Was kann mir jetzt noch helfen

Was bleibt jetzt noch zu tun?
Wir haben unsere Flotte zusammengestellt:

  • die Tarnkappen-Korvette zur unerkannten Aufklärung: den Tor Browser
  • unseren hochseetauglich aufgerüsteten Brot-und-Butter Fischkutter: den Firefox
  • unser Rettungsboot: den Vivaldi oder auch den Safari (sofern wir unter macOS die digitalen Weltmeere durchsegeln

Wir sind uns der Gefahren im virtuellen Ozean bewusst:

  • wir kennen Scylla und Charibdis mit Vor- und Zunamen (Theresa und Angela – was uns Homer verschweigen wollte).
  • wir haben gelernt, wie wir uns vor Datenpiraten, -kraken und informatorischen Saugrobotern schützen können.
  • wir erkennen die digitalen Untiefen, auch wenn sie nur mit ihren manipulatorischen Sirenengesängen locken.

Wir haben unseren Datenkutter kalfatert und mit Schwimmflügeln ausgerüstet.
Unnötigen Ballast haben wir über Bord geworfen und wir wissen, dass wir auch sonst sparsam mit unseren Datenrationen umgehen müssen – ansonsten werden wir bis auf unser letztes Seehemd ausgezogen – oder sogar noch weiter.

Also was bleibt jetzt noch zu tun?

Die Crew schulen.

Ich komme mir ein wenig wie eine Schallplatte vor, die hängen geblieben ist, weil ich in jedem Artikel zum Thema sicheres surfen immer wieder auf der Tatsache herum reite, dass Lernen essenziell wichtig für den Schutz unserer Privatsphäre ist.
Wir leben in einer Zeit der Machtasymmetrie und dieses Gefälle dürfen wir nicht noch mehr zu unseren Ungunsten verschieben.
Die dunkle Seite der Macht ist besser ausgestattet als wir:
personell, technisch und auch finanziell.
Daher ist es für die Verteidigung unserer Privatsphäre und unserer Freiheit so unerlässlich wichtig, dass wir unsere virtuellen Seemannsbeine trainieren und immer wieder trainieren.
Wenn wir Gefahren nicht kennen, kommen wir darin um – oder zumindest unsere Daten.
Der Gefahr ist es egal, ob wir sie kennen oder nicht – sie ist da.
Ignorance is bliss – aber nur bei Dingen, die uns nicht betreffen.
Wenn wir uns im digitalen Ozean den Luxus von Ignoranz leisten wollen, dann dürfen wir nicht surfen.
Sollte jemand dies hinkriegen, hat er meinen tief empfundenden Respekt.
Mein Ziel ist jedoch, meine Leser zu erfahrenen und mit allen virtuellen Wassern gewaschenen Digitalseebären zu schulen – und nicht zu technophoben Landratten zu ängstigen.
Darum mein Aufruf:

Lernt, Leute, lernt! - und lasst euch nicht verschrecken.

Regelmäßig Rettungsmanöver durchführen

So wie wir unser Hausboot regelmäßig ins Trockendock zur Wartung schippern müssen, so müssen wir für unsere virtuelle Flotte regelmäßig Sicherungen durchführen.
Ähnlich wie es im Rahmen einer Schifffahrt vollkommen fahrlässig ist, ohne Rettungsboote in See zu stechen, so ist es für uns Digitalmatrosen vollkommen unverantwortlich, ohne Backup zu arbeiten.
Mir gefällt der Spruch aus der Systemadministratoren-Riege:

Kein Backup - kein Mitleid.

Allerdings reicht es nicht, Rettungsboote an Bord zu haben.
Wir müssen auch regelmäßig Manöver durchführen.
Ach, wie schön sind doch diese Drills auf den Kreuzfahrtschiffen, wenn alle Passagiere mit ihren orangefarbenen Rettungswesten an Deck stehen und darauf warten, in die ihnen zugeteilten Rettungsboote verfrachtet zu werden.
Frauen, Kinder und Einhörner zuerst!
Drachen und Faulpelze erst später.
Und danach gibt’s dann für alle einen Aquavit zum aufwärmen.
Und genau dies sollten wir als versierte virtuelle Seefahrer auch machen.
Also – nicht mit dem Aquavit anfangen – den gibt’s erst hinterher.
Nein, regelmäßige Manöver durchführen.
Das beste Backup hilft uns nicht, wenn der Restore nicht klappt.
Wär ja auch echt blöd, wenn wir feststellen (sobald wir auf den Eisberg aufgelaufen sind) dass die Rettungsboote leck geschlagen, keine Riemen vorhanden und die Rettungswesten aufgrund von Sparmaßnahmen aus Pappmaché sind.
Schön blöd.
Darum prüfen wir regelmäßig die Tauglichkeit unserer Backups.
Nicht jedes Mal, aber ein ums andere Mal schon.
Weil nix blöderes, als im Katastrophenfall festzustellen, dass wir zwar ein Backup angelegt haben – sich dieses aber nicht wieder einspielen lässt.

