Kann isch WhatsApp – bin isch Internet

“It’s no longer OK not to understand how the Internet works.”

Aaron Swartz

Über die Problematik einer pragmatischen digitalen Kompetenz.

Vermutlich wird dieser Artikel ein wüster Rant über die vermeintliche Medienkompetenz der hochgelobten Digital Natives (und solcher, die es qua Selbstverordnung sein wollen).
Aber was solls, lieber raus als rein.
Es geht mir von unterschiedlicher Seite schon seit geraumer Zeit auf den Keks, dass allerorten breit von Medienkompetenz geschwafelt wird, aber weder konkret benannt wird, was darunter zu verstehen ist, noch wie dies vermittelt werden soll.
Daher werfe ich hier auch meine zwei Gedanken zu diesem Thema in den Raum und wappne mich der Gegenrede.

TL;DR;

  • Anwendungskompetenz reicht nicht
  • Wir brauchen mehr Hacker und weniger User
  • Ein Datenleak, sie alle zu erschrecken

Anwendungskompetenz reicht nicht

Ich stelle fest, dass oftmals schnelles Bedienen von Anwendungen schon ausreicht, um in Begeisterungsstürme ob der hohen Medienkompetenz von Digital Natives zu verfallen.
Das lässt sich sicherlich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.
Da ist einerseits der Arthur-C-Clarke-Blickwinkel: Jede Technologie, wenn sie ausreichend weit fortgeschritten ist, erscheint einem Uneingeweihten wie Magie. Da solche Aussagen oft von Uneingeweihten (Menschen mit geringer technischer Kompetenz oder Politiker) kommen, ist diesen Aussagen bestenfalls eine geringe Aussgekraft beizumessen. Nichtsdestotrotz haben diese Uneingeweihten oftmals eine hohe Entscheidungskompetenz.
Das kann einerseits dazu führen, dass entweder diese zu unrecht hochgelobten Anwendungskompetenzwunder eine vollkommen falsch ausgerichtete Einschätzung ihrer (Anwendungs-)Fähigkeiten bekommen, eben “Kann isch WhatsApp, bin isch Internet!”. Andererseits wird in eine vollkommen falsche Richtung politisch entschieden: Nämlich hin zum schnellen Anwender und weg vom gebildeten Nutzer, der die Hintergründe versteht.
Das bringt mich zu einem weiteren Punkt:
Vielleicht will die Politik und die Industrie einfach nur schnelle Anwender, also dressierte Affen.
Was die Industrie anbelangt, bin ich mir sehr sicher, dass dem so ist. Denn ein unkritischer Konsument ist das, was die Industrie sich wünscht: ein Kunde, der einfach kauft, was ihm die Konzerne vorsetzen.
Was die Politik angeht, habe ich doch noch Hoffnung in die Grundannahme unserer Demokratie: die Beteiligung eines aufgeklärten Volkes, nicht einer rückenmarksgesteuerten Masse.
Aber da ist möglicherweise die Lobby die treibende Kraft – und diese kommt letztlich doch wieder aus der Industrie.
Doch zurück. Ich bin der festen Überzeugung, dass es heutzutage nicht ausreicht, ein versierter Anwender zu sein. Die Zusammenhänge und die Auswirkungen, die die Digitaltechnik auf unser Leben und unsere Gesellschaft haben, sind zu groß, um dies durch reines anwenden-können zu bewältigen.
Wir müssen zumindest die grundlegenden Zusammenhänge verstehen, wenn wir die Digitalisierung als gesellschaftlich durchdringendes Element nutzen wollen. Ansonsten sind wir nicht besser als Menschen, die Gewitter als die Laune eines Gottes ansehen.

Wir brauchen mehr Hacker und weniger User

Betrachten wir die Situation aus einem anderen Blickwinkel.
Vor kurzem, zwei Kurse in digitaler Selbstverteidigung in Klassenstufe 10 eines allgemeinbildenden Gymnasiums.
Ein Bild des digitalen Elends.
Ehrlich, wenn das die Erwartungshaltung an Digital Natives ist, dann sehe ich schwarz für die Digitalisierung unserer Gesellschaft. Zappenduster.
Da ist überhaupt kein Interesse an einer Weiterbildung zu Themen rund um alles Digitale.
Geschweige denn Kenntnis über Alternativen zu vorhandenen Anwendungen oder Problemlösungsstrategien, wenn es – oh Wunder! – doch mal zu Fehlern kommen sollte.
Was ja in der IT quasi nie vorkommt.
Natürlich sind knapp über 40 Schüler keine repräsentative Menge, aber dass darunter nur einer ist, der überhaupt mal eine Alternative zu WhatsApp kennt, ist erschreckend. Niemand kannte einen alternativen Browser (neben den vorinstallierten) und der Unterschied zwischen Browser und Suchmaschine war ebenfalls nicht bekannt. Da wird mir dann wirklich ganz anders.
Wo ist denn der Pioniergeist, der jugendliche Forscherdrang, die Neugier und die Lust auf Rebellion geblieben?
Wenn wir uns eine Generation von Lämmern heranziehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn diese von den industriellen Wölfen gerissen oder auf der Schlachtbank der Digitalisierung geopfert werden.
Anstatt unseren digitalen Neubürgern das Erstellen von Filmchen fürs Internet beizubringen, müssen wir ihnen (und den senioreren digitalen Teilnehmern auch) digitale Selbstverteidung mit auf den virtuellen Weg geben.
Sogar unsere Kanzlerin hat erkannt, dass hier dringend Handlungsbedarf für jeden einzelnen besteht:

“Das Heft des Handelns in die eigene Hand nehmen.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Wir müssen jungen Menschen eine Resilienz gegen Manipulation und ein Bewusstsein gegen Überwachung mitgeben.
Von selbst entsteht weder das eine noch das andere.

