Es geht nicht ohne!

TL;DR

In jüngster Zeit begegnet mir zunehmend das Argument der Alternativlosigkeit, wenn es um den Einsatz digitaler Technologien geht.
Das erscheint mir jedoch sehr merkwürdig, suggeriert Digitalisierung doch eine größere Bandbreite an zur Verfügung stehenden Möglichkeiten.
Ist es nicht eine seltsame Beschränkung unseres Horizonts, wenn wir uns in einer digitalen Welt der unbegrenzten Auswahl größtenteils auf die schlechteste Wahl stürzen, weil wir diese für schlicht alternativlos halten?
Es erinnert mich stark an Cousin Balki aus Perfect Strangers. Seine vollkommen alternativlose Suche nach einem neuen Leben im gelobten Land wurde für ihn mit seinem Plakat “America or Burst!” zum treibenden Moment, welches alle anderen Möglichkeiten und Chancen als quasi nicht existent definierte.
Ich betrachte hier nun drei Ausprägungen, in denen mir das “Es-geht-nicht-ohne!“-Argument begegnet ist.
Meiner Betrachtung der jeweiligen Beispiele stelle ich anschließend Alternativen gegenüber, um das Argument der Alternativlosigkeit zu entkräften – hoffentlich!
So denn, ohne weitere Umschweife – es geht los (als Alternative kann ich anbieten, an dieser Stelle mit dem Lesen aufzuhören…)

WhatsApp or Burst!

Es geht nicht ohne WhatsApp!
Das ist stets die erste Reaktion, wenn ich als DSB meine Kunden darauf hinweise, dass WhatsApp die nicht-private Nutzung nicht gestattet:

Rechtmäßige und zulässige Nutzung. Du darfst auf unsere Dienste nur für rechtmäßige, berechtigte und zulässige Zwecke zugreifen bzw. sie für solche nutzen. Du wirst unsere Dienste nicht auf eine Art und Weise nutzen (bzw. anderen bei der Nutzung helfen), die: […] oder (f) eine nicht-private Nutzung unserer Dienste beinhaltet, es sei denn, dies wurde von uns genehmigt.

Auszug aus den AGB von WhatsApp

Das liegt nicht nur daran, dass es WhatsApp in seinen AGB schlicht nicht erlaubt. Vielmehr liegt es eben daran, dass ein WhatsApp-Nutzer sein gesamtes Adressbuch auf die Server von WhatsApp hochlädt – (vermutlich) ganz ohne die Zustimmung seiner Kontakte im Adressbuch zu dieser schändlichen Tat.
Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass die Kontakte, die wir in unserem Adressbuch speichern, nicht uns gehören – sondern dem Kontakt!
Uns wurden diese Daten nur treuhänderisch zur Verfügung gestellt.
Gehen wir nun missbräuchlich mit diesen Daten um, so veruntreuen wir Daten und missbrauchen das Vertrauen unserer Kontakte.
Ein weiterer Punkt, der mir in diesem Kontext häufig wütend entgegengeschleudert wird, ist die Angst, ohne WhatsApp den Kontakt zur Jugend zu verlieren.
Lieber Himmel, Leute!
Jetzt hört euch doch mal selbt zu:
Ihr verliert jetzt plötzlich den Kontakt zur Jugend, weil eine Firma, die es vor zehn Jahren nicht einmal als feuchten Traum ihrer Gründer gab, angeblich das einzige Verbindungsglied zwischen den Generationen sein soll?
Kriege, Kulturrevolutionen und nicht einmal Rock’n’Roll waren in der Lage, die Generationen zu trennen, da wird es ein solch schwindsüchtiges Internetunternehmen auch nicht verursachen.
Habt ihr ein derartig großes Misstrauen in das menschliche Miteinander, dass ihr ernsthaft befürchtet, den Kontakt zur Jugend zu verlieren, bloß weil ihr WhatsApp nicht nutzt?
Ich schüttele mein Haupt voll Ungläubigkeit.
Ja, aber ist es alternativlos?
Nein, ist es nicht!
Ich sage ja nicht, zurück zu Steintafel und Brieftaube, wenn ich darauf hinweise, daß WhatsApp der letzte datensaugende Dreck ist.
Kurznachrichtendienste sind sinnvoll, hilfreich und ein echt praktisches Werkzeug.
Aber – oh Wunder – es gibt bessere, sicherere und coolere Alternativen.
Bloß weil es Mainstream ist, ist es nicht automatisch gut.
War bei VHS auch nicht so.
Testet doch mal Threema, Wire oder Signal.
Funktional alle drei gleichwertig – in schwarz, grau oder blau.
Verticken alle aber deine Daten nicht und saugen auch dein Adressbuch nicht leer.
Und als Sahnehäubchen obendrauf: Die Nutzung ist auch für Kinder gestattet – bei WhatsApp nicht:

Mindestalter. Um WhatsApp benutzen zu dürfen, musst du mindestens 16 Jahre alt sein.

Auszug aus den AGB von WhatsApp (nochmal…)

Sterben in Einsamkeit

“Du musst bei Facebook sein!”.
Noch so eine Hohlphrase, wenn ich mich über die Sichtbarkeit meines Unternehmens unterhalte.
Nein, muss ich einfach nicht.
Nicht nur, dass ich mich damit vollkommen und total unglaubwürdig machen würde, aber es stimmt einfach nicht.
Ich erreiche Menschen in der analogen Welt.
Hier helfe ich meinen Kunden, mit den Widrigkeiten der Digitalisierung fertig zu werden.
Dabei hilft mir keine algorithmisch gestrickte Timeline, in der ich vielleicht für den einen oder anderen auftauche – je nachdem, wieviel Kleingeld ich Facebook dafür in den datengierigen Rachen schmeisse.
Auch an dieser Stelle gilt Gleiches, was ich bereits für Messenger postuliert habe:
Wir müssen nicht zurück zu den Aushängen am Schwarzen Brett, wenn wir uns mitteilen wollen.
Aber dennoch ist auch Facebook nicht alternativlos.

  • Nutze einen RSS-Reader, um deine für dich relevanten Feeds zu abonnieren.
  • Betreibe einen eigenen Blog, um deine Gedanken der Welt mitzuteilen
  • Melde dich bei diaspora* an, der föderierten und nicht werbebasierten offenen Alternative zu Facebook an.
    Ein wirklich guter Schritt ist: melde dich bei Facebook ab!

Lost in the Supermarket

Alternativlos scheint auch der Einsatz der zivilen Heimüberwachungswanzen wie Alexa und Co. zu sein.
Zumindest solange, bis die digitalen Bevormunder und Klugscheißer nach zwei Wochen deaktiviert oder ins Gäste-Klo verbannt werden.
Werden in diesen beiden initialen Wochen des verbal-akustischen digitalen Glücks noch die effizienzsteigernen Vorteile der Heim- und Selbstüberwachung gelobt, so wandelt sich dieses Gefühl recht bald in eines des Unbehagens und der Fremdbestimmung.
Mir geht wirklich jegliches Verständnis dafür ab, warum ich von Mallorca aus meine Klospülung aktvieren können sollte.
Selbst die Überwachung meiner Außenüberwachung per Video aus dem aus dem Kurztrip in den Harz geht über meinen Verständnishorizont.
Mit diesen ganzen IoT-Spielereien schaffen wir uns nicht mehr Sicherheit und auch keinen zusätzlichen Freiraum.
Ganz im Gegenteil.
Neben den Ängsten (“Ich hab da auf dem Video jemandem im Garten gesehen.”), die uns den lang ersehnten Urlaubstrip verhageln, reißen wir klaffende Lücken in die (bislang) sichere digitale Infrastruktur.
Die IoT-Geräte sind durch die Bank irrsinnig unsicher:

  • Standardpasswörter, die nicht geändert werden können
  • offene Erreichbarkeit über das Internet
  • Zugangsdaten festverdrahtet und öffentlich bekannt
  • Firmware, die nicht mehr updatefähig ist und schon beim Kauf veraltet war

