Bequemlichkeit ist der Feind der menschlichen Zukunft

Dieser Rant pardon Artikel hat nur am Rande mit dem Schutz unser digitalen Identität oder Digitalisierung als solcher zu tun.

Aber wie Hagrid es so schön formuliert:

“Besser raus als rein.”

Rubeus Hagrid

TL;DR

  • Ausschalten – Hardware und Umwelt werden es dir danken
  • Läuft – Kraftstoff ist noch viel zu günstig
  • Mehr Klima – gegen das Klima
  • I believe I can fly – das andere heiß ist ja viel besser

Immerhin kommt die Idee zu diesem Artikel aus dem direkten IT-Umfeld. Habe ich doch festgestellt, dass sich einige Probleme unserer liebsten elektronischen Helferlein durch einen beherzten Neustart beheben lassen.

Ausschalten – für Sicherheit, Material und Umwelt

Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass ich als linksgrünversiffter Spaßverderber wahrgenommen werde. Naja, was solls, ist der Ruf erst ruiniert, rantet es sich ganz ungeniert. Mir isses gleich, Hauptsache, ich erreiche außerhalb meiner eigenen Echokammer auch nur einen Verhaltensänderungswilligen.

Jetzt ist es ja nicht nur so, dass regelmäßiges Herunterfahren (und damit zwangsläufig auch der Neustart) der Rechnergesundheit zuträglich ist. Denn es werden genau in diesem Prozess wichtige Updates eingespielt. Nein, die Umwelt dankt es dem Digitalnutzer obendrein. Standby verbraucht mehr Strom als ausgeschaltet. Alles andere wäre auch wider die Physik.

Leider ist damit ein gewisser Bequemlichkeit reduzierender Aufwand verbunden: Drucker ausschalten, Rechner runterfahren und dann womöglich noch eine schaltbare Steckerleiste ausschalten – das kommt im Aufwand schon fast einem Marathon gleich. Echt wahr.

Da sollten wir dankbar genau dieses neue Verhalten als Trainingsraum für unser zukünftiges Verhalten ansehen. Denn in diesem Licht erscheint uns diese Unbequemlichkeit als ein Ponyhof, verglichen mit dem was uns im Rahmen des menschengemachten Klimawandels noch alles an Unbequemlichkeiten bevorsteht.

Lass laufen, Alter!

Der gönnt einem aber auch gar nichts, der Schreiberling. Ne, heute gibt es so richtig auf die (umweltverachtende) Fresse.

Ich will hier gar nicht darauf hinaus, dass wir alle unsere Autos an jeder Ampel motortechnisch stilllegen sollten – was ja grundsätzlich in modernen Kfz die Start-Stopp-Automatik übernehmen sollte (wenn sie denn funktioniert…). Nein, was ich hier anprangere, ist das vollkommen sinnfreie, hirnamputierte Verhalten, welches ich zunehmend beobachte: minutenlang den Motor laufen lassen. Selbst wenn die Karre völlig unbeteiligt (und fahrerlos) in der Gegend herumsteht. Was soll das denn bitte? Haben die alle ihre Autos kurzgeschlossen und es ist den Fahrern zu aufwändig, das gleiche Spiel nach ihrem Café-Besuch wieder zu veranstalten? Oder sind das alles professionelle Fluchtwagenfahrer, die ständig mit einem Fuß auf dem Gas leben?

Frustriert möchte ich schreien: “Denkt denn niemand an die Kinder!?”. Aber so scheint es wohl zu sein. Mir als Kinderfreiem kann die Zukunft jenseits von 2060 reichlich egal sein – die meisten dieser Ausschaltunwilligen scheinen mir jedoch Eltern zu sein – und die sollten ein Interesse an der Umwelt über ihre eigene Restlaufzeit hinaus haben.

Möglicherweise ist Kraftstoff doch noch viel zu billig.

“Und kost’ Benzin auch Drei Mark Zehn.
Scheiß egal, es wird schon geh’n!”

Markus

Oder es ist doch noch viel mehr im Boden, als uns diese ganzen wissenschaftlichen Untersuchungen glauben machen wollen. Ist ja wahrscheinlich alles gelogen. Himmel, könnt ich mich aufregen. Ist aber auch nicht gesund.