Ein Datenleak, sie alle zu erschrecken

Da haben wir mal wieder ein Datenleck. Noch nicht mal besonders groß, aber gleich wird der Untergang der digitalisierten Welt prognostiziert.
Es werden politische Konsequenzen gefordert: Vom Hack-Back über staatlich verordnete Zwei-Faktor-Authentifizierung (nicht zu vergessen die Ordnungswidrigkeit beim Einsatz schlechter Passwörter) bis zur finanziellen Aufrüstung unserer diversen Cyber-Sicherheits-Organe.
Was allerdings generell übersehen wird, ist die Notwendigkeit der Schulung der Anwender.
Mir fällt an dieser Stelle wieder Aaron Swartz ein:

“It’s no longer OK not to understand how the internet works.”.

Aaron Swartz

Der breit gestreute Leak persönlicher Daten kann diesmal nicht (nur) der technischen Schwäche eines Systems in die Schuhe geschoben werden. Dafür waren schlicht zu viele Systeme betroffen.
Ganz klare Mitschuld tragen die Betroffenen.
Sie sind zu unbedarft mit ihren Daten umgegangen.
Egal ob es die privaten Chats mit der Familie über Facebook sind (man chattet einfach nicht privat auf einer öffentlichen Plattform).
Oder die Scans von Ausweisdokumenten (die gehören nicht in die “Cloud”).
Ebensowenig wie Zeugnisse auf den Rechnern anderer Leute gespeichert werden.
Und dann Passwörter. Wir werden einfach immer weiter Daten verlieren, wenn wir nicht endlich lernen, sichere Passwörter einzusetzen.
Und zwar viele davon. Für jeden Account ein eigenes Passwort.
Das ist auch nicht schwer. Wir müssen einfach nur umlernen.

“You have to unlearn what you have learned.”

Yoda

Es ist falsch nur ein Passwort zu haben. Zumal das dann auch noch zumeist extrem schwach ist.
Wir müssen lernen, dass ein Passwort-Manager der beste Schutz für unsere Passwörter ist.
Hier hilft uns kein Post-It am Bildschirm oder unter der Tastatur.
Wir müssen uns darum kümmern, welche Sicherungsmaßnahme dieser oder jener Dienst anbietet.

  • Wie lang und wie komplex können die Passwörter dort sein?
  • Unterstützt der Dienst 2FA?
  • Akzeptiert dieser Dienst einen Benutzernamen, der nicht gleich die E-Mail-Adresse des Nutzers ist?

Wir müssen das lernen. Oder wir hören auf, diese Dienste zu nutzen. Aber das halte ich für eine sehr gewagte Alternative.


Das ist alles so kompliziert

Heute setze ich meinen Kurs zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Silver Surfer fort – wir müssen nicht nur den Mut finden, Altes loszulassen und Neues, Unbekanntes zu ergreifen, sondern auch die Furcht vor vermeintlich Kompliziertem verlieren.
Silver Surfer befinden sich in der unangenehmen Zwickmühle zwischen “wir sind zu alt für all das moderne Zeug” und “wir müssen unbedingt das Neue nutzen, ansonsten verlieren wir den Kontakt zu unseren Kindern und Enkeln”.
Beginnen wir doch ganz locker Schritt-für-Schritt und nähern uns der Frage, ob denn tatsächlich alles so kompliziert ist, wie es manch ein Silver Surfer befürchtet.

Never too old to learn new tricks

Betrachten wir das ganze Thema Digitalisierung unter dem Aspekt der Herausforderungen und Möglichkeiten.
Wenn wir Neues erfahren und Neues lernen, hält uns dies geistig rege!
So lange wir lernen und unsere kleinen grauen Zellen mit neuen Herausforderungen beschäftigen, rosten wir nicht ein.
Es ist eine falsche Sichtweise, wenn der Volksmund sagt, ein alter Hund lerne keine neuen Tricks.
Mit dieser Gesinnung beschränken wir uns einfach selbst.
Wir sollten uns daher an positiven Beispielen orientieren.

  • Wir können problemlos im mittleren Alter von jugendlichen vierzig Jahren noch stricken lernen.
  • Den Schritt in die Selbstständigkeit können wir ohne Scheu erst jenseits der großen Vier wagen (Dem Schwaben nach wird der Mensch sowieso erst mit Vierzig gscheit).
  • Viele Golfer starten ihre Sportkarriere erst nachdem sie den Tennisschläger an die Wand oder Fußballschuhe an die nächste Laterne gehängt haben.

