Passphrasen-Mantra oder Diceware – Ideen für selbstgebastelte sichere Passworte

Uns ist jetzt klar, warum wir sichere Passworte brauchen und wie wir ein solches sicheres von einem unsicheren Passwort unterscheiden.
Aber was tun wir jetzt, um an ein sicheres Passwort zu kommen?
Wir können uns ja schließlich keines im Online-Shop um die Ecke kaufen (ich bin mir ziemlich sicher, dass es dieses Angebot bereits gibt, möchte aber dringend davon abraten, so einen Dienst in Anspruch zu nehmen, liebe Leser!) oder jemanden bitten, uns ein sicheres Passwort zu geben.
Beide Ansätze wären jedoch der Sicherheit unseres neuen Passwortes deutlich abträglich.
“Was tun?” sprach Zeus, “die Götter sind besoffen.”.
Darum möchte ich hier zwei Methoden vorstellen, die

  • einfach
  • sicher
  • und mit Spaß

einfach sichere Passworte erzeugen 🙂
Quasi das Überraschungsei der Passwort-Erzeugung – nur ohne Schokolade (aber davon hatten wir jetzt über Ostern wahrscheinlich eh genug).
Beide Methoden der Passwort-Erzeugung bringen einen anarchischen (weil selbstregierenden) und individuellen (weil selbstgemachten) Ansatz daher, der überdies noch nachhaltig, biologisch abbaubar und frei von schädlicher Technik ist.
Lasst die Spiele beginnen!

Diceware – Alea iacta est

Diceware ist eine einfache und analoge Methode zur Erstellung sicherer Passphrasen.
Diceware, also Würfelware, ist eine Möglichkeit, ein Passwort ohne den Einsatz digitaler Technik zu erwürfeln.
Das wichtigste an dieser Methode ist der Faktor Zufall und der Verzicht auf – leicht manipulierbare – Computerunterstützung.
Natürlich lassen sich auch Würfel manipulieren, aber wenn wir davon ausgehen, dass uns jemand manipulierte Würfel à la Ocean’s Thirteen unterjubelt, dann haben wir ein ganz anderes Problem und müssen uns keine Gedanken um die Gestaltung sicherer Passworte machen 🙂
Es müssen auch wirklich keine Casino-Grade Würfel sein. Handelsübliche Spielwürfel reichen allemal aus.
Für die Paranoiker unter uns: Holt euch Casino-Grade Würfel, die haben eine ideale Verteilung der Wahrscheinlichkeit auf alle sechs Seiten des Würfels.
Zurück zum Thema.
Diceware basiert auf einer langen Liste von Wörtern und fünf sechseitigen Würfeln.
Das ganze funktioniert natürlich auch mit nur einem Würfel, dann muss man halt fünfmal so lange Würfeln 😉
Die Liste besteht aus 7776 unterschiedlichen Worten (so viele unterschiedliche Möglichkeiten bieten eben fünf sechsseitige Würfel, also 6^5).
Um jetzt eine Passphrase zu erstellen, würfeln wir mit den fünf Würfeln und lesen das gewürfelte Ergebnis von links nach rechts ab.
Die so erwürfelte Zahl schauen wir in der Wortliste nach und erhalten damit das zugehörige Wort.
Diesen Vorgang wiederholen wir so lang, bis wir unsere Passphrase vollständig erstellt haben.
Arnold Reinhold, der Erfinder von Diceware, empfiehlt eine Passphrase aus mindestens sechs Worten zu erstellen.
Das trägt – wie wir in der letzten Woche gelernt haben – ungemein zur Stärke des erzeugten Passwortes bei.
Die Passphrase sollte aus diesen vier bis sechs einzelnen Worten bestehen, inklusive der Leerzeichen dazwischen. Die Leerzeichen erhöhen die Sicherheit der Passphrase nochmals ungemein, denn die Verwendung von Sonderzeichen (und das ist ein Leerzeichen nunmal) trägt zur Erhöhung der Komplexität des Passwortes bei. Und Komplexität ist ein weiterer Faktor der Passwortsicherheit.
Diese durch Diceware erstellte Passphrase schützt auch effektiv gegen Social Engineering Angriffe, da die Passphrase nicht mit dem Benutzer in Zusammenhang gebracht werden kann – und schon haben wir noch einen weiteren Faktor der Passwortsicherheit eingebaut.
Und wenn wir jetzt dieses Passwort für uns selbst im stillen (nicht überwachten) Kämmerlein erwürfelt haben und dieses niemandem (auch unserem Goldfisch nicht!) verraten, haben wir noch den letzten Faktor für ein sicheres Passwort eingesetzt.
Ein Beispiel:

  • 32323 – hinter
  • 26524 – glosse
  • 14426 – bbb
  • 56345 – stroh
  • 45116 – nukleon
  • 51432 – quader

Ergibt als Passphrase:
hinter glosse bbb stroh nukleon quader”.
Laut HowSecureIsMyPassword dauert es 526 Tredezillionen (das ist eine Zahl mit 79 Stellen) Jahre, um dieses Password zu knacken. Viel Spaß beim raten 😉

Kreativität

Nun zur zweiten sicheren Methode einer Passworterzeugung.
Kreativität.
Kann kein Computer. Wird er niemals können.
Braucht keine Technik und keinen Strom. Ist immer verfügbar, kostet nix und macht immens Spaß.
Fast wie Sex, nur bekommt man weniger Ärger, wenn man es, z.B. in der Straßenbahn macht.
So, was brauchen wir hierfür?
Einen Bleistift und ein Blatt Papier.
Denn, wie es auch Richmond Valentine richtig zusammenfasst:
No-one can hack into pen and paper”.
Und jetzt lassen wir unserer Kreativität ganz freien Lauf.
Wir sammeln einfach die ersten fünf bis zehn Eindrücke, die uns gerade vor das innere oder äußere Auge kommen – besser vor das äußere, denn das innere Auge hat den Nachteil, dass das, was uns da vor die Linse gerät, möglicherweise social engineerbar ist – und schreiben diese auf.
Daraus bilden wir einen Satz, ordentlich mit Satzzeichen und schön auf die Groß- und Kleinschreibung achten (für die Komplexität), streuen vielleicht noch die eine oder andere Zahl (ebenfalls für die Komplexität) ein und merken uns diesen Satz als unser persönliches (wieder nicht mit dem Goldfisch teilen!) Passwort-Mantra.
Das Schöne daran ist, diese Methode funktioniert wirklich überall und wird sogar noch besser dadurch, dass ihr es irgendwo ausprobiert, denn dadurch erhaltet ihr eine Zufälligkeit in den Begriffen, die nur sehr, sehr schwer mit euch in Zusammenhang gebracht werden kann.
Auch hier ein Beispiel:

  • Linux
  • krass
  • Radium
  • 35
  • abgelenkt
  • verdammt

Aus diesen Worte bilde ich für mich das Passwort
verdammt abgelenkt, Linux 35 – krass Radium!”.
Dieses Passwort wird in – wieder laut HowSecureIsMyPassword – einer Duovigintillion (das ist eine Zahl mit 133 Stellen) Jahren gehackt.
Macht mich jetzt ganz entspannt, solche Zahlen zu lesen 🙂

TL;DR

  • Die Würfel sind gefallen: Diceware
  • Ich denke, also mach ich mir mein Passwort: Kreativität

Schön kurz heute.
Also halt ich mich auch dran.
Liebe Leser, besorgt euch Würfel, die Wortliste, Papier und einen Stift und lasst eurer Fantasie freien Lauf – und schreibt doch, wenn ihr schon dabei seid, mir einfach mal einen Brief – per snail mail 😉

Wie sieht ein starkes Passwort aus?

Wie sieht denn nun ein starkes Passwort aus und was soll es leisten?
Fange ich mal damit an, den Gaul von hinten aufzuzäumen und beantworte zunächst den zweiten Teil meiner Frage.