Eine größere Nutzungsfläche führt zwangsläufig auch zu einer größeren Angriffsfläche.
Wenn wir mehr digitale Geräte nutzen, müssen wir ebenfalls mehr Zeit in deren Wartung und Instandhaltung investieren.
Andernfalls kontrollieren nicht wir die Geräte, sondern werden durch diese kontrolliert (und kompromittiert).
Im IoT-Bereich wird es allerdings erheblich anspruchsvoller, privatsphären-affine Alternativen zu finden.
Der internetkommerzielle Komplex hat besonders in diesem Marktsequenz hohe Bequemlichkeitshürden aufgebaut, um seine Kunden mit digitalem Komfort an seine virtuellen Dienste zu leimen.
Dennoch gibt es auch hier Alternativen.
Aber wie gesagt, der Aufwand für den geneigten Privatsphärenverteidiger ist höher.
Wir können uns unsere Heimautomatisierung beispielsweise basierend auf einem (oder mehreren) Raspberry Pi aufbauen – ganz lokal und ohne automatischen Datenabzug in die Wolken des internetkommerziellen Komplexes.

So, jetzt hoffe ich, euch einen Überblick über die Möglichkeiten jenseits des Alternativlosen gegeben zu haben.
Denkt daran: immer wenn jemand behauptet, es gäbe keine Alternative, will er nur nicht, dass ihr über diese nachdenkt.
Denn dann bewegt ihr euch außerhalb dessen Kontrollbereichs und habt euer Glück in den eigenen Händen!

Begleitetes surfen

TL;DR

  • Je früher, desto besser: Ab wann sollten Kinder digitalisiert werden?
  • There is something between black and white: Vernunft liegt immer zwischen Verbot und Freigabe
  • Lernen hört niemals auf: Begleitetes surfen brauchen wir in jedem Alter

Ich bin ein Freund klarer Richtlinien.
Ah, nee, ich bin ein Freund klarer und sinnvoller Richtlinien.
Pauschale Verbote empfinde ich genauso wie einen Affront wie die vollkommen unregulierte Freigabe von Allem und Jedem.
Aus diesem Grund halte ich das Vorgehen in Frankreich, Smartphones an Schulen generell zu verbieten, für schwierig.
Andererseits zeigt dieses Verbot, dass die Situation großräumig aus dem Ruder gelaufen ist.
Die Verfügbarkeit mobiler Endgeräte ist für alle Altersstufen und Schichten durchgängig sichergestellt.
Aber so sehr die Verfügbarkeit sichergestellt ist – so gering ist die Kenntnis über den Umgang und die Auswirkung digitalen Lebens.
Aus diesem Grund sammle ich hier meine Gedanken zum begleitetes digitales Leben.

Ab wann sollten Kinder digitalisiert werden?

Ähnlich unerträglich, wie ich das kategorische Ablehnen oder Befürworten von Überzeugungen finde, so schwierig halte ich die absolute Festlegung auf einen allgemein gültigen Zeitpunkt.
Prinzipiell tendiere ich zu einer Aussage zwischen
Wenn es unbedingt notwendig ist
bis
Wenn sie intellektuell (und vor allem emotional) in der Lage sind, der digitalen Reizüberflutung ohne längerfristigen Schäden zu begegnen.

Echt jetzt, wir müssen nicht mit vermeintlich alternativloser Vehemenz die Digitalisierung der gesamten Gesellschaft als einzigen Rettungsanker der Menschheit im Großen und Ganzen betrachten.
Ist es nicht.
Der Mensch besteht aus mehr als zwei Daumen, mit denen er liebkosend über ein berührendssensitives Display streichen kann, um mit seiner Umwelt in Kontakt zu bleiben.
Bevor wir unseren Nachwuchs an die virtuelle Welt verlieren, sollten wir ihnen Gelegenheit geben, in der realen Welt Fuß (und Hand) zu fassen.
Wir wollen ja schließlich keine hirn- und kritiklosen dressierten Touchscreen-Zombies züchten sondern selbstständig denkende und frei entscheidende Gesellschaftsgestalter aufziehen.
So, damit hätten wir doch schon bereits eine Grundlage geschaffen, auf der wir aufbauen können.
Ja, ja, ja, aber ohne Kenntnisse in Digitalisierungstechnologien werden die zukünftigen Generationen vollkommen abgehängt und total chancenlos.
Bla, bla, bla. Immer derselbe, vollkommen grundlose Blödsinn.
Ich wiederhole mich hier gerne nochmals:
Wir müssen lernen lernen – nicht Anwender werden. Grundlagen müssen gelegt werden.
Das geht auch ganz ohne digitalen Zauberkram.
Generationen von Menschen haben ohne digitales Hintergrundrauschen, ohne „dritte Gehirnhälfte“, gelernt zu denken.
Die ganze aufmerksamkeitsheischende digitale Bedrohung zerrüttet unsere Aufmerksamkeit anstatt diese zu konzentrieren.
Also, damit nähern wir uns langsam einer Antwort auf die Frage, ab welchem Alter wir unseren Kindern den Zugriff auf digitale Endgeräte zumuten sollten.
Wenn sie bereit dafür sind.
Und wann sind sie bereit dafür?
Wenn sie gefestigt in unserer Realität sind und wenn sie Grundlagen des Lernens verinnerlicht haben.

Vernunft liegt immer zwischen Verbot und Freigabe

Ich bin dieser ganzen Rhetorik zwischen Totalverbot und bedingungslose Freigabe mittlerweile vollkommen (ha, ha) überdrüssig.
Der sinnvolle Weg liegt dazwischen.
Das Problem dabei ist, dass sich dieses dazwischen so unkomfortabel in kurze Worte kleiden lässt.
Gesetze sind an sich schon gänzlich unlesbar, wenn wir da noch (Gesetzgeber bewahre!) gesunden Menschenverstand mit einfließen lassen wird es nicht einfacher.
Ja, damit wird es richtig schwierig – und zukünftig nahezu unmöglich, wenn wir nur noch schnelle Anwender züchten -, denn gesunder Menschenverstand scheint eine eher selten genutzte und wenig geschätzte Eigenschaft in unserer Gesellschaft zu sein.
Wir sind furchtbar gefangen zwischen so vielen unterschiedlichen Interessen:
wir wollen Anerkennung für unsere Leistungen (als schnelle Smartphone-Anwender)
wir sollen möglichst ohne größere Blessuren für unsere Persönlichkeit durchs Leben kommen
wir bekommen Druck von außen, wenn wir nicht der Norm entsprechen (auch wenn wir diese Norm* vielleicht gar nicht mittragen)

Es ist immer schwieriger, den eigenen Weg zu gehen, als den ausgetrampelten Pfaden der Menge hinterher zu laufen.
Aber es lohnt sich. Oh, es lohnt sich so sehr!
Besinnen wir uns doch wieder auf Kant, der uns zumurmelt:

Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Ja, wir sollten wieder mehr Mut zeigen.
Ein wenig Auflehnung steht uns allen ganz formidabel zu Gesicht.
Was leite ich jetzt daraus ab?
Wir sollten uns mehr unseres eigenen Verstandes bedienen. Dazu haben wir ihn ja schließlich.
Ein unreflektiertes und unkritisches Hinter-der-Masse-herlaufen hat noch nie etwas Positives zutage gefördert.
Nur weil große Teile der Gesellschaft dem Digitalisierungswahn huldigen, müssen wir diesem Trend nicht notwendigerweise nacheifern.
Vor allem – und ich erhebe hier sowohl Stimme als auch Argument – vor allem müssen wir begleiten, mitlernen und verstehen.
Wie sollen wir denn der nachfolgenden Generation Vorbild und Hilfe sein, wenn wir selbst nur mit vor Staunen weit aufgerissenen Augen vor den Wundern der Digitaltechnik stehen und die Digital Natives als Wunderkinder der Computertechnologie betrachten – lediglich weil sie sich fehlerfrei per Selfie an das digitale schwarze Brett des aktuell gehypten unsozialen Netzwerkes hängen.
Lernen, lernen, lernen – das fordert die Digitalisierung von uns allen.
Die Weiterentwicklung der Technik bringt uns einige Vorteile, doch alles hat seinen Preis.
Und ein Teil dieses Preises ist unsere eigene Weiterbildung.
Wir sollten uns nicht von der Technik leiten lassen sondern diese als Werkzeug nutzen.

