Teilen ist teilen, aber posten ist Selbstaufgabe

Schwere Worte, junger Padawan, aber wie komme ich zu so einer Aussage?
Schauen wir uns erstmal an, was teilen denn bedeutet.
Teilen”, so sagt es Wikipedia, “ist das gemeinsame nutzen einer Ressource.“.
Das bringt es ganz deutlich auf den Punkt. Wikipedia führt an dieser Stelle auch weiter aus, dass wir hier zwischen materiellen Gütern und immateriellen Gütern, wie etwa Wissen, Meinungen, Ideen und ähnlichem unterscheiden.

Meins ist meins – aber ich teile es mit dir

Schauen wir uns kurz – nur ganz kurz, denn es geht mir hier hauptsächlich um immaterielles – das Teilen von materiellen Gütern an.
Was würde ich mit anderen teilen?

  • Meine Bohrmaschine?
    Sicher. Ich bin nicht so verbunden mit meinem Bosch Schlagbohrer, als dass ich es nicht verkraften würde, diesen nicht – oder nicht so wie ich ihn hergab – zurück zu erhalten.
    Also ganz klar: teilen!
  • Mein Auto?
    Hmm, schon schwieriger (zumal ich keines habe 😉 – aber nur mal angenommen), denn hier hängt doch klassischerweise einfach mehr Herzblut am heiligen Blechle, als dass ich es einfach so teilen würde.
    Aber geht auch noch!
  • Meine Wohnung?
    Oh, da kommt doch plötzlich noch eine ganz andere Facette hinzu: hier teile ich meine Privatsphäre mit anderen (oder ich bin ein Mönch und lebe in einer Zelle, in der nichts persönliches von mir vorhanden ist…) und lasse sie an meinem Innersten teilhaben.
    Schwierig.
  • Meine Lebensgefährtin!?
    Also für mich ist an dieser Stelle ganz klar das Ende der teilenden Fahnenstange erreicht.
    Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen kann ich nichts teilen, was mir nicht gehört (diesen Gedanken behalten wir, geneigter Leser, bitte für den Teil über Immaterielles im Hinterkopf). Weiterhin, und auch dieser Stelle fällt mir wieder “Keine Macht für niemand” von Ton, Steine, Scherben ein:
    Keiner hat das Recht, Menschen zu regier’n.
    und es läuft einfach der anarchischen Ideen meiner Lebensgestaltung quer, über andere Menschen zu bestimmen.
    Und letztlich ist meine Lebenspartnerin Part in meinem Leben.
    Teilen? No way, Jose!

Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten

Gedanken, Ideen, Wissen und auch Bilder…auch Bilder – das sind die immateriellen Güter, die mir besonders am Herzen liegen. Dies ist, was ich schützen will und dies ist auch, worum es mir hier an erster Stelle geht.
Wir teilen diese Güter, unserer Innerstes mit.
Hier ist schon die ganz klare Unterscheidung zu materiellen Gütern. Wenn wir Ideen, Gedanken oder Bilder teilen, geben wir immer einen Teil von uns mit.
Wir können das Bild, den Gedanken, das Wissen ja im selben Moment weiter nutzen, im Gegenteil zur Bohrmaschine, die wir unserem Nachbarn ausgeliehen haben.
Und weiterhin geben wir auch etwas von uns preis: derjenige, dem wir etwas mitteilen, dem öffnen wir uns und zeigen ihm auch einen Teil unserer Privatsphäre. Wir vertrauen dem anderen, dass er dieses Wissen, dieses Bild, diese Idee von uns nicht gegen uns verwendet, uns damit Schaden zufügt.
Und was auch ganz wichtig an diesem Aspekt von Mitteilung ist:
wir bleiben Besitzer und Ideengeber dieser immateriellen Teilhabe (noch schöner gefällt mir Teilgabe).

Posten ist Selbstaufgabe

Was wir jedoch im Bereich unsozialer Plattformen sehen als Postings hat nichts mit teilen zu tun – das ist bestenfalls digitaler Exhibitionismus.
Das ständige virtuelle, virulente Ausbreiten seines eigenen banalen Lebens hat keine Gemeinsamkeit mit teilen.
Es bringt niemandem etwas, es ist nicht an einen konkreten Empfänger gerichtet (nein, Bilder auf einer Timeline zu veröffentlichen ist kein dedizierter Empfänger, ein Sandsturm richtet sich auf die gesamte Wüste, nicht auf ein einzelnes Sandkorn) und es hat keinen sinnvollen Zweck.
Wenn ich der virtuellen Welt meine – mehr oder (meistens) minder interessanten leeren Datenbrocken aufdrücke, tue ich damit nichts Gutes.
Teilt eure Gedanken konkret mit den Menschen in eurem Umfeld – eurem “echten” Umfeld mit, nicht auf der virtuellen Plattform eurer 3871 Netzwerk-“Freunde”.
Dort – in eurem Umfeld – könnt ihr etwas erreichen – vor allem erreicht ihr damit Menschen, denen die Gedanken und Ideen wirklich helfen, die wirklich an eurem Leben teilhaben können.
Und was noch schlimmer ist, wenn ihr etwas postet, dann verliert ihr es.
Ihr gebt die Rechte daran auf. Es sind nicht mehr eure Bilder, eure Gedanken, eure Ideen.
Sie gehören jetzt Google, Facebook, Apple.
Facebook hat es in seiner “Datenrichtlinie” geschrieben – sehr unklar für uns; sehr klar für Facebook:
Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)”.
Tja, gone with click of a button.
Du verlierst deine Rechte, du verlierst deine Privatsphäre, du verlierst – in the long run – dich selbst:Posten ist Selbstaufgabe.
Daher mein Aufruf an euch:
Nehmt eure Daten zurück in eure eigenen Hände!
Teilt eurer Wissen, eure Ideen, eure Gedanken (ja, auch eure Bilder) Menschen mit, aber nicht mit Unternehmen oder Plattformen.
Schützt eure Privatsphäre – ich will euch dabei helfen.

TL;DR

  • Was ist Teilen?
  • Materielles teilen:
    meine Bohrmaschine, mein Auto, meine Wohnung, mein Leben
  • Immaterielles mitteilen:
    meine Gedanken, mein Wissen, meine Bilder
  • Posten ist Selbstaufgabe:
    Du gibst uns deine Bilder und verlierst deine Rechte und deine Privatsphäre

Und jetzt, liebe Leser, raus in die Sonne und teilt euch mit!