Digitale Selbstverteidigung muss sein

Mit Glück und schreiberischem Talent wird das hier ein Pladoyer für die Notwendigkeit digitaler Selbstverteidigung.
Zunehmend stelle ich fest, dass es sich nicht nur auf die Notwendigkeit beschränkt, sondern dass wir als digital handlungswillige Bürger geradezu eine Verpflichtung zu digitaler Selbstverteidigung haben – denn wer sonst soll es für uns richten?
Schauen wir uns einfach mal die üblichen Verdächtigen an, die uns an dieser Stelle helfen sollten…

TL;DR

  • Aber wir haben doch eine starke Digital-Politik
  • Für meine Sicherheit sorgen doch die Konzerne
  • Aber ich mach doch gar nichts im Internet
  • Fazit

Aber wir haben doch eine starke Digital-Politik

Grundsätzlich könnte ich bereits an dieser Stelle dieses Kapitel lachend beenden.
Aber das bringt uns ja nicht weiter. Deswegen kurz die Lachtränen wegwischen, tief durchatmen und dann schauen wir der Digital-Politk tief in die Augen.
Wo fangen wir an? Ein wenig in der Vergangenheit. 2018. Im Dezember 2018, um konkreter zu werden.
Am 31.12.2018 hätte Deutschland flächen- und bevölkerungsdeckend breitbandig ausgebaut sein sollen.
So zumindest das Versprechen der Politik (und das war der Koalitionsvertrag der 18. Legislaturperiode – wir schreiben aktuell die 19.).
Leider hat das nicht geklappt und in Aussicht (wir schreiben mittlerweile das erste Quartal 2019 ab) steht dieses hehre (he, he) Ziel auch noch in den Sternen – aber nicht in den Kabeln der digitalwütigen Bürger.
Es ist ja nach Auffassung unserer Digitalministerin Dorothee Bär sowieso kleinlich, so etwas wie stabiles und schnelles Internet (flächendeckend!) zu fordern – wir müssen da visionärer nach vorn schauen: zu den Flugtaxis!

Also gut, was gibt es denn noch als digital-politisches Schutzschild, um unsere virtuelle Jungfräulichkeit zu schützen?
Richtig, das NetzDG!
Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz bewahrt uns alle vor Hass, Gewalt, Beleidigung und sonstigem digitalen Ungemach in den unregulierten Weiten des World Wide Web.
Äh…oder auch nicht, denn nicht nur war dieses Gesetz ein totaler Rohrkrepierer, was die Eindämmung von virtueller Gewalt angeht und Hass betrifft.
Was das NetzDG aber durchaus gebracht hat, ist mehr Zensur.
Und es ist ein toller internationaler Verkaufsschlager! Deutschland ist wieder Exportweltmeister – was Zensurgesetze angeht!
Haben doch so lupenreine Demokratien wie Russland, die Philippinen, Venezuela oder Großbritannien dieses Gesetz dankbar als Vorlage für ihre eigenen digitalen Unterdrückungsgesetze herangezogen.

Aber geben wir die Hoffnung nicht auf!
Wir haben den Koalitionsvertrag (diesmal 19. Legislaturperiode). Und darin geloben die beiden Regierungsparteien, dass sie bei der europäischen Urheberrechtsreform keinesfalls Uploadfilter akzeptieren werden. Gar nicht. Großes Politikerehrenwort! Lassen wir nicht zu!
Tja, und dann geht unsere Justizministerin Katarina Barley (SPD) hin und stimmt für die Uploadfilter.
Jo, das ist doch mal ein Vorbild für Worttreue und Glaubwürdigkeit. Vielen Dank Frau Barley.

Jetzt aber nicht jammern! Es gibt ja immer noch den Digitalpakt!
Der wird die Rettung unserer digital naiven Jugendgeneration sein.
Mmmh, ich denke, eher nicht.
Was sind schon 5,5 Milliarden Euro? Ein Tropfen auf den hardware- und bildungstechnisch ausgetrockneten Lehrbetrieb.
Meine Sorge ist, dass die mühsam erkämpften Milliarden von den fleißigen Hard- und Software-Lobbyisten für neue Tablets, proprietäre Betriebssysteme und ebenfalls proprietäre Büro-Anwendungen verballert werden.
Anstatt das Geld in die Ausbildung der Ausbilder oder externe Wissensvermittler zu investieren.
Bis das letzte Geld aus diesem Topf die Schulen erreicht hat, sind die Hardware-Anschaffungen schon wieder outdated.
Glückwunsch.

Ne, ne, die Digital-Politik wird uns nicht retten.
Höchstens wenn ein an-die-Wand-gefahrenes und zu-Tode-zensiertes Internet die Vorstellung der Politik von “Rettung” ist.
Deswegen kann uns selbst nur digitale Selbstverteidigung retten.
Wir müssen uns selbst darum kümmern.
Wir müssen lernen, wie wir unsere Privatsphäre selbst verteidigen können.

Für meine Sicherheit sorgen doch die Konzerne

Bwahahaha!
Das Argument ist ja noch besser als das erste.
Die Konzerne? Die Konzerne, die mit jeder neuen Geschäftsidee mindestens fünf neue Möglichkeiten schaffen, uns noch mehr Daten aus den Fingern zu saugen.
Die sollen für unseren digitalen Schutz verantwortlich sein? Ich lach mich platt.
Alles, was die Konzerne uns andrehen wollen, dient in erster Linie deren Interesse, nicht unserem.
Unsere digitale Sicherheit ist maximal Beifang.
Allerdings fallen dabei stets Daten an (nämlich unsere) und diese für Datenkraken ab.
Wir müssen an dieser Stelle zunächst lernen, dass Konzerne (überraschenderweise) Geld verdienen mit unseren Daten.
Die haben kein Interesse daran, uns zu schützen.
Das würde doch deren Gewinnmarge reduzieren!
Nein, was erwarten wir uns denn davon, wenn wir hoffen, dass die größten Datenhändler uns vor dem digitalen Ausbluten bewahren?
Da ist doch dann der überstrapazierte Bock zum Gärtner gemacht, oder um es mit Meat Loaf zu sagen:

“In the Land of the Pigs, the Butcher is King.”

Meat Loaf

Daher ist auch nach diesem Kapitel mein Fazit und Aufruf:
Auf zur digitalen Selbstverteidigung – die Konzerne werden uns nicht retten.

Aber ich mach doch gar nichts im Internet

Echt? Wie liest du dann diesen Blog?
Nein, es ist weder mein Ziel noch überhaupt möglich in unserer Zeit, vollkommen ohne Internet zu leben.
Ob wir es wollen oder nicht – wir müssen uns mit dem Internet auseinandersetzen.

“It’s no longer OK not to understand how the Internet works.”

Aaron Swartz

Nicht alle wollen mit den Segnungen der Digitalisierung konfrontiert werden, aber mitunter ist es inzwischen nicht mehr oder nur mit extrem hohen Hürden möglich, Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, ohne sich dem Internet anzuvertrauen.
Wir hängen mit dieser politisch-industriell induzierten Zwangs-Digitalisierung einen Großteil der Bevölkerung ab:

  • Menschen, die freiwillig nicht digitalisiert werden wollen.
  • Menschen, denen die technischen Vorkenntnisse fehlen, um souverän am digitalen Leben teilzunehmen.
  • Menschen, die Angst vor negativen Auswirkungen von Datensammlung, Profilbildung und Manipulation haben.

Wollen wir diese Menschen einfach zurücklassen? Oder sollen wir sie zwingen, teil einer digitalisierten Gesellschaft zu werden? Teilweise tun wir das schon. Werden analoge Angebote doch kontinuierlich zurückgefahren oder mit immer höheren Hürden versehen.

