Was kann schon passieren…ich hab ja nix zu verlieren!

Es geht nicht darum, ob wir etwas zu verheimlichen haben.
Mir geht es gar nicht darum, ob ich durch mein ständiges gesimse (erinnert ihr euch noch an die Zeiten, als Gesimse etwas mit Fassadengestaltung zu tun hatte, anstelle von elektronischen Kurznachrichten?), gechatte und geschnatter meine Zeit verschwende oder tatsächlich wichtige Informationen verteile.
Heute will ich ein Plädoyer dafür halten, dass wir uns keine Gedanken darüber machen sollten, ob wir etwas zu verlieren oder zu verheimlichen haben, wenn wir in der digitalen Weltgeschichte herumtexten.

Es geht darum, dass es unser Recht ist.

Unsere – und ganz viele andere – Gesellschaften gründen auf der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 und eines dieser Menschenrechte ist das Recht auf den Schutz der Privatsphäre.
So heißt es in Artikel 12:
Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr oder Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.
Deutlicher geht es wohl kaum noch, um laut und klar vernehmlich allen Datenschnorchlern, sei es aus politischen Gründen, im Zeichen des Terrorschutzes (wobei ich mich frage, ob die flächendeckende Überwachung nicht ebenso eine Form des Terrors ist) oder für rein wirtschaftliche Zwecke, zu sagen:
Finger weg von meinen Daten! Es geht euch nichts an!
Und es geht sogar noch deutlicher:
Im Grundgesetz lesen wir in Artikel 10:
Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.
Da steht nicht, wir stimmen zu, dass zu Werbezwecken unsere Nachrichten untersucht werden dürfen.
Oder auch die anlasslose Überwachung ist damit schlicht und einfach nicht vereinbar.
Nein, da steht ganz klar “unverletzlich”.
Dieses Grundrecht macht uns quasi zum Superman der Kommunikation.
Niemand darf ohne meine Zustimmung lesen, was ich einer anderen Person im Vertrauen schreibe.
Und das Kryptonit der digitalen Auswertung und Überwachung darf einfach nicht eingesetzt werden.
Punkt.

Deus Ex Machina der Datensammler: Metadaten

Und wieder komme ich auf Metadaten zu sprechen.
Diese fallen an und zwar vollkommen unabhängig davon, was wir inhaltlich mitteilen. Für die Datenauswerter sind die dabei anfallenden Metadaten das neue Datengold.
Die fünf W der Datensammlung sind der Maßstab, mit dem die Datenkraken messen:

  • wer
  • wann
  • wo
  • mit wem
  • wie oft

Momentan liefern wir diese Daten einfach mit, es führt kein Weg daran vorbei.
Und was ich noch viel entrüstender finde:
Diese Metadaten verletzen aus der Sichtweise der Datensammler noch nicht einmal die oben angeführten Grundrechte, denn sie wurden einfach aus dem zu schützenden Inhalt herausdefiniert.
Da kann ich nur sagen:
Vielen Dank liebe Regierungen, da habt ihr einen tollen Job beim Schutz eurer Schutzbefohlenen geleistet!
Ich halte die Information darüber, wer, wann, wo und wie oft mit wem kommuniziert für genauso schützenswert wie den Inhalt, den ich mitteile!

Und was kann passieren?

Ja, was kann jetzt passieren, wenn wir dauerhaft und flächendeckend rund um die Uhr überwacht werden?
Wir verlieren uns selbst.
Wir verlieren die Möglichkeit, uns zurück zu ziehen.
Wir verlieren den Freiraum, in dem wir uns entwickeln können.
Wir verlieren unsere Freiheit und unsere Privatsphäre.
Wir werden reduziert zu Laborratten, die ständig beobachtet und nach dem Willen der “überwachen Augen [die] zehnmal schärfer sehen” wie Rio Reiser es singt.
Und schon lange heißt es nicht mehr nur “Big Brother Is Watching You”.
Nein, es sind auch seine geldgierige Tante Facebook, sein datengieriger Großonkel Google und seine vollkommen paranoiden Cousins NSA, GCHQ und BND, die uns unserer Privatsphäre berauben und uns viel umfassender und effektiver – weil wir zu einem Großteil freiwillig mitmachen – überwachen.

