßnahmen) das notwendige Rüstzeug, um Profile über uns zu erstellen.
Und je mehr Rüstzeug die Datenkraken anhäufen, desto nackter und schutzloser werden wir.

Wenn wir zur Ware werden

Die Erstellung von Persönlichkeitsprofilen in Reinform liefern Datenkraken wie acxiom, Schober, arvato infoscore und die Schufa.
Diese Unternehmen sind in unserer Wahrnehmung im Internet eher unsichtbar.
Aus gutem Grund:
Kämen die ungeheuerliche Sammelwut und die unanständig-invasiven Datenkorrelationsmöglichkeiten dieser informatorischen Aasgeier ans Licht, wäre der Unmut der unbedarften Persönlichkeitsprofil-Träger vermutlich größer.
Diese Datenhändler liefern die Grundlage dafür, warum derjenige keinen Kredit bekommt, der in der „falschen“ Gegend lebt.
Auch wenn wir keinen Handyvertrag abschließen oder keine Wohnung mieten können (weil wir das „falsche“ Alter, Geschlecht oder die „falsche“ Ausbildung haben, geht auf die Rechnung dieser Datenhändler.
Ich halte es für verwerflich, welche Datenmengen diese nahezu unsichtbar operierenden Unternehmen ansammeln, zu erschreckenden Persönlichkeitsprofilen korrelieren und gegen Einwurf kleiner Münzen (oder großer Scheine) an den Zahlungswilligen verkaufen.
Bäh!

Was tun? Was hilft?

George_Cruikshank_Oliver_Twist
By George Cruikshank – Oliver Twist by Charles Dickens via www.foliosoc.co.uk, Public Domain

Stehen wir dieser Profilbildung hilflos wie Charles Dickens‘ Titelheld aus Oliver Twist gegenüber und bitten unterwürfig:
Bitte, Herr, ich möchte noch etwas mehr!“?
Nein, wir können selbstbewusst unsere Privatsphäre und unsere Freiheit verteidigen – indem wir uns der Verfolgung und Profilbildung widersetzen!
Dazu reichen schon einfache Add-ons im Browser unserer Wahl aus (dies soll uns der Firefox sein), die uns bei der Wiedererlangung der Kontrolle über unsere Daten unterstützen.

  • Cookie Controller: Kontrolle über Cookies – damit wir nicht weiterhin mit einem allseits sichtbaren Post-it auf der Stirn im Internet surfen.
  • Privacy Badger: Schutz vor Tracking.
  • uBlock Origin: Schutz vor unerwünschter Werbung.

Beim Schutz unserer Privatsphäre benötigen wir mitunter auch technische Hilfe – und die bekommen wir hier.
Einfach, effektiv und sicher.

TL;DR

  • Kreditverlust durch die falschen Freunde: No Profile – No Credit
  • Du drehst dich nur noch um dich selbst: In der Echokammer hörst du nur dich selbst
  • Kauf gefälligst das, was wir dir verkaufen wollen: Die Empfehlungsmaschine
  • Verfolgt über das ganze Internet: Tracker und Trader
  • Die Datenhändler im Hintergrund: Wenn wir zur Ware werden
  • Tipps zum Schutz vor Profilbildung: Was tun? Was hilft?

Und jetzt?
Nicht verzagen, nicht klagen – mich um Unterstützung fragen!

Soziale Alternativen

Nachdem ich mir in den letzten Wochen Gedanken darüber gemacht habe, wie unsere Privatsphäre durch die Nutzung von unsozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter beschädigt wird, ist es heute an der Zeit, konstruktiv meinen Blick zu heben und zu zeigen, welche privatsphären-freundlichen Alternativen es gibt.
Dazu werfe ich zunächst einen Blick darauf, was ich durch die Nutzung eines sozialen Netzwerkes erreichen will.

Welche Ziele habe ich beim sozialen Netzwerken?

Für mich habe ich auf diese Frage drei unterschiedliche Ziele identifiziert (wenn du, geneigter Leser, hier noch weitere Ziele auf dem Schirm hast, freue ich mich über eine Nachricht von dir):