Wenn es das Ziel ist, die Gesellschaft in der Breite mit den Vorzügen der digitalen Entwicklung zu versöhnen, dann müssen auch Angebote für diese große “Randgruppe” geschaffen werden:

  • Es muss immer eine analoge Alternative geben – es kann ja schließlich auch mal sein, dass die absolut unfehlbare IT einmal ausfällt. Soll schon mal passiert sein. Hab ich gehört. So ganz weit weg.
  • Wir müssen die Gesellschaft ausbilden. Niemand wird als Informatiker geboren. Aber es ist unerlässlich, zu wissen, wie das Internet funktioniert. Ich will mir nicht so einen unausgegorenen IoT-Scheiß eintreten und dann noch nicht mal den Hauch einer Ahnung haben, ob und wie der Schrott funktioniert

Es kann doch nicht angehen, dass Menschen keine Ahnung haben, wie sie etwas bedienen müssen, wie sie etwas organisieren müssen, noch nicht einmal wissen, was sie benötigen – und hierbei auch keine Unterstützung erhalten!
Ich halte es für skandalös, dass Menschen absolut hilflos bleiben und ohne Anleitung in ein digitales Leben gezwungen werden, welches sie nicht gewählt haben – ist ja fast wie geboren werden.
Also, was hilft?
Aussteigen? Schwierig. Vielleicht als Selbstversorger im kanadischen Hinterland. Reizvoll, aber einsam (naja, das klingt doch sehr reizvoll!).
Aufgeben? Ohne Ahnung über Hintergründe und Auswirkungen total in der Digitalisierung aufgehen? Gefährlich. Da ist man seine digitale Identität schneller los als man “biometrisches Merkmal” sagen kann.
Was bleibt dann übrig? Richtig: Digitale Selbstverteidigung.
Um ein erträgliches Leben im digitalen Wahnsinn leben zu können, müssen wir lernen, wo die Gefahren lauern. Wir müssen zumindest die Grundlagen verstehen, wie die angepriesenen Dienste und Produkte funktionieren – und was deren Einsatz für uns bedeutet.
Dann können wir eine informierte Entscheidung treffen, wie wir verfahren wollen – ohne uns selbst zu verlieren.

Fazit

Was von den Argumenten übrig bleibt.
Rauchende Trümmer, Heulen und Zähneknirschen.
Auf die Punkte, auf die wir unsere Hoffnung gestützt haben, dürfen wir uns nicht verlassen.
Weder die Politik, noch die Industrie haben die Möglichkeiten und Interessen, unsere Privatsphäre zu schützen.
Beide gründen ihre Vorgehensweise auf unterschiedlichen Zielannahmen: die einen haben die Sicherheit, die anderen nur ihren Gewinn im Blick – da stört der individuelle Wunsch nach Freiheit und Privatsphäre.
Und die Kritiker, die Randgruppen, die Verunsicherten – auch sie können weder von Politik noch Industrie Hilfe erwarten.
Es hilft alles nichts – es verdichtet sich auf meinen Aufruf zur digitalen Selbstverteidigung.
Leute, erhebt euch aus eurer selbst- und fremdverschuldeten Unkenntnis und schlaut euch auf!
Wir müssen mehr wissen, wir müssen mehr lernen – es soll nicht unser Schaden sein. Den hätten wir nur, wenn wir alle Aufgaben externalisieren.
Es geht schließlich um unsere Privatsphäre – die dürfen wir nicht outsourcen.

Kann isch WhatsApp – bin isch Internet

“It’s no longer OK not to understand how the Internet works.”

Aaron Swartz

Über die Problematik einer pragmatischen digitalen Kompetenz.

Vermutlich wird dieser Artikel ein wüster Rant über die vermeintliche Medienkompetenz der hochgelobten Digital Natives (und solcher, die es qua Selbstverordnung sein wollen).
Aber was solls, lieber raus als rein.
Es geht mir von unterschiedlicher Seite schon seit geraumer Zeit auf den Keks, dass allerorten breit von Medienkompetenz geschwafelt wird, aber weder konkret benannt wird, was darunter zu verstehen ist, noch wie dies vermittelt werden soll.
Daher werfe ich hier auch meine zwei Gedanken zu diesem Thema in den Raum und wappne mich der Gegenrede.

TL;DR;

  • Anwendungskompetenz reicht nicht
  • Wir brauchen mehr Hacker und weniger User
  • Ein Datenleak, sie alle zu erschrecken

Anwendungskompetenz reicht nicht

Ich stelle fest, dass oftmals schnelles Bedienen von Anwendungen schon ausreicht, um in Begeisterungsstürme ob der hohen Medienkompetenz von Digital Natives zu verfallen.
Das lässt sich sicherlich aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten.
Da ist einerseits der Arthur-C-Clarke-Blickwinkel: Jede Technologie, wenn sie ausreichend weit fortgeschritten ist, erscheint einem Uneingeweihten wie Magie. Da solche Aussagen oft von Uneingeweihten (Menschen mit geringer technischer Kompetenz oder Politiker) kommen, ist diesen Aussagen bestenfalls eine geringe Aussgekraft beizumessen. Nichtsdestotrotz haben diese Uneingeweihten oftmals eine hohe Entscheidungskompetenz.
Das kann einerseits dazu führen, dass entweder diese zu unrecht hochgelobten Anwendungskompetenzwunder eine vollkommen falsch ausgerichtete Einschätzung ihrer (Anwendungs-)Fähigkeiten bekommen, eben “Kann isch WhatsApp, bin isch Internet!”. Andererseits wird in eine vollkommen falsche Richtung politisch entschieden: Nämlich hin zum schnellen Anwender und weg vom gebildeten Nutzer, der die Hintergründe versteht.
Das bringt mich zu einem weiteren Punkt:
Vielleicht will die Politik und die Industrie einfach nur schnelle Anwender, also dressierte Affen.
Was die Industrie anbelangt, bin ich mir sehr sicher, dass dem so ist. Denn ein unkritischer Konsument ist das, was die Industrie sich wünscht: ein Kunde, der einfach kauft, was ihm die Konzerne vorsetzen.
Was die Politik angeht, habe ich doch noch Hoffnung in die Grundannahme unserer Demokratie: die Beteiligung eines aufgeklärten Volkes, nicht einer rückenmarksgesteuerten Masse.
Aber da ist möglicherweise die Lobby die treibende Kraft – und diese kommt letztlich doch wieder aus der Industrie.
Doch zurück. Ich bin der festen Überzeugung, dass es heutzutage nicht ausreicht, ein versierter Anwender zu sein. Die Zusammenhänge und die Auswirkungen, die die Digitaltechnik auf unser Leben und unsere Gesellschaft haben, sind zu groß, um dies durch reines anwenden-können zu bewältigen.
Wir müssen zumindest die grundlegenden Zusammenhänge verstehen, wenn wir die Digitalisierung als gesellschaftlich durchdringendes Element nutzen wollen. Ansonsten sind wir nicht besser als Menschen, die Gewitter als die Laune eines Gottes ansehen.

Wir brauchen mehr Hacker und weniger User

Betrachten wir die Situation aus einem anderen Blickwinkel.
Vor kurzem, zwei Kurse in digitaler Selbstverteidigung in Klassenstufe 10 eines allgemeinbildenden Gymnasiums.
Ein Bild des digitalen Elends.
Ehrlich, wenn das die Erwartungshaltung an Digital Natives ist, dann sehe ich schwarz für die Digitalisierung unserer Gesellschaft. Zappenduster.
Da ist überhaupt kein Interesse an einer Weiterbildung zu Themen rund um alles Digitale.
Geschweige denn Kenntnis über Alternativen zu vorhandenen Anwendungen oder Problemlösungsstrategien, wenn es – oh Wunder! – doch mal zu Fehlern kommen sollte.
Was ja in der IT quasi nie vorkommt.
Natürlich sind knapp über 40 Schüler keine repräsentative Menge, aber dass darunter nur einer ist, der überhaupt mal eine Alternative zu WhatsApp kennt, ist erschreckend. Niemand kannte einen alternativen Browser (neben den vorinstallierten) und der Unterschied zwischen Browser und Suchmaschine war ebenfalls nicht bekannt. Da wird mir dann wirklich ganz anders.
Wo ist denn der Pioniergeist, der jugendliche Forscherdrang, die Neugier und die Lust auf Rebellion geblieben?
Wenn wir uns eine Generation von Lämmern heranziehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn diese von den industriellen Wölfen gerissen oder auf der Schlachtbank der Digitalisierung geopfert werden.
Anstatt unseren digitalen Neubürgern das Erstellen von Filmchen fürs Internet beizubringen, müssen wir ihnen (und den senioreren digitalen Teilnehmern auch) digitale Selbstverteidung mit auf den virtuellen Weg geben.
Sogar unsere Kanzlerin hat erkannt, dass hier dringend Handlungsbedarf für jeden einzelnen besteht:

“Das Heft des Handelns in die eigene Hand nehmen.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Wir müssen jungen Menschen eine Resilienz gegen Manipulation und ein Bewusstsein gegen Überwachung mitgeben.
Von selbst entsteht weder das eine noch das andere.