Begleitetes Surfen brauchen wir in jedem Alter

Mein Aufruf zum lebenslangen Lernen betrifft nicht allein die Begleiter der Jungen und (digital) Naiven Generation, wir müssen auch unsere Vorgängergeneration, die Silver Surfer, mit unterstützen.
Die Digitalisierung ist schlussendlich nicht nur für zukünftige Generationen aus der Taufe gehoben worden sondern kann uns allen das Leben erleichtern.
Wir sollten Angebote bereit halten, um alle Teilnehmer einer digitalisierten Gesellschaft quasi von der Wiege bis zur Bahre zu unterstützen.
Nebenbei hat Lernen auch den erfreulichen Nebeneffekt, den Geist frisch und agil zu halten.

Sichere Alternativen

TL;DR

  • Schweigen im Walde: Darum war es so lange still im Blog
  • Ich such mir ein bisschen Streit: Alternate Irrealities
  • Was kostet die (Kommunikations-)Welt: Data is the price of convenience
  • Mehr Gründe für dagegen: Wieso, weshalb, warum -nicht!
  • Es gibt etwas Besseres: Alternatives kommunizieren

Darum war es so lange still im Blog

Tss…das war wohl ein zu hehres Ziel:
Ein Artikel pro Woche
Funktioniert auf keinen Fall, wenn ich von einer Erdwoche ausgehe.
Jetzt habe ich zwei Möglichkeiten:

  1. Ich wechsle bei meinem Rhythmus auf Neptunwochen.
  2. Ich ändere meinen Rhythmus auf eine gänzlich andere Zählung.

Versuche ich es erstmal mit einem Artikel pro Bahnfahrt.
Und daran sitze ich jetzt.

Alternate Irrealities

Ich lehne mich heute mal aus dem Fenster und versuche, hier einige Alternativen zu empfehlen.
Das ist immer eine echt gewagte Sache.
Zum einen findet sich zu jeder empfohlenen Alternative fünf Hände voll Gründe, warum diese Alternative aber überhaupt keine Alternative sein kann!
Zum anderen liegt die Halbwertszeit eines Softwareproduktes – bis es entweder nicht mehr unterstützt wird (oder von dem datensaugenden Konzern, von dem wir weg wollen, aufgekauft wurde) – unterhalb der durchschnittlichen Verspätungszeit der Deutschen Bahn.
Schauen wir uns doch zunächst an, warum wir Alternativen suchen sollten.
Und damit es gleich richtig Spaß macht, beginne ich mit der vollkommen unalternierbaren Kommunikationsplattform: WhatsApp.
Ich finde ja, dass der Name WhatsApp onomatopoetisch sehr nahe an Gollum! liegt.
Nun denn, was macht denn WhatsApp zu einer so schlechten Wahl?
Schließlich funktioniert es technisch ohne größere Aussetzer und liefert im Großen und Ganzen das, was man als Anwender von einem Instant Messenger erwartet:

  • Es liefert Nachrichten nahezu instantan aus.
  • Wahnsinnig viele Menschen sind in diesem geschlossenen Netzwerk registriert, das erleichtert das Auffinden von kommunikationswilligen Kontakten.
  • Es gibt bei jedem Update immer neue, voll krass coole Bildchen, da brauch ich mich als Nutzer gar nicht mehr mit komplizierten Buchstaben auseinandersetzen.

Data is the price of convenience

Diese tollen Features haben natürlich ihren Preis.
Huch? Was? Das kostet was?
Das hat mir nie jemand gesagt.
Nein, nein, lieber Datenspender – sei ganz beruhigt.
Dich kostet es ja nichts, denn du hast ja nichts zu verbergen.
Diese unglaublich rechenintensive, stromverbrauchende und hardware-intensive Dienstleistung kostet dich kein Geld.
Geld ist viel zu billig – für ein Unternehmen, das mit Daten handelt.
Eine Ölquelle muss ihren Ausbeutern schließlich auch kein Geld dafür bezahlen, dass sie ausgeraubt wird.
WhatsApp hat erkannt, wenn sie eine vermeintlich nützliche Dienstleistung unentgeltlich anbieten, ist die Bereitschaft der Nutzer, freiwillig etwas viel wertvolleres dafür abzugeben, deutlich höher.
Unsere Daten und Profile gegen ständige Erreichbarkeit, Ablenkung und Datenmüll.
Die Daten, welche die Nutzer freiwillig preisgeben, sind für Facebook – denn denen gehört WhatsApp – ein vielfaches Wert, was ein Nutzer eines Instant Messengers bereit wäre, für diese Dienstleistung zu bezahlen.
Die Metadaten, also die Daten rund um die Inhalte einer Nachricht – wer, mit wem, wann, wo und wie oft kommuniziert – lassen sich zu Profilen korellieren und an Werbetreibende verkaufen.
Damit verdient Facebook sein Geld.
Die unheilige Allianz zwischen Facebook und WhatsApp ist ein weiterer Grund, warum WhatsApp nicht die erste Wahl für einen Kurznachrichtendienst sein sollte (auch nicht die zweite, dritte oder letzte wenn ich so darüber nachdenke).
Die Daten, die bei WhatsApp gesammelt werden, werden mit den Daten der großen Datenkrake Facebook korelliert.
Ja, ja – ich weiß, es gibt doch Gesetze in Deutschland, die genau das verbieten.
Hmm, genau.
Weil etwas derartiges Facebook natürlich bis in die Grundfesten erzittern lässt.
Darum haben sie auch entspannt jahrelang mit ihrem hirnverbrannten Klarnamenzwang gegen das Telemediengesetz verstoßen.
Ich bezweifle stark, dass die deutsche Justiz in der Lage sein wird, Facebook eine Korellation basierend auf Daten, die von WhatsApp stammen nachzuweisen.
Um auf den Punkt zu kommen:
Korellation von Daten zu Profilen ist schlecht.
Kriegt man Zeug angeboten, das man nicht braucht und ebensowenig will.
Es ist eben das Gerümpel, welches die Algorithmen der Internetkonzerne aufgrund unserer Profile für uns als das nächste Must-Have errechnet haben.

Wieso, weshalb, warum – nicht!

Und erzählt mir nix:
Wir sind alle manipulierbar – wenn lange genug mit ausreichend subtiler (oder auch wenniger subtiler dafür umso aufdringlicher Wiederholfrequenz) Überzeugskraft auf uns einmanipuliert wird, werden wir alle weichgekocht.
Steter Tropfen höhlt den Stein und solche Dinge eben.
Der nächste Grund, warum WhatsApp ein No-Go für jeden vernunftbegabten Digitalkommunizierer sein sollte, liegt in deren Serverstandorten:
USA.
Das Land der unbegrenzten Überwachungsmöglichkeiten.
Das Land des PATRIOT Act.
Aufgrund des PATRIOT Act haben die amerikanischen Behörden Zugriff auf die Server aller inländischen Firmen.
Und dazu gehört eben auch WhatsApp.
Aber wir haben ja alle nichts zu verbergen.
Oder vielleicht doch?

  • In letzter Zeit mal Trump kritisiert?
  • Oder was pro-russisches weitergeleitet?
  • Vielleicht mal aus dem Nahen Osten eine Nachricht geschickt?
  • Und für alle eure 527 Kontakte könnt ihr auch die Hände ins Feuer legen?