  • Ich will gehört werden
    Ich habe ein Thema, zu welchem ich gehört / gelesen / gesehen werden will. Das kann ich natürlich für mich in meinem kleinen Kämmerlein tun, aber dann werde ich wahrscheinlich nur von den Ratten in den Wänden gehört und mir antworten ausschließlich die Stimmen in meinem Kopf.
    Nun gut, das funktioniert.
    Aber wenn dies dein Ziel ist, dann brauchst du dir auch keine weiteren Gedanken über soziale Netzwerke im digitalen Raum machen.
    Eine weitere Möglichkeit wäre Speakers’ Corner im Hyde Park – aber das wird sich demnächst auch in eine größere Reise-Arie ändern, wenn der Brexit abgeschlossen ist.
    Und schließlich gibt es noch die Möglichkeit von virtuell-sozialen Netzwerken, wo der aspirierende Öffentlichkeitswillige innerhalb weniger Minuten eine Zuhörer-/Zuschauerschaft hat, die problemlos in die Hunderte geht.
    Bingo!
    Also stürzen wir uns darauf und nutzen die digital etablierten Netzwerke als unsere Plattform.
  • Ich will mich mit gleichgesinnten vernetzen
    In der prä-digitalen Wirklichkeit musste ich tatsächlich physisch durch meine Nachbarschaft geistern, um Gleichgesinnte für meine alpenländische Affineur-Gruppe zu finden.
    Heute erledigt sich das bequem vom Sofa aus.
    Nebenbei habe ich noch die Möglichkeit, in mehr Gruppen aktiv zu sein, als mir die Woche Tage bietet.
    Die rein temporal bedingte Begrenzung, die mir früher maximal fünf Hobbies gleichzeitig bescherte (es muss ja auch noch ein bissel Zeit für die Familie kalkuliert werden) hat sich heutigen Tags vollkommen überholt.
    Ich kann digital nicht nur auf sämtlichen Hochzeiten gleichzeitig tanzen, sondern habe auch noch die Gelegenheit, zu jedem Thema, welches nicht bei drei auf den binären Bäumen ist, meine Meinung kund zu tun.
    Überforderung und seelische Verflachung lässt schön grüßen.
  • Ich will Informationen erhalten
    Soziale Netzwerke unterstützen mich dabei, Informationen zu sammeln.
    Dies habe ich bereits in meinem letzten Artikel für Twitter ausgeführt.
    Es ist sicherlich praktisch, an einer Stelle eine Informations-Tränke für mich einzurichten.
    Doch obacht: An dem informationellen Wasserloch, an dem ich mich labe, lauern auch informationelle Predatoren, die mich als Datenbeute reißen wollen.
    Aus diesem Grund bin ich ein Freund von Divergenz: verteile deine Informationsquellen auf verschiedene Datenfutterplätze und konzentriere nicht alles auf einen hochfrequentierten Datentrog.
    Informationen gibt es überall – auch die selben (das ist das praktische an dieser Ausprägung des Internets: eine Kopie ist das Original, ist eine Kopie, ist das Original – hier und dort und da).

Welche Alternativen gibt es?

Ausgehend von obigen Zielen für die Nutzung von sozialen Netzwerken stelle ich hier einige Alternativen vor, die ebendiese Ziele verfolgen.
Es gibt – natürlich wie bei allem – auch für diese Alternative eine Schattenseite:
Sie sind nicht so bekannt und damit nicht mit einer so enormen Nutzerzahl gesegnet wie die wohl-propagierten Platzhirsche Facebook, Google+ und Twitter.
Aber – wie ich das auch schon bei meinen Gedanken zur Privatsphäre bei Facebook angemahnt habe – wer will schon mit 1,6 Milliarden anderen Menschen netzwerken, Affineur-Rezepte austauschen oder deren Meinung zu Arthouse-Filmen der späten 1990er hören?
Ich nicht, daher suche ich mir lieber spezialisierte Foren und Netzwerke und schere nicht alles über ein und denselben Kamm.

  • gnusocial ist ein Microblogging-Dienst, also quasi das Äquivalent zu Twitter.
    Nur eben dezentral und mit wirklicher Kontrolle über die eigenen Daten und die Privatsphäre.
    gnusocial bietet in Summe die gleichen Funktionalitäten wie Twitter, aber eben auf einer freien und verteilten Plattform, die weniger Angriffsfläche für die Bildung von Profilen bietet.
    By Jonas Laugs, with lettering by Steven DuBois - https://www.gnu.org/graphics/social.html, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=42323897
    By Jonas Laugs, with lettering by Steven DuBois
  • diaspora* ist die freie und verteilte Alternative zu Facebook und Google+.
    Es bietet die gleichen Funktionen wie die beiden konventionellen unsozialen Netzwerke. Allerdings ohne die datenkrakigkeit und ohne das Profiling.
    Durch die dezentrale Struktur von diaspora* – und auch gnusocial -kann hier auch kein zentrales Datenregister über alle Benutzer aufgebaut werden. diaspora* bietet den gleichen Funktionsumfang wie Facebook – inklusive Posting eigener Beiträge, Kommentare vorhandener Postings und auch einem Echtzeit-Chatsystem. Was hier aktuell noch fehlt sind die 1,65 Milliarden Nutzer – aber wer braucht die schon?
    By https://wiki.diasporafoundation.org/Branding - Diaspora social network project official logo using helvetica font. Taken from the official branding page., Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37517753
    By https://wiki.diasporafoundation.org/Branding
  • ein eigenes Blog
    Das ist für mich immer noch die beste Alternative, um meine eigene Meinung in der mir am besten erscheinenden Form und unter bestmöglicher Erhaltung meiner Datenhoheit über die von mir preisgegebenen Daten der digitalen Welt mitzuteilen: mein eigener Blog (nein, ich habe mich nicht verschrieben, laut Wiktionary ist Blog sowohl in neutraler wie auch in maskuliner Form gebräuchlich).