Ein Datenleak, sie alle zu erschrecken

Da haben wir mal wieder ein Datenleck. Noch nicht mal besonders groß, aber gleich wird der Untergang der digitalisierten Welt prognostiziert.
Es werden politische Konsequenzen gefordert: Vom Hack-Back über staatlich verordnete Zwei-Faktor-Authentifizierung (nicht zu vergessen die Ordnungswidrigkeit beim Einsatz schlechter Passwörter) bis zur finanziellen Aufrüstung unserer diversen Cyber-Sicherheits-Organe.
Was allerdings generell übersehen wird, ist die Notwendigkeit der Schulung der Anwender.
Mir fällt an dieser Stelle wieder Aaron Swartz ein:

“It’s no longer OK not to understand how the internet works.”.

Aaron Swartz

Der breit gestreute Leak persönlicher Daten kann diesmal nicht (nur) der technischen Schwäche eines Systems in die Schuhe geschoben werden. Dafür waren schlicht zu viele Systeme betroffen.
Ganz klare Mitschuld tragen die Betroffenen.
Sie sind zu unbedarft mit ihren Daten umgegangen.
Egal ob es die privaten Chats mit der Familie über Facebook sind (man chattet einfach nicht privat auf einer öffentlichen Plattform).
Oder die Scans von Ausweisdokumenten (die gehören nicht in die “Cloud”).
Ebensowenig wie Zeugnisse auf den Rechnern anderer Leute gespeichert werden.
Und dann Passwörter. Wir werden einfach immer weiter Daten verlieren, wenn wir nicht endlich lernen, sichere Passwörter einzusetzen.
Und zwar viele davon. Für jeden Account ein eigenes Passwort.
Das ist auch nicht schwer. Wir müssen einfach nur umlernen.

“You have to unlearn what you have learned.”

Yoda

Es ist falsch nur ein Passwort zu haben. Zumal das dann auch noch zumeist extrem schwach ist.
Wir müssen lernen, dass ein Passwort-Manager der beste Schutz für unsere Passwörter ist.
Hier hilft uns kein Post-It am Bildschirm oder unter der Tastatur.
Wir müssen uns darum kümmern, welche Sicherungsmaßnahme dieser oder jener Dienst anbietet.

  • Wie lang und wie komplex können die Passwörter dort sein?
  • Unterstützt der Dienst 2FA?
  • Akzeptiert dieser Dienst einen Benutzernamen, der nicht gleich die E-Mail-Adresse des Nutzers ist?

Wir müssen das lernen. Oder wir hören auf, diese Dienste zu nutzen. Aber das halte ich für eine sehr gewagte Alternative.


Biometrischer Blödsinn

Die Industrie versucht uns mit immer neuen, die Bequemlichkeit fördernden vermeintlichen “Sicherungsmaßnahmen” unsere biometrischen Daten aus den Rippen zu leiern. Dass es den Internetkonzernen dabei beileibe nicht um den Schutz unserer Daten, sondern vielmehr um die Akkumulation weiterer Daten für deren Profile geht, sollte mittlerweile grundlegend klar sein.
Schauen wir uns im Einzelnen an, was uns die Konzerne mit welchem biometrischen “Sicherungsmerkmal” versprechen und inwiefern sie dieses Versprechen auch halten – oder das bisherige System im Laufe ihrer eigenen Weiterentwicklung als unsicher abtun.

TL;DR

  • Mein Fingerabdruck gehört mir
  • Mein Gesicht ist nicht mein Schlüssel
  • Das Venenmuster zum Glück
  • Fazit

Mein Fingerabdruck gehört mir

Der Fingerabdruck war (und ist teilweise) noch das vermeintliche Schutzelement, welches auch schon Ethan Hunt Zugang zu seinen Geheimnissen verschafft hat. Nun, liebe Freunde spannender Agenten-Action, was euch die Konzerne dabei nicht eröffnet haben, ist die Tatsache, dass für die Erkennung eines Fingerabdrucks deutlich weniger Datenpunkte verwendet werden als Scotland Yard für die Zuordnung mittels Graphitstaub am Tatort gesicherten Fingerabdrucks zum gesuchten Täter einsetzt.
Ja, ein Fingerabdruck ist nach aktuellem Wissensstand eindeutig – wenn man die gesamte zur Verfügung stehende Datentiefe verwendet.
Das macht aber so ein Smartphone mit Fingerabdruckerkennung nicht.
Wäre viel zu aufwendig.
Es werden für einen gespeicherten Fingerabdruck deutlich weniger Datenpunkte zur Identifikation eingesetzt. So wenige, dass einer von 60.000 Fingerabdrücken für die erfolgreiche Entsperrung passt.
Miserables Verhältnis, wie ich finde.
Und dabei habe ich noch gar nicht an die spannenden Entwicklungen im Bereich maschinelles Lernen (in Neusprech gerne “KI” genannt) gedacht, mit dessen Hilfe es Forschern der New York University gelungen ist, einen biometrischen “Generalschlüssel”-Fingerabdruck zu erzeugen.
Daher mein Rat: Finger(abdruck) weg!

Mein Gesicht ist nicht mein Schlüssel

Der Weg der biometrischen Sicherheit führt vom Finger zum Gesicht.
Denn, was könnte noch bequemer sein, als seinen Finger auf das digitale Spielzeug der Begierde zu pressen, um es zu bedienen?
Richtig – wir müssen es nur anschauen, damit es uns seine Gunst gewährt.
Außerdem war dies der nächste logische Schritt der Datensammler, uns allgegenwärtig identifizieren zu können.
Fingerabdrücke benötigen ja noch eine wirkliche taktile Interaktion, aber Gesichtserkennung, damit können wir überall im Vorbeigehen maschinell erkannt werden (“Hallo John Anderton!”).
Dem Siegeszug der Gesichtserkennung hat geholfen, dass Phil Schiller die bisher eingesetzte und auch hochgelobte TouchID als unsicher und veraltet abgetan hat.
Nun ja, die staatliche Überwachungsindustrie dankt es ihm, macht dies doch allgegenwärtige Videoüberwachung noch viel interessanter!
Mit einer allbehördlich zugreifbaren Datenbank von Gesichtern (mit einer zehnjährigen Aktualitäts-Garantie, denn wir müssen ja alle zehn Jahre unsere Personalausweise erneuern) und einer allgegenwärtigen Videoüberwachung (Berlin Südkreuz war nur der Anfang!), können wir alle und überall automatisiert erkannt werden.
Aber auch diese Technologie ist fehlbar.
Schon wenige Tage nach der Markteinführung der “unbrechbaren” FaceID konnten Kinder die iPhones ihrer Mütter entsperren. Tja, der Kleine ist seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten – findet das iPhoneX auch. Auch Geschwister und Filmschaffende haben das “unknackbare” System mit Masken geschlagen.
Tja, Gesichter können eben doch lügen.

Das Venenmuster zum Glück

Der nächste heiße Scheiß biometrischer Wundermittel sind Venenmuster.
Alles ganz schön zufällig – nun ja, ausreichend zufällig, um eine Person zu identifizieren (allerdings eben auch genetisch so vorbestimmt, dass dadurch auch ein klarer Hinweis auf die Abstammung nachzuweisen ist, aber das nur am Rande).
Jedenfalls werden die Venenmuster von Handfläche oder Finger gerne zur Authentifizierung verwendet, z.B. von Geldautomaten oder auch bei Behörden – wie dem Bundesnachrichtendienst.
Dummerweise sind die Scanner für die Venenmuster erschreckend leicht zu täuschen. Eine Handatrappe (aus Bienenwachs und dem Ausdruck eines Venenmusters) reicht aus, um die vermeintlich sichere biometrische Zugangskontrolle zu überwinden.
Aber wie kommt man als Angreifer an ein Venenmuster? Dieses ist ja nicht so ersichtlich verfügbar wie ein Fingerabdruck oder ein Gesicht, schließlich liegen ja mehr oder weniger dicke Hautschichten zwischen der Außenwelt und dem eindeutigen Venengeflecht.
Nunja, eine gute Spiegelreflexkamera und ein Teleobjektiv ohne Infrarotfilter reicht.
Was wir brauchen, ist eine ausreichend starke Lichtquelle (ein Blitz) und ein gutes Teleobjektiv und schon können wir aus gut fünf Metern Entfernung ein schönes Venenmuster fotografieren.
Aber es muss gar nicht so weit sein. Wir brauchen nur ein klares Bild einer gespreizten Handfläche, dann muss es nocht nicht mal eine Spiegelreflex sein. Bei kurzem Abstand reicht auch eine kleine Raspberry-Kamera.
Und helles Licht. Sowas in der Art wie es in diesen modernen Handtrocknern zum Einsatz kommt, die uns ein so wohliges Gefühl von Hygiene geben…
Tja, also ich nutze diese Handtrockner nicht mehr.