Unter Generalverdacht der überwachen(den) Augen

Der Wahnsinn der allumfassenden und verdachtslosen Überwachung stellt uns alle unter den Generalverdacht der – Gesetz bewahre! – Individualität.
Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder denkt und sagt, was er will.
Wenn das so weiter geht, verlangt dann noch jemand Gedankenfreiheit.
So weit wird’s kommen.
Dann wird das ja mit der “interessenbezogenen” Werbung oder der zielgruppengesteuerten Produktplatzierung ganz schwierig.
Das wirkt sich dann natürlich ganz schlecht auf die quartalsgetriebenen Marktprognosen aus.
Und der Terrorschutz erst.
Wenn wir hier nicht ganz genau hinschauen, dann werden wir überrannt werden.
Von rechts und links.
Oben und unten.
Minimalistisch, extremistisch, extraterrestrisch oder aquaristisch gar!
Das Abend- wie das Morgenland würde sich plötzlich in einem unüberwachten Moment auflösen und was wäre dann da?
Anarchie womöglich!
Dann hätte “jeder sein eigen Glück unter den Händen” wie Johann Wolfgang von Goethe es denkt.
Das wäre natürlich schrecklich für die Generalverdächtiger.

Wir werden angreifbarer

Ja glauben denn die Datensammler, dass sie unsere Daten für immer unter Verschluss halten können?
Lernen sie nichts aus den zunehmenden erfolgreichen Datendiebstählen?
Glauben sie denn ernsthaft, dass sie unangreifbar sind?
Je mehr Daten uns gestohlen werden, desto angreifbarer werden wir.
Nicht nur durch die Datensammler selbst, die Geheimdienste, die Datenkraken.
Nein, auch die andere dunkle Seite der Datenmacht, die Datenkriminellen, die digitalen Räuber sind dankbare Profiteure dieser maßlosen Datenflut.
Die Daten, die sie Google, Facebook, NSA und GCHQ stehlen können, brauchen sie vorher uns gar nicht selbst aus den Tablets, Smartphones und IoT-Geräten stehlen. Nein, diese bekommen sie dort schon einsatzbereit korreliert geliefert.
Welch wunderbare kriminelle Utopie steht auch diesen Datendieben bevor.

TL;DR

  • Mensch, dein Recht: Das Recht auf Privatsphäre und unverletzte Kommunikation
  • Behold, what I have seen: Metadaten
  • Was kann schon passieren: Die Eisscholle der Privatsphäre in der Datenhölle der Überwachung
  • Wir sind alles Terroristen: Unter Generalverdacht
  • Gestohlen, gesammelt, korreliert: Wir werden angreifbarer

Und jetzt?
Empört euch, schreibt Briefe, dann müssen wieder mehr Postbeamte zum scannen unserer Kommunikation eingestellt werden 🙂

Wie? Immer noch WhatsApp?

Na, jetzt ist ja alles gut!
Jetzt wo WhatsApp schließlich Ende-zu-Ende verschlüsselt ist!
Jetzt können wir uns alle beruhigt zurücklehnen und weiterhin jeden geistigen Müll in der digitalen Welt verteilen:

  • das ich wieder erfolgreich mein Hemd zugeknöpft habe,
  • meine Socken gebügelt habe (natürlich wahlweise mit Bild oder Video!),
  • wann der nächste Terroranschlag stattfinden soll [liebe NSA, wahlweise auch BND: bloß weil hier das Wort “Terroranschlag” vorkommt, bedeutet es nicht, dass ich einen solchen plane. Falls ihr es doch denkt, kommt mich doch bitte besuchen, meine Adresse rauszufinden solltet sogar ihr fehlerfrei hinbekommen.]
  • oder was ich über meinen Chef, diese *§$!# Pfeife, denke.

