Was mach ich mit meiner Privatsphäre bei Facebook?

Die Frage klingt ein wenig schillernd:
Was willst du mit den Daten? sprich!
Nun, auf Seiten von Facebook ist diese Frage schnell und klar beantwortet:
Damit ich dir mehr relevante und personalisierte Werbung aufdrücken kann!
Das allerdings klingt jetzt ein wenig nach dem bösen Wolf aus Rotkäppchen.
Aber immerhin trifft das ja auch ganz gut zu.
Denn der Unternehmenszweck, den Facebook verfolgt, liegt nun einmal in der Steigerung der Werbeeinnahmen durch möglichst geschickt platzierte Werbeflächen.
Aber worum geht es denn den Datenlieferanten, den Mitgliedern bei Facebook, wenn sie bereitwillig ihre persönlichsten Momente und sonstige Daten an Facebook abgeben?
Ich will mich heute nicht in Vermutungen ergehen, aus welchem Grund Menschen ihre Daten bei Facebook preisgeben. Vermutlich finden wir bei den 1,65 Milliarden Mitgliedern 4,38 Milliarden unterschiedliche Gründe dafür.
Was ich hier jedoch vorstellen will, sind Risiken, denen sich diese 1,65 Milliarden Mitglieder beim Veröffentlichen ihrer Daten auf Facebook aussetzen.

Mach dir (d)ein Bild – Gefahren durch Selfies und sonstige Fotos

Selfies (und alle weiteren analog benannten Abarten davon) bieten durch ihre automatisch erzeugten und hochgeladenen Metadaten hervorragende Möglichkeiten, um weitere Informationen über das hochladende Mitglied zu erhalten.
Uhrzeit und Geokoordinaten sind dabei meiner Ansicht nach noch die augenfälligsten Metadaten, die dem unachtsamen Nutzer dabei die Privatsphäre zerhageln können:
Blöd zum Beispiel, wenn hier aus dem vermeintlichen Krankenstand ein Foto vom Strandausflug gepostet wird, natürlich mit genauem Zeitstempel.

Geodaten – ich bin nicht daheim, liebe Einbrecher

Ein ganz besonders unvorsichtiges Vorgehen beim Hochladen von Fotos – oder direkt noch besser in der Funktion, seinen aktuellen Aufenthaltsort auf Facebook bekannt zu machen, ist das Missachten oder Ignorieren von Geodaten.
Was schon als Metadaten in Fotos verräterisch ist, zeigt sich in der Verwendung der Möglichkeit, seinen aktuellen Standort zu posten als noch kritischer.
Wenn ich angebe, dass ich gerade für einen zweiwöchigen Urlaub auf den Seychellen gelandet bin, braucht es keinen Raketenwissenschaftler, um daraus zu schließen, dass ich die nächsten zwei Wochen nicht in meinem Haus in Oer-Erkenschwick bin.
Ergo: Freie Bahn für versierte (Daten)-Diebe.

Profilneurose: Personenbezogene Daten

Das ganze Gejammer von Facebook, der öffentlichkeitsliebende Nutzer möge doch noch seinen Wohnort, Lieblingsverein und seine persönlichen musikalischen Top-Ten angeben, dient lediglich dazu, einen besseren konsumwirksamen Hebel ansetzen zu können, um diesem Nutzer noch mehr nutzlose Dinge zu verkaufen, die er schon immer nicht haben wollte.
Kurz gesagt, es ist lediglich eine Marketingstrategie, welche die aktuelle Fokussierung auf die Möglichkeiten von Big Data im Zusammenhang mit sozialen Medien ausnutzt.
Das ist nichts Innovatives, das ist lediglich die konsequente Fortsetzung der marktwirtschaftlichen Prämisse des kontinuierlichen Wachstums – übertragen auf den Bereich der sozialen Medien.

Filterblase: Ich weiß besser, was du suchst

Auch der Bereich der profilbasierten Vorselektion der für mich “relevanten” Inhalte ist nur ein weiterer Versuch, mich zu mehr Konsum zu bewegen.
Da die Filterblase, in welcher ein Facebook-Nutzer schwebt, direkt mit dem von ihm erstellten Profil zusammenhängt, ist es an dieser Stelle auch keine Rocket Science, dass auch diese Ausprägung von Manipulation auf den gesteuerten Konsum des Nutzers abzielt.
Leider führt dieses System der Filterblase auch dazu, dass der Nutzer in seinen Interessen immer eindimensionaler und langweiliger wird.
Aber das ist auch das Ziel von Facebook:
Eindimensionale und langweilige Nutzer sind besser zu manipulieren.
Mir fällt an dieser Stelle wieder Adolph Freiherr Knigge ein:
Sei nie ganz müßig!
Lerne dich selbst nicht zu sehr auswendig, sondern sammle aus Büchern und Menschen neue Ideen.
Man glaubt es gar nicht, welch ein eintöniges Wesen man wird, wenn man sich immer in dem Zirkel der eigenen Lieblingsbegriffe herumdreht, und wie man dann alles wegwirft, was nicht unser Siegel an der Stirne trägt.