Hmm…wird vielleicht doch schwierig mit dem nächsten Trip nach Las Vegas.

Alternatives kommunizieren

Das kann einen jetzt schon mal zum Nachdenken anregen.
Mir ist auch klar, dass die meisten WhatsApp nutzen, weil sie eben nichts anderes kennen und es so verdammt bequem ist, einfach zuzustimmen, wenn jemand fragt, ob man WhatsApp hat.
Es ist immer mühsam, Kontaktwilligen seine Abneigung gegen so ein verrottetes Produkt wie WhatsApp immer und immer wieder darzulegen.
Dabei ist es wirklich einfach, eine Alternative zu finden (und zu nutzen – wir installieren doch sonst auch jede zweite App, die nicht bei drei auf den Bäumen ist).
Es muss wirklich nicht immer der selbstkompilierte Messenger sein, der mit seiner ganz eigenen neuentwickelten Krypto daherkommt (gerade von diesem sollten wir tunlichst die Finger lassen!).
Aber fast jede Alternative zu WhatsApp ist eine gute Alternative – denn es zieht hoffentlich einen Nutzer aus dem Heer der WhatsApp-Nutzer ab.
Ein paar tragfähige Alternativen, die ich für gut heiße (keine davon erhält die Gnade aller Privatsphären-Afficionados.
Aber allen zu gefallen ist ein Ding, das niemand kann.):

  • Threema:
    anonym, einfach zu bedienen, bunte Bildchen, aus der Schweiz. Ausreichend Gründe für mich, denen (momentan) mein Vertrauen auszusprechen.
  • Signal:
    einfach, sicher, von Moxie Marlinspike.
    Gut, ein bissel Personenkult halt.
    Aber – wo wir bei Personenkult sind:
    Edward Snowden nutzt Signal und empfiehlt dies.
  • und wer noch mag, schaut mal Wire, Briar, ChatSecure (XMPP für iOS) oder Conversations (XMPP für Android) an.
    Bei denen hab ich das Gefühl, dass die wirklich sicher sind.

Eines haben alle Alternativen gemein:
Man muss mit jedem einzelnen Kontakt einen Kommunikationskanal aushandeln.
Sie sind alles geschlossene Systeme und nicht interoperabel.
Aber das ist auch egal, schließlich will ich mit einer ausgewählten Gruppe kommunizieren und nicht mit der ganzen Welt.
Und auch bei der Kommunikation gilt:
Diversifikation schützt Privatsphäre.

Ein neuer Newsletter – Gedankenblitze

Es war sehr lange sehr still hier im Blog.

  • Die Arbeit fordert ihren Tribut
  • Das Leben, das Universum und der ganze Rest ebenso

Aber damit die lesehungrige, privatsphären-affine Abonnentenschaft nicht ganz so arg darben muss, habe ich jetzt den Newsletter für meine Kurznachrichten aus der Taufe gehoben und dem kalten Wind der kritischen Bewertung anheim gestellt:
Die Gedankenblitze aus der Manufaktur – Der Microblog
Dort könnt ihr euch anmelden und kurze Nachrichten aus den Bereichen digitaler Datenschutz, Privatsphäre und was diese Gebiete noch berührt in eurem heimischen Postfach empfangen.
Nahezu täglich frisch – so ist zumindest mein hehres Ziel.
Viel Spaß beim Lesen – ich freue mich auf eure Reaktionen.

Digitale Selbstverteidigung an der VHS Geislingen

Auch dieses Jahr doziere ich wieder an unterschiedlichen Volkshochschulen – als Premiere diesmal auch an der VHS Geislingen:

Ich sag mal – da ist für jeden etwas dabei.

Lesung, die erste: Das Zen der Privatsphäre in digitalisierten Zeiten

Liebe Leser,
nun beginnt meine (vor)lesende Karriere doch früher als gedacht.
Am 23. Februar 2018 um 19:00 Uhr im Kaminzimmer des Theaters im Sägewerk in Geislingen!
Karten dazu gibt es hier oder im wohlsortierten Vorverkauf.
Wer mit Aluhut erscheint, verdient meinen höchsten Respekt und den Applaus der gesamten Zuhörerschaft
Lesung im Sägewerk

NFC – Taschendiebstahl digital

TL;DR

  • ARD, BRD, CSU, NFC – oje, oje: Drei Buchstaben für mehr Bequemlichkeit
  • So nah, so schlecht: Und was habe ich davon?
  • No use, no danger? – Was kann denn schon passieren?
  • Das bisschen Digitalgeld: Wo Nahfeld sonst noch drin ist
  • Wir haben die Macht: NFC-Karten dumm machen

Drei Buchstaben für mehr Bequemlichkeit – NFC

Und wieder eine neue Drei-Buchstaben-Kombination, die unser Leben erleichtern soll.
Und wieder ein Moment, an dem sich mir die Nackenhaare sträuben.
Das geschieht (fast) immer dann, wenn mehr Bequemlichlichkeit angepriesen wird.
Mehr Bequemlichkeit geht stets mit einer Einbuße an anderer Stelle einher.
Im Falle von NFC ist das eine Einbuße im Bereich Datensicherheit und Privatsphäre.
Aber sehen wir uns zunächst an, wofür NFC steht.
Near Field Communication, also Nahfeldkommunikation.
Nahfeld bedeutet wirklich nah – also Entfernungen von wenigen Zentimetern, etwa im Bereich von 5 – 10 cm, maximal 20 cm.
Eingesetzt wird diese Form kontaktloser Datenübertragung im Bereich von Schließsystemen, Zugangskontrollen, Paßkontrollen und mittlerweile auch bei der Bezahlung.
Und weil es so furchtbar bequem ist – wir müssen jetzt keine Karte, keinen Stift oder irgendeine andere Form von Datenträger mehr in ein Lesegerät stecken – wird diese Technologie aktuell von der Finanzbranche als der neueste heiße Scheiß gehyped.
Seufz.
Grundsätzlich halte ich es für ein gutes Vorgehen, wenn man Ideen, die mit brachialer Marketing-Macht unters Volk gekippt werden, zunächst sehr kritisch gegenüber steht.
So wie dem plötzlichen Auftauchen von glutenfreien Lebensmitteln, veganem Analogkäse und Self-Checkout- bzw. Self-Checkin-Terminals.
Funktionierende Konzepte brauchen schlicht Zeit, um sich durchzusetzen und ihre Tauglichkeit unter Beweis zu stellen.
Die Lungenatmung bei Landlebewesen hat sich auch nicht über Nacht durchgesetzt und die Erde hat auch knapp 2,3 Milliarden Jahre Abkühlzeit gebraucht, um halbwegs bewohnbar zu werden.
(Dafür braucht die Menschheit keine halbe Generation, um den Planeten zurück in den Zustand “reif für die Verschrottung” zurückzusetzen.)

Und was habe ich davon?