Welche Vorteile haben diese Alternativen?

Die Unterschiede – und besonders die Vorteile – dieser privatsphären-verträglichen Alternativen gegenüber den konventionellen Plattformen wie Facebook, Google+ oder Twitter stelle ich hier kurz gesammelt vor.

  • Sie sind dezentral
    Dies bedeutet, dass es keinen zentralen Server gibt, über welchen Profile aller Nutzer zusammengestellt werden können.
    Ein weiterer Vorteil der Dezentralität besteht auch weiterhin in der besseren Verfügbarkeit und der Vermeidung einer Machtkonzentration.
  • Ihr Geschäftsmodell zielt nicht auf die Daten der Nutzer ab
    Die freien Alternativen (vielleicht sollten wir sie einfach Freie Radikale nennen – obwohl diese ja eher unbeliebt/nicht gut sind 😉 – aber mir gefällt der Begriff!) haben es – im Gegensatz zu den konventionellen Datenkraken – nicht auf die Daten der Nutzer als Währung abgesehen.
    Diese freien Plattformen haben tatsächlich noch ein freies Internet zum Austausch von Ideen und Gedanken als zentrale Motivation.
  • Sie sind offen
    Also in jeder mir nur denkbaren Weise (naja, wer nach allen Seiten offen ist, kann nicht ganz dicht sein 😉 ) sind diese Plattformen offen.
    Es gibt keine in den AGBs versteckt verklausulierten Datenschmutzbestimmungen oder unmöglich einzustellende Privatsphärenverschleierungen.
    Diese Plattformen wollen einfach zum Austausch und zur Kommunikation verwendet werden.
  • Ich bin Herr über meine Daten
    Der Nutzer dieser privatsphären-freundlichen Plattformen bleibt tatsächlich Besitzer seiner Daten.
    Diese werden ihm nicht durch schmutzige Tricks in den Nutzungsbedingungen entzogen.
    Der Nutzer wird auch nicht daten-entmündigt.
    Nein, hier behält er wirklich die Souveränität über die von ihm preisgegebenen Daten.

TL;DR

  • was will ich? – Ziele meiner sozialen Nutzlast
  • welche Alternativen habe ich? – gnusocial, diaspora* und Blog
  • was macht die Alternative besser? Freiheit, Offenheit, Souveränität

Und jetzt?
Zur Sonne! Zur Freiheit!
Oder zumindest zu gnusocial, diaspora* und zum eigenen Blog!

Was mach ich mit meiner Privatsphäre bei Twitter?

Bevor ich mir heute einige Gedanken zur Privatsphäre bei Twitter mache, verewige ich hier zunächst noch einige Worte zur 5. No-Spy Konferenz in Stuttgart.

No-Spy Logo
No-Spy

Die No-Spy war mein erstes Barcamp.
Naja, es war ja gar kein “richtiges” Barcamp – so behaupten auf jeden Fall Hardcore-Barcamper, denn einige Vorträge waren bereits vorab geplant.
Naja, dazu fällt mir eigentlich nur Matsuo Basho ein:
Lerne die Regeln sorgfältig, und dann – vergiss sie.
Auf jeden Fall war es ein ganz hervorragende Konferenz, die mir wieder neue Ideen gegeben hat, bereits bekanntes weiter verinnerlicht, einiges aufgerüttelt und mich generell auf meinem Weg bestärkt hat.
An dieser Stelle auch nochmals meinen Dank an alle denen ich zuhören durfte, konnte, wollte und auch Dank an alle, die mir zugehört haben 🙂
Und sowieso Danke für alle Gespräche, in die ich involviert war.
Aber ich will mir ja heute einmal Gedanken über Twitter und Privatsphäre machen.
Wie geht das zusammen?
Geht das überhaupt zusammen?
Worüber muss ich mir im Klaren sein, wenn ich Twitter nutze?

Pseudonym ist Recht hier!