Wir sollten anerkennen, dass wir mittlerweile in einer Zeit leben, in welcher neue Möglichkeiten und Herausforderungen viel schneller entstehen (und auch wieder vergehen) als dies noch vor fünfzig Jahren so war.
Das Rad der technischen Entwicklung dreht sich heutzutage schneller.
Es hat Jahrhunderte gedauert, bis der Buchdruck sich in allen Schichten und Regionen durchgesetzt hat.
Der Fernsprecher hat sich erst im Laufe von Jahrzehnten als Kommunikationsmittel gesellschaftsdurchdringend etabliert.
Fernsehen verbreitete sich schon deutlich schneller.
Und heute erleben wir eine nahezu vollständige Revolution digitaler Kommunikationsmittel im Laufe von wenigen Jahren.
Die Entwicklung wird schneller.
Wir müssen nicht jeden einzelnen Schritt als Pionier der ersten Stunde vorantreiben. Wir müssen uns noch nicht einmal jede Neuerung zu eigen machen.
Aber was wir tun sollten, ist aufmerksam und offen die Entwicklung beobachten, damit wir von dieser Entwicklung nicht überrollt werden.

Silver Surfer müssen lernen, lernen, lernen

Was Frau Mahlzahn Jim Knopf als Begrüßungsrede in der Stadt der Drachen ans Herz legt, lege ich euch Silver Surfern auch ans Herz:
lernt!
Es gibt zwar keine Hiebe, wenn ihr nicht lernt und ich will auch nicht, dass ihr still sitzt – ganz im Gegenteil!
Bewegt euch – beherzt – durch virtuelle Welten.
Tobt euch aus, indem ihr Neues ausprobiert und euch weiter bildet.
Wir leben in einer Zeit, in welcher wir damit rechnen müssen, dass durch technische Innovationen uns alle fünf Jahre eine Revolution der digitalen Kommunikation bevorsteht.
Wenn wir dieser Entwicklung stand halten wollen, müssen wir uns ans Lernen gewöhnen.
Nutzen wir doch den Schwung dieser schnellen Entwicklung für uns aus, indem wir Kraft sammeln durch das Lernen.
Auch in der Raumfahrt wird die Wechselwirkung aus vorhandener Geschwindigkeit und einer großen Masse ausgenutzt, um ein Raumfahrzeug mit geringen Treibstoffeinsatz möglichst effektiv zu beschleunigen.
Dieses Manöver nennen wir Swing-By.
Also lasst uns einen geistigen Swing-By durchführen, indem wir die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung nutzen und in Kombination mit unserer Begeisterung immer wieder Neues zu lernen.
Wir werden sehen, es wird jedes Mal einfacher und wir kommen schneller und weiter als je zuvor!

Neues lernen ist nichts Neues

Wir mussten doch schon immer Neues lernen – warum sollte uns dies plötzlich ab einem gewissen Alter verwehrt sein?
Es ist doch schließlich in unserer Gesellschaft ein Privileg, dass wir unseren jungen Mitbürger eine gute Bildung, ein gutes und durchlässiges Schulsystem bieten. Warum sollte dieses Privileg nur auf die Jugend beschränkt sein?
Gerade etwas wie eine gute Bildung, für das wir und unsere Vorfahren gekämpft haben, sollte doch auch in späteren Jahren noch ausgekostet werden.
Es wäre doch eine Schande, wenn wir einfach aufhören würden zu lernen.
Wir haben doch lange Jahre, erst in den verschiedenen Schulsystem, anschließend in einer beruflichen Ausbildung oder einer Hochschule, gelernt zu lernen.
Viele lernen auch anschließend im Beruf weiter oder bilden sich an Abend- oder Volkshochschulen weiter.
Es gibt keinen Grund dieses lang antrainierte Lernen aufzugeben.
Es macht Spaß, erweitert den Horizont – und weil wir es über lange Jahre gelernt haben, wird es immer besser – das Lernen!
Ich halte ein Plädoyer für das Lernen.
Denn Lernen hat soviel Gutes, soviel Energie, soviel Spaß, soviel Sex!
Es ist wirklich nichts Neues, wenn wir lernen, aber doch ist der Inhalt wieder neu und aufregend und damit einfach ein Abenteuer, welches jeder – egal wie alt – erleben kann!

Mach es einfacher als es ist

Vereinfache das Komplizierte – das ist mein Lernkonzept.
Wenn wir lernen, Dinge einfach zu betrachten und sie zunächst für uns nutzbar zu machen, dann haben wir einen Hebel gefunden, der es uns auch erlaubt, anderen diese Dinge beizubringen.
Und wenn wir beginnen anderen Dinge beizubringen, die wir verstanden haben, dann vertieft sich auch für uns das erlernte Wissen!
Ein wundervoller  Kreislauf entsteht.
Ein Perpetuum Mobile des Wissens.
Wir lernen etwas für uns und geben anderen mehr, als wir selbst für uns gelernt haben:
Wissen und Hoffnung.
Ich kann mir kaum eine bessere Art vorstellen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, als ihnen etwas beizubringen, das ich selbst gelernt habe und für mein Verständnis vereinfacht habe.
Jeder von uns hat etwas, dass er anderen mitgeben kann.
Wir alle sind unendliche Brunnen des Wissens – wir sollten uns nicht selbst das Wasser abdrehen.
Ganz im Gegenteil: Wir sollten unerschöpflich und freigibig unser Wissen teilen.
Auf einer breiten Basis von geteiltem Wissen kann auch kein Missverständnis gedeihen.

