Warum posten eigentlich alle?

Heute starte ich mit meinem nächsten Themen-Block soziale Netzwerke.
Als Einstieg beschäftige ich mich deshalb mit der Frage, die mir ständig durch die Gehirnwindungen geistert, wenn ich wieder so einen Smartphone-schwingenden Datenterroristen sehe.
Entweder wenn dieser sein Kind fotografiert und das Bild zu Facebook hochlädt (und damit auch gleichzeitig die Privatsphäre seines Sprösslings mit Füßen tritt und obendrein dessen Karriere als zukünftiger Lohnsklave verhindert) oder auch wenn er selbst einen weiteren geistlosen Kommentar zur aktuellen Wetterlage in Castrop-Rauxel in den ewigen digitalen Datenarchiven hinterlässt.
Warum posten eigentlich alle?

Ich muss einen Beitrag leisten

Meine erste Vermutung, warum dieser nahezu unstillbare Drang zur digitalen Inkontinenz besteht, ist die unterschwellige Aufforderung von social Media, dass wir ja alle einen Beitrag leisten müssen, damit social Media funktioniert und nicht plötzlich in in völliger Bedeutungslosigkeit verpufft.
Liebe Leute, glaubt ihr wirklich alle, dass eure Belanglosigkeiten, die ihr so freigiebig in die virtuelle Welt postet auch nur einen Otter vor dem Hungertod oder einen Ureinwohner am Amazon vor dem nächsten illegal hochgezimmerten Staudamm bewahrt?
Was hilft mir dabei, um festzustellen, ob ich etwas posten sollte?
Drei einfache Fragen:

  • Für wen ist es hilfreich?
  • Ist es freundlich?
  • Ist es gut?

Und wenn bei diesen Fragen die Antworten “ja” lauten – und bei der ersten Frage die Antwort mehr als “für mich und <Datenkrake deiner Wahl>” lautet –
dann zähl erstmal mit angehaltener Luft langsam bis zehn.
Wenn du jetzt immernoch der Ansicht bist, dass du einen wertvollen Beitrag zur Rettung des nordsibirischen Otters oder der Kultur der indigenen Völker im Amazonas-Regenwald beizutragen hast, dann poste deinen Beitrag.
Sei dir jedoch immer bewußt, dass dein Beitrag zu einem ungleich höheren Teil den Datenkraken zu Gute kommt (einfach weil diese dadurch wieder einige weitere Datenpunkte für dein Profil bekommen) als deinem “Freundes”-Kreis.

Ich muss unsterblich werden

Falls du nach digitaler Unsterblichkeit strebst, dann poste einfach weiter bis dein Datentarif explodiert.
Tatsächlich machst du dich mit dem posten digital unsterblich, denn derzeit bleibt wirklich alles gespeichert, was wir in der unendlichen digitalen Müllhalde hinterlassen.
Und dank der ständig effizienter werdenden Korrelationsmöglichkeiten der Datenkraken werden diese Dinge auch immer wieder gefunden werden und mit uns in Zusammenhang gebracht.
Und wieso überhaupt Digitalisierung zur Erreichung der Unsterblichkeit nutzen?
Ich halte es für weit schöner, hilfreicher und zielführender die eigene Unsterblichkeit durch etwas zu erreichen, das man wirklich der Welt hinterlässt und nicht nur den Datenkraken als digitale Fußspuren.
Quantität ist auch bei dem Ansinnen nach Unsterblichkeit der Feind der Qualität. Bloß weil ich mit jeden Meter, den ich mit meinem Fitness-Tracker aufgezeichnet und in die Cloud geladen habe eine digitalen Fußabdruck hinterlassen habe, heißt es nicht, dass mich dieser bis in alle Ewigkeit aufgezeichnete Weg meiner Unsterblichkeit näher bringt.