Das alles kann ich ja jetzt von mir geben! Kann ja keiner mehr lesen.
Yeah-yeah-yeah.
Oh, bitte.
Glauben wir wirklich, dass es das war?

WhatsApp hat uns verraten

Vergessen wir da vielleicht nicht, dass WhatsApp nicht wegen seiner tollen, innovativen Ideen im Bereich Kurznachrichten von Facebook gekauft wurde, sondern weil es einen riesigen Pool von Adressen (WhatsApp hatte zu diesem Zeitpunkt 450 Millionen Nutzer) angehäuft hatte.
Die Technik hinter WhatsApp war weder neu, noch sicher, geschweige denn innovativ.
Ich weiß nicht, wie es euch damit geht, aber jemandem, der mir meine Daten aus meinem Adressbuch gestohlen hat, glaube ich nicht auf einmal, dass er jetzt plötzlich zu den Guten gehört, bloß weil er jetzt auf einer Welle der Krypto-Sympathisanten mitschwimmen will.

Inhalt ist irrelevant

Wer glaubt, es komme noch auf seine bedeutungslosen 140 Zeichen Inhalt an, die er so aufmerksamkeitsverloren von sich gibt, der denkt auch, dass der Höhepunkt der Überwachung damit erreicht ist, wenn Männer in Trenchcoats mit Schlapphüten an einer Ecke deiner Straße stehen.
Es geht schon lange nicht mehr um die Inhalte, die wir von uns geben.
Metadaten sind viel aussagekräftiger.
Wann kommuniziere ich wie lang mit wem und wie häufig.
Das sind die Fragen, die sich die Überwacher stellen.
Und auf diese Fragen bekommen diese ihre Antworten, egal ob die Inhalte verschlüsselt sind oder nicht.

Und achtet mal auf eure Kinder!

Mir ist es ja egal.
Ich bin ja alt genug, aber ist euch bewusst, dass ein großer Teil der gesetzestreuen Eltern und Lehrer ihre Schützlinge in das juristische Verderben laufen lässt?
Oh. Was? Wie? Womit kommt er denn jetzt um die Ecke?
Damit:
WhatsApp ist nur für Nutzer, die 16 Jahre oder älter sind erlaubt.
Und kommt mir bitte nicht mit “aber bei Google Play steht doch USK ab 0 Jahren!”.
Google Play interessiert an dieser Stelle nicht.
Es geht um die AGB von WhatsApp und da steht:
9. Ability to Accept Terms of Service
You affirm that you are either more than 16 years of age, or an emancipated minor, […]”.
Also, liebe Eltern und liebe minderjährige Leser, jetzt überlegt euch mal was.
Und dieses “Was” ist eine vernünftige Alternative zu WhatsApp!

Geschlossen

Ein wichtiger Grundsatz von vertrauenswürdiger und sicherer Kommunikationssoftware ist Open Source.
Nur wenn wir die Möglichkeit haben, zu prüfen, wie ein kryptografischer Algorithmus implementiert ist und wenn wir sehen können, dass die Software keine Hintertüren enthält, dann können wir darauf vertrauen, dass wir an dieser Stelle auch nicht bespitzelt werden.
WhatsApp bietet dies nicht.
Natürlich können wir auf die hehren Versprechen vertrauen, dass die Entwickler von WhatsApp keine Hintertüren einbauen werden.
Allein, mir fehlt der Glauben.

Fresst Scheiße, Fliegen!

Und ich bin des Arguments überdrüssig, dass ich WhatsApp nutzen soll, bloß weil WhatsApp eine Nutzergruppe von über 1 Milliarde Teilnehmer hat.
Na und? *Müdes schulterzucken*
Ich will mich nicht mit einer Milliarde Teilnehmern unterhalten.
Ich will mich mit genau einem Menschen, bestenfalls noch mit einer überschaubaren Gruppe von Menschen unterhalten.
Vielleicht ist es pathologisch bei mir, aber ich mache nicht etwas, bloß oder gerade weil eine große Menge mehr oder minder vernunftbegabter Wesen dies tut.
Ich ernähre mich ja auch nicht von Fäkalien, bloß weil Milliarden Calliphoridae dies für eine gute Idee halten.