Fazit

Ja, diese ganze Bequemlichkeit wird halt irgendwann noch unser Untergang sein. Wir müssen uns endlich eingestehen, dass wir nur eines steigern können: Entweder die Bequemlichkeit oder den Schutz unserer privaten Daten. Beides zusammen geht nicht.

Das zugrunde liegende Problem beim Einsatz von biometrischen Merkmalen zur Authentifikation ist die Tatsache, dass wir diese Merkmale nicht – oder nur mit erheblichem Aufwand – ändern können.

Wird uns ein Passwort gestohlen, vergeben wir ein neues und alles ist wieder sicher.

Wird uns jedoch ein biometrisches Merkmal – egal ob Fingerabdruck, Gesicht, Venenmuster oder was da noch so alles kommen mag (mir fällt mal so spontan unsere DNA ein) entwendet, dann sind immer noch wir mit diesem Merkmal verknüpft. Denn gestohlen heißt in diesem Fall nicht, dass wir es nicht mehr haben (das ist immer noch das große Mißverständnis, wenn es um digitale Werte geht). Nein, wir haben es zwar noch, aber jemand anderes (oder ganz viele andere) haben es eben auch. Und solange wir noch unseren Fingerabdruck mit uns herumtragen, sind eben wir damit verknüpft.

Daher mein Aufruf: Nutzt keine biometrischen Merkmale, um euch zu authentifizieren. Egal ob am iPhone, am Geldautomaten oder beim Zugang zum BND.

Was aber stattdessen tun?

Das ist alles gar nicht so schwierig – wir müssen es nur tun. Und wir müssen uns klar machen, dass wir selbst für unsere Geheimnisse verantwortlich sind!

Der Weg auf der hellen Seite ist steiniger

Ah, ein Plädoyer.
Ein Plädoyer für die gute Sache.
(hmm, denkt nicht ein jeder, seine Sache sei die gute Sache?
Oder hat sich Darth Vader eines schönen Tages beim Frühstück gedacht:
“Hey, heute ist toller Tag, ich versau der Galaxie mal so richtig alles, bau einen Todesstern und mach eine echt schlechte Sache.”)
Also, ein Plädoyer für die gute Sache – Digitalisierung auf der hellen Seite der Macht.
Ja, das geht.
Digitalisierung ist nicht per se schlecht, wir können es auch gut und richtig machen, unsere Privatsphäre behalten und nicht alle zu echten Arschlöchern mutieren.

TL;DR

But what if I want to track myself?

Ich habe es schon anklingen lassen, die Digitalisierung bringt nicht nur Jammern und Wehklagen.
Es sind ein paar Entwicklungen dabei, die echt gut sind und uns wirklich weiter bringen können.
Mein Kumpel Mitch von der Datenwache, dem Podcast für Datenschutz und Privatsphäre, hat mich darauf gebracht.
So ein bissel Self-Quantifikation kann den einen oder anderen motivieren, etwas sorgsamer mit dem eigenen Körper umzugehen.
Ein paar mehr Schritte hier und ein bissel mehr Schlaf dort schadet jetzt nicht wirklich.
Eine echt bescheuerte Idee ist es allerdings, das zu einem Wettbewerb aufzublasen, indem man beständig seine Werte in die breite Öffentlichkeit der allwissenden Müllhalde pustet.
Das geht da draußen niemanden etwas an.
Und es interessiert sich auch wirklich niemand ernsthaft dafür.
Maximal wird es zum Anlass genommen, den Selbstvermesser selbstvergessen zu erniedrigen.
Wir alle verkommen langsam aber sicher (oder auch schnell und unsicher) zu Trollen und Arschlöschern in der widerlichen Welt des virtuellen Wirkens.
Daher: gerne selbstvermessen, aber die Daten schön bei uns selbst behalten.
Mitch hat einige gute Geräte getestet, welche die Vorteile der Digitalisierung nutzbar machen, ohne den Besitzer zum Produkt zu machen.

Komm auf die dunkle Seite, wir haben die coolen Sachen – und Kekse

Man muss vielleicht ein bissel speziell sein, um neben dem Strom zu schwimmen.
Mir geht es heute gar nicht darum, mit meinem “Dagegen”-Schild durch die Gegend zu rennen.
Ich will stattdessen Bewusstsein schaffen, dass es auch einen Weg abseits des Mainstream gibt.
Und dieser Weg führt tendenziell in die gleiche Richtung wie der Mainstream – nur eben selbstbestimmter.
Dennoch wiegen die Verlockungen der dunklen Seite schwer:

  • Sie hat die cooleren Gadgets.
  • Die Oberflächen sind immer schnieke (oder es liegt daran, dass die dunkle Seite mit ihrer Marketing-Macht uns suggeriert, dass diese Oberflächen gefälligst gefällig zu sein haben!).
  • Es ist einfach verdammt bequem, die Anwendungen der dunklen Seite zu nutzen.
  • und sie haben Kekse (aber nur die ungesunden mit viel Zucker und sowieso in die falsche Richtung drehenden Milchsäuren!)

Ne, echt jetzt.
Es ist verdammt schwer, sich der dunklen Seite zu entziehen – schon vor allem deswegen, weil die Meisten gar nicht wissen, dass es eine helle Seite gibt!
Verrückt, oder?
Aus diesem Grund promote ich den Einsatz alternativer Technologien.
Keine Sorge – wir müssen nicht zurück zu Steintafel und Steampunk (obwohl Steampunk echt cool wäre!) – wir müssen lediglich lernen, uns ein bissel umzusehen und nicht gleich der Stampede der Herde hinter dem neuesten heißen Marketingscheiß der Mainstream-Masse herhecheln.
(ich stell mir das grad großartig vor: die Stampede der Herde – Induktionsherde, Ceranherde, Gasherde – und hinterher ein alter Herd mit Holzbefeuerung 🙂 ).

„Selbstdenken ist der höchste Mut. Wer wagt, selbst zu denken, der wird auch selbst handeln.“

Bettina von Arnim

Recht hat sie, die gute Bettina von A.
Nicht hinterherrennen sondern selbst prüfen und nachforschen, was man wirklich braucht – dann findet man erstaunliche, tolle und innovative Dienste und Produkte.
Zugeben will ich jedoch, dass die Non-Mainstream-Dingsies manchmal ein wenig, naja, prototypisch aussehen.
Mir hat zugegebenermaßen der verratzte Millenium Falcon immer besser gefallen als das eklig glattgebügelte und gänzlich Ecken-und-Kanten-freie Design der Raumschiffe der jämmerlichen Episoden I bis III.

Das Gewissen ist leichter auf der hellen Seite – und der Wissenszuwachs größer

Jetzt geb ich nochmal richtig Stoff in Sachen Kampf für die helle Seite:
Was wir hier drüben nämlich voll zu unseren Gunsten verbuchen können ist unsere moralische Überlegenheit:
Bei uns werden keine Daten verhökert!
Ha! In your face, dunkle Seite!

Auf der hellen Seite bist du wirklich der Kunde – und nicht das Produkt, denn hier musst du mit deinem schwer verdienten Geld bezahlen und nicht mit deinen unsterblichen Daten!

Was darüber hinaus für die helle Seite spricht, ist die Tatsache, dass du wirklich begreifst, wie die Produkte und Dienste funktionieren.
Du musst dich ernsthaft mit der Funktionsweise der Dienste und Produkte auseinandersetzen, um sie zu verstehen und richtig verwenden zu können. Also nicht nur die Features bedienen können.
Du bist folglich nicht mehr nur ein geübter (und schneller) Anwender (das kann jeder halbwegs trainierte Affe) – sondern ein Wissender.
Das wollen die Manipulatoren der dunklen Seite natürlich mit allen (bequemen) Mitteln verhindern!

“It’s no longer OK not to understand how the Internet works.”

Aaron Swartz

so hat es Aaron Swartz auf den Punkt gebracht.
Wir müssen verstehen wie die Dienste und Produkte interagieren.
wir müssen durchschauen wie die Manipulation der dunklen Seite funktioniert.
Erst dann können wir uns dagegen wehren.