Auf virtueller Schleichfahrt

Wir können auch ab und zu unsere Segelyacht im Hafen lassen und ein U-Boot nehmen.
Mit einem U-Boot sind wir – zunächst einmal – weg von der Oberfläche.
Die Entsprechung eines U-Bootes im virtuellen Weltmeer ist ein VPN-Tunnel.
Ein VPN – ein Virtual Private Network – errichtet gewissermaßen einen Tunnel, der unsere Kommunikation verschlüsselt, so dass kein Dritter diese auf dem Übertragungsweg mitlesen kann.
Darüber hinaus verschleiert ein VPN auch unsere geografische Position im digitalen Ozean – ganz so, als würden wir die Kompasse, Sonars und Echolote der Datenpiraten verwirren.
Der Einsatz eines VPNs lohnt sich immer dann, wenn wir einfach mal weniger Spuren als üblich hinterlassen wollen.

Unterwegs mit der eigenen Nebelbank

Eine weitere Möglichkeit, unsere wahren Interessen vor den neugierigen Augen der Datenkraten zu verbergen, ist der Einsatz von Obfuscation – Verschleierung.
In meinem letzten Artikel habe ich bereits das Add-on Adnauseam angesprochen.
Dieses nutzt die Technik der Obfuscation bereits, indem es wahllos auf jede Werbeanzeige klickt.
Ein Wort zur Beruhigung: Durch dieses wahllose Herumklicken fangen wir uns keine Schadsoftware ein, denn der Klick auf die Werbefläche wird nur simuliert, nicht wirklich durchgeführt.
Die technischen Details dazu sind hier erklärt.
Durch dieses All-you-can-click Verhalten von Adnauseam wird unser wahres Interesse an Produkten und Dienstleistungen vollkommen verschleiert – kein Datenauswerter kann jetzt noch etwas sinnvolles mit unseren Daten anfangen.
Und in genau diesem Gewand kommt ein weiteres Add-on daher:
TrackMeNot
Dieses Add-on zur Verschleierung unseres Surfverhaltens wurde von Helen Nissenbaum und Daniel C. Howe entwickelt und erzeugt einen Datennebel aus zufälligen Suchmaschinenanfragen, in welchem unsere wirklichen Interessen untergehen – das ist eine Form von Obfuscation.
Diese “Waffe der Schwachen” ist in meinen Augen ein legitimes Mittel, welches wir zur Verteidigung unserer Privatsphäre einsetzen können, dürfen und auch sollten.

Landgang!

Als weiteres – letztes – Mittel in unserem Kampf um unsere datentechnische Souveränität haben wir natürlich immer noch den Landgang.
Wir können – ganz im Geiste Robinson Crusoes – unser Seegefährt recyclen und eine gemütliche Hütte auf einer einsamen Insel daraus bauen.
Das ist ein drastischer Schritt, denn eine einsame Insel ist vor allem eines:
Einsam.
Und ganz so, wie es Robinson Crusoe erging, werden wir nicht dauerhaft allein bleiben.
Die (Daten-)Piraten finden uns auch auf unserer vom digitalen Ozean umgebenen einsamen Insel und dringen dort – an Land – in unsere Privatsphäre ein.
Das geschieht auch schon jetzt.
Google will seine digital korrelierten Ergebnisse zukünftig auch mit Daten aus der echten Welt verknüpfen.
Damit ist auch der Rückzug aus der virtuellen Welt keine Option mehr, um seine Privatsphäre zu retten.
Es ist aber auf jeden Fall ein Baustein in der Verteidigungslinie für unsere Privatsphäre.
Ein temporärer digitaler Landgang entzieht uns für eine gewisse Zeit dem allsehenden digitalen Auge und beschert uns Zeiten von Ruhe und nimmt uns aus der digitalen Hektik raus.
Jede Aktion, die uns unberechenbarer macht, hilft uns dabei, unsere Eigentümlichkeit, unsere Individualität und unsere Privatsphäre zu erhalten.
Daher mein Rat:

Nehmt euch ab und zu eine Auszeit und geht mal wieder an Land!

TL;DR

  • Surfer müssen lernen. Lernen. Lernen! – Die Crew schulen.
  • Alle Mann an Deck: Regelmäßig Rettungsmanöver durchführen
  • U-Boote im digitalen Weltmeer: Auf virtueller Schleichfahrt
  • Obfuscation: Unterwegs mit der eigenen Nebelbank
  • Der letzte Ausweg, Robinson: Landgang!

Ihr habt euch euer virtuelles Offizierspatent redlich verdient.
Genießt euren Erfolg.
Sonnt euch auf dem Deck eurer 12-m-Yacht. Ich wünsche euch immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel – und Augen offen halten – die Gefahren bleiben bestehen, es gibt noch viel unentdecktes Meer dort draußen.
Fragen? Anmerkungen?

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