An dieser Stelle stehen wir vor der Entscheidung zwischen Bequemlichkeit und klimafreundlichem Handeln. Naja, das wäre dann eher die Wahl zwischen Auto oder zu Fuß gehen. Aber richten wir nur den Blick auf die Wahl zwischen Motor laufen lassen und Motor abstellen.

Was kann denn so schwierig daran sein, den Motor abzustellen? Wenn ich aus dem Auto aussteige?? Hallo?!? Das ist doch ein Automatismus, den wir Führerscheininhaber schon mit der ersten Fahrstunde eingeatmet haben. Das kann doch wirklich nicht so schwer sein, oder? Und an dieser Stelle frage ich mich wieder, was machen diese Menschen, wenn zukünftig Trinkwasser oder Strom rationiert wird? Leute, lernt jetzt Schritt für Schritt mit einem langsam steigenden Maß an Unbequemlichkeit zu leben, anstatt in acht Jahren voll von der klimabedingten Unbequemlichkeitskeule darnieder gestreckt zu werden.

Mehr Klima!

Da schwitz ich nun, ich armer Tor, mir ist viel heißer als je zuvor.

Nun, ein Goethe wird nicht mehr aus mir, aber was solls. Vielleicht ein einsamer Rufer in der Wüste – und dazu muss ich noch nicht einmal mehr das Land verlassen. Ja, es wird zunehmend heißer. Und was macht der erfindungsreiche Mensch? Er zimmert sich eine Klimaanlage an seine Heimstatt. Ein Klimadepp dank Technik. Auch hier wiederhole ich mich: mir kann es egal sein. Sozusagen, nach mir die Sintflut – oder noch während meiner Lebenszeit, die Chancen dafür stehen gut. Ich bräuchte mich vor niemandem zu rechtfertigen, wenn ich durch mein klimaschädliches Verhalten dem Klimawandel Vorschub leiste. Aber ich habe keine Klimaanlage. Was soll mir auch diese Illusion künstlicher Kälte bringen? Kaum trete ich einen Schritt aus meinen klimatisierten vier Wänden heraus, trifft mich der klimagewandelte Schlag. Prima. Da schalte ich doch lieber zwei Gänge runter, lerne von unseren südlichen Nachbarn und gewöhne mich daran, dass die Heide verwüstet und die Stauseen austrocknen.

Aber auch an dieser Stelle wird der Bequemlichkeit Vorrang gegenüber dem nachhaltigen Handeln gegeben. Es ist bequemer, die Temperatur über eine Klimaanlage zu regeln anstatt dafür zu sorgen, dass die Bude nicht aufheizt.

I believe I can fly

Mir ist bewusst, dass ich mich fortschreitend von meinem Kerngebiet entferne. Aber was solls, es gibt schließlich noch wichtigere Themen als Privatsphäre.

Urlaub zum Beispiel.

Und das ist jetzt mal ein Thema, bei dem der deutsche Arbeitnehmer so gar keinen Spaß versteht. Auf die Flugreise in den Urlaub verzichten? Um einmal im Jahr so richtig in die Sonne zu reisen? Keinesfalls! Also nicht ganz keinesfalls. Immerhin ein Viertel der Befragten sind bereit weniger zu fliegen. In den Urlaub. Oder mindestens bewusster. Ist ja schon schlimm, wenn man unbewusst fliegt. Oh, ups, bin ich wieder ganz aus Versehen in den Flieger gestiegen, dabei wollte ich doch nur ins Schwimmbad. Und überhaupt – warum noch verreisen, um in die Sonne zu kommen? Hier sind es 35°C. Ende Juni. Wie heiß wollt ihr es denn haben? Ihr braucht doch schon bei diesen Temperaturen eine Klimaanlage. Was macht ihr dann bei 50°C?

Auch hier gilt wieder: wir müssen uns umstellen. Es geht nicht anders. Es sei denn wir, wir stehen auf einen 60 Meter höheren Meerwasserspiegel, weniger Biodiversität und höhere Temperaturen. Andernfalls müssen wir ganz schnell nach Alternativen suchen. Aber mal richtig schnell. Also quasi sofort. Und radikal.

Umweltirrsinnige Softwareobsoleszenz

TL;DR

  • Hardware, die noch laufen kann, aber nicht mehr darf – Herstellern ist die Nutzbarkeit alter Hardware egal
  • Wo liegt das Problem? – Less support – more sales
  • Was tun, wenn’s abläuft? – Vorschläge für die Weiterverwendung hersteller-forcierter Obsoleszenz
  • Denkt denn niemand an die Umwelt? – Ressourcen sind nicht unbegrenzt
  • Stattdessen – Einige Ideen zum nachhaltigen Digitalisieren

Über den ökologischen Wahnsinn, alte Hardware nicht weiter zu unterstützen.