Adolph Knigge Freiherr
Von Users Webmaster@sgovd.org, AxelHH on de.wikipedia, Gemeinfrei, Wikimedia Commons
Mit der Filterblase, in die Facebook seine Nutzer durch die immer detailliertere Abfrage von Begriffen, die einen Nutzer (aus Sicht von Facebook) ausmachen, will Facebook eine erfolgreichere Platzierung “relevanter” Werbebotschaften erreichen.

Manipulation: Wir wollen, dass du bist wie wir dich wollen

Ziel der bereits angesprochenen Punkte Erzeugung eines Profils und Erstellung einer Filterblase passend zu diesem Profil ist die Manipulation des Facebook-Nutzers.
Dabei steht letzten Endes der Verkauf von Werbeplätzen und Nutzerdaten.
Facebook ist – und bleibt 😉 – laut eigener Aussage kostenlos.
Nun, da ist “kostenlos” halt ein dehnbarer Begriff.
Dienste müssen nicht unbedingt offensichtlich Geld in bekannter Währung kosten. Moderne Dienste, und da sind sich die Denker und Kritiker der Digitalisierung unseres Lebens einig, kosten unsere Daten und unsere Aufmerksamkeit, wenn sie nicht ganz transparent unser Geld als Gegenleistung fordern.

Jaron lanier.JPG
Canticle at en.wikipedia [CC BY-SA 3.0 or GFDL], via Wikimedia Commons
Und eine weitere Aussage von Jaron Lanier zu diesem Thema untermauert dies sehr schön:
Du bist nicht der Kunde der Internetkonzerne. Du bist ihr Produkt.
Denn als Kunde würdest du ganz transparent deine gebuchte Dienstleistung bezahlen.
Als Produkt wirst du nur als Datenlieferant ausgebeutet (hier passt auch ganz schön der Begriff vom Data-Mining).

Drum prüfe, wer sich ewig öffnet

Dir, lieber Facebook-Nutzer, sollte unbedingt einiges über deine Tätigkeiten bei Facebook klar sein:

  • dir gehört nichts mehr, was du hier hochlädst
  • du wirst auf Klick und Tipp getrackt, überwacht und manipuliert
  • du findest keine objektiven Informationen, es ist alles bereits für dein Profil vorselektiert
  • Facebook wird dich nicht ziehen lassen:
    deine Kontakte, deine Inhalte kannst du nicht (ohne größere Anstrengung) mitnehmen
  • du wirst per Standardeinstellung durchleuchtet:
    willst du etwas nur eingeschränkt mitteilen, musst du dich durch viele, sich ständig ändernde und immer komplizierter werdende Einstellungen kämpfen

Was kann ich tun?

Nicht resignieren! Das ist mein erster Rat.
Wenn du Facebook nutzt, um dich zu informieren oder auszutauschen – tu es.
Aber sei dir gewahr, dass du überwacht, manipuliert und bedrängt wirst, beständig mehr über dich preis zu geben.
Für mich ist das nichts.
Für mich ist dies das krasse Gegenteil von Souveränität über meine Daten.
Ich freue mich jedoch, wenn ich dir schon einen Einblick in das Vorgehen von Facebook geben konnte.
Meine Empfehlungen, wenn du Facebook weiter nutzen willst:

  • sei datensparsam:
    gib möglichst wenig Daten über dich preis.
  • sei kreativ:
    nutze deine Fantasie um das über dich erzeugte Profil zu verwirren.
    Wie wäre es einmal mit einem anderen Geschlecht?
    Oder einem regelmäßig wechselnden Geburtstag?
  • sei wachsam:
    schnüre die Privatsphären-Einstellungen so stramm wie möglich – und bleibe am Ball, das Einzige was Bestand hat, ist der Wandel!

TL;DR

  • Fotos rauben Seelen – oder zumindest Daten
  • Hier bin ich! – Geodaten verraten mehr als tausend Bilder
  • Meine Daten für euch: Wie ich mich selbst verkaufe
  • Wir sagen dir, was du willst: Gefangen in der Filterblase
  • Wir wissen, was du willst: Manipulation
  • Daten bleiben für immer: was ich poste bleibt ewig bestehen
  • Was kann ich tun: Drei Tipps für einen gesunden Umgang mit Facebook

Aber besser noch:
Raus aus dem digitalen Sumpf – zurück zur Hoheit über die eigenen Daten!

Ein Gedanke zu „Was mach ich mit meiner Privatsphäre bei Facebook?“

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