Schauen wir uns doch zunächst an, welche Vorteile diese uns ach-so-nahe Technologie bescheren kann.
Schweigen im Walde
Oh, Verzeihung, ich habe nach sinnvollen Vorteilen Ausschau gehalten.
Setze ich doch kurz meine rosarote Brille der Bequemlichkeit auf und schnüffle schnell mal am Klebstoff der Marketingversprechen.
Dann sehe ich natürlich Unmengen an gesparter Zeit, die ich nicht mehr in langen Schlangen an Supermarktkassen verbringen muss, weil mir ja jetzt einfach im Vorbeilaufen in meine digitale Geldbörse gegriffen wird.
(Ich fühle schon die Kälte der Grauen Herren um mich herum aufziehen.)
Da spüre ich den Wind der Innovation, der mir um die mit Innovationskoks gepuderte Nase weht, während ich meine eigene NFC-gesteuerte Grenzkontrolle durchlaufe.
(Stand von euch schon mal jemand in dieser elenden Self-Checkin-Border-Control-Schlange in Heathrow? – Da gehts auch nicht schneller voran, als wenn ein echter Mensch mein gesamtes Gepäck händisch auf Drogen, Bomben oder Sex-Pistols-CDs durchsucht.)
Da öffnet sich wie von elektronischer Zauberhand gesteuert meine Bürotür, wenn ich nur glücklich mit meinem Mitarbeiterausweis wie mit einem Zauberstab vor dem Lesegerät wedle.
(Alohomora.)
Schnell wieder die rosarote Brille abgesetzt.
Gut, ich bin Technologie-Pessimist.
Eine Kassandra der Privatsphäre.
Ein einsamer Warner im Wald der wahnwitzigen Entwicklungen.
Genau darum lautet mein Fazit:
Da ist kein sinnvoller Anwendungsfall sichtbar.
Weder nah noch fern.
Wo ist bitteschön der Vorteil, wenn ich meine Geldkarte nur in die Nähe des Bezahlterminals halte, anstatt es einfach in das Terminal zu stecken?
Zumal es zumeist dasselbe Terminal ist.
Nun ja, für zittrige Hände womöglich.
Wer weiß, was dieses Terminal aus meinen dreiundzwanzig weiteren NFC-fähigen Karten ausliest, die auch noch in meinem Geldbeutel stecken, den ich so bereitweilig dem Bezahlterminal als Opfergabe zu Füßen lege?
Von welcher meiner dreiundzwanzig NFC-fähigen Karten bucht das Terminal denn gerade meine Packung Kaugummis und die Schachtel Zigaretten ab?
Oder vielleicht doch gleich von allen?
Wo bitte ist mein Vorteil, wenn ich meine NFC-fähige Geldkarte aus meiner Gedlbörse ziehe und dem freundlichen Kassenpersonal übergebe?
Da ist es mir doch vollkommen schnuppe, ob diese die Karte einfach über das Terminal wedeln (Alohomora!) oder in den sowieso vorhandenen Schacht schieben.
Wo ist mein Vorteil, wenn ich mich an der Grenzkontrolle vor eine Kamera stelle, ausgeleuchtet werde wie ein Model beim Fotoshooting und gleichzeitig meinen Reisepass auf einen Scanner lege ?
Verglichen mit der Möglichkeit, einem echten Menschen meinen Reisepass zu geben, diesem schüchtern (oder mit festem Blick – je nachdem wie stabil unser Gewissen ist) in die Augen zu schauen und darauf warte, einreisen zu dürfen.
Oder eventuell niedergeknüppelt, festgenommen und mit dem nächsten Flug zurückgeschickt werde.
Ist es nicht ein viel handfesteres Gefühl von Tätigkeit, einen Schlüssel ins Schloß zu stecken und beim aufschließen wirklich zu merken, wie hier mechanisch Zutritt gewährt wird?

Ehrlich, hier ist kein Blumentopf für diese Technologie zu gewinnen.
Weder zeitlich noch sicherheitsseitig, und auch nicht vom zu treibenden Aufwand her.

Was kann denn schon passieren?

Die haben gesagt, es sei sicher.
Die haben beschworen, da kann gar nichts passieren.
Dieses marketing-technische Beschwichtigungs-Blabla kennen wir zur genüge von jeder Technologie oder sonstigen politisch gepushten Idee.

“Die Renten sind sicher.”
“Der will nur spielen.”
“Spinat enthält viel Eisen.”

In diese Bresche schlagen auch die Anbieter von NFC-Bezahldiensten – wie etwa die Sparkassen.
Dort heißt es:

“NFC gilt – unter anderem wegen der kurzen Reichweite des Signals – als sehr sicher.”

Nun ja, sehr sicher ist sehr relativ.
Es reicht bei NFC eben aus, wenn mir ein Dieb nahe kommt, um meine digitale Geldbörse auszurauben.
Mir muss dabei physisch nichts geraubt werden – meine Geldbörse etwa – um mir finanziellen Schaden zuzufügen.
Es genügt bereits, wenn der Dieb in meine Nähe kommt – so ungefähr in 10 – 20 cm Entfernung.
Und diese Abstände reichen Taschendieben allemal aus – die kommen mir sogar deutlich näher.
Außerdem geht es beim digitalen Taschendiebstahl nicht nur um mein elektronisches Kleingeld – wir sprechen hier wie bei der Geldkarte über Beträge bis 25€ – sondern wir gefährden damit auch unsere digitale Identität.
Denn ein digitaler Nahfelddieb erfährt aus unserer elektronischen Geldbörse im Zweifel auch einiges über unser Konsum- und Bewegungsprofil.
Es werden hier schließlich auch weitere Daten über unser bisheriges Kaufverhalten gespeichert.
Und wird uns die NFC-fähige Karte physisch gestohlen – so kann der Dieb bis zur Sperrung der Karte über den digitalen Geldbestand verfügen.

Wo Nahfeld sonst noch drin ist

NFC ist eine dieser nahezu ubiquitären Technologien wie wir sie heuer in unterschiedlichen Bereichen erleben.
Der Einsatz von kontaktlosem Bezahlen tritt unter anderem mittlerweile auch in weiteren Bezahl(k)arten auf.
So nutzen inzwischen auch Kreditkarten diese kontaktscheue Form des Geldtransfers.
Mit den gleichen, schwachen Sicherheitsmerkmalen wie die anderen NFC-befähigten Geldkarten:
Wer in die Sendereichweite einer NFC-Karte kommt, kann deren Bezahlwilligkeit ausnutzen.
Ohne PIN.
Ohne Unterschrift.
Hit and run quasi.
Nur eben ohne das hit, weil ist ja kontaktlos.
Reisepässe.
Damit wir ganz kontaktlos und dennoch vollständig überwacht einreisen können.
Nun, da frage ich mich, wer meine Daten sonst noch auslesen kann.
Es ist bei Technologien ja nicht etwa so, als wären diese nur den berechtigten staatlichen Stellen zugänglich.
Man soll ja schon davon gehört haben, dass unberechtigte, möglicherweise mit krimineller Energie gesegnete Zeitgenossen sich dieser Technologie bemächtigen / bedienen.
Nein! Doch!! Ohh!!!
Also – mir fehlt an dieser Stelle die kriminelle Fantasie, um mir auszumalen, was jemand mit den Daten meines Reisepasses anfangen will – aber ich bin mir sicher, dass ich nicht will, dass jemand über meine Daten verfügt.
Über meinen Fingerabdruck zum Beispiel.

NFC-Karten dumm machen

Doch – zum Glück – können wir uns selbst verteidigen!
Wir können uns informieren, aufbegehren – und im NFC-Fall sogar auf einfache Weise etwas gegen diese Nahfeldbevormundung unternehmen!

Abschalten!

Da alle neu ausgegebenen Geldkarten mit NFC-Funktionalität ausgestattet sind und dieses auch standardmäßig aktiviert ist, sollten wir hier direkt handeln.
Das Vorgehen der Banken zeigt ebenfalls, dass diese die Bequemlichkeit der Kunden der Privatsphäre der Kunden vorziehen.
Es sind ja nicht die Bankdaten, die riskiert werden, sondern nur die Privatsphäre der Kunden.
Ganz schlechter Schritt, liebe Banken.
Vorbildhaft wäre hier der Privacy by Design Ansatz, der davon ausgeht, dass neue Funktionalitäten, die die Gefahr der Einschränkung der Privatsphäre mit sich bringen, standardmäßig deaktiviert sind und nur im Fall einer informierten und gewünschten Nutzung des Dienstes aktiviert werden.
Wir sehen hier wieder, dass die negative Vorgehensweise des Opt-Out einem positiven Opt-In vorgezogen wird.
Aber zurück zu unseren Möglichkeiten:
Wir können die NFC-Funktionalität deaktivieren.
Die Banken haben diese Möglichkeit alle umgesetzt – leider unterschiedlich kundenfreundlich.
Volksbanken gehen an dieser Stelle wesentlich kundenfreundlicher und zeitgemäßer vor.
Hier kann der Bankkunde die NFC-Funktionalität selbsständig an einem Bankautomaten deaktivieren und bei Wunsch auch wieder aktivieren.
Die Sparkassen gehen hier einen deutlich beratungsintensiveren Weg.
Der privatsphären-affine Kunde muss hier die NFC-Funktionalität seiner Bankkarte durch einen Mitarbeiter der Bank deaktivieren lassen.
Naja.
Aber immerhin: es geht!