Was soll ein starkes Passwort leisten?

Grundsätzlich sind es zwei Aufgaben, die ein starkes Passwort lösen soll.

  1. Es soll – möglichst niemals – zu brechen sein.
    Denn daran hängen halt unsere Geheimnisse (wenn wir uns an diese Sicherungslösung unserer Geheimnisse halten und nicht Zwei-Faktor-Authentifikation, Zertifikate oder schwer bewaffnete Trolle zum Schutz unserer Geheimnisse einsetzen). Daher wäre es wünschenswert, dass unser Passwort mindestens so lang hält, so lang wir unsere Geheimnisse schützen wollen.
  2. Es soll möglichst einfach zu merken sein.
    Es ist einfach deutlich einfacher, sich ein einfach zu merkendes Passwort wie “PhukAllSirveillance!
    zu merken als
    3rH!gb8Ip4_tj5eLN7.”.
    Beide halten länger – deutlich länger! – als meine Geheimnisse gewahrt werden müssen (das behauptet zumindest HowSecureIsMyPassword) und da ziehe ich dann doch die leichter zu merkende Variante aus Beispiel eins vor.
    Ich bin eben kein Gedächtnisakrobat und ich ziehe es vor, meine Gedanken mit schönen Erinnerungen und Bildern zu füllen, als mit drögen Passworten.

“You must unlearn, what you have learned”

Yoda, die kleine, schrumpelige, grüne Jediisierung des Zen, bringt es damit treffend auf den Punkt
Wir haben jahrzehntelang falsche Ideen über unsere Passworte verinnerlicht.
Passworte sind kompliziert und schwer zu merken, damit sie niemand brechen kann.
Leider ist das ein Trugschluss, der für Menschen gilt.
Die Passworte die wir bisher verwendet haben, sind kompliziert und schwer zu merken für einen Menschen,
aber mit ausreichender Rechenkraft für einen Computer leicht zu brechen.
Daher brauchen wir etwas, was ein Computer niemals nutzen wird:

Kreativität.

Nutzen wir dies und machen Passworte, die einfach und leicht zu merken sind – für uns!
Und gleichzeitig schwer für einen Computer zu brechen sind.
Wenn wir ganze Sätze bilden, können wir uns – als Menschen – diese leicht merken. Aber Computer sind nicht in der Lage, diese einfach zu erraten.
Und das sture Durchprobieren – mit Brute Force, also mit roher Gewalt – um das Passwort zu brechen, wird zu einer Lebensaufgabe für den Kollegen Computer – wenn er sehr, sehr lang lebt 😉
Aus dieser Idee heraus hier meine erste Empfehlung:

  • Denkt euch einen Passsatz (eine Passphrase) aus, die ihr euch leicht merken könnt, die ihr wie ein Mantra wiederholt, die euch ein gutes Gefühl gibt (damit ihr gern an diesen Satz denkt) und der möglichst wenig Angriffsfläche für Social Engineering auf euer Leben hat.

Ein schlechtes Beispiel hierfür ist:
Ich lebe in Hamburg in der Alsterallee 3.
Ein guter Satz von der reinen Sicherheit her, allerdings leicht zu social Engineeren, wenn ihr dort tatsächlich wohnen sollte.
Also für mich wäre es ein toller Satz…nur kann ich ihn mir nicht so toll merken, da ich noch nicht einmal weiß, ob es in Hamburg eine Alsterallee gibt…also ihr versteht, was ich meine.
Ein gutes Beispiel ist:
Reispudding mit sauren Gurken macht mich ganz kribbelig!
Ganz schön sicher. Ach, was! Irrsinnig sicher!
Bitte, wer von uns hat schon die ernste (oder alberne) Absicht 2 Novemvigintillion Jahre (das ist eine Zahl mit 90 Stellen) seine Geheimnisse zu schützen?
Ich glaube, wenn ich so alt bin, stehe ich endlich darüber, ob jemand meine Geheimnisse stehlen will.
Also, das Beispiel ist wirklich gut, weil da müsste jemand schon ganz ordentlich social engineeren, um das über mich rauszubekommen.