Habe Mut vor Fehlern – wir müssen keine Experten werden

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Genau!
Darum scheue dich nicht davor, Fehler zu machen.
Fehler sind die besten Lehrmeister, die du dir wünschen kannst.
Ein Fehler hilft dir oft viel schneller, etwas zu verstehen als es viele Stunden theoretischen Büffels könnten.
Du machst einen Fehler, bemerkst ihn, denkst nach und korrigierst ihn.
Fehler machen ist angewandtes Lernen.
Mir tun Menschen leid, die behaupten, dass sie keine Fehler machen – denn das sind Menschen die nichts lernen.
Wenig Fehler macht man, wenn man nichts tut.
Versuche so viele Fehler wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu machen – dann lernst du viel.
Und vergiss auch jedes Ziel.
Der Weg ist das Ziel.
Das Lernen ist deine Belohnung.
Nicht, dass du am Ende deines Lernprozesses ein Experte in Irgendwas bist.
In unserer Zeit ist so viel Wissen vorhanden, dass noch nicht einmal ein Experte in seinem Fachgebiet alles über dieses Fachgebiet wissen kann.
Sei stolz auf dein Lernen und sei stolz auf deine Fehler.

TL;DR

  • Alter schützt vor Lernen nicht: Never to old to learn new tricks
  • Frau Mahlzahn spricht: Silver Surver müssen lernen, lernen, lernen
  • Ein bewährtes Konzept: Neues lernen ist nichts Neues
  • Sei ein Lernender, sei ein Lehrender: Mach es einfacher als es ist
  • Es gibt keine Fehler: Habe Mut vor Fehlern

Und heute mein Tipp aus der Verschlüsselungspraxis:
Die Eckkneipe ist die Real-World Alternative zu E-Mail-Verschlüsselung und echtes soziales Netzwerk

Früher war alles besser

Heute ändere ich meine übliche, digital-pessimistische Blickrichtung und mache den Silver Surfern unter uns Mut, die Vorzüge digitaler Kommunikation zu nutzen.
Wenn wir dem beständigen Wandel als Konstante unseres Lebens Rechnung tragen, können wir zum einen in nostalgischer Erinnerung schwelgen.
Zum anderen können wir aktiv an der Gestaltung des Kommenden mitwirken und werden davon nicht überrannt.
Aber das Beste daran ist, dass wir genau in dem Hier und Jetzt leben können, in dem wir leben wollen.
Und – wir können das Beste aus der Vergangenheit jetzt nehmen und es für unsere Zukunft einsetzen – Bakelit-Schalter zum Beispiel.

Früher war nicht alles besser, aber vieles anders

Nostalgie hat den Vorteil, dass wir uns an die schönen Dinge der Vergangenheit erinnern – häufig kombiniert mit dem Nachteil, das wir manches Mal die dunkleren Flecken heller malen, als sie es tatsächlich waren.
Mary Schmich fasst dies gut in ihrem Essay Wear Sunscreen zusammen – mit den Zeilen
Advice is a form of nostalgia. Dispensing it is a way of fishing the past from the disposal, wiping it off, painting over the ugly parts and recycling it for more than it’s worth.
Die Vergangenheit hatte ihre Zeit.
Das Wesentliche an der Vergangenheit ist aber nun mal, dass sie vergangen ist.
Es bringt uns nichts und uns schon gar nicht voran, wenn wir kontinuierlich daran festhalten, dass früher alles besser war.
Das war es nicht.
Es war anders.
Morgen wird auch anders sein als Heute.
Es bringt uns ebenso wenig, wenn wir darüber klagen, dass es Morgen anders sein wird als es Heute ist.
Das Einzige was Bestand hat ist der Wandel.
Inbesondere in einer Zeit, in der Wandel so schnell und allumfassend stattfindet wie heute, ist es hilfreich, den Wandel für sich zu nutzen.
Beharrliches Klagen darüber, dass früher alles besser war, kann uns schnell auf das Abstellgleis der Geschichte führen.
Allerdings kann ein allzu unreflektiertes Voranstürmen in die digitale Zukunft zu einem Absturz in den Abgrund der virtuellen Welt führen.
Es sind noch nicht alle Brücken gebaut, die uns über die möglichen Abgründe führen – und nicht alle von uns besitzen einen zeitreisegestählten DeLorean.

Digitales hat auch seine guten Seiten

Im Hinblick auf die Digitalisierung unserer Kommunikation ist es sogar völlig ungültig und überdies wenig hilfreich, mit dem Argument “früher war alles besser” zu arbeiten.
Denn was digitale Kommunkation angeht gibt es kein Früher, auf welches wir uns sinnvollerweise berufen könnten.
Es sei denn, wir sprechen von kurzen Zeiträumen wie “vor drei Jahren” bis etwa “vor zehn Jahren“.
Mittels digitaler Kommunikation erleben wir eine hochverfügbare und in allen gesellschaftlichen Bereichen vorhandene Kommunikationspalette ohne bisherige Präzedenz.
Wenn wir nun die Segnungen der digitalen Kommunikation auch noch mit gesundem Menschenverstand und mit kritischem Blick paaren, dann werden wir von den neuen Entwicklungen profitieren und nicht darunter leiden.