Und ich rate dringend dazu, diesen Schritt zu gehen und NFC auf allen Bankkarten zu deaktivieren.

Aluhut für die Karten

Eine weitere, noch einfachere und in meine Augen daher noch viel charmantere Lösung ist der Einsatz einer Schutzhülle aus einem Material, welche den NFC-Chip abschirmt.
Quasi ein Aluhut für die Geldkarte.
Inzwischen gibt es neben speziellen Kartenetuis auch Geldbörsen, in die abschirmendes Material eingewebt ist.

Reisepass, gut durch

Ein Reisepass ist ein gültiger Reisepass – auch ohne intakten NFC-Chip.
Der Chaos Computer Club (CCC) hat einem kurzen Video anschaulich gezeigt, wie der privatsphären-affine Reisende seine informationelle Selbstbestimmung selbstverteidigen kann.
Wenn der Reisepass ausversehen (hust) auf das Induktionsfeld in der Küche fällt, reicht der Puls des Kochfeldes aus, um den NFC-Chip zu deaktivieren.
Anschließend haben wir weiterhin einen gültigen Reisepass und unsere Daten wieder besser im Griff.
Das Einzige, was uns jetzt entgeht, ist der Spaß des Self-Checkins bei der nächsten Auslandsreise.
Oder ein anregendes Gespräch mit Grenzbeamten, sollten wir dies dennoch versuchen.

Wie uns Geld überwacht

Heather Jones - NSA: Listening in

TL;DR

  • Digitale Finanzströme: Online sind wir nackt
  • In the name of money: Wir zahlen mit unserem guten Namen – Kreditkarten
  • Bringing it all together: Hybride Überwachung – online meets offline
  • The Future: Daten sind Ge|old

“Money makes the world go round”
“Pecunia non olet”
“Nur Bares ist Wahres”

Diese Weisheiten stimmen uns auf meine Artikelserie zum Thema Geld und Privatsphäre ein.
Geld als abstraktes Tauschmittel und äußere, vergleichbare Form von materiellem Reichtum ist ein Thema, das unsere Gesellschaft bewegt – manch einen sogar treibt.
Bemaß sich der Wert eines Unternehmens früher noch an greifbaren Werten wie Gold, Immobilien oder Rohstoffen wie Öl – so kommt heute ein neuer Rohstoff ins Geldspiel:
Daten
In den kommenden fünf Artikeln will ich daher auf den Zusammenhang zwischen Geld (in welcher Form auch immer) und unserer Privatsphäre eingehen.
Beginnen werde ich heute mit der Tatsache, dass Geld uns überwachen kann.
Im folgenden Artikel betrachte ich neue Gefahrenpotenziale durch Funktechnologien in diversen Geldkarten.
Anschließend werfe ich einen Blick auf Online-Banking in seinen unterschiedlichen Ausprägungen.
Einen Schwenk zu den schwer überwachbaren Alternativen zu elektronischen Finanztransaktionen mache ich im darauf folgenden Artikel.
Den Abschluss der Reihe bildet ein Ausblick auf neue Geldformen und ihren Einsatz.
Aber beginnen wir zunächst mit den Überwachungsmöglichkeiten, die Geld bietet.

Online sind wir nackt

Bringe ich es doch einfach gleich auf den Punkt:
Unsere elektronisch ausgeführten Finanztransaktionen werden von der NSA gelesen.
Weltweit.
Fast alle.
Für diese Geldschnüffelei betreibt die NSA laut Edward Snowden sogar eine eigene Abteilung: Follow the Money.
Die Erkenntnisse aus dieser globalen Überwachungsaktion fließen in die NSA-eigene Finanzdatenbank Tracfin.
Bereits 2011 umfasste diese Datenbank ungefähr 180 Millionen Datensätze (und davon waren etwa 84% Kreditkartendaten).
Aber es ist ja alles “for the greater good”.
Ich bin immer wieder fassungslos, mit welch bescheuerten Argumenten der größte Überwachungsirrsinn immer wieder gerechtfertigt wird.
Mir gibt es ein schlechtes Gefühl, wenn ich weiß, dass alle meine Finanztransaktionen gesammelt und bewertet werden.
Ich halte es für entsetzlich, dass wir alle unter Generalverdacht stehen, wenn wir online etwas einkaufen. Oder noch schlimmer: bar bezahlen 🙂
Es geht verdammt noch mal niemanden etwas an, was ich mir für mein hart verdientes Geld beschaffe.
Und kommt mir bloß nicht mit der Argumentation, dass die Daten ja nur bei der NSA liegen.
Wie Edward Snowden 2013 gezeigt hat, ist es durchaus möglich, auch aus diesem Geheimclub Arme voll Daten rauszutragen.
Warum sollte das nicht auch einem Datenhändler, Cyber-Kriminellen oder sonstigem Schmutzbuckel gelingen?
Dann nämlich stehen wir noch ein wenig nackter im digitalen Wind der Online-Erpressbarkeit.

Wir zahlen mit unserem guten Namen – Kreditkarten

Kommt jetzt bitte nicht auf die Idee, eure Kreditkarten-gestützten Käufe offline zu tätigen, um euren guten Namen zu retten.
Das wird uns leider nicht retten.
Bloß weil wir unsere Daten offline zur Verfügung stellen, heißt das nicht, dass diese Daten nicht trotzdem in der Tracfin-Datenbank landen.
Mittlerweile werden spätestens am Kreditkartenterminal unsere Daten elektronisch weiterverarbeitet und landen dann mit hoher Wahrscheinlichkeit bei Follow the Money.
Damit sichergestellt werden kann, dass wir wirklich nur Gummibärchen online ordern und kein Hexamethylentriperoxiddiamin für unseren nächsten Sprengkörper kaufen wollen.
Puh, wirklich, als ob ich sowas kaufen würde.
Online.
Das hole ich mir schließlich bei meinem vertrauenswürdigen Schwarzhändler um die Ecke.
Dass Kreditkarten eine vertrauenswürdige und sichere Form der Bezahlung seien ist eine Illusion.
Das sollte sich inzwischen überall herumgesprochen haben.
Immer wieder decken Sicherheitsforscher, unter anderem Brian Krebs, Kreditkartendiebstähle in ungeheurem Umfang auf.
Es ist pure Bequemlichkeit, die Kreditkarte zu zücken, anstatt das Bargeld aus der Geldbörse heraus zu zählen.
Zugegeben, es gibt einige Dienstleistungen, da wird eine Kreditkarte zwingend vorausgesetzt.
Mir fallen da Autovermietungen oder Hotelreservierungen mit garantierten Zimmern ein.
Naja, seufz, legen wir uns für diese Zwecke eine Kreditkarte mit geringem Limit zu – dann ist der finanzielle Schaden wenigstens eng begrenzt.
Unsere Daten und unsere finanziellen Bewegsdaten sind wir dann allerdings immer noch los.