Twitter lässt – und das möchte ich hier wirklich lobend erwähnen – die Verwendung eines Pseudonyms zu.
Im Gegensatz zu Facebook, welches mit seinem Klarnamenzwang gegen das Telemediengesetz verstößt.
Denn hier heißt es in §13, Absatz 6:
Der Diensteanbieter hat die Nutzung von Telemedien und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Der Nutzer ist über diese Möglichkeit zu informieren.
Zu dieser Überzeugung kommt auch Johannes Casper, der Hamburger Datenschutzbeauftragte.
Aber ich bin abgeschweift.
Ich wollte ja kein Facebook-Bashing betreiben, sondern Twitter als an dieser Stelle vorbildlich hervorheben.
Vor allem sehe ich auch gar keinen Grund, die Möglichkeit zur Verwendung von Pseudonymen zu unterbinden.
Denn die Schwachmaten, die ihre Hate-Speech ins Netz jammern, bekommen wir ja dank Vorratsdatenspeicherung eh raus.
Weil pseudonym heißt nicht anonym 🙂

Du bist, wem du folgst: Profilbildung durch Following

Neben der Nachverfolgbarkeit aufgrund von IP-Adressen-Zuordnung bietet Twitter auch noch viel geschicktere Möglichkeiten der Identifikation seiner Nutzer.
Liebe Twitter-Nutzer, bitte denkt nicht, bloß weil ihr hier mit einem Pseudonym unterwegs seid, seid ihr anonym unterwegs.
Nein, grundsätzlich könnt ihr – und aktuell aufgrund der im letzten Jahr beschlossenen
Einführung einer Speicherpflicht und Höchstspeicherfrist für Verkehrsdaten” für 10 Wochen – anhand eurer IP-Adresse ermittelt werden.
Aber es geht noch viel besser und einfacher, ein Bild über euch zu erhalten.
Allein aufgrund der Twitter-Accounts, denen ihr folgt, kann ein ganz klares Profil von euch erstellt werden.
Dieses Profil kann jetzt auch mehrfach eingesetzt werden:

  • es gibt ein klares Bild über eure politische Entscheidung ab:
    Wenn ihr größtenteils links-radikalen Hetzgruppen folgt, dann werdet ihr eher nicht der Volksfront von Judäa zugerechnet.
    Folgt ihr jedoch eher den militanten Treehuggern, so werdet ihr wohl auch eher als der Judäischen Volksfront anhängig betrachtet.
  • kommerziell ist dieses Profil jedoch auch spannend:
    Folgt ihr nur Nestlé, Proctor&Gamble und ähnlichem Schmutz, so bekommt ihr höchstens Hass-Tweets von Greenpeace und Sea Shepherd.
    Wenn ihr jedoch nur den Pandabären von WWF und eurer lokalen Demeter-Tanzgruppe folgt, seid ihr wohl ziemlich sicher davor, von Air America und Pepsi-Carola gepestet zu werden.

Deswegen:
Drum prüfe, wem ich ewig folge – es könnte auf mich zurück fallen – ziemlich blöd.

Twitter als Informationskanal

Für mich stellt sich Twitter sowieso am besten in seiner Funktion als schneller Kanal zur Informationsgewinnung dar.
Einige Hersteller, sowohl von Hard- als auch von Software, sind dazu übergegangen, Informationen ausschließlich über Twitter zu verbreiten.
Mir als Schellackplatten-Schubser ist das ein bissel suspekt, aber ich kann es akzeptieren.
Es ist halt sehr praktisch, um auf die Schnelle kurze Informationen unter das mir folgende Volk zu bringen.
Die rigide 140-Zeichen-Reglementierung zwingt mich auch dazu, mich sehr kurz zu halten.
Dies hat den Vorteil, dass an dieser Stelle nicht die Gefahr besteht, ins Schwafeln zu geraten.
Nein, 140 Zeichen und dann ist Schluss.
Kurz – und hoffentlich gut.
Was ich bei der schnellen Info über eine Produktneuheit auch tatsächlich zu schätzen weiß.

Wenn man nichts zu sagen hat…

…einfach mal die Klappe halten.
Das sind natürlich schon die höheren Weihen der Twitter-Nutzung.
Die kurze und schnelle Frequenz der Tweets bei Twitter verleiten auch ganz schnell dazu, dass man in den Zwitscher-Irrsinn verfällt und seinen noch so seichten Senf zu jedem hereingeschneiten Tweet abgeben muss.
Nein, das muss man nicht.
Twitter kann auch lehren, einfach einmal zu schweigen.
Auch in 140 Zeichen geht das.