Nutzen wir digitale Kommunikation – mit Verstand, nicht aus Gruppenzwang

Wenn wir informierte Nutzer dieser Kommunikationsform sind – anstatt lediglich schnelle Anwender zu sein – dann können wir gezielt in die von uns gewünschte Richtung steuern.
Andernfalls werden wir in eine Richtung gezogen oder geschoben, die wir nicht für wünschenswert halten – und auf die wir ausserdem keinen Einfluss haben.
Dieses Vorgehen halte ich übrigens für valide, um nicht der “früher war alles besser“-Traurigkeit zu erliegen.
Einfluss nehmen auf das, was kommt – anstatt zu beklagen, dass nicht mehr ist, was früher vermeintlich besser war.
Noch einen weiteren Vorteil hat die bislang unvergleichliche Digitalkommunikation. Es handelt sich nicht nur um einen einzelnen Kommunikationskanal – wir haben heute die Auswahl aus unterschiedlichen Kanälen, Technologien und Anbietern.
Wir müssen nicht mehr “binär” abwägen zwischen -Telefon oder -kein Telefon.
Wir können aus einer breiten Palette an Kurznachrichtendiensten, Videotelefonie-Plattformen, E-Mail-Anbietern, sozialen Netzwerken und den bisherigen Kanälen Telefon, Brief und persönliches Treffen auswählen.
Wir sind nicht gezwungen, alle möglichen und verfügbaren Varianten auszuschöpfen.
Wir müssen im Grunde nicht einmal eine davon überhaupt auswählen.
Uns aber pauschal vor den neuen Möglichkeiten zu verschließen – mit dem fadenscheinigen Hinweis “früher war alles besser” – halte ich für falsch und gefährlich.
Gefährlich vor dem Hintergrund, dass wir Gefahr laufen, fremdgesteuert zu werden, wenn wir relevante Themen nicht aufmerksam “begleiten” und falsch, weil es irgendwie “am Leben vorbeizielt“.
Ich halte es für wichtig, nicht aus einem externen Zwang heraus zu handeln – nach dem Motto “weil es eben alle nutzen“- muss ich diese Anwendungen und Kanäle ebenfalls nutzen.
Es gibt neben den durch reine Masse (oder gutes Marketing) augenfällig gewordenen Werkzeugen auch Alternativ-Lösungen.
Bloß weil es “Massenware” ist, ist es nicht zwangsläufig besser.
Ich verweise an dieser Stelle nur auf Betamax vs. VHS oder Linux vs. Windows (wobei Linux glücklicherweise ein besseres Schicksal hat als seinerzeit Betamax).

Nutzen wir Alternativen

Welche Alternativen haben wir denn?
Und warum kennen wir eigentlich keine?
Gute Fragestellungen – auf die ich hier Antworten liefern möchte.
Zunächst – warum kennen wir so wenige Alternativen.
Nun, uns muss zum einen bewusst sein, dass es Alternativen zu allem und jedem gibt.
Da jedoch die Platzhirsche mit brachialer Werbemacht in unsere Aufmerksamkeit gebrochen sind, überhören wir die leisen Stimmen der alternativen Anbieter sehr leicht.
Und warum sollten wir auch auf diese leisen Stimmen hören?
Die Platzhirsche klingen doch viel bunter, schöner und hipper – Bunt und Klickbar  🙂
An dieser Stelle tritt ein weiteres Problem zutage:
Wir haben gar nicht den notwendigen Rundumblick, um unterscheiden zu können, warum die Alternative mit der leisen Stimme denn so viel besser sein sollte als der schöne, bunte Platzhirsch mit seinem tollen, bunten und umfangreichen Angebot. Das zusätzlich auch gar nichts kostet!
Außer unseren Daten und unserer Privatsphäre eben.
Und hier bin ich auch schon bei dem Hauptgrund, warum wir die Alternativen nutzen sollten.
Diese Anbieter wollen sich in der Regel nicht unsere Daten unter die Nägel reißen. Diese Anbietern gehen andere Wege – z.B. “pay as you use“.
Und welche Alternativen gibt es nun?

  • diaspora* statt Facebook: Teile dich deinem Netzwerk mit und nicht nicht der gesamten virtuellen Welt
  • gnusocial statt Twitter: Offen und frei anstatt “Daten für Google oder Salesforce
  • XMPP statt WhatsApp: Chatten mit unseren Freunden – ohne die Daten an Facebook zu verlieren
  • Posteo anstatt Gmail: Sicher schreiben – ohne dass Google dabei mitliest

TL;DR

  • Früher war nicht alles besser: Nostalgie mit Blick nach vorn
  • Digitales hat seine guten Seiten: Es gibt kein relevantes früher
  • Nutzen wir digitale Kommunikation: viele Möglichkeiten statt Einheitsbrei
  • Nutzen wir Alternativen: Gebt den leisen Stimmen eine Chance

Und jetzt, liebe Silver Surfer, geht mit nostalgischem Blick und wohl informiert in die Zukunft.

Ich hab ja nichts mehr zu verlieren

In meinem vorangegangenen Artikel habe ich mir grundlegend Gedanken darüber gemacht, was Silver Surfer sind.
Ich habe erläutert, welche Verantwortung Silver Surfer tragen und welch große Macht in ihrer Erfahrung steckt.
Heute stelle ich Überlegungen an, warum Silver Surfer motiviert sein sollten, bewusst und verantwortungsvoll mit ihren Daten und ihrer Privatsphäre umzugehen.