In diesem Artikel kann ich endlich zwei Gebiete miteinander verbinden, die mich momentan umtreiben:

Umwelt und IT.

Passt so gut zusammen wie Krieg und Frieden, umgibt uns jedoch allumfänglich.

Das eine dürfen wir nicht vernachlässigen, auf das andere können wir getrost verzichten. Und dennoch verhalten wir uns so, als sei die Zuordnung genau anders herum: Wir behandeln unsere Umwelt so, als könnten wir getrost auf sie verzichten – bei unseren digitalen Spielzeugen agieren wir, als ob wir diese keinesfalls vernachlässigen dürfen.

Puh.

Hardware, die noch laufen kann, aber nicht mehr darf

Mir ist dieser Zusammenhang wieder klar geworden, als ich die neue Obsoleszenzliste, äh Kompatibilitätsliste von Apple bei der Ankündigung von iOS 13 gesehen habe.

Mir ist bewusst, dass ältere Hardware nicht bis in alle Zeit vom Hersteller weiter versorgt wird. Hirnverbrannt im Hinblick auf den Zustand unserer Umwelt ist das dennoch.

Hersteller wollen schließlich neue Produkte verkaufen. Damit verdienen sie ihr Geld. Apple verdient nichts an einem Kunden, der vor sieben Jahren ein iPad gekauft hat und das heute immer noch benutzt. Dem muss man von Herstellerseite einen Softwareriegel vorschieben. Wo kommen wir denn hin, wenn hier jeder eine Hardware so pfleglich behandelt, dass diese nach sieben Jahren immer noch wie frisch aus der Verpackung gepflückt aussieht!?

Tja, da tut sich eine ganz neue Welt an Irrsinn auf. Jetzt stellt Apple wirklich hochwertige und robuste Hardware her – und dann geht die auch einfach nicht kaputt! Ist doch eine Frechheit! Dann wird eben der Support für die Software eingestellt.

Die Einstellung des Software-Supports wäre auch kein Problem – wenn Apple zulassen würde, dass auf die nicht mehr unterstützten (aber immer noch voll funktionsfähigen) Geräte ein alternatives Betriebssystem aufgespielt werden kann.

Aber Apple lässt ja nicht einmal die Fremdreparatur der Hardware zu. Geschweige denn die Nutzung der Hardware (zumindest für iOS-Geräte) mit Apple-fremder Software. Apple ist einer der schärfsten Gegner des Right to Repair, also dem Recht auf Reparatur (durch den Anwender selbst oder durch einen freien Dienstleister). Das allein ist in unserer Zeit, wo Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung im Mainstream angekommen sind, ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die noch Wege in eine lebenswerte Umwelt suchen.

Wo liegt das Problem?

Die alte Hardware weiter zu betreiben ist – technisch – kein Problem. Es funktioniert noch alles. Aber es funktioniert in einem potenziell unsicheren Umfeld. Die größten Bedrohungen im digitalen Bereich gehen von bisher unbekannten Sicherheitslücken aus. Und diese können nur durch den Hersteller geschlossen werden. Wird eine alte Hardware nicht weiter mit Sicherheitsupdates versorgt, bleibt die Sicherheitslücke offen, kann daher von Angreifern ausgenutzt werden und gefährdet den Anwender.

Ganz blöde Sache.

Und der Anwender weiß davon noch nicht einmal. Er bekommt auch keinen Hinweis darauf, wie lang die Hardware unterstützt wird, die er vor Jahren gekauft hat. Es fehlt so etwas wie ein digitales Mindesthaltbarkeitsdatum. Da regen wir uns auf, dass Lebensmittel weggeworfen werden, wenn diese das MHD überschreiten. Aber eine Hardware, die noch taufrisch ist, können wir ohne weitere Sicherheitsupdates ebenso aus unserem digitalen Kühlschrank werfen. Gefährdet zwar nicht unsere Gesundheit aber unsere digitale Unversehrtheit.

Ich wiederhole es nochmal: Es ist ein Irrsinn, ein technisch einwandfreies Produkt nicht weiter mit Sicherheitsupdates zu versorgen!