Jens’ Practices

  • Nutze ein Pseudonym – Twitter erlaubt es sogar explizit!
  • Verknüpfe deinen Klarnamen nicht mit dem Pseudonym – sonst bringt das ganze gar nichts!
    Nutze einen eigenen E-Mail Account für deine Twitter-Aktivitäten.
    Häng nicht deine Handynummer mit in die Sache rein – sonst wird dein Profil ein ganz klares sein 🙂
  • Setze ein gutes Passwort ein: es muss ein eigenes sein, ein langes und gutes – lies nochmal hier nach.
  • Es wird ein Profil über dich erzeugt, versuche so objektiv wie möglich zu sein. Twitter versucht natürlich auch, eine Filterblase um dich herum aufzubauen. Wenn du dies weißt, kannst du entsprechend damit umgehen.
  • Nutze Twitter gezielt zur Informationssuche – es ist schnell, es ist aktuell – und gerade deswegen bestimmt nicht umfassend und objektiv 🙂
    Wenn du dich intensiv mit einem Thema beschäftigen willst, ist Twitter der falsche Kanal dafür.
  • Schweigen ist mehr wert als goldgepresstes Latinum:
    Nicht jeden Tweet, den du liest, musst du kommentieren.

TL;DR

  • No-Spy: Aluhut-Dichtenmessung
  • Pseudopoden und Antonyme: Pseudonym ist hier Recht!
  • Profiler sind hinter dir her: Profilbildung durch Following
  • Ich hab den Informationskanal voll: Informationen durch Twitter
  • Hättest du geschwiegen, wärst du ein Philosoph geblieben: Nicht alles muss kommentiert werden
  • Best Practices: Jens’ Weisheiten am Rande des Nervenzusammenbruchs

Und jetzt?
Abschalten, offline gehen und die Seele durchlüften.

Was mach ich mit meiner Privatsphäre bei Facebook?

Die Frage klingt ein wenig schillernd:
Was willst du mit den Daten? sprich!
Nun, auf Seiten von Facebook ist diese Frage schnell und klar beantwortet:
Damit ich dir mehr relevante und personalisierte Werbung aufdrücken kann!
Das allerdings klingt jetzt ein wenig nach dem bösen Wolf aus Rotkäppchen.
Aber immerhin trifft das ja auch ganz gut zu.
Denn der Unternehmenszweck, den Facebook verfolgt, liegt nun einmal in der Steigerung der Werbeeinnahmen durch möglichst geschickt platzierte Werbeflächen.
Aber worum geht es denn den Datenlieferanten, den Mitgliedern bei Facebook, wenn sie bereitwillig ihre persönlichsten Momente und sonstige Daten an Facebook abgeben?
Ich will mich heute nicht in Vermutungen ergehen, aus welchem Grund Menschen ihre Daten bei Facebook preisgeben. Vermutlich finden wir bei den 1,65 Milliarden Mitgliedern 4,38 Milliarden unterschiedliche Gründe dafür.
Was ich hier jedoch vorstellen will, sind Risiken, denen sich diese 1,65 Milliarden Mitglieder beim Veröffentlichen ihrer Daten auf Facebook aussetzen.

Mach dir (d)ein Bild – Gefahren durch Selfies und sonstige Fotos

Selfies (und alle weiteren analog benannten Abarten davon) bieten durch ihre automatisch erzeugten und hochgeladenen Metadaten hervorragende Möglichkeiten, um weitere Informationen über das hochladende Mitglied zu erhalten.
Uhrzeit und Geokoordinaten sind dabei meiner Ansicht nach noch die augenfälligsten Metadaten, die dem unachtsamen Nutzer dabei die Privatsphäre zerhageln können:
Blöd zum Beispiel, wenn hier aus dem vermeintlichen Krankenstand ein Foto vom Strandausflug gepostet wird, natürlich mit genauem Zeitstempel.

Geodaten – ich bin nicht daheim, liebe Einbrecher

Ein ganz besonders unvorsichtiges Vorgehen beim Hochladen von Fotos – oder direkt noch besser in der Funktion, seinen aktuellen Aufenthaltsort auf Facebook bekannt zu machen, ist das Missachten oder Ignorieren von Geodaten.
Was schon als Metadaten in Fotos verräterisch ist, zeigt sich in der Verwendung der Möglichkeit, seinen aktuellen Standort zu posten als noch kritischer.
Wenn ich angebe, dass ich gerade für einen zweiwöchigen Urlaub auf den Seychellen gelandet bin, braucht es keinen Raketenwissenschaftler, um daraus zu schließen, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht in meinem Haus in Oer-Erkenschwick bin.
Ergo: Freie Bahn für versierte (Daten)-Diebe.