Zum Ende meines Plädoyers noch ein Wort der Warnung:
Der Weg der hellen Seite ist ein steiniger, vielfach gewundender Weg.
Er ist nicht von Rosen gesäumt und mit Gummibärchen gebettet.
Fragen wir Gandhi, Gandalf und Groot.
Die hätten es alle leichter haben können, wenn sie sich der dunkle Seite angeschlossen hätten.
Aber nein, die mussten ja ihren Stiefel durchziehen.
Und was haben sie davon gehabt? Unterwegs Leid und Steine auf dem Weg – am Ende aber ein Imperium in die Knie gewzungen, Sauron vermöbelt und die Galaxie gerettet.
Na also. Lohnt doch.
Also, die groben Bergschuhe anziehen und den steinigen Weg beschreiten.

Das ganze Digitale hilft nicht, wenns analog klemmt

Der Zug – die kreative Muse unserer Zeit.
Hier komme ich zum Schreiben, hier kann ich ungestört denken.
Manchmal mit mehr Zeit, als mir lieb ist.
So wie heute.

TL;DR

Digitale Versprechen

Ist mein Reiseplan doch minutiös digital durchgeplant:
Zuerst: Geislingen – Stuttgart.
Dann weiter nach Zürich, zum Flieger nach Monaco.
Alles mit ordentlich Puffer, so kann nix schiefgehen.
Sagt die digitale Planung.
In Stuggi gemütliche 30 Minuten Aufenthalt.
Das reicht locker. Ist ja nur eine Fahrt von 30 Minuten.
Also was soll da schon schief gehen.

Alles, wie sich herausstellt.
Die digital angezeigten fünf Minuten Verspätung in Geislingen bauen sich durch durch irrsinnige analoge Defekte in den Türsteuerungen (digital!) zu einer katastrophalen Verspätung von 40 Minuten auf.
Fazit bis jetzt:

  • Digitale Anzeige hat gelogen.
  • Anschlusszug nach Zürich verpasst
  • Flug nach Monaco in Gefahr (das hier ist quasi ein eingefrorener Live-Feed aus dem Alternativzug in Richtung Zürich)

Also, was bringen mir jetzt die ganzen digitalen Versprechungen?
Ich bekomme Verspätungen angzeigt und werde in Echtzeit informiert.
Himmel, Arsch und Zwirn! Nix bringt mir das!
Der verdammte Zug ist trotzdem weg.
Ich kann mich höchstens bestens informiert darüber aufregen, dass ich jetzt in Echtzeit miterleben kann, wie mein Anschlusszug ohne mich abfährt.
Prima. Ist bestimmt grandios gut für die Gesundheit:
Man bekommt Bluthochdruck.
Mir drängt sich der Verdacht auf, dass diese unangenehmen Nebenwirkungen bei der Umsetzung von digitalen Versprechen in eine analoge Realität von den Erdenkern digitaler Utopien schlicht ausgeblendet werden.

Digitale Illusion

Ah, ein weiterer Aspekt sind enttäuschte digitale Illusionen.
Ich sitze hier in einem niegelnagelneuen IC2 der Deutschen Bahn.
Und was gibt es hier nicht?
WLAN.
Nicht das ich der glühende Verfechter dauerhafter Online-Verfügbarkeit bin, aber jetzt, wo ich es mal brauchen könnte, gibts keins!
Wo bitte ist da die Umsetzung der vollmundigen Versprechungen einer flächendeckenden Digitalisierung?
Mensch echt, wenn so großspurig die Digitalisierung als das alternativlose Must-Have Rettungsinstrument unser Gesellschaft, ach was, des gesamten Universums, dargestellt wird, dann muss halt auch irgendwann mal geliefert werden!
Das bei all diesen Plänen ein gerüttelt Maß an Marketingversprechen abgezogen werden muss, ist mir schon klar.
Aber so gar keine Umsetzung?
Das enttäuscht sogar mich als praktizierender Pessimist.

Digitaler Ausbau

Alles soll digital laufen heutigen Tags.
Kost halt alles Geld.
Jetzt sitze ich immer noch in Zürich am Flughafen.
Analoge Freundlichkeit hat mir übrigens die Umbuchung eines Unumbuchbaren (klingt wie der Unbrechbare Schwur) beschert!
Fluges, meine ich.
Das wäre digital nicht gegangen – Maschinen haben kein Herz.
Allerdings bringt mich meine Situation auf einen weiteren Punkt des Digital-Analog-Dilemmas:
Es hängt halt Geld dran.
Im Mobilfunk-befreundeten Ausland – aktuell in der Schweiz – werden Gebühren fällig, wenn ich einen Anruf annehme!
Lieber Himmel, wie soll das denn funktionieren, mit der digitalpolitisch gewünschten Totalerreichbarkeit (oh, da fällt mir eine andere, historisch und politisch vollkommen inkorrekte Frage ein: “Wollt ihr die totale Digitalisierung?” – ich so: “Nein!”), wenn schon so marktwirtschaftliche Geiferspuren uns ständig gegen die wirtschaftlichen Hürden laufen lassen?
Ja, ich weiß, es ist vollkommen meine Schuld, dass ich keinen All-Net-All-Flat-Vertrag habe, mit dem ich sogar vom Mond ohne Zusatzkosten telefonieren kann.
Hab ich halt nicht!
Ach, das ist doch alles totaler Schrott. Lug und Trug und schöner Schein.
Hört sich wundervoll glitzernd und modern an, aber wenn man mal in ein Problem läuft, dann zeigt sich der vergammelte und vollkommen brüchige Unterbau der ganzen Digitalscheiße.

Ein wesentliches Problem der Digitalisierung ist die Herangehensweise.
Würden Häuser so gebaut werden wie Software, wären wir alle bestenfalls obdachlos und im Worst Case tot und begraben unter den zusammengestürzten Trümmern unserer Häuser.
Warum wird nicht langsam – dafür von Grund auf – losdigitalisiert, anstatt immer den fünften Schritt vor dem ersten machen zu wollen.
Das klappt nicht.
Wir haben in absehbarer Zeit keine Flugtaxis zu erwarten, wenn wir nicht einmal flächendeckend Glasfaser verbuddelt (und auch angebunden!) bekommen.
Liebe Digitalsekretärin Bär und alle weiteren (politisch von der digitalen Rundumversorgung träumenden) Politiker:
Es kann kein stabiles Haus vom Dach abwärts gebaut werden.
Wir brauchen ein Fundament.
Und dieses Fundament muss auch gut ausgetrocknet sein, ansonsten haben wir ruck-zuck Schimmel in den Wänden und die gesamte Elektrik muss wieder rausgerissen werden.
Echt mal jetzt, habt ihr nie mit Lego gespielt?
Sobald das Ding fertig war konnte man super damit spielen.
Aber es muss erstmal gebaut werden. Aus einzelnen Steinen.
Wenn ein Stein fehlte, konnte das vorgestellte (oder vorgegebene) Ding nicht fertig gebaut werden.

Es geht nicht ohne!

TL;DR

In jüngster Zeit begegnet mir zunehmend das Argument der Alternativlosigkeit, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien geht.
Das erscheint mir jedoch sehr merkwürdig, suggeriert Digitalisierung doch eine größere Bandbreite an zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
Ist es nicht eine seltsame Beschränkung unseres Horizonts, wenn wir uns in einer digitalen Welt der unbegrenzten Auswahl größtenteils auf die schlechteste Wahl stürzen, weil wir diese für schlicht alternativlos halten?
Es erinnert mich stark an Cousin Balki aus Perfect Strangers. Seine vollkommen alternativlose Suche nach einem neuen Leben im gelobten Land wurde für ihn mit seinem Plakat “America or Burst!” zum treibenden Moment, welches alle anderen Möglichkeiten und Chancen als quasi nicht existent definierte.
Ich betrachte hier nun drei Ausprägungen, in denen mir das “Es-geht-nicht-ohne!“-Argument begegnet ist.
Meiner Betrachtung der jeweiligen Beispiele stelle ich anschließend Alternativen gegenüber, um das Argument der Alternativlosigkeit zu entkräften – hoffentlich!
So denn, ohne weitere Umschweife – es geht los (als Alternative kann ich anbieten, an dieser Stelle mit dem Lesen aufzuhören…)

WhatsApp or Burst!