Hybride Überwachung – online meets offline

Seit kurzem ist die auch die Argumentation
“Aber mit Kreditkarten werden wir ja nur online, respektive offline, überwacht”
dahin.
Zuerst Google und jetzt auch Facebook haben eine Möglichkeit für ihre werbetreibenden Datenkrakenkunden geschaffen, Einkäufe, die offline durch Kreditkarten bezahlt werden, jetzt auch online weiter zur Komplettierung von Profilen heranzuzuiehen.
Schöne neue hybride Überwachungswelt.
Damit wird die Kreditkarte neben dem Smartphone zur nächsten Überwachungswanze, die wir freiwillig mit uns herumtragen.
Das perfide bei der Überwachung unserer Kreditkartenzahlungen, die wir offline durchführen, ist, dass wir hier gar nicht die Möglichkeit haben, dieser Überwachung zu widersprechen.
Im Online-Bereich sprechen wir von zwei Möglichkeiten der Zustimmung zu Diensten, in die wir einwilligen.
Es gibt die datenschutztechnisch positive Sichtweise des Opt-In.
Dies bedeutet, ich muss mich aktiv für die Nutzung eines Dienstes oder einer Dienstleistung entscheiden.
Erst wenn ich zugestimmt habe, fließen meine Daten in Richtung eines Datensammlers ab.
Die negative, aber in der breiten Masse der Angebote gängigere Variante ist die des Opt-Out.
Hier bin ich als Standard bereits in der Situation, dass meine Daten abgezogen werden.
Erst wenn ich mich aktiv gegen diese Weiterverarbeitung entscheide, kann ich aus diesem System aussteigen.
Da diese Möglichkeit zum einen eine aktive Handlung eines Dienstleistungsnehmers erfordert – und weil die Möglichkeit zum Opt-Out oft nur sehr schwierig zu finden ist – nehmen viele Nutzer diese Möglichkeit gar nicht erst wahr.
Und bei der Kreditkartennutzung im Offline-Bereich ist uns oft schlicht keine Möglichkeit gegeben, uns gegen die Weiterverarbeitung der von uns gesammelten Kreditkartendaten durch Facebook, Google und andere wehren zu können.

Daten sind Ge|old

Letztendlich sind Daten Geld.
Nur leider nicht unseres.
Wir sind nur die Geldquelle, die Datenmine, aus der die Datensammler und -händler fleißig schürfen.
Wir werden weder gerecht entlohnt für die Daten – also das Geld – welche wir den Datenkraken zur weiteren Veredelung und zum Handel geben.
Noch erfahren wir den (Geld-)Wert, den unsere Daten haben.
Durch diese Wissensasymmetrie sind wir als Datenlieferanten gegenüber den Datenhändlern in einer massiv schwächeren Position.
Wenn ich nicht weiß, über welche Werte ich verfüge, kann ich nicht angemessen handeln.
Wir sind wie die Lenape, die Manhattan 1626 an Peter Minuit für 60 Gulden verkauft haben.
Lernen wir den Wert unserer Daten schätzen!
Unsere Daten sind unser Gold.
Daten sind bereits Teil einer neuen Währung – achten wir darauf, dass wir nicht das Manhattan unserer digitalen Identität für eine Handvoll Glasperlen an die digitalen Imperialisten verschleudern.
Lernen wir, unser digitales Manhattan zu schützen und zu verteidigen.
Es ist das Kernland unseres digitalen Ichs.
Es geht um unsere Freiheit.

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Recht egal

TL;DR

  • Mut, Schokolade und ein Einhorn an unserer Seite: Was wir brauchen
  • Physiker, aufgemerkt: Widerstand ist…
  • Gemach, gemach: Regierungen – The Regulatory Sloth
  • Wer schreibt der bleibt: Datensammler und AGB-Gestalter
  • Juristisches Bauchempfinden: Recht gefühlt

Legal – illegal – scheissegal.
Das denke ich mir meistens, wenn ich mich durch die seitenlangen juristischen Kleinode epischen Ausmaßes hindurchquälen muß, sobald ich eine neue Anwendung installiere oder einen neuen Online-Dienst in Anspruch nehme.
AGB.
Drei Buchstaben für eine Garantie vollkommenen Unverständnisses.
Juristen schmunzeln und wir Laien – wir zucken bestenfalls die Schultern – und akzeptieren den verklausulierten Wahnsinn in Worten.
Was bleibt uns auch anderes übrig?
Wenn wir den Dienst nutzen wollen, dann müssen wir die AGB abnicken – ob wir sie gelesen haben oder nicht.
Von verstanden einmal ganz abgesehen.
Dieses Vorgehen zementiert einmal mehr das immense Machtgefälle zwischen Dienstanbieter und -nutzer oder besser zwischen Datensammler und -quelle.
Mir kommt es zuweilen so vor, als würden die Datenkraken versuchen, mit dem Einsatz unverständlicher AGB ihr moralisch – und zumindest in Teilen juristisch – fragwürdiges Geschäftsgebahren auf eine rechtlich unangreifbare Basis stellen.
Ungefähr so, wie wenn man seine Burg mit vier Burggräben voller Krokodile umgibt.
Drum herum noch einen zweihundert Meter breiten Minengürtel legt.
Und das ganze auf einem unbezwingbaren Berg erbaut.
Aber das ist nur mein Gefühl.
Ich alter Pessimist.
Wahrscheinlich beschuldige ich die arglosen Datensammlern zu Unrecht.
Die tun das alles bestimmt nur, damit unser Nutzungserlebnis noch besser wird …
… oder welches Hohlphrasengewäsch auch immer aktuell en vogue ist …

Recht gefühlt

Ich bin kein Jurist und meine Einschätzungen zum juristischen Vorgehen der Datenkraken sind rein subjektiv.
Dennoch hoffe ich, dass juristische Formulierungen wenigstens noch ansatzweise mit unserer gelebten Realität vereinbar sind.
Wenn ich von dieser Annahme ausgehe, dann kann ich wirklich nur verwundert fragen:

"Dienstanbieter, Datensammler und Online-Profiteure - habt ihr se noch alle?"

Kein Mensch nimmt sich die Zeit, um 63 Seiten AGB für eine App zu lesen, die dem Nutzer helfen soll, effektiver mit seiner Zeit umzugehen.
Sind Unternehmen mittlerweile Auffanggesellschaften für Arbeit suchende Juristen geworden?
Oder noch schlimmer – vielleicht sind für die meterlangen Pamphlete inzwischen gar keine Juristen aus Fleisch und Blut mehr notwendig?
Möglicherweise werden die Texte zwischenzeitlich und ganz im Sinne einer effizient verlaufenden Digitalisierung folgend von Big Data basierten und maschinenangelernten Juristenalgorithmen geschrieben?
Wundern würde es mich nicht.
Liebe Juristen – möglicherweise würde ich mir an eurer Stelle jetzt ein wenig Sorgen um meinen Job machen – schließlich geistern gerade aktuelle Statistiken durch die virtuellen Untiefen, in denen von 35 bis zu 47% an durch Automatisierung gefährdeten Arbeitsstellen gesprochen wird – das sind wohl nicht nur Stellen im Bereich der ungelernten Arbeiter.
statista chart: How Many Jobs Could Fall Victim to Automatization?
Aber zurück zu meinem Gefühl.
Die Attitüde, mittels vollkommen unverständlich verklausulierter Nutzungsbedingungen seinen eigenen Arsch vor jeder möglichen Form eventuell auftretender Risiken (inklusive Angriffe durch Sauropoden, Stimmungsschwankungen und einem diffusen Gefühl von Paranoia) zu schützen, widerspricht dem ach so kooperativen Ansatz, den die meisten dieser Dienstanbieter und Plattformbetreiber in ihren hochglänzenden Wohlfühlwerbekampagnen zum Ausdruck bringen – bevor man einen gezwungenen Blick auf die in juristiche Worte gegossene Schauergeschichten werfen muss.
Was können wir tun?
Wir können überlegen, ob wir diesen Dienst, diese Plattform wirklich brauchen.
Ja, mir ist klar, dass wir durch unterschiedliche Seiten (peer-pressure, Unterzuckerung oder einfach Neugier) dazu genötigt werden, genau diesen Dienst zu nutzen.
Aber – und da formuliert Johann Nepomuk Nestroy diesen Zustand ganz stimmig:

“Ich bin mein eigener Herr, ich hab niemand Rechenschaft zu geben.”