Profilneurose: Personenbezogene Daten

Das ganze Gejammer von Facebook, der öffentlichkeitsliebende Nutzer möge doch noch seinen Wohnort, Lieblingsverein und seine persönlichen musikalischen Top-Ten angeben, dient lediglich dazu, einen besseren konsumwirksamen Hebel ansetzen zu können, um diesem Nutzer noch mehr nutzlose Dinge zu verkaufen, die er schon immer nicht haben wollte.
Kurz gesagt, es ist lediglich eine Marketingstrategie, welche die aktuelle Fokussierung auf die Möglichkeiten von Big Data im Zusammenhang mit sozialen Medien ausnutzt.
Das ist nichts Innovatives, das ist lediglich die konsequente Fortsetzung der marktwirtschaftlichen Prämisse des kontinuierlichen Wachstums – übertragen auf den Bereich der sozialen Medien.

Filterblase: Ich weiß besser, was du suchst

Auch der Bereich der profilbasierten Vorselektion der für mich “relevanten” Inhalte ist nur ein weiterer Versuch, mich zu mehr Konsum zu bewegen.
Da die Filterblase, in welcher ein Facebook-Nutzer schwebt, direkt mit dem von ihm erstellten Profil zusammenhängt, ist es an dieser Stelle auch keine Rocket Science, dass auch diese Ausprägung von Manipulation auf den gesteuerten Konsum des Nutzers abzielt.
Leider führt dieses System der Filterblase auch dazu, dass der Nutzer in seinen Interessen immer eindimensionaler und langweiliger wird.
Aber das ist auch das Ziel von Facebook:
Eindimensionale und langweilige Nutzer sind besser zu manipulieren.
Mir fällt an dieser Stelle wieder Adolph Freiherr Knigge ein:
Sei nie ganz müßig!
Lerne dich selbst nicht zu sehr auswendig, sondern sammle aus Büchern und Menschen neue Ideen.
Man glaubt es gar nicht, welch ein eintöniges Wesen man wird, wenn man sich immer in dem Zirkel der eigenen Lieblingsbegriffe herumdreht, und wie man dann alles wegwirft, was nicht unser Siegel an der Stirne trägt.

Adolph Knigge Freiherr
Von Users Webmaster@sgovd.org, AxelHH on de.wikipedia, Gemeinfrei, Wikimedia Commons
Mit der Filterblase, in die Facebook seine Nutzer durch die immer detailliertere Abfrage von Begriffen, die einen Nutzer (aus Sicht von Facebook) ausmachen, will Facebook eine erfolgreichere Platzierung “relevanter” Werbebotschaften erreichen.

Manipulation: Wir wollen, dass du bist wie wir dich wollen

Ziel der bereits angesprochenen Punkte Erzeugung eines Profils und Erstellung einer Filterblase passend zu diesem Profil ist die Manipulation des Facebook-Nutzers.
Dabei steht letzten Endes der Verkauf von Werbeplätzen und Nutzerdaten.
Facebook ist – und bleibt 😉 – laut eigener Aussage kostenlos.
Nun, da ist “kostenlos” halt ein dehnbarer Begriff.
Dienste müssen nicht unbedingt offensichtlich Geld in bekannter Währung kosten. Moderne Dienste, und da sind sich die Denker und Kritiker der Digitalisierung unseres Lebens einig, kosten unsere Daten und unsere Aufmerksamkeit, wenn sie nicht ganz transparent unser Geld als Gegenleistung fordern.

Jaron lanier.JPG
Canticle at en.wikipedia [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Und eine weitere Aussage von Jaron Lanier zu diesem Thema untermauert dies sehr schön:
Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt.
Denn als Kunde würdest du ganz transparent deine gebuchte Dienstleistung bezahlen.
Als Produkt wirst du nur als Datenlieferant ausgebeutet (hier passt auch ganz schön der Begriff vom Data-Mining).

Drum prüfe, wer sich ewig öffnet

Dir, lieber Facebook-Nutzer, sollte unbedingt einiges über deine Tätigkeiten bei Facebook klar sein:

  • dir gehört nichts mehr, was du hier hochlädst
  • du wirst auf Klick und Tipp getrackt, überwacht und manipuliert
  • du findest keine objektiven Informationen, es ist alles bereits für dein Profil vorselektiert
  • Facebook wird dich nicht ziehen lassen:
    deine Kontakte, deine Inhalte kannst du nicht (ohne größere Anstrengung) mitnehmen
  • du wirst per Standardeinstellung durchleuchtet:
    willst du etwas nur eingeschränkt mitteilen, musst du dich durch viele, sich ständig ändernde und immer komplizierter werdende Einstellungen kämpfen

Was kann ich tun?