Was macht ein starkes Passwort stark?

Nochmal kurz zusammengefasst, was ein starkes Passwort jetzt stark macht:

  • Es kann nicht, oder nur mit sehr hohem Aufwand in sehr langer Zeit gebrochen werden.

Was sind denn nun die Faktoren, die ein starkes Passwort ausmachen?

  • Size matters
    Ja, es kommt diesmal tatsächlich mal auf die Länge an 😉
    Je länger ein Passwort ist, desto länger braucht ein Computer, um alle Möglichkeiten durchzuprobieren.
    Also als Mindestlänge ist hier meiner Ansicht nach (und da stimme ich sogar mal mit dem BSI überein) zwölf Zeichen unbedingt notwendig.
    Gewöhnen wir uns lieber – was bei Passphrasen ganz leicht ist – an eine Mindestlänge von zwanzig Zeichen.
  • Mach es komplex – nicht kompliziert
    Ein komplexes Passwort verwendet viele verschiedene Zeichen. Also Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen.
    Scheut euch nicht davor, das ein oder andere Komma oder ähnliches zu verwenden – das tut der menschlichen Lesbarkeit von Texten schließlich auch gut 😉
    Ein guter Überblick über den Zusammenhang zwischen Länge und Komplexität lieferen diese Tabellen.
  • Unverknüpft – lass dein Passwort social unengineerbar sein
    Nimm nichts, was aus sozialen Netzwerken auf dich schließt.
    Lass deine Lieblingsfarbe weg, vergiss den Fußballverein für den dein Herz schließt.
    Schließ deine Passphrase in dein Herz ein – und veröffentliche keine Hinweise darauf in der allwissenden Müllhalde.
  • Vergiss Wörterbücher
    Nimm keine Worte, die in Wörterbüchern vorkommen.
    Nochmal mein Hinweis: sei kreativ.
    Werde zu deinem eigenen Passwortpoeten und reime deine Sicherheit!

Was ist bei starken Passworten noch wichtig?

  • Niemals Passworte wiederverwenden
    Jedes Ding will einmalig sein – auch das Passwort für jeden einzelnen Dienst!
  • Niemals Passworte jemandem mitteilen
    Passworte zu teilen (auch mit deiner Liebsten oder deinem Hamster) ist kein Liebesbeweis.
    Es ist Dummheit.
    Denn es gefährdet neben deinen Geheimnissen auch noch die Integrität deiner Beziehung und die Unversehrheit deiner Liebsten (oder deines Hamsters). Denn jetzt ist da noch jemand, aus dem ein Angreifer dein Passwort herausbekommen kann.

TL;DR

  • Was soll mein starkes Passwort leisten?
  • We must unlearn what we have learned.
  • Be creative!
  • SBGB (schlechtes Beispiel – gutes Beispiel)
  • Faktoren: Lang, komplex, nicht social engineerbar, Wortneuschöpfungen
  • Und sonst noch?

So, liebe Leser, jetzt verbleibt mir noch, euch eine gute, schöne, freudvolle Osterzeit zu wünschen.
Genießt das Geheimnis des höchsten christlichen Feiertages und viel Freude beim geheimnisvollen Ostereiersuchen!

Warum wir starke Passworte brauchen

Um es ganz kurz auf den Punkt zu bringen:
Ohne starke Passworte brauchen wir uns auch nicht weiter Gedanken um unsere Privatsphäre machen.
Starke Passworte sind faktisch aktuell der beste Schutz, den wir haben, um unsere Geheimnisse zu bewahren.
Wenn wir – und davon gehe ich mal davon aus (denn die Anzahl Eremiten mit Web-Anbindung lassen sich doch an einer ausgemergelten Hand abzählen) – am digitalen Teil des Lebens teilnehmen wollen, brauchen wir starke Passworte, damit unsere Privatsphäre eben privat bleibt und nicht direktes Allgemeingut wird.
Ein starkes Passwort ist die wichtigste Verteidigungslinie unserer Privatsphäre.
Klar schützen wir unsere Privatsphäre auch mit Datensparsamkeit – eben dadurch, dass wir möglichst wenig über uns preisgeben – aber ein starkes Passwort schützt eben davor, dass wir ungewollt unsere Privatsphäre aller Welt offenlegen.