Wir haben an dieser Stelle als Nutzer zwei Möglichkeiten:

  1. Wir nutzen das Gerät weiter und gefährden unsere digitale Identität, wenn wir damit ungeschützt ins Netz gehen.
  2. Oder wir basteln einen hübschen Briefbeschwerer daraus.

Beide Möglichkeiten sind total doof. Das eine ist gefährlich und das andere ist irrsinnige Ressourcenverschwendung.

Was tun, wenn’s abläuft?

Genug des Gejammers, ans Werk. Es hilft ja nur bedingt, wenn wir wehklagen und zähneknirschen. Wir müssen uns der Situation stellen. Jetzt sind wir (nicht mehr ganz so stolzer) Besitzer eines immer noch technisch vollkommen intakten digitalen Endgeräts. Aber was können wir noch damit anfangen? Und was sollten wir vermeiden?

Betrachten wir zunächst die – mehr oder minder – sinnvollen Anwendungsfälle:

  • einen digitalen Bilderrahmen daraus machen. Funktioniert immer noch.
  • als eBook-Reader einsetzen. Taugt ebenfalls.
  • ein handlicher Fotoapparat. Nun ja.
  • ein formschöner Briefbeschwerer. Für den analog Kommunizierenden.

Was wir mit dem software-obsoleten digitalen Wunderwerk nicht mehr tun sollten, ist folgendes:

  • in unser Netzwerk gehen und damit im Internet surfen. Sicherheitslücken sind da. Die nehmen keine Rücksicht auf uninformierte Nutzer.
  • es einfach wegwerfen. Da stecken so viele Rohstoffe drin. Die werden immer knapper.

Denkt denn niemand an die Umwelt?

Was also tun mit der ganzen alten Hardware, die in Schubladen verstaubt oder unsere digitale Identität gefährdet?

Angebote wie PC-Spende.de sind ein guter Ansatz – laufen im Fall obsoleter Software aber auch ins Leere. Denn welcher (Schul-)Admin lässt schon eine Hardware ohne Chance auf Sicherheitsupdates in sein Netzwerk?

Dann gibt es noch Angebote wie etwa die AfB-Group, die als gemeinnütziges Unternehmen IT-Hardware wieder aufbereitet und als Second-Hand-Gerät verkauft. Großartiges Angebot, gleiches Problem. Niemand kauft eine Hardware, die softwareseitig nicht weiter gepflegt wird.

Zum Glück gibt es noch die Möglichkeit, die wertvollen Ressourcen aus dem digitalen Briefbeschwerer herauszuholen. Dazu kann man sein softwareschwaches Stück digitaler Schaffenskunst in einem Recycling-Hof abgeben. Oder Dienste wie Mobile-Box in Anspruch nehmen, die alte Smartphones (und sicherlich auch Tablets) sammeln und den darin enthaltenen Rohstoffen neues Leben einhauchen.

Stattdessen

Das ganze Drama und die damit verbundene Gleichgültigkeit der Hardware-Konzerne führt für mich nur zu einer Erkenntnis:

Nachhaltige Hardware. Wir können einfach nicht mehr so tun, als hätten wir unendliche Ressourcen. Wir können uns einfach nicht mehr jedes Jahr einen Tech-Refresh leisten. Das geht nicht mehr. Punkt.

Wenn wir auch nur am Rande die Idee haben, als Menschheit diesen Planeten noch länger als die nächsten fünf Jahre ohne Schwimmflossen, Atemmaske und Sonnenschutz-Creme mit Faktor 5000 zu erleben, dann müssen wir umdenken. Und das betrifft auch unsere Hardware:

  • Hardware so lange gebrauchen, bis sie von selbst zu Staub zerfällt. Und das bedeutet, darauf eine Software zu verwenden, die das auch mitmacht (Linux!).
  • Hardware kaufen, die repariert werden kann und lange mit Ersatzteilen und Software versorgt wird (Fairphone oder Shiftphones). Und nur mal kleiner Preisvergleich: Ein Fairphone 2 (refurbished) kostet 299 €. Ein Shiftphone Shift5me kostet 444 €. Ein iPhone 7 (das ist die Vor-Vor-Vorgänger-Version (also n-3!) kostet ab 519 €. Ein aktuelles iPhone kostet 1649 €. Ist doch mal ein valides Argument, wie ich denke.

Alles andere ist Müll. Im wahrsten Sinne des Wortes.