Setz – und nutz – ein Zeichen.

Seid doch divergent und nutzt für unterschiedliche Zwecke unterschiedliche Kurznachrichtendienste.
Es ist einfach, etwas auf seiner Funkgeige zu installieren – das könnt ihr alle und beweist es doch täglich, weil wir alle “einfach mal so” eine neue App ausprobieren.
Also probiert doch “einfach mal so” einen neuen Messenger aus.
Signal bietet alles, was WhatsApp auch bietet – nur eben besser!
Stimmt euch doch einfach mit ein paar Freunden ab und probiert mit denen Signal aus.
Tut nicht weh, macht euch aber einfach cooler.
Hebt euch doch mal aus der trägen Masse heraus und hört auf, jedem Schaf nachzublöken!

TL;DR

  • Krypto und jetzt ist alles gut? Nein!
  • WhatsApp – You’re a Liar! Verkauf unsere Daten und dann uns für blöd
  • Metadaten verraten viel mehr als 140 Zeichen
  • The Kids Are Not Alright – Lies die verdammte AGB!
  • Wem vertraue ich – oder ist Kontrolle besser?
  •  „Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein.“ – Albert Einstein
  • Signal und Divergenz

Ach und wer glaubt, dass WhatsApp jetzt ein sicheres System ist weil die Ende-zu-Ende Verschlüsselung auch zwischen verschiedenen Plattformen funktioniert (wenn man die Version aktualisiert hat…), der glaubt auch, dass McDonalds ein Bio-Burger-Brater mit fairem Anspruch ist.
Und wer wirklich einen leckeren Burger essen will, geht entweder zu My Heart Beats Vegan oder Bratar.
Lasst es euch schmecken und nichts gefallen!

Passphrasen-Mantra oder Diceware – Ideen für selbstgebastelte sichere Passworte

Uns ist jetzt klar, warum wir sichere Passworte brauchen und wie wir ein solches sicheres von einem unsicheren Passwort unterscheiden.
Aber was tun wir jetzt, um an ein sicheres Passwort zu kommen?
Wir können uns ja schließlich keines im Online-Shop um die Ecke kaufen (ich bin mir ziemlich sicher, dass es dieses Angebot bereits gibt, möchte aber dringend davon abraten, so einen Dienst in Anspruch zu nehmen, liebe Leser!) oder jemanden bitten, uns ein sicheres Passwort zu geben.
Beide Ansätze wären jedoch der Sicherheit unseres neuen Passwortes deutlich abträglich.
“Was tun?” sprach Zeus, “die Götter sind besoffen.”.
Darum möchte ich hier zwei Methoden vorstellen, die

  • einfach
  • sicher
  • und mit Spaß

einfach sichere Passworte erzeugen 🙂
Quasi das Überraschungsei der Passwort-Erzeugung – nur ohne Schokolade (aber davon hatten wir jetzt über Ostern wahrscheinlich eh genug).
Beide Methoden der Passwort-Erzeugung bringen einen anarchischen (weil selbstregierenden) und individuellen (weil selbstgemachten) Ansatz daher, der überdies noch nachhaltig, biologisch abbaubar und frei von schädlicher Technik ist.
Lasst die Spiele beginnen!