Gibt es sonst nichts?

Es gibt durchaus neben Passworten andere Schutzmechanismen unserer privaten Geheimnisse, aber diese halte ich entweder schlicht für Irrsinn (biometrische Daten) oder sie sind nicht durchgängig verfügbar (OTP, 2FA, Certs).

  • Biometrische Daten

Wer biometrische Daten für eine gute Idee zum Schutz der Privatsphäre hält, glaubt auch daran, dass seine Daten bei einem gewinnorientierten Internetunternehmen sicher aufgehoben sind.
Biometrische Daten haben den einfachen Nachteil, dass man sie nicht ändern kann, wenn sie einmal gestohlen wurden. Der Fingerdruck ist halt mal gestohlen und er bleibt halt auch mit meiner Identität verknüpft…es sei denn man greift zu drastischen Maßnahmen…aber da ist halt auch nach spätestens zehn Diebstählen das Ende der digitalen (haha) Fahnenstange erreicht. In diesem Fall gilt halt “gestohlen ist gestohlen – wieder holen … hilft nicht.”.

  • OTP, 2FA, Cert

Andere, sichere Verfahren wie Einmalpassworte (OTP – One Time Password) (wir kennen diese z.B. von der TAN), Zwei-Faktor-Authentifzierung (2FA) (kennen wir vom Geldautomaten – da brauchen wir unsere EC-Karte und unsere PIN) oder digitale Zertifikate (finden wir ganz automatisch bei der Nutzung von sicheren Internetverbindungen (HTTPS)), werden leider nicht in der Breite eingesetzt, wie wir dies bei Passworten sehen.

Schwaches Passwort – schwache Privatsphäre

Aber warum wiederhole ich hier ständig gebetsmühlenartig, dass wir starke Passworte brauchen?
Auch ganz einfach zu beantworten.
Ein schwaches Passwort hilft ungefähr so viel unsere Privatsphäre zu schützen, wie ein rostiges Gartentor davor schützt, dass unsere Blumen aus dem Garten gestohlen werden.
Es eben ist eben nur ein symbolischer Schutz, der möglicherweise noch eine psychologische Hemmschwelle darstellt, aber ansonsten keinen wirklichen Schutz bietet.
Ein schwaches Passwort ist meiner Meinung nach sogar noch gefährlicher, als gar kein Passwort zu haben.
Habe ich kein Passwort, dann weiß ich, dass meine Geheimnisse nicht sicher sind, denn mir ist ja bewusst, dass ich kein Passwort habe.
Wenn ich jedoch ein schwaches Passwort habe, glaube ich, dass meine Daten, meine Identität gar, sicher sind.
Dieser Trugschluss ist weitaus gefährlicher, weil ich selbst mich in Sicherheit wähne und dadurch unbewusst viel fahrlässiger mit meiner Privatsphäre umgehe.

scientia potentia est” – Thomas Hobbes

Ich empfehle, wir werfen alle in einer stillen Stunde einen Blick auf die folgende Seite, um einfach schon mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es um unsere Passwort-Qualität steht.
How Secure Is My Password zeigt in ernüchtender (oder erhellender, je nachdem wie gut dein Passwort ist) Weise, die Qualität deines Passwortes auf.
Aber was bringt uns dieses Wissen jetzt?

