Das ist alles so kompliziert

Heute setze ich meinen Kurs zur Stärkung des Selbstbewusstseins der Silver Surfer fort – wir müssen nicht nur den Mut finden, Altes loszulassen und Neues, Unbekanntes zu ergreifen, sondern auch die Furcht vor vermeintlich Kompliziertem verlieren.
Silver Surfer befinden sich in der unangenehmen Zwickmühle zwischen “wir sind zu alt für all das moderne Zeug” und “wir müssen unbedingt das Neue nutzen, ansonsten verlieren wir den Kontakt zu unseren Kindern und Enkeln”.
Beginnen wir doch ganz locker Schritt-für-Schritt und nähern uns der Frage, ob denn tatsächlich alles so kompliziert ist, wie es manch ein Silver Surfer befürchtet.

Never too old to learn new tricks

Betrachten wir das ganze Thema Digitalisierung unter dem Aspekt der Herausforderungen und Möglichkeiten.
Wenn wir Neues erfahren und Neues lernen, hält uns dies geistig rege!
So lange wir lernen und unsere kleinen grauen Zellen mit neuen Herausforderungen beschäftigen, rosten wir nicht ein.
Es ist eine falsche Sichtweise, wenn der Volksmund sagt, ein alter Hund lerne keine neuen Tricks.
Mit dieser Gesinnung beschränken wir uns einfach selbst.
Wir sollten uns daher an positiven Beispielen orientieren.

  • Wir können problemlos im mittleren Alter von jugendlichen vierzig Jahren noch stricken lernen.
  • Den Schritt in die Selbstständigkeit können wir ohne Scheu erst jenseits der großen Vier wagen (Dem Schwaben nach wird der Mensch sowieso erst mit Vierzig gscheit).
  • Viele Golfer starten ihre Sportkarriere erst nachdem sie den Tennisschläger an die Wand oder Fußballschuhe an die nächste Laterne gehängt haben.

Wir sollten anerkennen, dass wir mittlerweile in einer Zeit leben, in welcher neue Möglichkeiten und Herausforderungen viel schneller entstehen (und auch wieder vergehen) als dies noch vor fünfzig Jahren so war.
Das Rad der technischen Entwicklung dreht sich heutzutage schneller.
Es hat Jahrhunderte gedauert, bis der Buchdruck sich in allen Schichten und Regionen durchgesetzt hat.
Der Fernsprecher hat sich erst im Laufe von Jahrzehnten als Kommunikationsmittel gesellschaftsdurchdringend etabliert.
Fernsehen verbreitete sich schon deutlich schneller.
Und heute erleben wir eine nahezu vollständige Revolution digitaler Kommunikationsmittel im Laufe von wenigen Jahren.
Die Entwicklung wird schneller.
Wir müssen nicht jeden einzelnen Schritt als Pionier der ersten Stunde vorantreiben. Wir müssen uns noch nicht einmal jede Neuerung zu eigen machen.
Aber was wir tun sollten, ist aufmerksam und offen die Entwicklung beobachten, damit wir von dieser Entwicklung nicht überrollt werden.

Silver Surfer müssen lernen, lernen, lernen

Was Frau Mahlzahn Jim Knopf als Begrüßungsrede in der Stadt der Drachen ans Herz legt, lege ich euch Silver Surfern auch ans Herz:
lernt!
Es gibt zwar keine Hiebe, wenn ihr nicht lernt und ich will auch nicht, dass ihr still sitzt – ganz im Gegenteil!
Bewegt euch – beherzt – durch virtuelle Welten.
Tobt euch aus, indem ihr Neues ausprobiert und euch weiter bildet.
Wir leben in einer Zeit, in welcher wir damit rechnen müssen, dass durch technische Innovationen uns alle fünf Jahre eine Revolution der digitalen Kommunikation bevorsteht.
Wenn wir dieser Entwicklung stand halten wollen, müssen wir uns ans Lernen gewöhnen.
Nutzen wir doch den Schwung dieser schnellen Entwicklung für uns aus, indem wir Kraft sammeln durch das Lernen.
Auch in der Raumfahrt wird die Wechselwirkung aus vorhandener Geschwindigkeit und einer großen Masse ausgenutzt, um ein Raumfahrzeug mit geringen Treibstoffeinsatz möglichst effektiv zu beschleunigen.
Dieses Manöver nennen wir Swing-By.
Also lasst uns einen geistigen Swing-By durchführen, indem wir die Geschwindigkeit der technischen Entwicklung nutzen und in Kombination mit unserer Begeisterung immer wieder Neues zu lernen.
Wir werden sehen, es wird jedes Mal einfacher und wir kommen schneller und weiter als je zuvor!