Diceware – Alea iacta est

Diceware ist eine einfache und analoge Methode zur Erstellung sicherer Passphrasen.
Diceware, also Würfelware, ist eine Möglichkeit, ein Passwort ohne den Einsatz digitaler Technik zu erwürfeln.
Das wichtigste an dieser Methode ist der Faktor Zufall und der Verzicht auf – leicht manipulierbare – Computerunterstützung.
Natürlich lassen sich auch Würfel manipulieren, aber wenn wir davon ausgehen, dass uns jemand manipulierte Würfel à la Ocean’s Thirteen unterjubelt, dann haben wir ein ganz anderes Problem und müssen uns keine Gedanken um die Gestaltung sicherer Passworte machen 🙂
Es müssen auch wirklich keine Casino-Grade Würfel sein. Handelsübliche Spielwürfel reichen allemal aus.
Für die Paranoiker unter uns: Holt euch Casino-Grade Würfel, die haben eine ideale Verteilung der Wahrscheinlichkeit auf alle sechs Seiten des Würfels.
Zurück zum Thema.
Diceware basiert auf einer langen Liste von Wörtern und fünf sechseitigen Würfeln.
Das ganze funktioniert natürlich auch mit nur einem Würfel, dann muss man halt fünfmal so lange Würfeln 😉
Die Liste besteht aus 7776 unterschiedlichen Worten (so viele unterschiedliche Möglichkeiten bieten eben fünf sechsseitige Würfel, also 6^5).
Um jetzt eine Passphrase zu erstellen, würfeln wir mit den fünf Würfeln und lesen das gewürfelte Ergebnis von links nach rechts ab.
Die so erwürfelte Zahl schauen wir in der Wortliste nach und erhalten damit das zugehörige Wort.
Diesen Vorgang wiederholen wir so lang, bis wir unsere Passphrase vollständig erstellt haben.
Arnold Reinhold, der Erfinder von Diceware, empfiehlt eine Passphrase aus mindestens sechs Worten zu erstellen.
Das trägt – wie wir in der letzten Woche gelernt haben – ungemein zur Stärke des erzeugten Passwortes bei.
Die Passphrase sollte aus diesen vier bis sechs einzelnen Worten bestehen, inklusive der Leerzeichen dazwischen. Die Leerzeichen erhöhen die Sicherheit der Passphrase nochmals ungemein, denn die Verwendung von Sonderzeichen (und das ist ein Leerzeichen nunmal) trägt zur Erhöhung der Komplexität des Passwortes bei. Und Komplexität ist ein weiterer Faktor der Passwortsicherheit.
Diese durch Diceware erstellte Passphrase schützt auch effektiv gegen Social Engineering Angriffe, da die Passphrase nicht mit dem Benutzer in Zusammenhang gebracht werden kann – und schon haben wir noch einen weiteren Faktor der Passwortsicherheit eingebaut.
Und wenn wir jetzt dieses Passwort für uns selbst im stillen (nicht überwachten) Kämmerlein erwürfelt haben und dieses niemandem (auch unserem Goldfisch nicht!) verraten, haben wir noch den letzten Faktor für ein sicheres Passwort eingesetzt.
Ein Beispiel:

  • 32323 – hinter
  • 26524 – glosse
  • 14426 – bbb
  • 56345 – stroh
  • 45116 – nukleon
  • 51432 – quader

Ergibt als Passphrase:
hinter glosse bbb stroh nukleon quader”.
Laut HowSecureIsMyPassword dauert es 526 Tredezillionen (das ist eine Zahl mit 79 Stellen) Jahre, um dieses Password zu knacken. Viel Spaß beim raten 😉

Kreativität

Nun zur zweiten sicheren Methode einer Passworterzeugung.
Kreativität.
Kann kein Computer. Wird er niemals können.
Braucht keine Technik und keinen Strom. Ist immer verfügbar, kostet nix und macht immens Spaß.
Fast wie Sex, nur bekommt man weniger Ärger, wenn man es, z.B. in der Straßenbahn macht.
So, was brauchen wir hierfür?
Einen Bleistift und ein Blatt Papier.
Denn, wie es auch Richmond Valentine richtig zusammenfasst:
No-one can hack into pen and paper”.
Und jetzt lassen wir unserer Kreativität ganz freien Lauf.
Wir sammeln einfach die ersten fünf bis zehn Eindrücke, die uns gerade vor das innere oder äußere Auge kommen – besser vor das äußere, denn das innere Auge hat den Nachteil, dass das, was uns da vor die Linse gerät, möglicherweise social engineerbar ist – und schreiben diese auf.
Daraus bilden wir einen Satz, ordentlich mit Satzzeichen und schön auf die Groß- und Kleinschreibung achten (für die Komplexität), streuen vielleicht noch die eine oder andere Zahl (ebenfalls für die Komplexität) ein und merken uns diesen Satz als unser persönliches (wieder nicht mit dem Goldfisch teilen!) Passwort-Mantra.
Das Schöne daran ist, diese Methode funktioniert wirklich überall und wird sogar noch besser dadurch, dass ihr es irgendwo ausprobiert, denn dadurch erhaltet ihr eine Zufälligkeit in den Begriffen, die nur sehr, sehr schwer mit euch in Zusammenhang gebracht werden kann.
Auch hier ein Beispiel:

  • Linux
  • krass
  • Radium
  • 35
  • abgelenkt
  • verdammt

Aus diesen Worte bilde ich für mich das Passwort
verdammt abgelenkt, Linux 35 – krass Radium!”.
Dieses Passwort wird in – wieder laut HowSecureIsMyPassword – einer Duovigintillion (das ist eine Zahl mit 133 Stellen) Jahren gehackt.
Macht mich jetzt ganz entspannt, solche Zahlen zu lesen 🙂

TL;DR

  • Die Würfel sind gefallen: Diceware
  • Ich denke, also mach ich mir mein Passwort: Kreativität

Schön kurz heute.
Also halt ich mich auch dran.
Liebe Leser, besorgt euch Würfel, die Wortliste, Papier und einen Stift und lasst eurer Fantasie freien Lauf – und schreibt doch, wenn ihr schon dabei seid, mir einfach mal einen Brief – per snail mail 😉

Teilen ist teilen, aber posten ist Selbstaufgabe

Schwere Worte, junger Padawan, aber wie komme ich zu so einer Aussage?
Schauen wir uns erstmal an, was teilen denn bedeutet.
Teilen”, so sagt es Wikipedia, “ist das gemeinsame nutzen einer Ressource.“.
Das bringt es ganz deutlich auf den Punkt. Wikipedia führt an dieser Stelle auch weiter aus, dass wir hier zwischen materiellen Gütern und immateriellen Gütern, wie etwa Wissen, Meinungen, Ideen und ähnlichem unterscheiden.

Meins ist meins – aber ich teile es mit dir

Schauen wir uns kurz – nur ganz kurz, denn es geht mir hier hauptsächlich um immaterielles – das Teilen von materiellen Gütern an.
Was würde ich mit anderen teilen?

  • Meine Bohrmaschine?
    Sicher. Ich bin nicht so verbunden mit meinem Bosch Schlagbohrer, als dass ich es nicht verkraften würde, diesen nicht – oder nicht so wie ich ihn hergab – zurück zu erhalten.
    Also ganz klar: teilen!
  • Mein Auto?
    Hmm, schon schwieriger (zumal ich keines habe 😉 – aber nur mal angenommen), denn hier hängt doch klassischerweise einfach mehr Herzblut am heiligen Blechle, als dass ich es einfach so teilen würde.
    Aber geht auch noch!
  • Meine Wohnung?
    Oh, da kommt doch plötzlich noch eine ganz andere Facette hinzu: hier teile ich meine Privatsphäre mit anderen (oder ich bin ein Mönch und lebe in einer Zelle, in der nichts persönliches von mir vorhanden ist…) und lasse sie an meinem Innersten teilhaben.
    Schwierig.
  • Meine Lebensgefährtin!?
    Also für mich ist an dieser Stelle ganz klar das Ende der teilenden Fahnenstange erreicht.
    Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen kann ich nichts teilen, was mir nicht gehört (diesen Gedanken behalten wir, geneigter Leser, bitte für den Teil über Immaterielles im Hinterkopf). Weiterhin, und auch dieser Stelle fällt mir wieder “Keine Macht für niemand” von Ton, Steine, Scherben ein:
    Keiner hat das Recht, Menschen zu regier’n.
    und es läuft einfach der anarchischen Ideen meiner Lebensgestaltung quer, über andere Menschen zu bestimmen.
    Und letztlich ist meine Lebenspartnerin Part in meinem Leben.
    Teilen? No way, Jose!

Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten

Gedanken, Ideen, Wissen und auch Bilder…auch Bilder – das sind die immateriellen Güter, die mir besonders am Herzen liegen. Dies ist, was ich schützen will und dies ist auch, worum es mir hier an erster Stelle geht.
Wir teilen diese Güter, unserer Innerstes mit.
Hier ist schon die ganz klare Unterscheidung zu materiellen Gütern. Wenn wir Ideen, Gedanken oder Bilder teilen, geben wir immer einen Teil von uns mit.
Wir können das Bild, den Gedanken, das Wissen ja im selben Moment weiter nutzen, im Gegenteil zur Bohrmaschine, die wir unserem Nachbarn ausgeliehen haben.
Und weiterhin geben wir auch etwas von uns preis: derjenige, dem wir etwas mitteilen, dem öffnen wir uns und zeigen ihm auch einen Teil unserer Privatsphäre. Wir vertrauen dem anderen, dass er dieses Wissen, dieses Bild, diese Idee von uns nicht gegen uns verwendet, uns damit Schaden zufügt.
Und was auch ganz wichtig an diesem Aspekt von Mitteilung ist:
wir bleiben Besitzer und Ideengeber dieser immateriellen Teilhabe (noch schöner gefällt mir Teilgabe).

Posten ist Selbstaufgabe

Was wir jedoch im Bereich unsozialer Plattformen sehen als Postings hat nichts mit teilen zu tun – das ist bestenfalls digitaler Exhibitionismus.
Das ständige virtuelle, virulente Ausbreiten seines eigenen banalen Lebens hat keine Gemeinsamkeit mit teilen.
Es bringt niemandem etwas, es ist nicht an einen konkreten Empfänger gerichtet (nein, Bilder auf einer Timeline zu veröffentlichen ist kein dedizierter Empfänger, ein Sandsturm richtet sich auf die gesamte Wüste, nicht auf ein einzelnes Sandkorn) und es hat keinen sinnvollen Zweck.
Wenn ich der virtuellen Welt meine – mehr oder (meistens) minder interessanten leeren Datenbrocken aufdrücke, tue ich damit nichts Gutes.
Teilt eure Gedanken konkret mit den Menschen in eurem Umfeld – eurem “echten” Umfeld mit, nicht auf der virtuellen Plattform eurer 3871 Netzwerk-“Freunde”.
Dort – in eurem Umfeld – könnt ihr etwas erreichen – vor allem erreicht ihr damit Menschen, denen die Gedanken und Ideen wirklich helfen, die wirklich an eurem Leben teilhaben können.
Und was noch schlimmer ist, wenn ihr etwas postet, dann verliert ihr es.
Ihr gebt die Rechte daran auf. Es sind nicht mehr eure Bilder, eure Gedanken, eure Ideen.
Sie gehören jetzt Google, Facebook, Apple.
Facebook hat es in seiner “Datenrichtlinie” geschrieben – sehr unklar für uns; sehr klar für Facebook:
Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)”.
Tja, gone with click of a button.
Du verlierst deine Rechte, du verlierst deine Privatsphäre, du verlierst – in the long run – dich selbst:Posten ist Selbstaufgabe.
Daher mein Aufruf an euch:
Nehmt eure Daten zurück in eure eigenen Hände!
Teilt eurer Wissen, eure Ideen, eure Gedanken (ja, auch eure Bilder) Menschen mit, aber nicht mit Unternehmen oder Plattformen.
Schützt eure Privatsphäre – ich will euch dabei helfen.

TL;DR

  • Was ist Teilen?
  • Materielles teilen:
    meine Bohrmaschine, mein Auto, meine Wohnung, mein Leben
  • Immaterielles mitteilen:
    meine Gedanken, mein Wissen, meine Bilder
  • Posten ist Selbstaufgabe:
    Du gibst uns deine Bilder und verlierst deine Rechte und deine Privatsphäre

Und jetzt, liebe Leser, raus in die Sonne und teilt euch mit!