These: Au Contraire – Wir haben viel zu verlieren

Der Gedanke “Ich habe nichts zu verlieren” ist ähnlich unüberlegt wie das Un-Argument “Ich habe ja nichts zu verbergen“.
Wir leben in einer der freiesten Gesellschaften – darüberhinaus in der längsten Periode ohne Krieg und Unterdrückung, die Europa je erlebt hat.
Gute Gründe, sehr dankbar zu sein.
Vermutlich beneiden uns die allermeisten dafür.
Allerdings kann die vermeintliche Selbstverständlichkeit dieses Umstands auch dazu führen, dass wir leichtfertig mit diesen “Geschenken” umgehen.
Meiner Ansicht nach kann ein fahrlässiger Umgang verheerende Folgen haben.
Wir vergessen häufig, dass die Eckpfeiler unserer Gesellschaft Freiheit und Privatsphäre sind.
Und diese Pfeiler können wir durchaus verlieren.
Die Freiheit unserer Gedanken und die Privatsphäre sind durchaus Werte, die wir auch und gerade als Silver Surfer verlieren können.
Behaltet dies im Gedächtnis, Silver Surfer – ihr mehr als andere Generationen nach euch – habt noch Regime erlebt, in denen diese Grundpfeiler der Gesellschaft bis zur Untauglichkeit ausgehöhlt waren.

Daten bleiben – für immer

Möglicherweise rührt die Idee, nichts mehr zu verlieren zu haben, auch daher, dass den Silver Surfern bewusst ist, dass die Daten, die auf Millionen fremder Server (der unerträglich überstrapazierten “Cloud”) gespeichert sind, auch für immer dort gespeichert bleiben.
Ergo können diese Daten nicht verloren gehen.
Zunächst richtig gedacht.
Die Daten bleiben dauerhaft gespeichert.
Daran ändert auch das in der neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung postulierte Recht auf Vergessen nichts.
Die Daten bleiben dort gespeichert, daher können wir sie auch nicht mehr verlieren.
Was wir allerdings verloren haben ist unsere Souveränität über diese Daten.
Und Daten, die wir aus der Hande gegeben haben, entwickeln ein Eigenleben. Dieses Eigenleben gereicht uns in aller Regel nicht zum Vorteil.
Ein noch verheerenderes Szenario in Bezug auf den Verlust unserer Daten ist Datendiebstahl.
Das geschieht häufiger, als man vermutet.
Eigentlich ständig.
Gewiss einmal pro Woche hören wir von einem großen Datenklau.

  • 162 Millionen Konten bei LinkedIn gehackt.
  • 62 Millionen Dropbox-Konten kompromittiert.
  • Geburtsdaten, Adressen und weitere Daten wurden aus Hipps Mein BabyClub gestohlen.

Derartiges passiert mittlerweiler in trauriger Regelmäßigkeit.
Allerdings, so mein Gefühl, messen wir unseren Daten zu wenig Bedeutung bei – oder sind wir bereits so abgestumpft, dass erst massive Datendiebstähle (500 Millionen Yahoo-Konten) es in die allgemeinen Nachrichten schaffen.
Und was passiert dann?
Ein Unternehmen, welches jahrelang die Sicherheit der ihm anvertrauten Daten aufs schändlichste vernachlässigt hat (wohlgemerkt nicht die seiner eigenen Unternehmensdaten – sondern der Daten seiner “Kunden”), macht  “staatliche Akteure” für den Datendiebstahl verantwortlich – und riskiert nebenbei mit diesem Narrativ sogar einen militärischen Gegenschlag gegen “staatliche Akteure”.
Anstatt die Verantwortung für überaus schlampige Datensicherheit zu übernehmen, werden einfach lächerliche, unhaltbare Behauptungen propagiert.
Na, Verizon wird viel Spaß bei der Übernahme von Yahoo haben.

Verantwortung – für euch und andere

Silver Surfer, selbst wenn ihr so fest davon überzeugt seid, dass ihr nichts mehr zu verlieren habt – denkt an andere, die noch etwas zu verlieren haben.
Die Daten, mit denen ihr schlampig umgeht, hören nicht bei euch auf.
Daten sind immer mit anderen verknüpft.
Kein Datensatz steht für sich allein.
Geht es um Metadaten – also die Information, wann ihr mit wem, wo und wie lange kommuniziert habt – so betreffen diese Daten nicht nur euch sondern auch eure Kommunikationspartner.
Denkt darüber nach, vielleicht haben diese Kommunikationspartner keine Lust darauf, ihre Daten zu verlieren.
Ihr tragt Verantwortung für eure Kommunikationspartner!
Es geht hierbei um die Fotos eurer Enkel und Kinder, die ihr durch eure WhatsApp-Nachrichten Unternehmen wie Facebook schenkt.
Es geht um eure intimen Arzt-Gespräche, die ihr nachverfolgbar im Internet hinterlasst.
Es geht um vertrauliche Geschäftskommunikation, die ihr mit euren Geschäftspartnern teilt.
Dies gilt in hohem Maße, wenn ihr Gmail als E-Mail Anbieter nutzt.
Auch wenn euer Kommunikationspartner nicht Gmail nutzt – seine Mails landen trotzdem bei Google und werden dort gelesen und ausgewertet.
Überlegt euch, ob ihr die Verantwortung dafür übernehmen wollt, dass eure Kommunikationspartner unwissentlich mitüberwacht werden.
Informiert euch – nutzt Alternativen, die mit euren Kommunikationsdaten sorgfältig umgehen.
Handelt – und sucht euch E-Mail Anbieter aus, die eure Mails nicht lesen und euch nicht überwachen.
Posteo ist eine fabelhafte, preisgekrönte Alternative an dieser Stelle.
Rechnen wir kurz durch: Ein E-Mail Postfach bei Posteo kostet 1€ pro Monat. Dagegen ist ein E-Mail Postfach bei Google “kostenlos”.
Sollte uns das nicht zu denken geben? Google ist das zweitwertvollste Unternehmen der Welt.
Dieses Unternehmen hat nichts zu verschenken.
Wenn wir deren Dienste nicht mit Geld bezahlen, dann bezahlen wir auf andere Weise dafür.
Und unsere Daten die wir für diese Dienstleistung preisgeben, sind definitiv mehr wert als 1€ pro Monat.
Um einen noch besseren Schutz eurer Daten zu erreichen: verschlüsselt eure Mails. Es ist viel einfacher, E-Mail-Verschlüsselung einzurichten, als es viele unkende Stimmen immer noch und immer wieder darstellen.

