Vorsätzlicher Schutz der Privatsphäre

Diesen Jahreswechsel nehme ich als Anlass, um einen Bewusstseinswechsel im Hinblick auf unsere Privatsphäre anzuregen.
Wir nehmen doch gern diesen Moment zwischen den Jahren als Meilenstein, um uns neuen Ideen, neuen Gedanken, neuen Eindrücke für unser kommendes Jahr zu öffnen.
Warum dann dieses Jahr nicht auch ein wenig ins Zeichen des Schutzes der eigenen Privatsphäre stellen?
Darum stelle ich hier einige Ideen zusammen, die ihr euch vorschlage im kommenden Jahr anschauen und auch möglichst umsetzen solltet.

Nutzt einen Passwort-Manager

Es ist unbedingt notwendig für jeden genutzten Dienst ein eigenes, sicheres (!) Passwort zu verwenden.
Ich weiß nicht wie es euch dabei geht, aber ich bin kein Gedächtniskünstler. Mir fällt es schwer, dreiundzwanzig unterschiedliche und jeweils siebzehnstellige Passworte zu merken.
Daher bin ich ein begeister Nutzer von Passwort-Managern. Diese helfen mir dabei, sichere Passworte zu erzeugen (die auch per social Engineering erraten werden können) und zu verwalten.
Was an dieser Stelle ganz arg wichtig ist: nie, nie, nie, niemals – auch nicht wenn die Hölle zufriert oder ihr denkt es sei ein Liebesbeweis: Verratet niemandem eure Passphrase für euren Passwort-Manager. Das schließt auch übrigens die NSA, Google, Apple, Microsoft und sonstige Idioten ein, die es für eine gute Idee halten, euch zu empfehlen eure Passwörter online abzulegen.
Meine Favoriten als Passwort-Manager sind:

Die sind beide gut und es ist quasi geschmackssache, welches ihr verwendet 🙂

Wirf deine Payback-Karte weg!

Payback, diese wundervolle Kundenzufriedenheitsprogramm…ach, Entschuldigung, ich meinte Kundendatenabschnorchelprogramm, sollte wirklich in jedem Haushalt fehlen!
Ja, richtig gelesen. Es soll fehlen!
Wirf deine Payback-Karte weg! Jetzt. Sofort. Weg damit!
Deine Daten sind viel zu wertvoll für die lächerlichen paar Punkte mit denen du dort abgespeist wirst!
Schätz dich nicht so gering, dein Kaufverhalten ist mehr Wert als einen lächerlichen Sammelpunkt pro umgesetzten Cent.
Tu es jetzt, sonst beisst du dir später ein Monogramm in den Hintern, dass du so fahrlässig mit deinen Daten umgegangen bist.

Kündige dein PayPal-Konto.

PayPal bietet eine grotesk schlechte Sicherheit für deine Daten. So ist es zum Beispiel bei PayPal möglich, das Passwort eines gekaperten Zugangs telefonisch zurückzusetzen, indem einfach statische Daten über den echten Besitzer des PayPal-Kontos abgefragt werden. Brian Krebs hat dokumentiert wie so ein Angriff abläuft.
Es gibt immer eine alternative Zahlungsmöglichkeit zu PayPal. Und sollte ein Dienst wirklich nur PayPal als Zahlungsmittel anbieten, dann solltest du dir grundsätzlich Gedanken über den Einsatz dieses Dienstes machen.

Such dir einen sicheren Messenger.

Nein, WhatsApp ist nicht die beste Wahl für einen Messenger. Es ist noch nicht mal nahe dran.
Und komm mir jetzt nicht mit dem Argument: “Aber die anderen verwenden es doch alle.”. Oder frisst du etwa Scheiße? Das ist die gleiche Argumentationsschiene, schließlich machen das Milliarden von Fliegen auch.
Also sei halt ein bissel cooler als die träge Masse und nutze Signal. Ja, du musst hier selbst tätig werden und Überzeugungsarbeit in deiner Peer-Group leisten, aber es geht hier schließlich um deine Daten und deine Privatsphäre.

Schmeiß Flash von deinem System.

Immerhin habe ich regelmäßig etwas zu lachen, wenn ich mal wieder lese, dass Adobe schon wieder, häufig außer der Reihe, Flash patchen musste, weil schon wieder eine – oder eher neunzehn – Sicherheitslücken aufgetaucht sind.
Liebe Leute, lasst euch sagen,
ihr solltet es wagen,
ein Surfleben lässt sich sehr gut auch ohne Flash ertragen.
Also, ähnlich schlecht wie dieser Reim ist tatsächlich die Sicherheit die hinter Flash steht (nein, die ist tatsächlich noch um Längen schlechter!).
Ich halte es für lächerlich und unverantwortlich an einem so löchrigen System festzuhalten.
Und wie ich mittlerweile festgestellt habe, online aktiv zu sein funktioniert prächtig auch ohne Flash.
Probiert es einfach selbst aus. Ihr werdet sehen, es geht tatsächlich sehr gut.
Liebe Leser, dies sind meine Vorschläge für Vorsätze zum Schutz eurer Privatsphäre im neuen Jahr.
Schaut sie euch an, probiert sie aus und vor allem: habt Spaß dabei!
Ich wünsche euch einen entspannten Start in das neue Jahr und mir wünsche ich, dass ihr meine Tipps und Gedanken ganz undogmatisch für euch prüft. Es geht hier um euch und eure Privatsphäre. Macht was draus 🙂

Wir brauchen ein Opt-out aus dem Datensammelirrsinn in der realen Welt

Welche Möglichkeiten habe ich in der realen Welt zum data detoxing?
Diese Frage stelle ich mir seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dem unsäglichen Datenhunger der Kundenkarten-Mafia.
Es ist ja mittlerweile fast egal wo ich einkaufen gehe, überall werde ich nach der einen oder anderen Kundenkarte gefragt:
“Payback?”
“DeutschlandCard?”
“GummibärchenClub?”
Nicht nur der abgrundtief traurige Mangel an kommunikativen Fähigkeiten schmerzt. Nein, auch die schiere Unausweichbarkeit der Frage ist nervtötend.
In der virtuellen Welt habe ich die Möglichkeit, mich von jedem störenden oder unpassenden Werbeangebot abzumelden.
Aber in der echten Welt bleibt mir dieser Ausweg verwehrt.
Klar, ich habe die Wahl diese Läden zu meiden und nur noch dort einzukaufen, wo sich diese schleichende Seuche der datenhungrigen Bedarfsoptimierer noch nicht durchgesetzt hat.
Nur darf das nicht der Weg sein.
Wenn uns in der virtuellen Welt ein Weg angeboten wird, ein Angebot auszuschlagen, dann muss uns diese Möglichkeit in der wirklichen Welt auch gegeben sein.
Und bis dahin schlage ich zivilen Ungehorsam vor: beugt euch nicht dem Diktat der Datenkraken!
Erleichtert euch und macht es diesen Datensammlern klar, dass es auch unglaublich nervt, ständig bedrängt zu werden eure Daten preiszugeben – für einen schlechten Preis auch noch 🙂
Marc-Uwe Kling hat das sehr schön in seinem Lied von der Verweigerung zusammengefasst.
Darum nochmal mein Aufruf:
Verweigert die Datenherausgabe um eure Privatsphäre zu schützen.