Weil es doch alle tun

Jemine, was ist das denn für ein Argument?
Weil es alle tun?
Weil alle was tun? Wer sind alle?
Diese Begründung ist nur eine unzulässige und langweilige Verallgemeinerung.
Ich tue nichts, weil alle dies tun – schon gar nicht, wenn es für mich bedeutet datentechnisch die Hosen runterzulassen und mein innerstes nach außen zu kehren.
Wir werden keine bessere Gesellschaft wenn alle alles über alle wissen.
Geheimnisse zu haben und zu behalten, einen geschützten Raum – meine Privatsphäre – den ich nur für mich habe und mit niemandem teile, das ist nicht nur wahrer Luxus, nein das ist eine Notwendigkeit unseres Lebens als soziales Wesen.
Gerade die Tatsache, dass ich mich abgrenze von meinen Mitmenschen, macht mich mehr zu einem aktiven Mitglied der Gesellschaft.
Wenn alle alles über alle wissen, dann haben wir nur noch einen undifferenzierten Brei.
Und aus diesem undifferenzierten Brei kann nichts entstehen.
Aus der Differenz zwischen mir aus meiner Privatsphäre und der daraus erwachsenden Interaktion mit den Menschen um mich herum entsteht wirkliches Leben.

Was tue ich stattdessen?

Wie bei den Ansätzen aus dem Minimalismus-Bereich, wo es darum geht mit möglichst wenigen Besitztümern glücklicher zu leben, halte ich auch einen Daten-Minimalismus für einen wundervollen, leichten und nachhaltigen Weg um dem Drang, alles zu posten zu entgehen.
Ich habe festgestellt, was für ein befreiendes Erlebnis es ist, alte Daten zu löschen oder einen Online-zu Account löschen, ein soziales Netzwerk zu verlassen.
Mir ist klar, dass viele Nutzer sozialer Netzwerke die Angst quält, dass sie den Kontakt zu ihren “Freunden“, zur Gesellschaft verlieren, wenn sie einem sozialen Netzwerk den Rücken kehren.
Aber keine Furcht, treue Leser, das Gegenteil ist der Fall!
Die Kontakte zu den wirklichen Freunden vertiefen sich, der Austausch mit meinen Mitmenschen wird besser und direkter.
Es fallen sicherlich quantitativ “Freunde” weg, doch auch an dieser Stelle wiederhole ich:
Quantität ist der Feind der Qualität!
Ein Mensch kann sowieso nur knapp über 100 Kontakte als einzelne Menschen differenzieren.
Er schafft es generell nur mit ein Paar Dutzend Menschen näheren Austausch zu pflegen und lediglich eine Handvoll echte Freunde sind ideal für ein glückliches und erfülltes Leben.
Und davon ausgehend meine Empfehlung:
Triff dich mit deinen Bekannten und Freunden!
Triff dich im wirklichen Leben, nutze keinen Chat dazu.
Trinke, tanze und lebe mit diesen wirklichen Begleitern in deinem Leben.
Teile dein Leben mit Menschen – nicht deine Daten!
Und wenn du deine Gedanken der Welt mitteilen willst?
Schreib ein Buch!
Behalte die Souveränität über deine Daten und teile deine Ideen der Welt mit anstatt nur deine Daten an irgendeine Datenkrake zu verschleudern.
Es ist mittlerweile so einfach, das eigene Buch zu veröffentlichen – dazu muss ich nicht an einen Verlag gebunden sein.
Ich kann es als Selfpublisher selbst herausgeben.
Eine wundervolle Unterstützung finde ich dabei bei bookmundo.
Hier werde ich als Autor unterstützt und begleitet bis zum fertigen Buch.
Und das wundervolle dabei ist:
meine Daten bleiben bei mir – dort wo sie hingehören.

TL;DR

  • stell dich beitragsfrei: Ich muss keinen Beitrag leisten
  • My undying data: Unsterblichkeit auch ohne digitale Datenspuren
  • Geh deinen eigenen Weg: Tue es nicht, weil alle es tun
  • Was bleibt mir sonst: Empfehlungen für ein datensouveränes Leben

Und jetzt?
Greife zum Telefonhörer und ruf den ersten Menschen an, der dir einfällt – das ist wirkliches soziales netzwerken!