Schlussendlich sind wir der Schmied unseres eigenen Glücks.
Es ist unsere Entscheidung, ob wir etwas tun oder nicht.
Also tun wir es - oder nicht.

Datensammler und AGB-Gestalter

Zuweilen sind AGB auch ein Quell der Erheiterung – wir müssen diese verbalen Untiefen mit ihren verschwurbelten Satzungetümen nicht nur als Last und Angriff auf unsere Freiheit betrachten.
Gibt es doch immer wieder literarische Kleinode, die uns die Augen für den darin lauernden Wahnsinn öffnen.
So hat z.B. der Anbieter für ein öffentliches WLAN, purple, jüngst seine AGB dahingehend erweitert, dass die Teilnehmer an dem Dienst sich dazu verpflichten

  • lokale Parks von Hundekot zu reinigen
  • streunende Katzen und Hunde in den Arm zu nehmen oder
  • Schneckenhäuser zu bemalen

Eine großartige Aktion, zeigt es doch, dass die Nutzer eines Dienstes deren AGB schlicht nicht lesen.
Andernfalls hätten sicherlich mehr als zwei aufmerksame Leser diese AGB hinterfragt – und nicht wie 22.000 andere Nutzer diese einfach abgenickt.
Ein Klassiker der AGB-Gestaltung ist auch die Maßgabe von Van Halen, dass es stets eine Schüssel mit M&M’s im Backstage-Bereich ihrer Konzerte geben müsse – jedoch explizit ohne braune M&M’s.
Diese augenscheinlich sinnlose Klausel hat nur den einen Zweck – nämlich zu überprüfen, ob alle übrigen sinnvollen Klauseln der AGB (beispielsweise hinsichtlich der Sicherheit des  Bühnenaufbaus), gelesen, verstanden und hoffentlich eingehalten wurden.
Wäre bei der einfachen und schnellen Prüfung der bereitgestellten M&M’s-Schüssel eine illegale braune M&M’s inkludiert – wäre dies Anlaß zum Abbruch des Konzerts.
Denn nun muß angenommen werden, dass an wesentlichen Stellen der Sicherheit genauso schlampig gearbeitet wurde.
Es ist quasi ein invertierter Grubenkanarienvogel – in diesem Fall schlecht, wenn er noch singt.
Auch an anderer Stelle sorgen AGB für ein gewisses Maß an Unterhaltung:
Gibt es doch mittlerweile die Facebook-AGB als Musical!
Da soll mir noch einer sagen, AGB seien zu nix nutze – sie können immer noch als schlechtes Beispiel für sinnlose Zeit- und Wortverschwendung dienen und jetzt auch noch für Musical-Freunde einen erquicklichen Zeitvertrieb bieten.
Diese, zumeist als Kritik an der bestehenden Gestaltungsweise von AGB, zu verstehenden Ausreißer im AGB-Gestrüpp bringen jedoch eines wieder deutlich zum Vorschein:
AGB sind eine Sicherung der Dienstanbieter gegenüber den Dienstnutzern.
Hier wird klar abgegrenzt, wer der Chef im Ring ist.
Von diesem Standpunkt aus gesehen auch eine berechtigte Vorgehensweise.
In meinem Haus gelten auch meine Regeln – nicht die meiner Gäste.
Der Unterschied besteht jedoch darin, dass ich im Gegensatz zu AGB-verseuchten Datensammlern meinen Gästen nicht sämtliche Rechte abspreche, so wie wir dies unter anderem bei Facebook sehen:

“Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz).”

Das ist ungefähr so, als würde ich von Besuchern meines Hauses verlangen, dass alles, was sie dabei haben, in meinen Besitz übergeht.
Eigentlich eine gute Idee – vielleicht sollte ich das einmal versuchen!
Kommt vorbei – und bringt euer Tafelsilber mit!
Also, was können wir tun?

Die AGB lesen - sorgfältig.

(Ja – ich höre euch. Und wieder sage ich: Was können wir tun.
Ich sage nicht, dass wir das *immer* tun.
Aber wir können.)

Regierungen – The Regulatory Sloth

Die Ausgestaltung von AGB ist ein Thema, welches wir schwerlich durch digitale Selbstverteidigung in den Griff bekommen.
An dieser Stelle benötigen wir die Unterstützung unserer Regierungen.
Allerdings – und an dieser Stelle rückt die Führerscheinstelle aus Zootropolis vor mein inneres Auge – sind Regierungen systemimmanent eher auf der geschwindigkeitsreduzierten Seite.
Es ist schlicht unmöglich, dass Regierungen jedem innovativen Luftzug eines Cyber-Cyber-Unternehmens folgen – auch wenn der Luftzug aus dieser Ecke derzeit eher einem mittelschweren Orkan gleicht.
Darüber hinaus haben Regierungen auch das Wohl der Unternehmen im Blick – und deren Lobbyisten im Nacken.
Und die sind deutlich zahlreicher als die Lobbyisten der Nutzerrechte.
Steppenroller – zirpende Grillen
Ne, ehrlich.
Regierungen tun etwas.
Für uns.
Die EU-DSGVO hilft dem Verbraucher und Träger von personenbezogenen Daten (ja, wir sind alle Datenträger).
Aber es dauert eben einfach sehr, sehr, sehr, sehr lange bis diese Maßnahmen wirken.
Und leider werden diese Zeiträume juristischen Vakuums von den Datensammlern genutzt.
Die beschäftigen schließlich Horden von Anwälten und ähnlichen Juristen (oder zumindest juristisch maschinenangelernte Algorithmen), um Lücken in den Gesetzestexten zu finden und juristische Klippen zu umschiffen.
Die Unternehmen sind nämlich schnell – hier fällt mir Hammy aus Over the Hedge als Sinnbild ein.
Also, was tun?

Widerstand ist…

Nein, Locutus, Widerstand ist niemals zwecklos!
Bei Widerstand geht es schon grundlegend darum, seinen Widerstand zu signalisieren.
Oder um es mit den Worten von President Thomas Whitmore zu sagen:

“We will not go quietly into the night!”

Es geht auch darum, zu zeigen, dass wir mit dieser Machtassymmetrie nicht einverstanden sind.
Es geht darum, unseren Standpunkt, unser Recht auf informationelle Selbstbestimmung zu verteidigen.
Erhöhen wir die Spannung – verstärken wir unseren Widerstand!

Was wir brauchen

Mehr Mut, mehr Initiative und zunächst:
verständlichere AGB.
Eine hilfreiche Idee wäre eine ikonografische Form von AGB.
Das würde zumindest helfen, die Regelungen der Nutzungsbedingungen schneller zu erfassen – ohne stundenlang trockene Texte zu lesen.
Dies löst jedoch noch nicht die Diskrepanz zwischen Akzeptieren und Nutzen gegenüber Ablehnen und Verzichten.
An dieser Stelle wäre eine Aufteilung einer großen, alles umfassenden AGB in diskrete Teile hilfreich.
Damit könnten – und müssten – technisch unabhängige Teile einer Plattform oder eines Dienstes auch juristisch voneinander getrennt werden.
Dadurch wäre klar, dass ich A nur zustimmen muss, wenn ich A auch wirklich zu nutzen gedenke.
Will ich nur B nutzen, muß ich mich nicht mit A beschäftigen (auch nicht hinsichtlich gewisser Rechte, die ich einem Dienst oder einer Plattform einräumen müsste).
Aber ach, ob derartiges überhaupt darstellbar und machbar ist?
Bestimmt; aber einfach wird’s nicht – möchte ich mal sagen!
Nun, wir müssen uns von einfach jetzt einfach mal verabschieden.
Was ist schon einfach?
Leben nicht, dessen bin ich mir sicher, aber lohnend!
So lohnend.
Also, sammelt euren Mut, Kämpfer für eine selbstverteidigte Privatsphäre.
Es gibt zu viel zu verlieren, um den Kopf in den Sand zu stecken.

“No retreat, baby, no surrender.”

Recht hast du, Bruce.

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