Es geht nicht ohne WhatsApp!
Das ist stets die erste Reaktion, wenn ich als DSB meine Kunden darauf hinweise, dass WhatsApp die nicht-private Nutzung nicht gestattet:

Rechtmäßige und zulässige Nutzung. Du darfst auf unsere Dienste nur für rechtmäßige, berechtigte und zulässige Zwecke zugreifen bzw. sie für solche nutzen. Du wirst unsere Dienste nicht auf eine Art und Weise nutzen (bzw. anderen bei der Nutzung helfen), die: […] oder (f) eine nicht-private Nutzung unserer Dienste beinhaltet, es sei denn, dies wurde von uns genehmigt.

Auszug aus den AGB von WhatsApp

Das liegt nicht nur daran, dass es WhatsApp in seinen AGB schlicht nicht erlaubt. Vielmehr liegt es eben daran, dass ein WhatsApp-Nutzer sein gesamtes Adressbuch auf die Server von WhatsApp hochlädt – (vermutlich) ganz ohne die Zustimmung seiner Kontakte im Adressbuch zu dieser schändlichen Tat.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass die Kontakte, die wir in unserem Adressbuch speichern, nicht uns gehören – sondern dem Kontakt!
Uns wurden diese Daten nur treuhänderisch zur Verfügung gestellt.
Gehen wir nun missbräuchlich mit diesen Daten um, so veruntreuen wir Daten und missbrauchen das Vertrauen unserer Kontakte.
Ein weiterer Punkt, der mir in diesem Kontext häufig wütend entgegengeschleudert wird, ist die Angst, ohne WhatsApp den Kontakt zur Jugend zu verlieren.
Lieber Himmel, Leute!
Jetzt hört euch doch mal selbt zu:
Ihr verliert jetzt plötzlich den Kontakt zur Jugend, weil eine Firma, die es vor zehn Jahren nicht einmal als feuchten Traum ihrer Gründer gab, angeblich das einzige Verbindungsglied zwischen den Generationen sein soll?
Kriege, Kulturrevolutionen und nicht einmal Rock’n’Roll waren in der Lage, die Generationen zu trennen, da wird es ein solch schwindsüchtiges Internetunternehmen auch nicht verursachen.
Habt ihr ein derartig großes Misstrauen in das menschliche Miteinander, dass ihr ernsthaft befürchtet, den Kontakt zur Jugend zu verlieren, bloß weil ihr WhatsApp nicht nutzt?
Ich schüttele mein Haupt voll Ungläubigkeit.
Ja, aber ist es alternativlos?
Nein, ist es nicht!
Ich sage ja nicht, zurück zu Steintafel und Brieftaube, wenn ich darauf hinweise, daß WhatsApp der letzte datensaugende Dreck ist.
Kurznachrichtendienste sind sinnvoll, hilfreich und ein echt praktisches Werkzeug.
Aber – oh Wunder – es gibt bessere, sicherere und coolere Alternativen.
Bloß weil es Mainstream ist, ist es nicht automatisch gut.
War bei VHS auch nicht so.
Testet doch mal Threema, Wire oder Signal.
Funktional alle drei gleichwertig – in schwarz, grau oder blau.
Verticken alle aber deine Daten nicht und saugen auch dein Adressbuch nicht leer.
Und als Sahnehäubchen obendrauf: Die Nutzung ist auch für Kinder gestattet – bei WhatsApp nicht:

Mindestalter. Um WhatsApp benutzen zu dürfen, musst du mindestens 16 Jahre alt sein.

Auszug aus den AGB von WhatsApp (nochmal…)

Sterben in Einsamkeit

“Du musst bei Facebook sein!”.
Noch so eine Hohlphrase, wenn ich mich über die Sichtbarkeit meines Unternehmens unterhalte.
Nein, muss ich einfach nicht.
Nicht nur, dass ich mich damit vollkommen und total unglaubwürdig machen würde, aber es stimmt einfach nicht.
Ich erreiche Menschen in der analogen Welt.
Hier helfe ich meinen Kunden, mit den Widrigkeiten der Digitalisierung fertig zu werden.
Dabei hilft mir keine algorithmisch gestrickte Timeline, in der ich vielleicht für den einen oder anderen auftauche – je nachdem, wieviel Kleingeld ich Facebook dafür in den datengierigen Rachen schmeisse.
Auch an dieser Stelle gilt Gleiches, was ich bereits für Messenger postuliert habe:
Wir müssen nicht zurück zu den Aushängen am Schwarzen Brett, wenn wir uns mitteilen wollen.
Aber dennoch ist auch Facebook nicht alternativlos.

  • Nutze einen RSS-Reader, um deine für dich relevanten Feeds zu abonnieren.
  • Betreibe einen eigenen Blog, um deine Gedanken der Welt mitzuteilen
  • Melde dich bei diaspora* an, der föderierten und nicht werbebasierten offenen Alternative zu Facebook an.
    Ein wirklich guter Schritt ist: melde dich bei Facebook ab!

Lost in the Supermarket

Alternativlos scheint auch der Einsatz der zivilen Heimüberwachungswanzen wie Alexa und Co. zu sein.
Zumindest solange, bis die digitalen Bevormunder und Klugscheißer nach zwei Wochen deaktiviert oder ins Gäste-Klo verbannt werden.
Werden in diesen beiden initialen Wochen des verbal-akustischen digitalen Glücks noch die effizienzsteigernen Vorteile der Heim- und Selbstüberwachung gelobt, so wandelt sich dieses Gefühl recht bald in eines des Unbehagens und der Fremdbestimmung.
Mir geht wirklich jegliches Verständnis dafür ab, warum ich von Mallorca aus meine Klospülung aktvieren können sollte.
Selbst die Überwachung meiner Außenüberwachung per Video aus dem aus dem Kurztrip in den Harz geht über meinen Verständnishorizont.
Mit diesen ganzen IoT-Spielereien schaffen wir uns nicht mehr Sicherheit und auch keinen zusätzlichen Freiraum.
Ganz im Gegenteil.
Neben den Ängsten (“Ich hab da auf dem Video jemandem im Garten gesehen.”), die uns den lang ersehnten Urlaubstrip verhageln, reißen wir klaffende Lücken in die (bislang) sichere digitale Infrastruktur.
Die IoT-Geräte sind durch die Bank irrsinnig unsicher:

  • Standardpasswörter, die nicht geändert werden können
  • offene Erreichbarkeit über das Internet
  • Zugangsdaten festverdrahtet und öffentlich bekannt
  • Firmware, die nicht mehr updatefähig ist und schon beim Kauf veraltet war

Eine größere Nutzungsfläche führt zwangsläufig auch zu einer größeren Angriffsfläche.
Wenn wir mehr digitale Geräte nutzen, müssen wir ebenfalls mehr Zeit in deren Wartung und Instandhaltung investieren.
Andernfalls kontrollieren nicht wir die Geräte, sondern werden durch diese kontrolliert (und kompromittiert).
Im IoT-Bereich wird es allerdings erheblich anspruchsvoller, privatsphären-affine Alternativen zu finden.
Der internetkommerzielle Komplex hat besonders in diesem Marktsequenz hohe Bequemlichkeitshürden aufgebaut, um seine Kunden mit digitalem Komfort an seine virtuellen Dienste zu leimen.
Dennoch gibt es auch hier Alternativen.
Aber wie gesagt, der Aufwand für den geneigten Privatsphärenverteidiger ist höher.
Wir können uns unsere Heimautomatisierung beispielsweise basierend auf einem (oder mehreren) Raspberry Pi aufbauen – ganz lokal und ohne automatischen Datenabzug in die Wolken des internetkommerziellen Komplexes.

So, jetzt hoffe ich, euch einen Überblick über die Möglichkeiten jenseits des Alternativlosen gegeben zu haben.
Denkt daran: immer wenn jemand behauptet, es gäbe keine Alternative, will er nur nicht, dass ihr über diese nachdenkt.
Denn dann bewegt ihr euch außerhalb dessen Kontrollbereichs und habt euer Glück in den eigenen Händen!

Begleitetes surfen

TL;DR

  • Je früher, desto besser: Ab wann sollten Kinder digitalisiert werden?
  • There is something between black and white: Vernunft liegt immer zwischen Verbot und Freigabe
  • Lernen hört niemals auf: Begleitetes surfen brauchen wir in jedem Alter

Ich bin ein Freund klarer Richtlinien.
Ah, nee, ich bin ein Freund klarer und sinnvoller Richtlinien.
Pauschale Verbote empfinde ich genauso wie einen Affront wie die vollkommen unregulierte Freigabe von Allem und Jedem.
Aus diesem Grund halte ich das Vorgehen in Frankreich, Smartphones an Schulen generell zu verbieten, für schwierig.
Andererseits zeigt dieses Verbot, dass die Situation großräumig aus dem Ruder gelaufen ist.
Die Verfügbarkeit mobiler Endgeräte ist für alle Altersstufen und Schichten durchgängig sichergestellt.
Aber so sehr die Verfügbarkeit sichergestellt ist – so gering ist die Kenntnis über den Umgang und die Auswirkung digitalen Lebens.
Aus diesem Grund sammle ich hier meine Gedanken zum begleitetes digitales Leben.