Nicht resignieren! Das ist mein erster Rat.
Wenn du Facebook nutzt, um dich zu informieren oder auszutauschen – tu es.
Aber sei dir gewahr, dass du überwacht, manipuliert und bedrängt wirst, beständig mehr über dich preis zu geben.
Für mich ist das nichts.
Für mich ist dies das krasse Gegenteil von Souveränität über meine Daten.
Ich freue mich jedoch, wenn ich dir schon einen Einblick in das Vorgehen von Facebook geben konnte.
Meine Empfehlungen, wenn du Facebook weiter nutzen willst:

  • sei datensparsam:
    gib möglichst wenig Daten über dich preis.
  • sei kreativ:
    nutze deine Fantasie um das über dich erzeugte Profil zu verwirren.
    Wie wäre es einmal mit einem anderen Geschlecht?
    Oder einem regelmäßig wechselnden Geburtstag?
  • sei wachsam:
    schnüre die Privatsphären-Einstellungen so stramm wie möglich – und bleibe am Ball, das Einzige was Bestand hat, ist der Wandel!

TL;DR

  • Fotos rauben Seelen – oder zumindest Daten
  • Hier bin ich! – Geodaten verraten mehr als tausend Bilder
  • Meine Daten für euch: Wie ich mich selbst verkaufe
  • Wir sagen dir, was du willst: Gefangen in der Filterblase
  • Wir wissen, was du willst: Manipulation
  • Daten bleiben für immer: was ich poste bleibt ewig bestehen
  • Was kann ich tun: Drei Tipps für einen gesunden Umgang mit Facebook

Aber besser noch:
Raus aus dem digitalen Sumpf – zurück zur Hoheit über die eigenen Daten!

Warum posten eigentlich alle?

Heute starte ich mit meinem nächsten Themen-Block soziale Netzwerke.
Als Einstieg beschäftige ich mich deshalb mit der Frage, die mir ständig durch die Gehirnwindungen geistert, wenn ich wieder so einen Smartphone-schwingenden Datenterroristen sehe.
Entweder wenn dieser sein Kind fotografiert und das Bild zu Facebook hochlädt (und damit auch gleichzeitig die Privatsphäre seines Sprösslings mit Füßen tritt und obendrein dessen Karriere als zukünftiger Lohnsklave verhindert) oder auch wenn er selbst einen weiteren geistlosen Kommentar zur aktuellen Wetterlage in Castrop-Rauxel in den ewigen digitalen Datenarchiven hinterlässt.
Warum posten eigentlich alle?

Ich muss einen Beitrag leisten

Meine erste Vermutung, warum dieser nahezu unstillbare Drang zur digitalen Inkontinenz besteht, ist die unterschwellige Aufforderung von social Media, dass wir ja alle einen Beitrag leisten müssen, damit social Media funktioniert und nicht plötzlich in in völliger Bedeutungslosigkeit verpufft.
Liebe Leute, glaubt ihr wirklich alle, dass eure Belanglosigkeiten, die ihr so freigiebig in die virtuelle Welt postet auch nur einen Otter vor dem Hungertod oder einen Ureinwohner am Amazon vor dem nächsten illegal hochgezimmerten Staudamm bewahrt?
Was hilft mir dabei, um festzustellen, ob ich etwas posten sollte?
Drei einfache Fragen:

  • Für wen ist es hilfreich?
  • Ist es freundlich?
  • Ist es gut?

Und wenn bei diesen Fragen die Antworten “ja” lauten – und bei der ersten Frage die Antwort mehr als “für mich und <Datenkrake deiner Wahl>” lautet –
dann zähl erstmal mit angehaltener Luft langsam bis zehn.
Wenn du jetzt immernoch der Ansicht bist, dass du einen wertvollen Beitrag zur Rettung des nordsibirischen Otters oder der Kultur der indigenen Völker im Amazonas-Regenwald beizutragen hast, dann poste deinen Beitrag.
Sei dir jedoch immer bewußt, dass dein Beitrag zu einem ungleich höheren Teil den Datenkraken zu Gute kommt (einfach weil diese dadurch wieder einige weitere Datenpunkte für dein Profil bekommen) als deinem “Freundes”-Kreis.

Ich muss unsterblich werden

Falls du nach digitaler Unsterblichkeit strebst, dann poste einfach weiter bis dein Datentarif explodiert.
Tatsächlich machst du dich mit dem posten digital unsterblich, denn derzeit bleibt wirklich alles gespeichert, was wir in der unendlichen digitalen Müllhalde hinterlassen.
Und dank der ständig effizienter werdenden Korrelationsmöglichkeiten der Datenkraken werden diese Dinge auch immer wieder gefunden werden und mit uns in Zusammenhang gebracht.
Und wieso überhaupt Digitalisierung zur Erreichung der Unsterblichkeit nutzen?
Ich halte es für weit schöner, hilfreicher und zielführender die eigene Unsterblichkeit durch etwas zu erreichen, das man wirklich der Welt hinterlässt und nicht nur den Datenkraken als digitale Fußspuren.
Quantität ist auch bei dem Ansinnen nach Unsterblichkeit der Feind der Qualität. Bloß weil ich mit jeden Meter, den ich mit meinem Fitness-Tracker aufgezeichnet und in die Cloud geladen habe eine digitalen Fußabdruck hinterlassen habe, heißt es nicht, dass mich dieser bis in alle Ewigkeit aufgezeichnete Weg meiner Unsterblichkeit näher bringt.