Wir können nicht nicht handeln

Letztendlich müssen wir anerkennen, dass wir nicht nicht handeln können.
Für alles, was aus unseren Händen “genommen” wird, tragen wir zumindest eine gewisse Verantwortung.
Wir tragen tatsächlich Verantwortung, ob wir es wollen oder nicht.
Für unsere Daten.
Für unsere Freiheit.
Für unsere Privatsphäre.
Wir haben etwas zu verlieren.
Und ob wir jetzt 8, 18 oder 80 Jahre alt sind – Freiheit und Privatsphäre zu verlieren ist eine furchtbare Sache.
Wenn wir einfach aufgeben und sagen “ich habe ja nichts mehr zu verlieren“, dann haben wir alles verloren, was uns ausmacht.
Dann geben wir uns auf.
Dann sind wir nicht länger Souverän unseres Lebens.
Wir können diese Entscheidung treffen – allerdings verlieren wir dann noch ein weiteres Element unseres Wesens:
Dann nämlich verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit.
Wir können uns nicht über die “schlimmen” Zustände beklagen – und keine Gegenmassnahmen ergreifen.
Denn wenn wir selbst die Souveränität über unsere Daten aufgegeben haben, dürfen wir uns nicht länger über das nachlässige Verhalten anderer beklagen.
Wir müssen beispielhaft mit unseren Daten umgehen und auf diese Weise positiv auf unsere Nächsten einwirken.
Heulen und Zähne knirschen bewirkt nichts.
Bestenfalls ernten wir nur Widerstand und Ablehnung.
Daher mein Aufruf an euch Silver Surfer:
Seid souverän mit euren Daten!
Handelt so, wie ihr behandelt werden wollt.

TL;DR

  • nothing to lose – au contraire: wir haben viel zu verlieren
  • nichts bleibt für die Ewigkeit – Außer Daten, die bleiben für immer
  • wenn nicht für dich dann wenigstens für andere – Verantwortung – für euch und andere
  • Sand in den Kopf stecken ist auch eine Lösung – Wir können nicht nicht handeln

Und jetzt?
Handelt, liebe Silver Surfer, handelt so, als ob es um eure Freiheit ginge – darum geht es nämlich in der Tat.

[maxbutton id=”4″ url=”mailto:anmerkungen@blog.data-detox.de?subject=Ich habe ja nichts mehr zu verlieren” ]

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Noch nicht zu alt zum surfen!

Habe ich mit den letzten Artikel mit der Jugend unserer Gesellschaft befasst, will ich mich in den folgenden Artikel mit dem altersgemäß entgegengesetzten Spektrum dieser vielschichtigen Gesellschaft befassen:
den Silver Surfern.

Silver Surfer? Beleidigung!

Zunächst räume ich mit einer bedauerlichen Missinterpretation auf.
Silver Surfer ist keinesfalls pejorativ gemeint – ganz im Gegenteil.
Ist dieser Begriff doch geradezu ein Ausdruck von Wertschätzung und Respekt.
Denn immerhin schwingen hier zwei Konotationen mit:

  • Silverbacks sind schließlich die unangefochtenen Chefs im Gorilla-Ring.
    Die Babos.
    Beim Rumble in the Jungle sind die Silverbacks die klaren Favoriten.
    Also: Silver Surfer sollten sich einfach als die Silverbacks des virtuellen Raums ansehen!
  • Der Silver Surfer ist einer coolsten (und silbernsten!) Superhelden aus dem Marvel-Universum.
    Legt er sich zunächst noch im Auftrag von Galactus mit den Fantastischen Vier (nicht die aus Stuttgart) an, wechselt er doch bald auf die andere Seite – seine eigene nämlich – und lehnt sich von da an gegen den vorherigen Usurpator auf.
    Chapeau, sage ich!

Also – wenn das kein positives Licht auf den Begriff der Silver Surfer wirft, dann weiß ich auch nicht.

“Mit großer Macht geht große Verantwortung einher”

Bleiben wir noch ein wenig im Marvel-Universum.
Dieses Zitat von seinem Onkel Ben Parker prägt das weitere superheldische Verhalten von Spider-Man.
Es ist entstanden aus der großen Lebensweisheit von Ben Parker und soll euch Silver Surfern ebenfalls ein Hinweis auf eure Verantwortung sein.
Ihr seid – ob es euch bewusst ist oder nicht, ob es euch recht ist oder nicht – Vorbilder.
Besonders für die Digital Natives.
Kinder lernen zunächst durch Nachahmung der Verhaltensweisen, die sie von ihren Bezugspersonen vorgelebt bekommen.
Und das seid ihr, die Silver Surfer.
Dies fordert naturgemäß von euch, dass ihr euch vorbildlich (und nicht nachahmend) verhaltet.
Ihr seid aufgefordert zu reflektieren und nicht zu kopieren.
Mir ist bewußt, dass dies viel von euch fordert. Ihr wollt mit den Digital Natives kommunizieren.
Aber macht dies nicht, ohne euch ein eigenes Bild zu machen, was auf euch zukommt.
Digital Natives sind nur jünger als ihr- sie wissen nicht mehr über digitale Kommunikation als ihr, oftmals ganz im Gegenteil.