Ab wann sollten Kinder digitalisiert werden?

Ähnlich unerträglich, wie ich das kategorische Ablehnen oder Befürworten von Überzeugungen finde, so schwierig halte ich die absolute Festlegung auf einen allgemein gültigen Zeitpunkt.
Prinzipiell tendiere ich zu einer Aussage zwischen
Wenn es unbedingt notwendig ist
bis
Wenn sie intellektuell (und vor allem emotional) in der Lage sind, der digitalen Reizüberflutung ohne längerfristigen Schäden zu begegnen.

Echt jetzt, wir müssen nicht mit vermeintlich alternativloser Vehemenz die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft als einzigen Rettungsanker der Menschheit im Großen und Ganzen betrachten.
Ist es nicht.
Der Mensch besteht aus mehr als zwei Daumen, mit denen er liebkosend über ein berührendssensitives Display streichen kann, um mit seiner Umwelt in Kontakt zu bleiben.
Bevor wir unseren Nachwuchs an die virtuelle Welt verlieren, sollten wir ihnen Gelegenheit geben, in der realen Welt Fuß (und Hand) zu fassen.
Wir wollen ja schließlich keine hirn- und kritiklosen dressierten Touchscreen-Zombies züchten sondern selbstständig denkende und frei entscheidende Gesellschaftsgestalter aufziehen.
So, damit hätten wir doch schon bereits eine Grundlage geschaffen, auf der wir aufbauen können.
Ja, ja, ja, aber ohne Kenntnisse in Digitalisierungstechnologien werden die zukünftigen Generationen vollkommen abgehängt und total chancenlos.
Bla, bla, bla. Immer derselbe, vollkommen grundlose Blödsinn.
Ich wiederhole mich hier gerne nochmals:
Wir müssen lernen lernen – nicht Anwender werden. Grundlagen müssen gelegt werden.
Das geht auch ganz ohne digitalen Zauberkram.
Generationen von Menschen haben ohne digitales Hintergrundrauschen, ohne „dritte Gehirnhälfte“, gelernt zu denken.
Die ganze aufmerksamkeitsheischende digitale Bedrohung zerrüttet unsere Aufmerksamkeit anstatt diese zu konzentrieren.
Also, damit nähern wir uns langsam einer Antwort auf die Frage, ab welchem Alter wir unseren Kindern den Zugriff auf digitale Endgeräte zumuten sollten.
Wenn sie bereit dafür sind.
Und wann sind sie bereit dafür?
Wenn sie gefestigt in unserer Realität sind und wenn sie Grundlagen des Lernens verinnerlicht haben.

Vernunft liegt immer zwischen Verbot und Freigabe

Ich bin dieser ganzen Rhetorik zwischen Totalverbot und bedingungslose Freigabe mittlerweile vollkommen (ha, ha) überdrüssig.
Der sinnvolle Weg liegt dazwischen.
Das Problem dabei ist, dass sich dieses dazwischen so unkomfortabel in kurze Worte kleiden lässt.
Gesetze sind an sich schon gänzlich unlesbar, wenn wir da noch (Gesetzgeber bewahre!) gesunden Menschenverstand mit einfließen lassen wird es nicht einfacher.
Ja, damit wird es richtig schwierig – und zukünftig nahezu unmöglich, wenn wir nur noch schnelle Anwender züchten -, denn gesunder Menschenverstand scheint eine eher selten genutzte und wenig geschätzte Eigenschaft in unserer Gesellschaft zu sein.
Wir sind furchtbar gefangen zwischen so vielen unterschiedlichen Interessen:
wir wollen Anerkennung für unsere Leistungen (als schnelle Smartphone-Anwender)
wir sollen möglichst ohne größere Blessuren für unsere Persönlichkeit durchs Leben kommen
wir bekommen Druck von außen, wenn wir nicht der Norm entsprechen (auch wenn wir diese Norm* vielleicht gar nicht mittragen)

Es ist immer schwieriger, den eigenen Weg zu gehen, als den ausgetrampelten Pfaden der Menge hinterher zu laufen.
Aber es lohnt sich. Oh, es lohnt sich so sehr!
Besinnen wir uns doch wieder auf Kant, der uns zumurmelt:

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Ja, wir sollten wieder mehr Mut zeigen.
Ein wenig Auflehnung steht uns allen ganz formidabel zu Gesicht.
Was leite ich jetzt daraus ab?
Wir sollten uns mehr unseres eigenen Verstandes bedienen. Dazu haben wir ihn ja schließlich.
Ein unreflektiertes und unkritisches Hinter-der-Masse-herlaufen hat noch nie etwas Positives zutage gefördert.
Nur weil große Teile der Gesellschaft dem Digitalisierungswahn huldigen, müssen wir diesem Trend nicht notwendigerweise nacheifern.
Vor allem – und ich erhebe hier sowohl Stimme als auch Argument – vor allem müssen wir begleiten, mitlernen und verstehen.
Wie sollen wir denn der nachfolgenden Generation Vorbild und Hilfe sein, wenn wir selbst nur mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen vor den Wundern der Digitaltechnik stehen und die Digital Natives als Wunderkinder der Computertechnologie betrachten – lediglich weil sie sich fehlerfrei per Selfie an das digitale schwarze Brett des aktuell gehypten unsozialen Netzwerkes hängen.
Lernen, lernen, lernen – das fordert die Digitalisierung von uns allen.
Die Weiterentwicklung der Technik bringt uns einige Vorteile, doch alles hat seinen Preis.
Und ein Teil dieses Preises ist unsere eigene Weiterbildung.
Wir sollten uns nicht von der Technik leiten lassen sondern diese als Werkzeug nutzen.

Begleitetes Surfen brauchen wir in jedem Alter

Mein Aufruf zum lebenslangen Lernen betrifft nicht allein die Begleiter der Jungen und (digital) Naiven Generation, wir müssen auch unsere Vorgängergeneration, die Silver Surfer, mit unterstützen.
Die Digitalisierung ist schlussendlich nicht nur für zukünftige Generationen aus der Taufe gehoben worden sondern kann uns allen das Leben erleichtern.
Wir sollten Angebote bereit halten, um alle Teilnehmer einer digitalisierten Gesellschaft quasi von der Wiege bis zur Bahre zu unterstützen.
Nebenbei hat Lernen auch den erfreulichen Nebeneffekt, den Geist frisch und agil zu halten.

Sichere Alternativen

TL;DR

  • Schweigen im Walde: Darum war es so lange still im Blog
  • Ich such mir ein bisschen Streit: Alternate Irrealities
  • Was kostet die (Kommunikations-)Welt: Data is the price of convenience
  • Mehr Gründe für dagegen: Wieso, weshalb, warum -nicht!
  • Es gibt etwas Besseres: Alternatives kommunizieren

Darum war es so lange still im Blog

Tss…das war wohl ein zu hehres Ziel:
Ein Artikel pro Woche
Funktioniert auf keinen Fall, wenn ich von einer Erdwoche ausgehe.
Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten:

  1. Ich wechsle bei meinem Rhythmus auf Neptunwochen.
  2. Ich ändere meinen Rhythmus auf eine gänzlich andere Zählung.

Versuche ich es erstmal mit einem Artikel pro Bahnfahrt.
Und daran sitze ich jetzt.