Neues lernen ist nichts Neues

Wir mussten doch schon immer Neues lernen – warum sollte uns dies plötzlich ab einem gewissen Alter verwehrt sein?
Es ist doch schließlich in unserer Gesellschaft ein Privileg, dass wir unseren jungen Mitbürger eine gute Bildung, ein gutes und durchlässiges Schulsystem bieten. Warum sollte dieses Privileg nur auf die Jugend beschränkt sein?
Gerade etwas wie eine gute Bildung, für das wir und unsere Vorfahren gekämpft haben, sollte doch auch in späteren Jahren noch ausgekostet werden.
Es wäre doch eine Schande, wenn wir einfach aufhören würden zu lernen.
Wir haben doch lange Jahre, erst in den verschiedenen Schulsystem, anschließend in einer beruflichen Ausbildung oder einer Hochschule, gelernt zu lernen.
Viele lernen auch anschließend im Beruf weiter oder bilden sich an Abend- oder Volkshochschulen weiter.
Es gibt keinen Grund dieses lang antrainierte Lernen aufzugeben.
Es macht Spaß, erweitert den Horizont – und weil wir es über lange Jahre gelernt haben, wird es immer besser – das Lernen!
Ich halte ein Plädoyer für das Lernen.
Denn Lernen hat soviel Gutes, soviel Energie, soviel Spaß, soviel Sex!
Es ist wirklich nichts Neues, wenn wir lernen, aber doch ist der Inhalt wieder neu und aufregend und damit einfach ein Abenteuer, welches jeder – egal wie alt – erleben kann!

Mach es einfacher als es ist

Vereinfache das Komplizierte – das ist mein Lernkonzept.
Wenn wir lernen, Dinge einfach zu betrachten und sie zunächst für uns nutzbar zu machen, dann haben wir einen Hebel gefunden, der es uns auch erlaubt, anderen diese Dinge beizubringen.
Und wenn wir beginnen anderen Dinge beizubringen, die wir verstanden haben, dann vertieft sich auch für uns das erlernte Wissen!
Ein wundervoller  Kreislauf entsteht.
Ein Perpetuum Mobile des Wissens.
Wir lernen etwas für uns und geben anderen mehr, als wir selbst für uns gelernt haben:
Wissen und Hoffnung.
Ich kann mir kaum eine bessere Art vorstellen, um mit Menschen in Kontakt zu kommen, als ihnen etwas beizubringen, das ich selbst gelernt habe und für mein Verständnis vereinfacht habe.
Jeder von uns hat etwas, dass er anderen mitgeben kann.
Wir alle sind unendliche Brunnen des Wissens – wir sollten uns nicht selbst das Wasser abdrehen.
Ganz im Gegenteil: Wir sollten unerschöpflich und freigibig unser Wissen teilen.
Auf einer breiten Basis von geteiltem Wissen kann auch kein Missverständnis gedeihen.

Habe Mut vor Fehlern – wir müssen keine Experten werden

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Genau!
Darum scheue dich nicht davor, Fehler zu machen.
Fehler sind die besten Lehrmeister, die du dir wünschen kannst.
Ein Fehler hilft dir oft viel schneller, etwas zu verstehen als es viele Stunden theoretischen Büffels könnten.
Du machst einen Fehler, bemerkst ihn, denkst nach und korrigierst ihn.
Fehler machen ist angewandtes Lernen.
Mir tun Menschen leid, die behaupten, dass sie keine Fehler machen – denn das sind Menschen die nichts lernen.
Wenig Fehler macht man, wenn man nichts tut.
Versuche so viele Fehler wie möglich in so kurzer Zeit wie möglich zu machen – dann lernst du viel.
Und vergiss auch jedes Ziel.
Der Weg ist das Ziel.
Das Lernen ist deine Belohnung.
Nicht, dass du am Ende deines Lernprozesses ein Experte in Irgendwas bist.
In unserer Zeit ist so viel Wissen vorhanden, dass noch nicht einmal ein Experte in seinem Fachgebiet alles über dieses Fachgebiet wissen kann.
Sei stolz auf dein Lernen und sei stolz auf deine Fehler.

TL;DR

  • Alter schützt vor Lernen nicht: Never to old to learn new tricks
  • Frau Mahlzahn spricht: Silver Surver müssen lernen, lernen, lernen
  • Ein bewährtes Konzept: Neues lernen ist nichts Neues
  • Sei ein Lernender, sei ein Lehrender: Mach es einfacher als es ist
  • Es gibt keine Fehler: Habe Mut vor Fehlern

Und heute mein Tipp aus der Verschlüsselungspraxis:
Die Eckkneipe ist die Real-World Alternative zu E-Mail-Verschlüsselung und echtes soziales Netzwerk