Weil es doch alle tun

Jemine, was ist das denn für ein Argument?
Weil es alle tun?
Weil alle was tun? Wer sind alle?
Diese Begründung ist nur eine unzulässige und langweilige Verallgemeinerung.
Ich tue nichts, weil alle dies tun – schon gar nicht, wenn es für mich bedeutet datentechnisch die Hosen runterzulassen und mein innerstes nach außen zu kehren.
Wir werden keine bessere Gesellschaft wenn alle alles über alle wissen.
Geheimnisse zu haben und zu behalten, einen geschützten Raum – meine Privatsphäre – den ich nur für mich habe und mit niemandem teile, das ist nicht nur wahrer Luxus, nein das ist eine Notwendigkeit unseres Lebens als soziales Wesen.
Gerade die Tatsache, dass ich mich abgrenze von meinen Mitmenschen, macht mich mehr zu einem aktiven Mitglied der Gesellschaft.
Wenn alle alles über alle wissen, dann haben wir nur noch einen undifferenzierten Brei.
Und aus diesem undifferenzierten Brei kann nichts entstehen.
Aus der Differenz zwischen mir aus meiner Privatsphäre und der daraus erwachsenden Interaktion mit den Menschen um mich herum entsteht wirkliches Leben.

Was tue ich stattdessen?

Wie bei den Ansätzen aus dem Minimalismus-Bereich, wo es darum geht mit möglichst wenigen Besitztümern glücklicher zu leben, halte ich auch einen Daten-Minimalismus für einen wundervollen, leichten und nachhaltigen Weg um dem Drang, alles zu posten zu entgehen.
Ich habe festgestellt, was für ein befreiendes Erlebnis es ist, alte Daten zu löschen oder einen Online-zu Account löschen, ein soziales Netzwerk zu verlassen.
Mir ist klar, dass viele Nutzer sozialer Netzwerke die Angst quält, dass sie den Kontakt zu ihren “Freunden“, zur Gesellschaft verlieren, wenn sie einem sozialen Netzwerk den Rücken kehren.
Aber keine Furcht, treue Leser, das Gegenteil ist der Fall!
Die Kontakte zu den wirklichen Freunden vertiefen sich, der Austausch mit meinen Mitmenschen wird besser und direkter.
Es fallen sicherlich quantitativ “Freunde” weg, doch auch an dieser Stelle wiederhole ich:
Quantität ist der Feind der Qualität!
Ein Mensch kann sowieso nur knapp über 100 Kontakte als einzelne Menschen differenzieren.
Er schafft es generell nur mit ein Paar Dutzend Menschen näheren Austausch zu pflegen und lediglich eine Handvoll echte Freunde sind ideal für ein glückliches und erfülltes Leben.
Und davon ausgehend meine Empfehlung:
Triff dich mit deinen Bekannten und Freunden!
Triff dich im wirklichen Leben, nutze keinen Chat dazu.
Trinke, tanze und lebe mit diesen wirklichen Begleitern in deinem Leben.
Teile dein Leben mit Menschen – nicht deine Daten!
Und wenn du deine Gedanken der Welt mitteilen willst?
Schreib ein Buch!
Behalte die Souveränität über deine Daten und teile deine Ideen der Welt mit anstatt nur deine Daten an irgendeine Datenkrake zu verschleudern.
Es ist mittlerweile so einfach, das eigene Buch zu veröffentlichen – dazu muss ich nicht an einen Verlag gebunden sein.
Ich kann es als Selfpublisher selbst herausgeben.
Eine wundervolle Unterstützung finde ich dabei bei bookmundo.
Hier werde ich als Autor unterstützt und begleitet bis zum fertigen Buch.
Und das wundervolle dabei ist:
meine Daten bleiben bei mir – dort wo sie hingehören.

TL;DR

  • stell dich beitragsfrei: Ich muss keinen Beitrag leisten
  • My undying data: Unsterblichkeit auch ohne digitale Datenspuren
  • Geh deinen eigenen Weg: Tue es nicht, weil alle es tun
  • Was bleibt mir sonst: Empfehlungen für ein datensouveränes Leben

Und jetzt?
Greife zum Telefonhörer und ruf den ersten Menschen an, der dir einfällt – das ist wirkliches soziales netzwerken!