  • Entweder Befriedigung, dass wir ein gutes Passwort haben.
    In diesem Fall gönnen wir uns jetzt ein zufriedenes Lächeln und prüfen in der nächsten Woche, ob wir bei unserer Wahl des starken Passworts auch an weitere Gemeinheiten der Passwort-Verwaltung gedacht haben.
  • Oder Ernüchterung.
    Und das ist extrem gut, denn an dieser Stelle haben wir schon Goethe mit seinem Faust:
    Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor.” als auch Sokrates:
    Ich weiß, dass ich nichts weiß.” hinter uns gelassen.
    Wir sind jetzt klüger als zuvor und wissen jetzt, dass wir ein schwaches Passwort einsetzen.
    Und mit diesem Wissen haben wir jetzt die Grundlage zur Stärkung unserer Privatsphäre in der Hand.
    Jetzt können wir die Macht unseres neu gewonnenen Wissens nutzen und lernen, wie wir ab jetzt starke Passworte verwenden.

TL;DR

  • Starke Passworte sind der wichtigste Schutz unserer Privatsphäre
  • Das starke Passwort – Erste und Letzte Verteidigungslinie unserer Geheimnisse
  • Was gibt es sonst noch? OTP, 2FA, Certs
  • Weak Passwords Kill Privacy
  • Wissen ist Macht – nicht Wissen macht es schlimmer

…und sonst?
Genug aufgerüttelt für heute – geht heute vielleicht einfach mal ins Kino und kommt auf andere Gedanken 🙂

Teilen ist teilen, aber posten ist Selbstaufgabe

Schwere Worte, junger Padawan, aber wie komme ich zu so einer Aussage?
Schauen wir uns erstmal an, was teilen denn bedeutet.
Teilen”, so sagt es Wikipedia, “ist das gemeinsame nutzen einer Ressource.“.
Das bringt es ganz deutlich auf den Punkt. Wikipedia führt an dieser Stelle auch weiter aus, dass wir hier zwischen materiellen Gütern und immateriellen Gütern, wie etwa Wissen, Meinungen, Ideen und ähnlichem unterscheiden.

Meins ist meins – aber ich teile es mit dir

Schauen wir uns kurz – nur ganz kurz, denn es geht mir hier hauptsächlich um immaterielles – das Teilen von materiellen Gütern an.
Was würde ich mit anderen teilen?

  • Meine Bohrmaschine?
    Sicher. Ich bin nicht so verbunden mit meinem Bosch Schlagbohrer, als dass ich es nicht verkraften würde, diesen nicht – oder nicht so wie ich ihn hergab – zurück zu erhalten.
    Also ganz klar: teilen!
  • Mein Auto?
    Hmm, schon schwieriger (zumal ich keines habe 😉 – aber nur mal angenommen), denn hier hängt doch klassischerweise einfach mehr Herzblut am heiligen Blechle, als dass ich es einfach so teilen würde.
    Aber geht auch noch!
  • Meine Wohnung?
    Oh, da kommt doch plötzlich noch eine ganz andere Facette hinzu: hier teile ich meine Privatsphäre mit anderen (oder ich bin ein Mönch und lebe in einer Zelle, in der nichts persönliches von mir vorhanden ist…) und lasse sie an meinem Innersten teilhaben.
    Schwierig.
  • Meine Lebensgefährtin!?
    Also für mich ist an dieser Stelle ganz klar das Ende der teilenden Fahnenstange erreicht.
    Und das gleich aus mehreren Gründen. Zum einen kann ich nichts teilen, was mir nicht gehört (diesen Gedanken behalten wir, geneigter Leser, bitte für den Teil über Immaterielles im Hinterkopf). Weiterhin, und auch dieser Stelle fällt mir wieder “Keine Macht für niemand” von Ton, Steine, Scherben ein:
    Keiner hat das Recht, Menschen zu regier’n.
    und es läuft einfach der anarchischen Ideen meiner Lebensgestaltung quer, über andere Menschen zu bestimmen.
    Und letztlich ist meine Lebenspartnerin Part in meinem Leben.
    Teilen? No way, Jose!

Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten

Gedanken, Ideen, Wissen und auch Bilder…auch Bilder – das sind die immateriellen Güter, die mir besonders am Herzen liegen. Dies ist, was ich schützen will und dies ist auch, worum es mir hier an erster Stelle geht.
Wir teilen diese Güter, unserer Innerstes mit.
Hier ist schon die ganz klare Unterscheidung zu materiellen Gütern. Wenn wir Ideen, Gedanken oder Bilder teilen, geben wir immer einen Teil von uns mit.
Wir können das Bild, den Gedanken, das Wissen ja im selben Moment weiter nutzen, im Gegenteil zur Bohrmaschine, die wir unserem Nachbarn ausgeliehen haben.
Und weiterhin geben wir auch etwas von uns preis: derjenige, dem wir etwas mitteilen, dem öffnen wir uns und zeigen ihm auch einen Teil unserer Privatsphäre. Wir vertrauen dem anderen, dass er dieses Wissen, dieses Bild, diese Idee von uns nicht gegen uns verwendet, uns damit Schaden zufügt.
Und was auch ganz wichtig an diesem Aspekt von Mitteilung ist:
wir bleiben Besitzer und Ideengeber dieser immateriellen Teilhabe (noch schöner gefällt mir Teilgabe).

Posten ist Selbstaufgabe

Was wir jedoch im Bereich unsozialer Plattformen sehen als Postings hat nichts mit teilen zu tun – das ist bestenfalls digitaler Exhibitionismus.
Das ständige virtuelle, virulente Ausbreiten seines eigenen banalen Lebens hat keine Gemeinsamkeit mit teilen.
Es bringt niemandem etwas, es ist nicht an einen konkreten Empfänger gerichtet (nein, Bilder auf einer Timeline zu veröffentlichen ist kein dedizierter Empfänger, ein Sandsturm richtet sich auf die gesamte Wüste, nicht auf ein einzelnes Sandkorn) und es hat keinen sinnvollen Zweck.
Wenn ich der virtuellen Welt meine – mehr oder (meistens) minder interessanten leeren Datenbrocken aufdrücke, tue ich damit nichts Gutes.
Teilt eure Gedanken konkret mit den Menschen in eurem Umfeld – eurem “echten” Umfeld mit, nicht auf der virtuellen Plattform eurer 3871 Netzwerk-“Freunde”.
Dort – in eurem Umfeld – könnt ihr etwas erreichen – vor allem erreicht ihr damit Menschen, denen die Gedanken und Ideen wirklich helfen, die wirklich an eurem Leben teilhaben können.
Und was noch schlimmer ist, wenn ihr etwas postet, dann verliert ihr es.
Ihr gebt die Rechte daran auf. Es sind nicht mehr eure Bilder, eure Gedanken, eure Ideen.
Sie gehören jetzt Google, Facebook, Apple.
Facebook hat es in seiner “Datenrichtlinie” geschrieben – sehr unklar für uns; sehr klar für Facebook:
Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz)”.
Tja, gone with click of a button.
Du verlierst deine Rechte, du verlierst deine Privatsphäre, du verlierst – in the long run – dich selbst:Posten ist Selbstaufgabe.
Daher mein Aufruf an euch:
Nehmt eure Daten zurück in eure eigenen Hände!
Teilt eurer Wissen, eure Ideen, eure Gedanken (ja, auch eure Bilder) Menschen mit, aber nicht mit Unternehmen oder Plattformen.
Schützt eure Privatsphäre – ich will euch dabei helfen.

TL;DR

  • Was ist Teilen?
  • Materielles teilen:
    meine Bohrmaschine, mein Auto, meine Wohnung, mein Leben
  • Immaterielles mitteilen:
    meine Gedanken, mein Wissen, meine Bilder
  • Posten ist Selbstaufgabe:
    Du gibst uns deine Bilder und verlierst deine Rechte und deine Privatsphäre

Und jetzt, liebe Leser, raus in die Sonne und teilt euch mit!