History will teach us…something!

Liebe Silver Surfer, nutzt eure Lebensweisheit und baut darauf eure Arbeitsweise mit digitaler Kommunikation auf.
Euer Vorteil gegenüber den Digital Natives ist eure Erfahrung und euer Wissen aus der Geschichte.
Auch die Digital Natives müssten diese beispiellosen Zustände staatlichen Kontroll- und Überwachungsirrsinns zumindest im Unterricht mitbekommen haben.
Aber euch Silver Surfern sind die Überwachung und Manipulation durch Nazi-Regime und Stasi teilweise noch aus eigener Erfahrung bekannt.
Daher – lernt daraus!
Wehrt euch gegen digitale Überwachung und Manipulation, die bereits in gigantischem Umfang stattfindet.
Bringt euer Wissen und eure Erfahrung in die Digitalisierung der Gesellschaft ein.
Es ist für eine positive Entwicklung unserer Gesellschaft unabdingbar, dass ihr euer Wissen und eure gelebte Erfahrung in den Prozess der Digitalisierung mit einbringt. Wenn wir nicht begleitend an der Entwicklung mitarbeiten, werden wir mit dem leben müssen, was uns andere – “verkleidet” als Transparenz (Auflösung der Privatsphäre), als personalisierte Inhalte (Manipulation) und Sicherheit (Überwachung) verkaufen wollen.
Seid keine exzellenten Schafe, die nur der Herde hinterher laufen.
Seid Wölfe, seid Silverbacks und gestaltet eure Zukunft aktiv selbstbewusst.

Teach old dogs new tricks

Ich halte nichts von Sprichworten, die demotivierend sind.
Ich glaube fest daran, dass wir – auch im hohen Alter – neue Dinge lernen können, wenn wir dies wirklich wollen.
Beispiele dazu gibt es zuhauf:

  • autodidaktisch stricken lernen im hohen Alter von vierzig Jahren
  • Spanisch lernen im Selbststudium jenseits des magischen vierten Lebensjahrzehnts

Wir hören ja auch nicht auf, neue Leute kennen zu lernen, also warum nicht neue Technologien lernen, neue Kommunikationswege entdecken.
Darüber hinaus hält uns lernen jung.
Der Vorteil eines erfahrenen Lebens besteht jedoch ganz klar darin, dass wir jetzt nicht mehr durch reines Nachahmen lernen müssen.
Jetzt sollten wir durch eigene Reflektion und Erkenntnisgewinn lernen.
Ist es nicht auch das Privileg des Alters, dass wir bereits gelernt haben zu lernen? Also sollte es uns leicht fallen, Neues zu lernen.
Weiterhin kommt noch hinzu, dass wir auch dadurch vorbildlich für die Digital Natives auftreten können.
Wir sollten den Digital Natives nicht durch Nachahmen gefallen wollen – darauf steht nun wirklich überhaupt kein Jugendlicher: so-tun-als-ob.
Wir sollten Jugendlichen respektvoll und ehrlich gegenüber treten, indem wir ihnen unsere Erfahrung, unsere Kenntnisse und unser offenes Interesse entgegen bringen.
Hier gilt
Live it like you mean it.” und nicht
Fake it until you make it.
Denn Fake erkennen die Digital Natives – da erkennen sie sich selbst zu sehr wieder, denn sie sind lediglich Power-User ohne wirkliches Hintergrundwissen.

Don’t feed the hypes

Wir haben doch im Laufe unseres Lebens – das ist der noble Vorteil des Alters – gelernt, dass hinter jedem Trend, hinter jedem Hype zumeist – nichts steckt, außer einer Menge Verdruß und viele leere Versprechungen.
Machen wir uns doch im Vorhinein zunächst Gedanken darüber, was und wer hinter dem nächsten heißen Scheiß steckt.
Übt eure neuen Fähigkeiten in Internetrecherche und digitaler Kommunikation, um kritisch die Dinge zu hinterfragen, die euch wie geschnitten Brot angepriesen werden.
Denn genau wie geschnitten Brot wird auch das vermeintlich “kostenlose” und “freie” allzu bald trocken und teuer.
Die Digitalisierung unser Kommunikation und der gesamten gesellschaftlichen Prozesse hebeln nicht die betriebswirtschaftlichen Grundsätze von Kosten, Investitionen, Umsatz und Gewinn aus.

There is no free lunch.

Und auch der Tod ist nicht umsonst – er kostet uns das Leben.
Behaltet einfach folgendes im Hinterkopf:

Wenn du nicht dafür zahlst, bist du nicht der Kunde. Dann bist du das Produkt.

Danke für diese einprägsamen Worte, Jaron Lanier.

TL;DR

  • Silver Surfer? Eine Beleidigung! – Nein, ihr seid die Noblesse digitale!
  • Das Privileg des Alters – “Mit großer Macht geht große Verantwortung einher”
  • Wir haben das alles noch selbst erlebt – History will teach us…something
  • Never too old to learn – Teach old dogs new tricks
  • Reflektieren statt kopieren – Don’t feed the hypes

Also – tapfer voran, liebe Silver Surfer, und unterstützt die Digital Natives in ihrer Entwicklung. Nach euren Kräften.