Alternate Irrealities

Ich lehne mich heute mal aus dem Fenster und versuche, hier einige Alternativen zu empfehlen.
Das ist immer eine echt gewagte Sache.
Zum einen findet sich zu jeder empfohlenen Alternative fünf Hände voll Gründe, warum diese Alternative aber überhaupt keine Alternative sein kann!
Zum anderen liegt die Halbwertszeit eines Softwareproduktes – bis es entweder nicht mehr unterstützt wird (oder von dem datensaugenden Konzern, von dem wir weg wollen, aufgekauft wurde) – unterhalb der durchschnittlichen Verspätungszeit der Deutschen Bahn.
Schauen wir uns doch zunächst an, warum wir Alternativen suchen sollten.
Und damit es gleich richtig Spaß macht, beginne ich mit der vollkommen unalternierbaren Kommunikationsplattform: WhatsApp.
Ich finde ja, dass der Name WhatsApp onomatopoetisch sehr nahe an Gollum! liegt.
Nun denn, was macht denn WhatsApp zu einer so schlechten Wahl?
Schließlich funktioniert es technisch ohne größere Aussetzer und liefert im Großen und Ganzen das, was man als Anwender von einem Instant Messenger erwartet:

  • Es liefert Nachrichten nahezu instantan aus.
  • Wahnsinnig viele Menschen sind in diesem geschlossenen Netzwerk registriert, das erleichtert das Auffinden von kommunikationswilligen Kontakten.
  • Es gibt bei jedem Update immer neue, voll krass coole Bildchen, da brauch ich mich als Nutzer gar nicht mehr mit komplizierten Buchstaben auseinandersetzen.

Data is the price of convenience

Diese tollen Features haben natürlich ihren Preis.
Huch? Was? Das kostet was?
Das hat mir nie jemand gesagt.
Nein, nein, lieber Datenspender – sei ganz beruhigt.
Dich kostet es ja nichts, denn du hast ja nichts zu verbergen.
Diese unglaublich rechenintensive, stromverbrauchende und hardware-intensive Dienstleistung kostet dich kein Geld.
Geld ist viel zu billig – für ein Unternehmen, das mit Daten handelt.
Eine Ölquelle muss ihren Ausbeutern schließlich auch kein Geld dafür bezahlen, dass sie ausgeraubt wird.
WhatsApp hat erkannt, wenn sie eine vermeintlich nützliche Dienstleistung unentgeltlich anbieten, ist die Bereitschaft der Nutzer, freiwillig etwas viel wertvolleres dafür abzugeben, deutlich höher.
Unsere Daten und Profile gegen ständige Erreichbarkeit, Ablenkung und Datenmüll.
Die Daten, welche die Nutzer freiwillig preisgeben, sind für Facebook – denn denen gehört WhatsApp – ein vielfaches Wert, was ein Nutzer eines Instant Messengers bereit wäre, für diese Dienstleistung zu bezahlen.
Die Metadaten, also die Daten rund um die Inhalte einer Nachricht – wer, mit wem, wann, wo und wie oft kommuniziert – lassen sich zu Profilen korellieren und an Werbetreibende verkaufen.
Damit verdient Facebook sein Geld.
Die unheilige Allianz zwischen Facebook und WhatsApp ist ein weiterer Grund, warum WhatsApp nicht die erste Wahl für einen Kurznachrichtendienst sein sollte (auch nicht die zweite, dritte oder letzte wenn ich so darüber nachdenke).
Die Daten, die bei WhatsApp gesammelt werden, werden mit den Daten der großen Datenkrake Facebook korelliert.
Ja, ja – ich weiß, es gibt doch Gesetze in Deutschland, die genau das verbieten.
Hmm, genau.
Weil etwas derartiges Facebook natürlich bis in die Grundfesten erzittern lässt.
Darum haben sie auch entspannt jahrelang mit ihrem hirnverbrannten Klarnamenzwang gegen das Telemediengesetz verstoßen.
Ich bezweifle stark, dass die deutsche Justiz in der Lage sein wird, Facebook eine Korellation basierend auf Daten, die von WhatsApp stammen nachzuweisen.
Um auf den Punkt zu kommen:
Korellation von Daten zu Profilen ist schlecht.
Kriegt man Zeug angeboten, das man nicht braucht und ebensowenig will.
Es ist eben das Gerümpel, welches die Algorithmen der Internetkonzerne aufgrund unserer Profile für uns als das nächste Must-Have errechnet haben.

Wieso, weshalb, warum – nicht!

Und erzählt mir nix:
Wir sind alle manipulierbar – wenn lange genug mit ausreichend subtiler (oder auch wenniger subtiler dafür umso aufdringlicher Wiederholfrequenz) Überzeugskraft auf uns einmanipuliert wird, werden wir alle weichgekocht.
Steter Tropfen höhlt den Stein und solche Dinge eben.
Der nächste Grund, warum WhatsApp ein No-Go für jeden vernunftbegabten Digitalkommunizierer sein sollte, liegt in deren Serverstandorten:
USA.
Das Land der unbegrenzten Überwachungsmöglichkeiten.
Das Land des PATRIOT Act.
Aufgrund des PATRIOT Act haben die amerikanischen Behörden Zugriff auf die Server aller inländischen Firmen.
Und dazu gehört eben auch WhatsApp.
Aber wir haben ja alle nichts zu verbergen.
Oder vielleicht doch?

  • In letzter Zeit mal Trump kritisiert?
  • Oder was pro-russisches weitergeleitet?
  • Vielleicht mal aus dem Nahen Osten eine Nachricht geschickt?
  • Und für alle eure 527 Kontakte könnt ihr auch die Hände ins Feuer legen?

Hmm…wird vielleicht doch schwierig mit dem nächsten Trip nach Las Vegas.

Alternatives kommunizieren

Das kann einen jetzt schon mal zum Nachdenken anregen.
Mir ist auch klar, dass die meisten WhatsApp nutzen, weil sie eben nichts anderes kennen und es so verdammt bequem ist, einfach zuzustimmen, wenn jemand fragt, ob man WhatsApp hat.
Es ist immer mühsam, Kontaktwilligen seine Abneigung gegen so ein verrottetes Produkt wie WhatsApp immer und immer wieder darzulegen.
Dabei ist es wirklich einfach, eine Alternative zu finden (und zu nutzen – wir installieren doch sonst auch jede zweite App, die nicht bei drei auf den Bäumen ist).
Es muss wirklich nicht immer der selbstkompilierte Messenger sein, der mit seiner ganz eigenen neuentwickelten Krypto daherkommt (gerade von diesem sollten wir tunlichst die Finger lassen!).
Aber fast jede Alternative zu WhatsApp ist eine gute Alternative – denn es zieht hoffentlich einen Nutzer aus dem Heer der WhatsApp-Nutzer ab.
Ein paar tragfähige Alternativen, die ich für gut heiße (keine davon erhält die Gnade aller Privatsphären-Afficionados.
Aber allen zu gefallen ist ein Ding, das niemand kann.):

  • Threema:
    anonym, einfach zu bedienen, bunte Bildchen, aus der Schweiz. Ausreichend Gründe für mich, denen (momentan) mein Vertrauen auszusprechen.
  • Signal:
    einfach, sicher, von Moxie Marlinspike.
    Gut, ein bissel Personenkult halt.
    Aber – wo wir bei Personenkult sind:
    Edward Snowden nutzt Signal und empfiehlt dies.
  • und wer noch mag, schaut mal Wire, Briar, ChatSecure (XMPP für iOS) oder Conversations (XMPP für Android) an.
    Bei denen hab ich das Gefühl, dass die wirklich sicher sind.

Eines haben alle Alternativen gemein:
Man muss mit jedem einzelnen Kontakt einen Kommunikationskanal aushandeln.
Sie sind alles geschlossene Systeme und nicht interoperabel.
Aber das ist auch egal, schließlich will ich mit einer ausgewählten Gruppe kommunizieren und nicht mit der ganzen Welt.
Und auch bei der Kommunikation gilt:
Diversifikation schützt Privatsphäre.

Ein neuer Newsletter – Gedankenblitze

Es war sehr lange sehr still hier im Blog.

  • Die Arbeit fordert ihren Tribut
  • Das Leben, das Universum und der ganze Rest ebenso

Aber damit die lesehungrige, privatsphären-affine Abonnentenschaft nicht ganz so arg darben muss, habe ich jetzt den Newsletter für meine Kurznachrichten aus der Taufe gehoben und dem kalten Wind der kritischen Bewertung anheim gestellt:
Die Gedankenblitze aus der Manufaktur – Der Microblog
Dort könnt ihr euch anmelden und kurze Nachrichten aus den Bereichen digitaler Datenschutz, Privatsphäre und was diese Gebiete noch berührt in eurem heimischen Postfach empfangen.
Nahezu täglich frisch – so ist zumindest mein hehres Ziel.
Viel Spaß beim Lesen – ich freue mich auf eure Reaktionen.

Digitale Selbstverteidigung an der VHS Geislingen

Auch dieses Jahr doziere ich wieder an unterschiedlichen Volkshochschulen – als Premiere diesmal auch an der VHS Geislingen:

Ich sag mal – da ist für jeden etwas dabei.